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Wirtschaft

Fakten zur Pleite der Euroländer, die die GroKo mit unserem Geld „retten“ will

14. Februar 2018

Letzten Montag habe ich die unsinnigen und realitätsfernen Vorschläge deutscher und französischer Ökonomen zur Sanierung der Eurozone diskutiert. Heute Morgen haben wir gesehen, dass der IWF nirgendwo eine positive Konvergenz in der Eurozone erkennen kann. Jede Konvergenz ist eine auf Gebieten, die wir nicht gebrauchen können.

Mit keinem Wort erwähnen die Ökonomen, dass wir es eigentlich in weiten Teilen schon mit dem Zustand der Überschuldung zu tun haben. Dabei gibt es Studien zuhauf, so den cepDefault-Index. Im letzten Jahr hier schon präsentiert: → Entwicklung der Kreditfähigkeit der Euro-Länder 

Bevor ich die aktuellen Daten zusammenfasse, an dieser Stelle ein Vorgeschmack zur wirklichen Diskussion in Brüssel. Da kommen Merkel und Scholz mit prall gefülltem Koffer unseres Steuergeldes und wollen so tun, als hätten sie gerne eine Gegenleistung für die Großzügigkeit. Zum Beispiel eine „Konkursordnung“ für Euroländer. Zu hören bekommen sie dann (wie die FT berichtet):

  • „France’s finance minister has hit out at German-backed plans to impose debt writedowns on investors in bailed out countries, warning that the issue was a red line for Paris in talks on eurozone reform. (…)  France was opposed to any automatic mechanism that would force private sector holders of sovereign debt to take losses when a eurozone country applies for a bailout. He said the step would make the euro area more vulnerable and fuel Eurosceptic populism.“
    Fazit: Warum sollte auch jemand Pleite machen, jetzt wo wir für alles bezahlen?
  • „The Germany finance ministry argued in a paper last year that it would force investors to be more careful when buying up eurozone sovereign debt, increasing market discipline on member states and reducing the size of taxpayer-funded bailouts. The idea is strongly backed by the Dutch government. (…) Opponents of the measures, who include many eurozone finance ministers, argue automatic writedowns such as maturity extensions would create a self-fulfilling cycle of crises and spark investor panic.“
    – Fazit: Man macht es ja auch, damit die Märkte mehr Druck auf schlechte Schuldner ausüben!

Das Problem ist aber schon da! Und es ist riesig, weshalb sich die Südstaaten inklusive Frankreich auch so freuen und auch deren Gläubiger. Über die (dumme) Großzügigkeit der deutschen Politik:

Zunächst zur Methodik:

  • Der cepDefault-Index misst, wie sich die Fähigkeit eines Landes zur Rückzahlung der Auslandskredite und damit die Kreditfähigkeit entwickelt. Dies hängt nicht nur von der Verschuldung des Staates ab. Vielmehr ist die Solidität der gesamten Volkswirtschaft ausschlaggebend. Insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf den Weltmärkten beeinflusst die Kreditfähigkeit eines Landes. So führt eine Erosion der Wettbewerbsfähigkeit regelmäßig zu höheren Importen und geringeren Exporten und damit zu Leistungsbilanzdefiziten. Deren Kehrseite ist eine zunehmende Verschuldung der privaten Wirtschaftsakteure im Ausland. Der cepDefault-Index berücksichtigt daher neben den Staatshaushalten auch das Kreditverhalten der Banken, Unternehmen und Konsumenten und misst entsprechend die Entwicklung der Kreditfähigkeit des Landes insgesamt.“
    – Fazit: Das ist ein guter Ansatz. Was natürlich fehlt, ist die Frage nach der Gesamthöhe der Verschuldung. So mag eine Verbesserung noch lange nicht bedeuten, dass das Land wirklich in der Lage sein wird, seinen Verpflichtungen nachzukommen.
  • Der Index setzt an zwei auf das Kalenderjahr bezogenen und in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gemessenen Größen an: (1) am Niveau der kapazitätssteigernden Investitionen (Ik) und (2) am Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungssaldo (GFS). Von Bedeutung für den Index ist außerdem (3) die Summe aus beiden Größen.“
    – Fazit: eine konsequente Delta-Betrachtung.
  • Zu den kapazitätssteigernden Investitionen zählen die Nettowerte (nach Abschreibungen) der Anlageinvestitionen der Unternehmen sowie der öffentlichen Hand. Der Wohnungsbau zählt jedoch nicht dazu, da er zu keiner Ausweitung des Produktionspotenzials führt.“
    – Fazit: Das ist absolut richtig. Ich würde sogar so weit gehen, dass hohe Wohnungsbauinvestitionen ein Signal für abnehmende Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sind.
  • Der Gesamtwirtschaftliche Finanzierungssaldo bildet ab, wie viel Geldkapital eine Volkswirtschaft netto aus dem Ausland benötigt bzw. in das Ausland transferiert. Ein negativer GFS, also ein Nettokapitalimport, kann insbesondere folgende Ursachen haben: Erstens kann er durch – mangels Wettbewerbsfähigkeit auftretende – Leistungsbilanzdefizite des Inlands entstehen, die durch ausländische Kredite finanziert werden. Zweitens kann er entstehen, wenn Ausländer im Inland mehr (Direkt-)Investitionen tätigen als umgekehrt und dies mit den entsprechenden Geldtransfers finanziert wird. Drittens kann er entstehen, wenn Inländer in großem Umfang Kapital aus dem Ausland abziehen (Kapitalflucht) und ins Inland zurückholen.“
    – Fazit: Er geht – bekanntlich – mit entsprechenden Handelsbilanzen einher. Kapitalimport = Defizit, Kapitalexport = Überschuss.

Jetzt aber die Ergebnisse:

  • „Die Kreditfähigkeit Frankreichs ist erstmals seit 2014 wieder gesunken. Grund hierfür ist, dass Frankreich einen – wenn auch sehr geringen – Teil seiner Nettokapitalimporte nicht für kapazitätssteigernde Investitionen verwendete.“
    – Fazit: Konsum statt Investition.
  • Griechenland ist nach wie vor nicht kreditfähig und eine Trendwende ist nicht absehbar. Im Gegenteil: Der Abbau des Kapitalstocks hat sich im ersten Halbjahr 2017 beschleunigt. Die Konsumquote ist immer noch deutlich zu hoch und im ersten Halbjahr 2017 sogar wieder kräftig gestiegen.“
    Fazit: Ich dachte, die sparen (dachte ich natürlich nicht, sollte ich aber bei der Lektüre der Medien denken).
  • „Die Kreditfähigkeit von Italien verfällt seit 2010. Grund hierfür sind seit 2013 mangelnde Investitionen, die zu einem Abbau des Kapitalstocks führen. Der Abbau ist sowohl auf fehlende öffentliche als auch negative private Nettoinvestitionen zurückzuführen.“
    – Fazit: Deshalb sollen wir sie retten ungeachtet der Tatsache, dass die italienischen Privathaushalte deutlich vermögender sind, als die deutschen.
  • „Die Kreditfähigkeit von Lettland sinkt schon seit 2000. Insbesondere mangelnde private Investitionen führen dazu, dass der lettische Kapitalstock seit 2009 – mit einer Ausnahme – schrumpft. Ein Grund hierfür ist die zu hohe Konsumquote Lettlands.“
    – Fazit: o. k. Was kümmert uns Lettland.
  • „Die Kreditfähigkeit von Portugal verfällt seit 2004. Grund sind ebenfalls ein Abbau des Kapitalstocks aufgrund mangelnder privater und öffentlicher Investitionen sowie eine zu hohe Konsumquote.“
    Fazit: Und erst letzte Woche wurde von dem neuen Start-up-Wirtschaftswunder in Portugal berichtet. Oh man.
  • „Die Kreditfähigkeit Sloweniens nimmt seit 2012 ab. Ursächlich ist ein schrumpfender Kapitalstock aufgrund mangelnder privater Investitionen. Die öffentlichen Investitionen und die Konsumquote sind im Gegensatz zu vielen anderen Problemländern keine Krisenursache.“
    – Fazit: aber es ist wichtig, weil ein Privatsektor der sich falsch verhält am Ende das Land runterzieht.
  • „Die Kreditfähigkeit von Spanien verbessert sich seit 2012 kontinuierlich. Im Gegensatz zu den Vorjahren hat sich diese Verbesserung im ersten Halbjahr 2017 aber nicht mehr beschleunigt. Mittelfristig könnten die seit 2012 negativen öffentlichen Nettoinvestitionen ein Wachstumshindernis sein.“
    – Fazit: und die Demografie, ein Punkt der hier vernachlässigt wird.
  • „Die Kreditfähigkeit Zyperns verfällt – mit einer Ausnahme – seit 2004. Dies setzte sich auch 2016 fort. Der Abbau des zyprischen Kapitalstocks wurde zwar gestoppt; Zypern verwendet aber immer noch Teile seiner Kapitalimporte für den Konsum.“
    – Fazit: Klartext, Konsum auf Pump.
  • „Die Kreditfähigkeit von Belgien und Finnland hat sich unbestimmt entwickelt, die von Deutschland, Estland, Litauen, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich und der Slowakei ist gestiegen.“
    – Fazit: aber nur, wenn man die gestiegenen Verpflichtungen aus der Zuwanderung und für die Euro „Rettung“ unterschlägt!

Quelle: cep

  • „Auch der aktuelle cepDefault-Index zeigt, dass die Euro-Zone noch nicht stabil ist: Die Kreditfähigkeit der Euro-Länder entwickelt sich weiterhin stark unterschiedlich. So nimmt die Kreditfähigkeit von zwei Dritteln der Euro-Länder stetig zu, während sie in anderen Euro-Ländern kontinuierlich abnimmt oder bereits verloren ist. Zur Gruppe der Euro-Länder mit schon seit Jahren erodierender oder erodierter Kreditfähigkeit zählen Griechenland, Italien, Lettland, Portugal, Slowenien und Zypern. Mit Ausnahme von Zypern ist der Verfall der Kreditfähigkeit in diesen Euro-Ländern auf eine negative Investitionsquote zurückzuführen. Dies ist besonders problematisch, da ein Abbau des Kapitalstocks zur Verarmung der Volkswirtschaft führt, wenn er über längere Zeit anhält. Der Abbau des Kapitalstocks zeigt, dass die betroffenen Euro-Länder potentiellen Investoren keine wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen bieten können. Das oberste Ziel struktureller Reformen muss daher die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder sein.“
    Fazit: Bingo! Und natürlich eine Restrukturierung der Schulden. Dazu in dem Papier der deutschen und französischen Ökonomen – siehe Montag letzter Woche- kein Wort.

Als Beispiel hier nur Italien genauer, mit Blick auf die Wahlen im März:

Quelle: cep

  • „Italien weist seit 2013 eine negative Investitionsquote auf, (…). Im ersten Halbjahr 2017 schrumpfte der Kapitalstock im Umfang von 0,4% des BIP. Hauptgrund ist der starke Rückgang der öffentlichen Nettoinvestitionen. Diese sind seit 2012 – mit zunehmender Tendenz – negativ. Dies ist auf die hohe öffentliche Verschuldung des Staates und die dadurch bedingte hohe Zinslast zurückzuführen; der Anteil der öffentlichen Ausgaben für Zinsen ist der zweithöchste in der EU. Dieses Geld fehlt für öffentliche Investitionen. Doch auch die privaten Investitionen tragen zum Abbau des Kapitalstocks bei, denn seit 2013 sind auch sie negativ, wenn auch mit abnehmender Tendenz.“
    – Fazit: womit auch das künftige Wachstum geringer ausfällt.
  • „Während Italien von 2002 bis 2012 per saldo Kapital importierte, verlässt seit 2013 Kapital das Land. Da gleichzeitig der italienische Kapitalstock schrumpft, ist der Kapitalexport kein Zeichen hoher Wettbewerbsfähigkeit, sondern ein Zeichen von Kapitalflucht. Kapital, das dringend für Investitionen benötigt wird, verlässt das Land.“
    – Fazit: und führt bei uns zu explodierenden Target2-Salden.
  • „Die italienische Konsumquote lag von 2010 bis 2013 oberhalb der Schwelle von 100% des verfügbaren Einkommens. Von 2014 bis 2016 sank die Quote wieder auf 97,7% und stagnierte dort im ersten Halbjahr 2017. Damit liegt sie immer noch 5,1 Prozentpunkte über dem Durchschnitt des Euro-Raums von 92,6%.“
    – Fazit: Und dennoch ist die Stimmung im Land schlecht, was wir bei den Wahlen im März sehen werden.

Fazit: hier liegen die Probleme der Eurozone, nicht bei den Themen der Ökonomengruppe, die Macron dient und die deutschen Politiker anruft …

cepDefault-Index 2018, Januar 2018

FT (Anmeldung erforderlich) 8. Februar 2018

Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com