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Sachsen im Tausch gegen Atommüll – Anti AfD-Tweet von Kirchenrepräsentant blamiert Erzbistum

29. September 2017

Ansgar Mayer ist der Kommunikationsdirektor des Erzbistums Köln, er ist ein fachlich versierter Journalist und seine Aufgabe ist es, für die Kirche im Erzbistum Köln die Public Relations zu managen. Außerdem obliegt ihm, um es fachlich auszudrücken, die Imagepflege des Erzbistums, insbesondere des Erzbischofs in den Medien.

Twitter ist ein mächtiges Medium, und Herr Mayer hat einen Tweet zum Wahlergebnis der AfD in Sachsen platziert, der ihm prompt um die Ohren fliegt:

„Tschechien, wie wär’s? Wir nehmen Euren Atommüll, Ihr nehmt Sachsen. #BTW17“

In Sachsen hat die AfD die Bundestagswahl mit einem Stimmenanteil von 27% noch vor der CDU gewonnen.

Der Post löste heftige Kritik aus. Sehr viele Nutzer hatten kein Verständnis dafür, dass ein Repräsentant der Kirche eine derart menschenverachtende Äußerung von sich gibt, indem er ein ganzes Bundesland und seine Bürger als wertloser und schädlicher als Atommüll bezeichnet. Hunderte von entsetzen Kommentaren prasselten auf Ansgar Mayer ein. Der Verbund der ostdeutschen Kirchenzeitungen, der „Tag des Herrn“, meldete sich mit einer zornigen Replik zu Wort, die aber mittlerweile aus dem Netz genommen wurde.

Mayer entschuldigte sich daraufhin für seinen „sehr spitzen, privat verfassten Kommentar“ und wandte ein, er sei „leider ähnlich missverstanden worden, wie Hiob“, von dem im Alten Testament der Ausspruch überliefert steht „Wollt ihr mich wegen meiner Worte tadeln und bemerkt nicht, dass Verzweiflung aus mir spricht?“

Diese Reaktion haben wir schon so oft erlebt, dass man sie als ein Zeitphänomen bezeichnen kann, wie es immer in Gesellschaftssystemen auftritt, in denen eine Ideologie das Denken und Fühlen der Menschen so sehr steuert und besetzt, belohnt oder abstraft, dass der Einzelne zu seinem Vorteil stets bemüht ist, seine korrekte Gesinnung zur Schau zu tragen.

Hat eine übermächtige Ideologie Religionsstatus erlangt und eine Gesellschaft im Griff, kristallisieren sich schnell solche Strukturen heraus. Es gibt dann die, die die Faust in der Tasche machen und sich, sogar innerhalb der eigenen Familie, nicht offen äußern aus Angst, isoliert und abgestraft zu werden. Denn die Blockwarte sind überall. Die Übereifrigen, die politisch Korrekten, die Petzer und Anprangerer, die sich dem Diktat der Ideologie anbiedern und „lieb Kind“ machen, einerseits, um persönlich zu reussieren und weithin sichtbar auf der „richtigen Seite“ zu stehen. Andererseits auch aus Feigheit und Angst, nur ja nicht in das Fadenkreuz der Inquisition zu geraten. Zuckerbrot und Peitsche, das ist immer das Erfolgsprinzip der ideologischen Diktatur.

Überschreitet der übereifrige Diffamierer in seliger Gewissheit, für das Abwatschen des Feindes beklatscht werden zu müssen, auch die letzten Grenzen, ist die Rechtfertigung immer dieselbe. Er ist missverstanden worden in seiner an sich aber untadeligen Motivation. So auch Ansgar Mayer, und er bekommt demzufolge auch einen Rüffel, was die Form seiner unerhörten Beleidigung und Volksverhetzung betrifft, aber inhaltlich steht Erzbischof Woelki hinter Mayer. Die heilige Inquisition hat sich zwar im Folterinstrument vergriffen, aber der Ketzer muss dennoch brennen.

Diese Verhaltensstruktur ist leider dem Menschen immanent und wird es immer sein. Eine der weniger liebenswerten Seiten des Homo Sapiens Sapiens.

Beitragsbild: Hinrichtung des Ketzers Hus Merian, Holzschnitt, gemeinfrei