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Goldman-Sachs-Studie: Heilung ist ein schlechtes Geschäft – kranke Menschen bringen Geld!

20. April 2018

Ein Marktreport der Investmentbank Goldman Sachs für die Pharmaindustrie ringt selbst den Systemmedien verhaltene Entrüstung ab. Der amerikanische Sender CNBC titelte: „Goldman Sachs stellt in einer Biotech-Forschungs-Studie die Frage: Ist das Heilen von Patienten ein nachhaltiges Geschäftsmodell?“ (Goldman Sachs asks in biotech research report: ‚Is curing patients a sustainable business model?‘)

Die Goldman-Sachs Analystin Salveen Richter stellt zutreffend, wenn auch wenig feinfühlig fest: „Das Potential, Behandlungen zu entwickeln, die schon nach einer Anwendung die Heilung vollbringen, ist der attraktivste Aspekt der Gentechnik. Allerdings sind solche Behandlungen ganz anders zu betrachten, wenn es darum geht, ein bleibendes Einkommen zu erzielen.“

Als Beispiel führt Frau Richter an: „Bei Infektionskrankheiten wie beispielsweise Hepatitis C verringert die Heilung die Zahl der verfügbaren Patienten sowie der Virusüberträger.“

Auch das ist logisch richtig. Mehr gesunde Menschen bedeutet weniger Infektionsherde, somit stecken sich weniger neue Menschen mit Hepatitis C an.

Der Mensch als Dauerkonsument für Erzeugnisse der Pharmaindustrie geht natürlich verloren, wenn er geheilt wird, da hat Frau Richter einfach recht. Aus moralischer Sicht ist es natürlich höchst verwerflich, die Menschheit als lebende, halbkranke, dauertablettenkonsumierende, gewinnbringende Meerschweinchen von Big Pharma zu kultivieren. Als Ökonom muss man der Dame Recht geben.

Eugen Roth formulierte es seinerzeit etwas liebenswürdiger:

„Was bringt den Doktor um sein Brot?
a) die Gesundheit,
b) der Tod.
Drum hält der Arzt, auf dass er lebe,
Uns zwischen beiden in der Schwebe.

Ein praktisches Beispiel: Das Biotech-Unternehmen Gilead Sciences hatte ein Hepatitis C-Medikament auf den Markt gebracht, das Heilungsraten von 90% erreichte. Das Medikament ist sehr gut und wirksam, aber der Umsatz brach auf Dauer ein. Die Einnahmezeiten waren zu kurz und der Preisdruck auf dem Markt zu hoch. Will sagen: Das Zeug heilte die Hepatitis C zu schnell und nachhaltig. Die Konkurrenz musste, um mithalten zu können, ihre Preise senken, was den Gewinn von Gilead Sciences an den beiden hochwirksamen Medikamenten Sovaldi und Harvoni stark schmälerte. Denn eine Behandlung mit Harvoni kostete anfänglich 94.500 US-Dollar, sank dann aber im Preiskampf der Hersteller um die verbleibenden Patienten auf knapp über 50.000 US-Dollar pro Behandlung.

Das lässt nur einen Schluss für die Analystin von Goldman-Sachs zu: Um also im Geschäft zu bleiben, darf die Menge der Patienten nicht sinken, sondern sollte möglichst wachsen, zumindest aber stabil bleiben. Wenn die Analyse auch speziell für gentherapeutische Medikamente erstellt wurde, so gilt diese Feststellung natürlich auch für alle anderen (chronischen) Krankheiten. Man darf dieses Axiom logischerweise auch auf Krebs, Multiple Sklerose, Parkinson, Demenz und viele andere Erkrankungen übertragen.

Daher sind die drei von der Goldman-Sachs-Analyse erarbeiteten Lösungsstränge für eine nachhaltige Gewinnerzielung auch als bereits praktizierte, generelle Marschrichtung der Pharmaindustrie und des Gesundheitssystems zu beobachten:

Solution 1: Address large markets: Hemophilia is a $9-10bn WW market (hemophilia A, B), growing at ~6-7% annually.“

„Solution 2: Address disorders with high incidence: Spinal muscular atrophy (SMA) affects the cells (neurons) in the spinal cord, impacting the ability to walk, eat, or breathe.“

„Solution 3: Constant innovation and portfolio expansion: There are hundreds of inherited retinal diseases (genetics forms of blindness) … Pace of innovation will also play a role as future programs can offset the declining revenue trajectory of prior assets.

Übersetzung:

1„Wenden Sie sich großen Märkten zu“, also Krankheiten, die sich stetig ausbreiten, wie z. B. Hämophilie (Bluterkrankheit), ein 9-10 Milliarden-Dollar Markt, der jährlich um 6-7 Prozent wächst.

2„Behandeln Sie Erkrankungen mit hohem Vorkommen“. Spinale Muskelatrophie greift die die Neuronalen Zellen im Rückenmark an und beeinträchtigen die Gehfähigkeit, die Fähigkeit zu essen und zu atmen (und muss ständig behandelt werden).

3.„Konstante Innovation und Erweiterung des Portfolios“: Es gibt (zum Beispiel) Hunderte von genetisch bedingten Krankheiten der Retina (genetisch bedingte Blindheit, gegen die noch kein Medikament entwickelt wurde). Eine schnellere Folge von Innovationen könnte alte Medikamente durch neue ersetzen und damit die rückläufige Umsatzentwicklung ausgleichen.

Vom Standpunkt eines Unternehmens aus gesehen, sind diese Analysen und Empfehlungen vollkommen zutreffend. Definiert man die Verpflichtung eines Analysten sehr eng, nämlich dass er die aus der Analyse resultierenden Empfehlungen nach Evaluierung des Marktes ausschließlich auf die Gewinnmaximierung in ebendiesem Markt fokussiert und nicht-ökonomische Seiteneffekte und Konsequenzen ausblendet, hat die Goldman-Sachs Analyse durchaus recht.

Aspekte, die das Große und Ganze mit einbeziehen, werden dabei natürlich außer Acht gelassen. So stellt sich bei Betrachtung der Langzeitwirkungen einer solchen „Gesundheitspolitik“ die Frage, wie ein volkswirtschaftliches System sich verändern wird, wenn die Menschen darin immer kränker werden und auch langfristig in ihrer Krankheit gehalten werden und nur so weit vom „Gesundheitssystem“ behandelt werden, dass sie lebensfähig bleiben.

Das bedeutet, dass ein immer größerer Prozentsatz der Leistungsträger dieser Volkswirtschaft nur mit mehr oder weniger großen Einschränkungen oder gar nicht produktiv und erwerbsfähig sein kann. Das wird sich aber auf die Finanzkraft der Betroffenen auswirken, die irgendwann nicht mehr reicht, um die notwendigerweise parallel wachsenden Beiträge zu den Krankenkassen bezahlen zu können. Werden die nicht gedeckten Kosten solcher teurer Dauerbehandlung von der Allgemeinheit übernommen, belastet dies die stetig kleiner werdende Schicht der (noch) gesunden Leistungsträger.

Gleichzeitig werden die Einkommen sowohl der Dauerkranken als auch der Leistungsträger auf breiter Front von den Gesundheitskosten zunehmend absorbiert und der Konsum auf fast allen anderen Gebieten entsprechend eingeschränkt, was dem Rest der Volkswirtschaft aller anderen Sparten zusetzt. Eine Wirtschaftsschrumpfung wird wahrscheinlich die Folge sein. Ausbleibender Konsum wiederum führt zu Entlassungen, reduziertem Warenangebot, ausbleibende Innovationen und sinkenden Löhnen. Das löst in der Folge wahrscheinlich einen Preiskampf um die verbliebenen, finanziellen Ressourcen einer multimorbiden Gesellschaft aus. Dieser Preiskampf wird auch die bereits jetzt schon gepanschten, billigen Lebensmittel und die erzeugenden Landwirte betreffen. Es kommt allein aufgrund sinkender Lebensmittelqualität und schlechterer Ernährung schon vermehrt zu Krankheiten.

Irgendwann kippt das ganze System. Von der Amoralität einer solchen Gesundheitspolitik ganz zu schweigen.


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