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Wirtschaft

So ist es: „Deutschland droht der Realitätsschock“

19. August 2018

Der von mir sehr geschätzte Hendrik Müller kommentiert wöchentlich das Geschehen bei SPIEGEL ONLINE, beim manager magazin online und auch im Heft. Diesmal befürchtet er einen Realitätsschock für Deutschland. Wie recht er damit hat! Lesern von Stelter wohlbekannt, nicht erst seit meiner Cicero-Titelgeschichte und der Ankündigung des neuen Buches.

Hier seine Eckpunkte:

  • „Seit Dezember verschlechtert sich das Wirtschaftsklima in Deutschland. Ganz allmählich, aber doch stetig. Jeden Monat befragt das Münchner Ifo-Institut einige tausend Manager danach, wie sie ihr geschäftliches Umfeld einschätzen. Die Ergebnisse fallen immer düsterer aus. Inzwischen macht sich Pessimismus breit.“
    Stelter: Die Party kommt zu ihrem Ende und Trump ist da nur der Sündenbock.
  • „Die Lage ist vor allem deshalb heikel, weil die nächste Rezession anders verlaufen wird als die Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahrzehnte. Regierungen und Notenbanken können kaum noch gegensteuern. Bei aller Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Konjunktur, so lässt sich eines doch mit Sicherheit sagen: Die Zeiten werden rauer.“
    Stelter: Umso schlimmer ist, dass unsere Politiker die Einkommen auf den Kopf gehauen haben für Wohltaten zweifelhafter Art statt vorzusorgen.
  • Gerade den Deutschen steht ein übles Erwachen bevor. Seit 2006 erfreut sich die Bundesrepublik einer langen Wachstumsphase, unterbrochen nur von der scharfen Rezession der Jahre 2008/09. Dass Arbeitsplätze reichlich vorhanden sind und der Staatshaushalt Überschüsse ausweist („Schwarze Null“) – ja, dass Deutschland ökonomisch sowieso alles viel besser macht als andere Länder, zumal als unsere europäischen Partner –, das gehört inzwischen zu den kollektiven Gewissheiten dieser Gesellschaft.“
    StelterNein. Das ist das Märchen vom reichen Land!
  • „Als hochgradig offene Volkswirtschaft mit gigantischem Außenhandelsüberschuss übertragen sich Stimmungsschwankungen auf den Weltmärkten ziemlich direkt auf die Bundesrepublik.“
    Stelter: Besser wäre es gewesen, eine andere Politik zu verfolgen. Hat man nicht gemacht, stattdessen den Wohlstand verschleudert.
  • „Der Handelskrieg zwischen den USA und China eskaliert weiter, wenn auch bislang die tatsächlichen Maßnahmen hinter der martialischen Rhetorik zurückbleiben. Ob der Konflikt zwischen den USA und der EU tatsächlich beigelegt ist, muss sich erweisen (…).“
    Stelter: Ich denke, Trump stört sich weiter an den vielen deutschen Autos.
  • „In der Eurozone droht die Krise zurückzukehren, (…) In den kommenden Wochen wird die Links-Rechts-Regierung ihren ersten Haushalt vorlegen. Dann wird sich erweisen, ob die römischen Populisten ihren breitbeinigen Anti-EU-Sprüchen Taten folgen lassen. Die nächsten heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten wären dann wohl die Folge.“
    Stelter: Oh man, die Krise war doch nie weg!
  • „Auch in den Schwellenländern nehmen die Unsicherheiten zu. China versucht, seine überschuldeten Unternehmen zu sanieren, ohne eine Rezession auszulösen. Die Türkei steckt in einer akuten Währungskrise, (…) Die Lage im Iran spitzt sich zu, nachdem die Trump-Regierung die Sanktionen verschärft hat. Währenddessen verstrickt sich am anderen Ufer der Ölregion am Persischen Golf der junge saudische Regierungschef Mohammed bin Salman in immer neue internationale Konflikte.“
    Stelter: Und hinter allem stehen zu viele Schulden, sollte man auch erwähnen!
  • „Nach der großen Rezession von 2008/09 verfügen Notenbanken und Finanzminister kaum noch über Spielräume. Die Zinsen sind nach wie vor sehr niedrig. Unter den großen westlichen Notenbanken hat einzig die amerikanische Fed eine Reihe von Zinserhöhungen vorgenommen und begonnen, ihre gigantischen Anleihebestände abzubauen.“
    Stelter: Hätte die EZB es getan, wäre der Euro schon längst wieder in schweren Gewässern.
  • „Seit 2007 sind die Verbindlichkeiten fast überall dramatisch gestiegen. In den USA und in Großbritannien haben sich die Verschuldungsquoten verdoppelt, in der Eurozone ist der Wert im Schnitt um ein Drittel gestiegen. Eine Verschuldung in Höhe von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist die neue Norm unter den OECD-Staaten. Dass Deutschland und einige kleinere Länder ihre Finanzen noch im Griff haben, ändert nichts an dem Befund einer insgesamt angespannten Finanzlage der Staaten.“
    Stelter: im Griff? Die verdeckten Verbindlichkeiten sind explodiert.
  • „Denkbar ist ein Japan-Szenario für alle. Dort kauft die Notenbank hemmungslos die Schulden auf, die der bereits rekordhoch verschuldete Staat (Schuldenquote: 225 Prozent) zusätzlich macht. Eine radikale Politik – allerdings mit bescheidenen Effekten.“
    Stelter: Unsere Gesellschaften halten das nicht durch.

Fazit Müller: „Gerade Deutschland steht ein übles Erwachen bevor – und die Politik hat kaum Möglichkeiten gegenzusteuern.“
Stelter: Gerade die deutsche Politik hat eine erhebliche Mitschuld daran, dass uns jetzt das böse Erwachen droht!

spiegel.de: „Deutschland droht der Realitätsschock“, 12. August 2018


Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com


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