Michail Gorbatschow und Ronald Reagan in Reykjavik bei Friedensverhandlungen. Bild: RIA Novosti archive, image #46685 / Yuryi Abramochkin / CC-BY-SA 3.0

Gor­bat­schow: „Deutsche Presse ist die bös­ar­tigste über­haupt!“ — wieder auf‘s Neue bewiesen!

Er gehört noch zu denen, die den Frie­dens­no­bel­preis ver­dient haben. Mit seiner Politik der „Offenheit“ (Glasnost) und des gesell­schaft­lichen „Umbaus“ (Pere­stroika) öffnete er den soge­nannten „Eisernen Vorhang“ zwi­schen Russland und dem Rest der Welt, beendete die dik­ta­to­rische Nach-Stalin-Zeit, trieb die Abrüs­tungs­ver­hand­lungen mit den USA voran, ermög­lichte die deutsche Wie­der­ver­ei­nigung und beendete so den Kalten Krieg. Dafür erhielt er 1990 ver­dien­ter­maßen den Frie­dens­no­bel­preis. Die Welt war ihm damals zutiefst dankbar. Diese welt­weite Erleich­terung, dass das ewig dro­hende Gespenst eines ato­maren Dritten Welt­krieges gebannt war, fand bei­spiels­weise auch in dem Song der Skor­pions „Wind of change“ seinen Ausdruck:
 

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Das Abrüsten, den Umbau der rus­si­schen Gesell­schaft, die Zustimmung zur deut­schen Wie­der­ver­ei­nigung, wagte der rus­sische Prä­sident Michail Gor­bast­schow im Gegenzug für das Ver­sprechen des Westens, eben­falls abzu­rüsten und die NATO nicht nach Osten aus­zu­dehnen. Die im Westen Russ­lands angren­zenden Länder wurden in die Freiheit und Sou­ve­rä­nität ent­lassen, die Welt atmete auf.
Was dann folgte, war die plötz­liche Desta­bi­li­sierung und der Zerfall der Sowjet­union und eben doch eine Ost­erwei­terung der NATO.
Ex-Prä­sident Gor­bat­schow sagte dazu später:
Die Sowjet­union hätte man erhalten müssen und können. Leider haben meine Mit­streiter und ich ver­loren. Und was hat man ver­sprochen, als man die GUS schuf, die Gemein­schaft unab­hän­giger Staaten? – Dass außer einem Zen­tral­staat, den es nicht mehr geben sollte, alles andere erhalten bleibt. Gemeinsame Streit­kräfte, eine Währung, eine Außen­po­litik. Und dazu erhält jede Republik ihre Unab­hän­gigkeit. Das war ein ein­ziger Betrug und niemand, nicht die Presse, nicht die Armee, hat etwas dagegen unternommen.“ 
Denn Gor­bat­schow hatte keinen schrift­lichen Vertrag zu der Frage der NATO-Ost­erwei­terung gemacht. Er hatte den Ver­si­che­rungen der Ame­ri­kaner geglaubt. Ein großer Fehler, den er später sehr bereute. Denn der Westen ver­ein­nahmte nach und nach alle die Länder, die früher der Sicher­heits­kordon um Russland herum waren, in die NATO und hat sich mitt­ler­weile in der Ukraine bis fast direkt an die Grenze zu Russland vor­ge­ar­beitet. Nur der Streifen der Lug­ansker und Donetzker Volks­re­pu­bliken liegt noch zwi­schen den Truppen des „Westens“ (USA) und der rus­si­schen Föde­ration. Russland ist vom Westen regel­recht betrogen und umzingelt worden.
Michail Gor­bat­schow, der für seine mutige Tat, das Ruder der Geschichte her­um­zu­reißen, in Russland als der Zer­störer der starken Sowjet­union gesehen wird und manche ihn sogar als Vater­lands­ver­räter an die Ame­ri­kaner sehen, musste nach einem Jahr Prä­si­dent­schaft fliehen. Er wurde im Westen natürlich gefeiert.
Heute, 28 Jahre nach der Ver­leihung des Frie­dens­no­bel­preises sind die west­lichen Medien wieder auf direktem, aggres­sivem Kon­fron­ta­ti­onskurs mit Russland.
Der tief ent­täuschte Michail Gor­bat­schow äußerte bereits im Mai 2009 in einem Interview mit dem Deutsch­landfunk sein Ent­setzen über den Umgang der west­lichen Medien mit Russland Vor allem die deut­schen Medien seien „die bös­ar­tigsten über­haupt“. Es müsse zwanzig Jahre nach dem Mau­erfall doch alles getan werden, um Russland zu ver­stehen, for­derte er:
Wir müssen uns dafür ein­setzen, dass Europa beginnt, Russland zu ver­stehen. Das ver­hindern übrigens Sie und Ihre Kol­legen. Die deutsche Presse ist die bös­ar­tigste über­haupt. Als Prä­sident Putin in München auftrat, hat er nichts Neues ver­kündet. Dass er das aber mit ziemlich vielen Emo­tionen verband, war viel­leicht das einzig Neue. Und wie emp­findlich haben darauf die Poli­tiker reagiert. Russland will nie­manden bekämpfen. Wozu auch? Russland hat alles, was es braucht.“ 
Damals waren die Medien aber ver­gleichs­weise noch geradezu freundlich, was ihre Dar­stellung Russ­lands und der rus­si­schen Politik betrifft. Heute kann man die Sprache der Medien in Bezug auf den rus­si­schen Prä­si­denten Putin und Russland nur noch als het­ze­risch und kriegs­trei­be­risch bezeichnen.

Spiegel-Titel­blatt im Jahr 2014 zu dem Abschuss der MH17 über der Ukraine. Die Gesichter der Opfer sind verpixelt.

Ins­be­sondere seit dem vom Westen zusammen mit den NGOs des Mul­ti­mil­li­ardärs Soros im Jahr 2014 insze­nierten Maidan in der Ukraine hat sich der Ton extrem ver­schärft. Man err­innere sich an den Abschuß der malay­si­schen Lini­en­ma­schine MH17 über dem Grenz­gebiet zwi­schen der Ukraine und dem Donbass. Bis heute wird mit aller Macht eine echte Auf­klärung des Falles unter­drückt. Und obwohl es mit an Sicherheit gren­zender Wahr­schein­lichkeit die regu­lären, west­ukrai­ni­schen Truppen waren, die mit einem oder zwei Jagd­fliegern die Lini­en­ma­schine vom Himmel holten, (weil diese eine sehr ähn­liche Lackierung wie die Prä­si­den­ten­ma­schine Putins hat, der eben­falls zu der Zeit in diesem Luftraum unterwegs war), wurde Prä­sident Putin ohne jeden Beweis von der deut­schen Presse als Täter hin­ge­stellt. Der Kampf­pilot, der ver­dächtig ist, die MH17 abge­schossen zu haben, beging im März 2018 Selbstmord.
Das Interview Gor­bat­schows beim Deutsch­landfunk war 2009. Ver­dutzt stellte der Deutsch­landfunk 2017 fest, dass das alte Interview geradezu ein Revival erlebte. Plötzlich wurde es überall geteilt und geistert seitdem immer wieder durch die Medien. Der Deutsch­landfunk fühlte sich sogar ver­an­lasst, noch einmal nach­zu­sehen, woher denn diese „plötz­liche Neu­be­lebung“ kommt und stellte fest, dass die virale Ver­breitung aus den sozialen Medien stammte und sich an der nega­tiven Bericht­erstattung über Russland ent­zündete:
In den ver­gan­genen Monaten und Jahren gab es immer wieder Kritik an der Bericht­erstattung über Russland – nicht nur der des Deutsch­land­funks, sondern auch der vieler anderer Medien. Zudem sprechen viele Leute den Medien ins­gesamt eine Glaub­wür­digkeit ab. In Zeiten von „Lügenpresse“-Vorwürfen und „Fake News“ ver­kauft sich das damals von uns für die Schlag­zeile gewählte Zitat aus dem Interview, „Die deutsche Presse ist die bös­ar­tigste über­haupt“, offenbar sehr gut.“
Die Nach­for­schungen des Deutsch­land­funks ergeben, dass das Gor­bat­schow-Interview sowohl über Facebook von den ver­schie­densten Accounts, unter anderem auch von AfD-Orts­ver­bänden, als auch über diverse bekannte, alter­native Seiten ver­breitet wurde – und seitdem auch immer wieder auf­taucht. Ganz einfach des­wegen, weil dieses Interview sehr ver­dichtet und nach­weisbar ver­deut­licht, wie sehr die deut­schen Medien sich zum Werkzeug und Waden­beißer der trans­at­lan­ti­schen NATO-Inter­essen machen und dienst­eifrig bös­artig gefärbte Mei­nungen ver­breiten, anstelle der Fakten und wahren Gescheh­nisse – und heute schon wieder laut die Kriegs­trommel gegen Russland schlagen. Die üble Rolle der Medien wird in diesem Fall an den geschicht­lichen Abläufen der Themen, über die Michail Gor­bat­schow spricht, besonders gut nachvollziehbar.
 
https://youtu.be/btZndIe63k8