Mystery & Geheimgesellschaften

Eine verzagte Frage – Wie unwahrscheinlich es ist, dass wir alleine sind

11. August 2017

Raumforscher haben 3.623 fremde Welten nachgewiesen. Mehr als fünfzig der so genannten Exoplaneten ähneln der Erde. Diese Wandelsterne außerhalb des Sonnen-Systems haben etwa dieselbe Größe und halten so viel Abstand von ihrer Sonne, dass Wasser flüssig bleibt. Dort kann also Leben gedeihen, wie wir es kennen.

Das ist der Stand vom August 2017. Fast wöchentlich werden neue Funde gemeldet. Zudem warten tausende erkannter Anwärter darauf bestätigt zu werden. Dabei wurde bislang nur einen winziger Ausschnitt der Milchstraße nach möglichen Wohnorten durchsucht. Hoch gerechnet auf die ganze Galaxis müssten sich Millionen lebensfreundliche Welten drehen.

Trotz der beeindruckenden Ergebnisse ist über außerirdische Geschöpfe kaum mehr zu hören als die verzagte Frage: Sind wir allein im All? Wissenschaftler und beflissene Journalisten wiederholen nimmermüde, es gäbe aber keine Beweise, dass es auch anderswo kreucht und fleucht.

Deshalb darf als kleine Sensation gelten, was die amerikanische Raumfahrtbehörde unlängst bekundete. NASA-Wissenschaftler Mario Perez stellte zehn Entdeckungen auf einmal vor, die mit Hilfe der Raumsonde „Kepler“ gelungen waren, so benannt nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler aus Weil der Stadt (1571 – 1630). Dabei erklärte Perez: „Vielleicht hat uns ‚Kepler‘ schon mittelbar gesagt, dass wir nicht allein sind.“

Der wissenschaftlicher Direktor, Thomas Zurbuchen, hat gar „eine tief greifende, beispiellose Entdeckung“ angekündigt. Die verspricht er sich offenbar von dem Superteleskop E-ELT, dem „European Extremely Large Telescope“, der Europäischen Südsternwarte in den chilenischen Anden. Es soll mit einen vierzig Meter messenden Parabolspiegel Sauerstoff oder Methan in der Lufthülle von Exoplaneten aufspüren. Solche Gase würden auf Leben hin deuten.

Voraussichtlicher Aufbau des geplanten Großteleskops E-ELT (Abbildung ESA)

Dabei denken die Wissenschaftler zunächst an Mikroben. Deren Existenz scheint jedoch „über jeden Zweifel hinaus allgemein verbreitet“ zu sein. So schreibt jedenfalls der britische Astrobiologe David Darling in seinem Buch „Überall ist Leben“.

Tatsächlich können gewisse Kleinstlebewesen widrigsten Umständen trotzen. So hat man an unterseeischen Vulkanen sonderbare Daseinsformen entdeckt, die in kochendem Wasser siedeln und sich von Schwefelsäure ernähren. Man nennt sie Archäen. Sie bilden einen vormals undenkbaren Spross am Stammbaum der Natur.

Derart uriges Getier legt nahe, dass anderwärts noch Leben ganz anderer Art wimmeln dürfte. Was daraus werden kann, bezeugen mehr als 1,4 Millionen bekannte Gattungen von Pflanzen und Tieren auf dem blauen Planeten. Deshalb gehen Astrobiologen wie Darling von einem allgemein belebten Universum aus.

So besehen ist der Homo sapiens von Haus aus nicht allein. Auch wäre er nicht einmal das schönste aller Wesen. Das wird jeder zugestehen, der arabische Vollblüter im Galopp gesehen hat. Allerdings zielt die zage Frage vor allem auf so genanntes intelligentes Leben, denn „sapiens“ heißt schließlich klug. Gemeint ist: Erforschen auch andere Zivilisationen den Himmel?

Die Wahrscheinlichkeit ist überwältigend. Menschen gibt es allenfalls ein paar Millionen Jahre. Die Erde besteht indessen über vier Milliarden Jahre. Würde man diese Spanne auf zwölf Monate zusammen drücken, fiele unsere Geschichte in die letzten Sekunden vor dem Gongschlag zu Silvester. Tausende Zivilisationen hätten zuvor kommen und gehen können.

Auf etlichen Exoplaneten wäre noch mehr Zeit dazu gewesen. Die häufigsten Sterne der Milchstraße sind Rote Zwerge. So bezeichnen Astronomen kleinere Sonnen als die, die uns bescheint. Wegen des geringeren Drucks verbrennen sie ihren Vorrat an Wasserstoff langsamer und leuchten folglich länger. Ihre Planeten haben entsprechend mehr Zeit sich zu entwickeln.

 

Größenvergleich eines roten Zwergsterns mit der Sonne, (Abbildung wikimedia.org)

Nach Ansicht der kanadischen Astrobiologen René Heller von der McMaster-Universität in Ontario und John Armstrong an der Weber-Universität Odgen ist die Erde ohnehin nicht die beste aller Welten. Größere Planeten im Umkreis Roter Zwerge wären deutlich fruchtbarer. So betonten sie in der Zeitschrift „Astrobiology“. Breitere Oberflächen böten der Natur weitere Räume zu mehr Entfaltung.

Ferner habe der blaue Planet seine besten Jahre hinter sich. So lag der Gehalt an Sauerstoff in der Atmosphäre ehedem erheblich höher. Entsprechend anregender war die Atemluft. Einstmals flogen Libellen mit einer Spannweite von fast einem Meter durch die Urwälder. Damals kreiste die Erde inmitten der bewohnbaren Zone. Inzwischen nähert sie sich dem inneren Rand.

Die Ursachen dafür liegen im Werden und Vergehen der Sterne. Wie unsere Sonne verschmelzen sie Wasserstoff zu Helium und das wiederum zu schwereren Elementen wie Eisen. Daraus gewinnen sie Wärme und Leuchtkraft. Gleichzeitig dehnen sie sich und schieben die bewohnbare Zone nach außen. Deshalb wird es auf der Erde in einigen hundert Millionen Jahren zu heiß.

Einen Vorgeschmack bietet der innere Nachbarplanet Venus. Dort herrscht eine Höllenhitze von mehr als vierhundert Grad Celsius. Auf den kühlen Mars würden indessen bessere Zeiten zu kommen. Je mehr die Sonne sich dehnt, desto weiter müsste das Leben zu den äußeren Planeten oder deren Monden wandern.

Der Homo sapiens ist derzeit auf dem Sprung zum Mars. Das wird nicht sein letztes Ziel bleiben, wenn er sich nicht selber zu Grunde richtet. Er könnte der Abdrift folgen, weil sie in astronomisch großen Spannen vor sich geht.

Spätestens wenn die Sonne den Rand des Systems aufheizen sollte, müssten Raumfahrer einer fernen Zukunft ins interstellare All ausweichen. Reichen die sengenden Strahlen nicht so weit, bleibt dennoch keine andere Wahl. Hat ein Stern seinen Höhepunkt überschritten, explodiert er oder erkaltet.

Somit üben Abermilliarden Sterne der Milchstraße einen unerbittlichen Druck auf die belebte Natur aus, sich nach jüngeren oder kleineren Sternen um zu tun. Das wäre die astrophysikalische Begründung für die Panspermie, der Annahme von der allgemeinen Verbreitung des Lebens im Weltraum. Bereits um 1900 hatte der schwedische Universalgelehrte Svante Arrhenius (1859 – 1927) diese Theorie dargelegt.

Universal-Gelehrter Svante Arrhenius (Foto Wikipedia)

Mehr als hundert Jahre später wirkt es rückständig so verzagt zu fragen, ob wir allein wären. Den für uns wahrnehmbaren Teil des Alls gibt es vermutlich schon vierzehn Milliarden Jahre. Unendlich viele Zivilisationen hatten fast unendlich viel Zeit weiter ins All vor zu stoßen als die menschliche.

Viele von ihnen müssten auch die Erde erreicht haben. Das ist zumindest die Kernthese der Präastronautik, der Kunde von der Raumfahrt in der Vor- und Frühgeschichte, der Prähistorie. Sie gilt zwar manchen als Scheinwissenschaft. Aber so ist es Neuerern oft ergangen.

Ufologen sind überzeugt, dass fremde Wesen mit Unbekannten Fliegenden Objekten die Erde bis heute ansteuern. Viele Wissenschaftler meiden die Ufos allerdings wie der Teufel das Weihwasser. Sie halten interstellare Reisen für unmöglich. Die Geschwindigkeit des Lichts wäre unüberwindlich, so heißt es. Darum blieben ferne Welten angeblich unerreichbar.

Kollegen in den USA wie Ken Olum sehen das anders. Sie warnen davor, die Möglichkeiten der Raumfahrt am Stand von irdischer Forschung und Technik fest zu machen. Mit dieser Einstellung gegenüber den Vorreitern der Luftfahrt gäbe es noch keine Fluglinien.

Für zahlreiche Astronauten der Erde gilt die Anwesenheit fremden Lebensformen schon als ausgemacht. So hat Apollo-Astronaut Edgar Mitchell immer wieder öffentlich behauptet, dass Ufos Boten fremder Welten sind. Insbesondere hat er gesagt:

„Vor 500 Jahren wurde der Astronom Kopernikus als Ketzer verurteilt, weil er behauptete, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums sei. Heutzutage glaubt die Mehrheit von uns immer noch, dass die Menschheit das biologische Zentrum des Universums wäre. Wir werden so lange nicht zugeben, dass intelligentes Leben außerhalb der Erde existiert, bis wir beim Einkaufen mit einem Alien zusammenstoßen.“

Mondfahrer Mitchell war mit seiner Ansicht beileibe nicht allein. Auch sein russischer Kollege Kosmonaut Alexander Michailowitsch Samokutjajew scheint davon überzeugt zu sein. „Ich denke, wir stammen nicht von dem Planeten Erde, sondern aus dem All“, sagte der Kosmonaut in einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin der NASA. „Ich meine damit, das gilt für die Ganze Menschheit.“

Kosmonaut Alexander Michailowitsch Samokutjajew (Foto Wikipedia)

Samokutjajew ist einer der erfahrensten unter den Kosmo- und Astro- und Taikonauten. Er verbrachte zwei Langzeit-Missionen zu je einem halben Jahr auf der Internationalen Raumstation: von April bis September 2011 und von September 2014 bis März 2015. Bald soll die nächste zusammen mit seinem deutschen Kollegen Alexander Gerst folgen. Geplanter Abflug ist im Mai 2018.


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