Bild: Jakob Augstein, Der Freitag - Von Thomas Rodenbücher auf flickr.com - CC BY 2.0

Aug­stein & Co.: Mit diesen Rat­gebern kann die SPD nur untergehen

Da ver­handeln sie wieder, die Großen der deut­schen Politik. Am Ende wird wieder ein Papier stehen, das den Nie­dergang Deutsch­lands nicht nur begleitet, sondern beschleunigt. Selber schuld, kann man da nur sagen, wollen wir Bürger es doch so.
Es liegt aber auch an der Ver­bohrtheit der Linken, die nicht wahr­haben will, was die Ursachen für den Nie­dergang der SPD sind. Jakob Aug­stein aus SPIEGEL ONLINE heute als Bei­spiel, bevor ich dis­ku­tiere, wie die pro­gressive Linke in Frank­reich intel­lek­tuell schon viel weiter ist. Zunächst aber das rück­ständige Deutschland:

  • „Die Auf­nahme der Koali­ti­ons­ver­hand­lungen über eine neue Große Koalition mar­kiert den Anfang vom Ende der SPD als Volks­partei. Man muss kein Zeit­rei­sender sein, um zu wissen: Wenn es zu dieser Großen Koalition kommt, wird sie der SPD end­gültig den Rest geben.“
    Fazit: richtig und zu Recht. Es liegt aber an den Themen der SPD. Wer als wich­tigstes Thema die Här­te­fall­re­gelung hat und als zweit­wich­tigstes die Ver­schleu­derung des ohnehin klei­neren deut­schen Wohl­stands im Rahmen eines boden­losen Fasses im Euroraum ohne jeg­liche Gegen­leis­tungen, darf sich doch nicht wundern!

 

  • „Wo bleibt denn da die Fan­tasie? Ver­mö­gen­steuer, Erb­schaft­steuer, Spit­zen­steu­ersatz, Zumut­bar­keits­klausel bei Hartz IV, Mieten, Min­destlohn, prekäre Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse – es gibt genügend Auf­gaben für eine sozi­al­de­mo­kra­tische Politik, die bei den Men­schen ankommt. Die Selbst­ver­zwergung beginnt bei den selbst­auf­er­legten Denkverboten.“
    Fazit: alles Politik, die an Sym­ptomen, nicht den Ursachen ansetzt. Wissen wir doch, dass Woh­nungsnot und Armut erheblich durch die ver­fas­sungs­widrige, unge­steuerte Zuwan­derung unge­bil­deter und über­wiegend  nicht inte­grier­barer Men­schen ver­ur­sacht wird. Darf man aber nicht sagen und nicht schreiben.

 

  • Gestern hat mich Macron ange­rufen! sagte Schulz, und Macron wünsche sich sehr, dass die SPD in eine Große Koalition gehe. Nun wirkt der Bezug auf äußere Auto­ri­täten immer ein bisschen hilflos. Aber Schulz bemerkte gar nicht, wie absurd gerade diese gut gemeinten Rat­schläge waren: In Frank­reich ist die Sozi­al­de­mo­kratie mehr oder weniger aus­ge­löscht. Und gerade Macron hat dazu bei­getragen.“
    – Fazit: Und jetzt darf die SPD als letzten Akt nicht nur sich selber, sondern gleich das Land auf dem Altar der Ideo­logie opfern. Danke.

Dabei gibt es Linke, die weiter sind in ihrer Analyse. Die erkennen, dass der „große Elefant im Raum“ (S. Aust), über den niemand spricht, das eigent­liche Problem ist. So der Pariser Sozi­al­analyst Chris­tophe Guilluy im Interview mit dem TAGESSPIEGEL:

  • „Macron ver­körpert einen Popu­lismus von oben. Aber das Problem liegt darin, dass die Eliten heute die Bedürf­nisse der unteren Schichten igno­rieren. Wir brauchen ein radi­kales Umdenken bei denen, die gewis­ser­maßen nur die Welt von oben sehen – ob sie nun Macron oder Merkel heißen.“
    – Fazit: und von jenen, die als mediale Cla­queure ihre eigene Agenda durch­setzen wollen.

 

  • „Damit Popu­listen stark werden können, braucht es immer zwei Fak­toren – wirt­schaft­liche und kul­tu­relle. Ich gebe Ihnen ein Bei­spiel: In Frank­reich gibt es viele kon­ser­vative Wähler, welche die Zuwan­derung und den Islam kri­tisch sehen. In der ersten Runde der Prä­si­dent­schaftswahl haben sich diese Wähler im ver­gan­genen Jahr für den Kon­ser­va­tiven François Fillon ent­schieden. In der zweiten Runde haben sie nicht für den Front National gestimmt, was man ja ange­sichts der Islam­feind­lichkeit des Front National hätte erwarten können. Sondern sie gaben Macron ihre Stimme. Warum? Weil diese Wähler zu den Gut­ver­dienern zählten oder als Rentner wirt­schaftlich abge­si­chert waren. Das Bei­spiel zeigt: In der Regel müssen eine wirt­schaft­liche und eine kul­tu­relle Unsi­cherheit zusam­men­kommen, damit sich jemand für eine Partei wie den Front National oder für einen Poli­tiker wie Trump ent­scheidet. In Ost­deutschland ist dies der Fall. Dort gibt es viele Wähler, die wegen ihrer pre­kären wirt­schaft­lichen Lage auch besonders heftig in der Migra­ti­ons­de­batte reagieren – selbst dann, wenn es vor Ort gar keine Migranten gibt. Diese Wähler können nicht einfach umziehen, wenn sich die eth­nische Zusam­men­setzung in ihrer Nach­bar­schaft ändert.“
    – Fazit: Das ist nun eigentlich nicht schwer zu ver­stehen. Wie klingen denn in den Ohren dieser Men­schen die Prio­ri­täten der SPD bei den Verhandlungen?

 

  • Wenn der Mul­ti­kul­tu­ra­lismus im täg­lichen Zusam­men­leben gefordert wird, ist häufig viel Schein­hei­ligkeit im Spiel. Die­je­nigen, die sich für Offenheit gegenüber anderen Kul­turen ein­setzen, haben häufig die Mög­lichkeit, um sich herum gewis­ser­maßen eine unsichtbare Grenze zu ziehen. Man kann bei­spiels­weise in einem mul­ti­kul­tu­rellen Stadt­viertel leben, aber dann trotzdem seine Kinder auf eine Pri­vat­schule schicken. Und wer in Paris eine Wohnung für 600.000 Euro kauft, stellt damit auto­ma­tisch ein gewisses Umfeld sicher. Gering­ver­diener sind hin­gegen von Ein­wan­derung ganz anders betroffen, weil sie im Zwei­felsfall nicht einfach aus ihrem ange­stammten Viertel weg­ziehen können. Wer über ein Monats­ein­kommen von 1000 Euro verfügt, für den ist Mul­ti­kul­tu­ra­lismus nicht das­selbe wie für jemanden, der 5000 oder 10.000 Euro ver­dient.“
    – Fazit: Und das löst man eben nicht über mehr Umver­teilung, sondern über Begrenzung der Zuwanderung.

 

  • „Bei meiner Arbeit geht es sehr häufig um den sozialen Woh­nungsbau. Dabei treffe ich sehr viele Kom­mu­nal­po­li­tiker in den Ban­lieues oder in länd­lichen Regionen. Die meisten von ihnen sind Linke. Sie alle erzählen mir, dass wir einen Stopp oder zumindest eine Begrenzung der Ein­wan­derung brauchen, um die Gesell­schaft wieder zu befrieden. Das ist auch mein Ziel. Es sind Leute wie Macron, die sich der Frage bemäch­tigen müssen, wie wir mit den Ein­wan­de­rungs­strömen umgehen. Das Thema darf man nicht dem Front National überlassen.“
    – Fazit: Solange es keine ernst­hafte Strömung in der SPD gibt, die das auf­nimmt und ver­steht, hat die SPD keine Chance. Inter­es­san­ter­weise haben einige bei der Linken ange­fangen, es zu begreifen.

Übrigens: „Soziale Gerech­tigkeit“ ist nicht das bren­nendste Thema in den Umfragen.
SPIEGEL ONLINE: „Volks­partei AfD“, 22. Januar 2018
TAGES­SPIEGEL: „Macron ver­körpert Popu­lismus von oben“, 21. Januar 2018
Dr. Daniel Stelter — www.think-beyondtheobvious.com