Michail Gorbatschow und Ronald Reagan in Reykjavik bei Friedensverhandlungen. Bild: RIA Novosti archive, image #46685 / Yuryi Abramochkin / CC-BY-SA 3.0
Politik

Gorbatschow: „Deutsche Presse ist die bösartigste überhaupt!“ – wieder auf‘s Neue bewiesen!

27. Dezember 2018

Er gehört noch zu denen, die den Friedensnobelpreis verdient haben. Mit seiner Politik der „Offenheit“ (Glasnost) und des gesellschaftlichen „Umbaus“ (Perestroika) öffnete er den sogenannten „Eisernen Vorhang“ zwischen Russland und dem Rest der Welt, beendete die diktatorische Nach-Stalin-Zeit, trieb die Abrüstungsverhandlungen mit den USA voran, ermöglichte die deutsche Wiedervereinigung und beendete so den Kalten Krieg. Dafür erhielt er 1990 verdientermaßen den Friedensnobelpreis. Die Welt war ihm damals zutiefst dankbar. Diese weltweite Erleichterung, dass das ewig drohende Gespenst eines atomaren Dritten Weltkrieges gebannt war, fand beispielsweise auch in dem Song der Skorpions „Wind of change“ seinen Ausdruck:

 

 

Das Abrüsten, den Umbau der russischen Gesellschaft, die Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung, wagte der russische Präsident Michail Gorbastschow im Gegenzug für das Versprechen des Westens, ebenfalls abzurüsten und die NATO nicht nach Osten auszudehnen. Die im Westen Russlands angrenzenden Länder wurden in die Freiheit und Souveränität entlassen, die Welt atmete auf.

Was dann folgte, war die plötzliche Destabilisierung und der Zerfall der Sowjetunion und eben doch eine Osterweiterung der NATO.

Ex-Präsident Gorbatschow sagte dazu später:

Die Sowjetunion hätte man erhalten müssen und können. Leider haben meine Mitstreiter und ich verloren. Und was hat man versprochen, als man die GUS schuf, die Gemeinschaft unabhängiger Staaten? – Dass außer einem Zentralstaat, den es nicht mehr geben sollte, alles andere erhalten bleibt. Gemeinsame Streitkräfte, eine Währung, eine Außenpolitik. Und dazu erhält jede Republik ihre Unabhängigkeit. Das war ein einziger Betrug und niemand, nicht die Presse, nicht die Armee, hat etwas dagegen unternommen.“

Denn Gorbatschow hatte keinen schriftlichen Vertrag zu der Frage der NATO-Osterweiterung gemacht. Er hatte den Versicherungen der Amerikaner geglaubt. Ein großer Fehler, den er später sehr bereute. Denn der Westen vereinnahmte nach und nach alle die Länder, die früher der Sicherheitskordon um Russland herum waren, in die NATO und hat sich mittlerweile in der Ukraine bis fast direkt an die Grenze zu Russland vorgearbeitet. Nur der Streifen der Lugansker und Donetzker Volksrepubliken liegt noch zwischen den Truppen des „Westens“ (USA) und der russischen Föderation. Russland ist vom Westen regelrecht betrogen und umzingelt worden.

Michail Gorbatschow, der für seine mutige Tat, das Ruder der Geschichte herumzureißen, in Russland als der Zerstörer der starken Sowjetunion gesehen wird und manche ihn sogar als Vaterlandsverräter an die Amerikaner sehen, musste nach einem Jahr Präsidentschaft fliehen. Er wurde im Westen natürlich gefeiert.

Heute, 28 Jahre nach der Verleihung des Friedensnobelpreises sind die westlichen Medien wieder auf direktem, aggressivem Konfrontationskurs mit Russland.

Der tief enttäuschte Michail Gorbatschow äußerte bereits im Mai 2009 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk sein Entsetzen über den Umgang der westlichen Medien mit Russland Vor allem die deutschen Medien seien „die bösartigsten überhaupt“. Es müsse zwanzig Jahre nach dem Mauerfall doch alles getan werden, um Russland zu verstehen, forderte er:

Wir müssen uns dafür einsetzen, dass Europa beginnt, Russland zu verstehen. Das verhindern übrigens Sie und Ihre Kollegen. Die deutsche Presse ist die bösartigste überhaupt. Als Präsident Putin in München auftrat, hat er nichts Neues verkündet. Dass er das aber mit ziemlich vielen Emotionen verband, war vielleicht das einzig Neue. Und wie empfindlich haben darauf die Politiker reagiert. Russland will niemanden bekämpfen. Wozu auch? Russland hat alles, was es braucht.“

Damals waren die Medien aber vergleichsweise noch geradezu freundlich, was ihre Darstellung Russlands und der russischen Politik betrifft. Heute kann man die Sprache der Medien in Bezug auf den russischen Präsidenten Putin und Russland nur noch als hetzerisch und kriegstreiberisch bezeichnen.

Spiegel-Titelblatt im Jahr 2014 zu dem Abschuss der MH17 über der Ukraine. Die Gesichter der Opfer sind verpixelt.

Insbesondere seit dem vom Westen zusammen mit den NGOs des Multimilliardärs Soros im Jahr 2014 inszenierten Maidan in der Ukraine hat sich der Ton extrem verschärft. Man errinnere sich an den Abschuß der malaysischen Linienmaschine MH17 über dem Grenzgebiet zwischen der Ukraine und dem Donbass. Bis heute wird mit aller Macht eine echte Aufklärung des Falles unterdrückt. Und obwohl es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die regulären, westukrainischen Truppen waren, die mit einem oder zwei Jagdfliegern die Linienmaschine vom Himmel holten, (weil diese eine sehr ähnliche Lackierung wie die Präsidentenmaschine Putins hat, der ebenfalls zu der Zeit in diesem Luftraum unterwegs war), wurde Präsident Putin ohne jeden Beweis von der deutschen Presse als Täter hingestellt. Der Kampfpilot, der verdächtig ist, die MH17 abgeschossen zu haben, beging im März 2018 Selbstmord.

Das Interview Gorbatschows beim Deutschlandfunk war 2009. Verdutzt stellte der Deutschlandfunk 2017 fest, dass das alte Interview geradezu ein Revival erlebte. Plötzlich wurde es überall geteilt und geistert seitdem immer wieder durch die Medien. Der Deutschlandfunk fühlte sich sogar veranlasst, noch einmal nachzusehen, woher denn diese „plötzliche Neubelebung“ kommt und stellte fest, dass die virale Verbreitung aus den sozialen Medien stammte und sich an der negativen Berichterstattung über Russland entzündete:

In den vergangenen Monaten und Jahren gab es immer wieder Kritik an der Berichterstattung über Russland – nicht nur der des Deutschlandfunks, sondern auch der vieler anderer Medien. Zudem sprechen viele Leute den Medien insgesamt eine Glaubwürdigkeit ab. In Zeiten von „Lügenpresse“-Vorwürfen und „Fake News“ verkauft sich das damals von uns für die Schlagzeile gewählte Zitat aus dem Interview, „Die deutsche Presse ist die bösartigste überhaupt“, offenbar sehr gut.“

Die Nachforschungen des Deutschlandfunks ergeben, dass das Gorbatschow-Interview sowohl über Facebook von den verschiedensten Accounts, unter anderem auch von AfD-Ortsverbänden, als auch über diverse bekannte, alternative Seiten verbreitet wurde – und seitdem auch immer wieder auftaucht. Ganz einfach deswegen, weil dieses Interview sehr verdichtet und nachweisbar verdeutlicht, wie sehr die deutschen Medien sich zum Werkzeug und Wadenbeißer der transatlantischen NATO-Interessen machen und diensteifrig bösartig gefärbte Meinungen verbreiten, anstelle der Fakten und wahren Geschehnisse – und heute schon wieder laut die Kriegstrommel gegen Russland schlagen. Die üble Rolle der Medien wird in diesem Fall an den geschichtlichen Abläufen der Themen, über die Michail Gorbatschow spricht, besonders gut nachvollziehbar.

 


Jetzt eintragen und News kostenlos per E-Mail erhalten:

Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad