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Mehr Einbürgerungen sollen Demokratie stabilisieren

14. September 2017

Zwar ist die Zahl der Einbürgerungen im letzten Jahr deutlich gestiegen. Doch im Vergleich mit anderen Ländern erhalten noch immer zu wenige Migranten die deutsche Staatsbürgerschaft, sagen Experten.

Fast acht Millionen erwachsene Migranten dürfen nicht an der kommenden Bundestagwahl teilnehmen, obwohl sie teils schon viele Jahre in Deutschland leben. Denn sie besitzen noch keinen deutschen Pass. Experten kritisieren, dass so viele Migranten nicht im Bundestag repräsentiert sind, wie nie zuvor. Sie sprechen von einem Demokratiedefizit.

„Das ist ein Problem für die Demokratie“, zitiert die WELT Dietrich Thränhardt von der Universität Münster am Donnerstag in Berlin. Denn zu wenige hier lebende Ausländer erhielten die deutsche Staatsangehörigkeit. Andere Länder hingegen seien großzügiger. Dies zeigen die Einbürgerungsquoten des Jahres 2015:

  • Schweden 6,5 Prozent
  • Niederlande 3,3 Prozent
  • USA 3,3 Prozent
  • Frankreich 2,6 Prozent
  • Schweiz 2,1 Prozent
  • Deutschland 1,4 Prozent

Zwar ist die Einbürgerungsquote hierzulande im letzten Jahr deutliche auf nunmehr 2,2 Prozent gestiegen. Doch im Vergleich mit den genannten Staaten liegt die Quote noch immer im unteren Bereich. Allerdings gibt es zwischen den Bundesländern deutliche Unterschiede. Dies zeigen die Einbürgerungsquoten des letzten Jahres:

  • Hamburg 3,7 Prozent
  • Mecklenburg-Vorpommern 3,4 Prozent
  • Thüringen 3,4 Prozent
  • […]
  • Baden-Württemberg 2,0 Prozent
  • Berlin 1,8 Prozent
  • Bayern 1,8 Prozent

Einbürgerungen dienen der Integration

„Dass Bevölkerung und Staatsvolk weitgehend zur Deckung kommen, liegt im Interesse der deutschen Demokratie“, sagte Dietrich Thränhardt am Donnertag in Berlin. Wenn alle Menschen, die dauerhaft in Deutschland wohnen, Deutsche würden, stärke das den sozialen Zusammenhalt, diene der Integration und mache das Land stabiler.

Derzeit können Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten, wenn sie mindestens acht Jahre lang in Deutschland leben und den Erwerb der deutschen Sprache und die Sicherung der Lebenshaltungskosten nachweisen können.

Die aktuell rund 100.000 Einbürgerungen pro Jahr hält der Einbürgerungsexperte Falk Lämmermann von der Landesvertretung Rheinland-Pfalz beim Bund für zu niedrig. Man könne derzeit 5,2 Millionen Ausländer einbürgern. Ein Großteil von ihnen seien EU-Bürger und Menschen, die schon mehr als 20 Jahre in Deutschland leben.

Falk Lämmermann kritisierte das komplizierte und langwierige Einbürgerungsverfahren, das mitunter sehr bürokratisch sei. „Es gibt in Deutschland noch keine Kultur, wo Einbürgerungen zum Einwanderungsprozess dazugehören“. Menschen, die bereits mehr als 20 Jahre in Deutschland leben, solle man den Zugang zur deutschen Staatsbürgerschaft erleichtern.

Zudem muss man nach Ansicht des Experten aktiv für die Einbürgerung werben. Insbesondere EU-Bürger seien seltener am deutschen Pass interessiert. „Traditionell haben Menschen aus reichen und sicheren Ländern eine geringere Motivation, sich einbürgern zu lassen“, sagte Falk Thränhardt.

Besonders selten in Deutschland einbürgern lassen sich Schweizer, Spanier, Franzosen, Amerikaner, Norweger und Japaner. Bei Migranten aus den folgenden Staaten hingegen gibt es Einbürgerungsquoten oberhalb von zehn Prozent:

  • Syrien 12,5 Prozent
  • Irak 11,7 Prozent
  • Afghanistan Prozent 10,8
  • Nigeria 11,3 Prozent
  • Kamerun Prozent 18,5 Prozent

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Berlinjournal