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Petry-Interview: Ihre neue Partei, schwere Drohungen & Personenschutz wegen unzufriedener AfD-Anhänger

13. November 2017

Berlin  – Ex-AfD-Chefin Frauke Petry steht unter Polizeischutz. „Es gibt nun nicht mehr nur von links, sondern auch von enttäuschten AfD-Anhängern viele Drohungen ich stehe ständig unter Personenschutz und kann nicht alleine zum Einkaufen gehen.“ sagte sie dem Tagesspiegel (Samstagausgabe).

Sie könne nun nicht einmal ohne die Beamten einkaufen gehen. Für ihre Kinder sei es seit ihrem AfD-Austritt aber einfacher geworden. „Sie wurden ja nicht nur für unser politisches Tun angefeindet, sondern vor allem für diverse Ausfälle anderer AfD-Repräsentanten“, sagte Petry.

Petry und ihre Vertrauten hatten vor kurzem die „Blaue Partei“ gegründet, in dessen Vordergrund das Bürgerforum „Blaue Wende“ stehen soll. Petry sagte dazu dem Tagesspiegel:

„Wir stellen fest, dass in der Bevölkerung das Vertrauen in Parteien seit Jahren sinkt. Europaweit suchen Bürger losere Verbünde, in denen sie sich engagieren können – das sieht man beispielsweise an Emmanuel Macrons Bewegung „En Marche“ in Frankreich. Dem trägt das Bürgerforum Rechnung – es soll eine Heimat für Konservative und Liberale werden, die auch außerhalb einer Partei nach Lösungen für gesellschaftliche Probleme suchen wollen. Ein Eintritt in die „Blaue Partei“ ist zwar möglich – sie soll aber nur als Rahmen dienen und dazu, bei Wahlen antreten zu können. Auf den Listen der „Blaue Partei“ werden explizit nicht nur Parteimitglieder stehen, sondern auch Bürger ohne Parteibuch. (…) Wir organisieren sehr viele Veranstaltungen. Die erste in Frankfurt, aber auch in Berlin oder Sachsen. Wir planen Vorträge, aber vor allem viele kleine Regionaltreffen, bei denen diskutiert wird und man Ideen entwickelt.“

Petry erhofft sich zulauf aus den bürgerlichen Lagern und denen, die unzufrieden mit der AfD sind, dazu sagte sie „Viele Wähler wünschen sich eine bundesweite CSU – so eine Partei wollen wir sein.“ und heißt es: „Viele Wähler haben die AfD trotz inhaltlicher Übereinstimmungen nicht gewählt, weil das öffentliche Bild von Personen wie Höcke oder dem Dresdner Richter Jens Maier geprägt wurde.“ wobei sie ihre eigene Stärken z.B. in der Wirtschaftspolitik verordnet: „Zum Beispiel beim Thema Wirtschaftspolitik. In der AfD hat der Trend zu mehr Staat mit dem Wachstum der Partei zugenommen. Die ursprünglichen Ideen sind ins Hintertreffen geraten. Wir sind zum Beispiel für ein aktivierendes Grundeinkommen. Es soll nicht auskömmlich sein, weil es sonst keinen Anreiz bietet zu arbeiten. Jeder Euro aber, der über das Grundeinkommen hinausgeht, soll beim Bürger bleiben. Das ist der Unterschied zu Hartz IV, wo Zuverdienste verrechnet werden. Eine Kopplung mit Reformen sonstiger Sozialleistungen würde auch bürokratische Vereinfachungen bedeuten.“

Petry wies weiter darauf hin, dass die AfD „teilweise die Grenze zum Nationalismus“ überschritten hätte, was sie bewogen habe, aus der Partei, die sie als Vorsitzende führte, nachdem Sie den Mit-Parteigründer Bernd Lucke im Juni 2016 ausgebootet hatte, auszutreten.