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Von Karl der Große bis Gandhi: Die Helden der Menschenrechtsindustrie

Wir werden ver­waltet von einer neuen Aris­to­kratie, die sich gegen­seitig Orden umhängt, Aus­zeich­nungen ver­leiht, gut dotierte Posten ver­teilt und nur ab und zu ein Bau­ern­opfer dem Pöbel „zum Fraß vor­wirft“, damit dieses glaubt, Ein­fluss zu haben. Sekun­diert werden diese Men­schen von Olig­archen und einer Men­schen­rechts­in­dustrie, die Teil des Estab­lish­ments ist, aber durch geschickte PR so tut, als ob es Orga­ni­sa­tionen wären, deren Politik durch die Masse der Men­schen bestimmt wird. Sie ver­teilen Frie­dens­preise an Prä­si­denten, die Angriffs­kriege führen, Todes­listen exe­ku­tieren lassen und Ver­brechen der Vor­gänger ver­tu­schen, oder Aus­zeich­nungen für „Anti-Terror“ Akti­vi­täten an die weltweit größten Ter­ror­un­ter­stützer, und wäh­rend­dessen schreiben sie die Geschichte so um, dass Mas­sen­mörder zu Helden werden, ihre Kriege zu „Frie­dens­mis­sionen“ und Mas­sen­morde zu „Kol­la­te­ral­schäden“, die leider not­wendig waren, um das größere Ziel zu erreichen. Nach­folgend ein Auszug aus dem Buch „Die Men­schen­rechts­in­dustrie im huma­ni­tären Angriffs­krieg“ von Jochen Mit­schka und Tim Anderson. Das Buch beginnt damit, in die Geschichte zurück­zu­schauen, um zu ver­stehen, wie Helden erschaffen werden.
Karl der Große
Er war ein Mas­sen­mörder, der Ver­brechen gegen die Mensch­lichkeit beging, indem er Völ­kermord als übliche Politik prak­ti­zierte und der zwecks Macht­ver­breitung reli­giösen Fana­tismus schürte. Einer von Karls Rache­feld­zügen im Jahr 792 gegen die Sachsen liest sich in den frän­ki­schen Reich­s­an­nalen, die von Karls Begleitern nie­der­ge­schrieben wurden, wie folgt:
“Schleu­nigst bot er sein Heer auf und zog nach Sachsen. Hier berief er alle säch­si­schen Großen vor sich und forschte nach den Rädels­führern der letzten Empörung. Da nun alle Widukind als den Anstifter bezeich­neten, ihn aber nicht aus­liefern konnten, weil er sich nach jener Tat wieder zu den Nor­mannen (Dänen) begeben hatte, so ließ sich der König von den übrigen, die dem Rate des Ver­führers gefolgt waren, bis zu 4.500 aus­liefern und sie zu Verden an dem Flusse Aller alle an einem Tag ent­haupten. Nachdem der König so Rache genommen hatte, begab er sich in das Win­ter­quartier nach Dieden­hofen und feierte daselbst wie gewöhnlich Weih­nachten und Ostern.” (11)
Mas­senmord von 4.500 Men­schen als Rache Karls des Großen mit anschlie­ßendem Weihnachtsfest.
Das ver­zwei­felte Fest­halten der Sachsen an ihren Göttern und alt­her­ge­brachten Kult­hand­lungen mit Tier- und Men­schen­opfern war für die Christen »treu­loses Ver­halten«, das bestraft werden musste. Herzog Widukind führte auch nach Verden seine Sachsen mit Unter­stützung der Friesen gegen die Franken. Das bittere Ende kam aber nach einem letzten Sieg seiner Sachsen schließlich in der Nähe von Detmold. 3 Tage lang wurde dort auf beiden Seiten gemordet, bis der Wider­stand der Sachsen zusammenbrach.
Erneut konnte Widukind ent­kommen, stellte sich dann aber ein Jahr später frei­willig zur Taufe. Der große Karl aber hatte seinen Rache­durst immer noch nicht gestillt. Er brach zu einem »großen Ver­nich­tungszug« auf, wie der His­to­riker Rudolph Wahl bereits vor etwa 65 Jahren in seinem Buch Karl der Große schrieb:
Bio­graph Einhard erwähnte den Mas­senmord von Verden in seiner Vita Karoli Magni (12) nicht, er notierte lediglich über die Sachsen:
»Wenn sie … etwas erreicht hatten, gestattete er (Karl der Große) niemals, dass sie unbe­straft blieben, sondern zog ent­weder per­sönlich gegen sie ins Feld oder schickte ihnen seine Grafen mit einer Armee, um Rache für ihr treu­loses Ver­halten zu nehmen und gerechte Sühne zu fordern. … In breiter Front gingen die Franken bei­der­seits der großen Straße vor, die den Rhein mit der Elbe verband. Hinter ihnen regte sich kein Leben mehr. Von der Som­mer­hitze aus­ge­dörrte Wälder wurden ver­brannt, die Saaten ver­nichtet, die Häuser nie­der­ge­rissen, die Brunnen ver­schüttet. Wo sich ein ver­ängs­tigter Bauer zeigte, der zur recht­zei­tigen Flucht zu alt oder zu stolz gewesen war, wurde er nie­der­ge­metzelt. Aber es kam nir­gendwo zur Unter­werfung. Das Land war ausgestorben.«
Um die noch gele­gentlich auf­flam­menden Auf­stände einiger Sachsen gegen die Franken end­gültig zu brechen, griff Karl schließlich zum Mittel der Massendeportation.
Bei Einhard lesen wir:
“Nachdem er dann alle, die ihm Wider­stand geleistet hatten, besiegt und unter seine Herr­schaft gebracht hatte, führte er 10.000 Sachsen, die an beiden Elb­ufern gewohnt hatten, mit Frauen und Kindern aus ihrer Heimat und sie­delte sie in ver­schie­denen Gruppen zer­streut in Gallien und in Ger­manien an. … An ihrer Stelle ließ Karl in Süd­hol­stein im Jahre 804 die Obo­driten, einen sla­wi­schen Stamm, den er über die säch­si­schen Gebiete hinaus eben­falls bereits chris­tia­ni­siert hatte, ansiedeln.” (13)
Mas­sen­zwangs­um­siedlung zwecks eth­ni­scher Umge­staltung des Reiches. Wer nun behauptet, das hätte Karl der Große halt damals tun müssen, über­sieht, dass sein mar­tia­li­sches Vor­gehen viel Schmerz und Leid her­vorrief – jen­seits aller Mensch­lichkeit; dass sich von damals bis heute eine blutige Linie der Elite durch die Geschichte zieht. Leider unter­scheidet sich die Politik von heute kei­nes­falls von der damaligen.
Henry Kis­singer
Maß­geblich auf das Konto Henry Kis­singers gehen die Ver­brechen im Zusam­menhang mit dem Viet­nam­krieg, der nicht nur mit einer Lüge (Tonkin) begann, sondern auch noch wei­ter­ge­führt wurde, als er längst als ver­loren galt. Trotzdem erhielt Kis­singer für die Been­digung des ­Viet­nam­krieges – unglaublich, aber wahr – den Frie­dens­no­bel­preis! Dabei ist Kis­singer zum Bei­spiel für das exzessive »Christmas Bombing« in Vietnam ver­ant­wortlich, das zu über 500.000 Toten und 2 Mil­lionen Flücht­lingen führte. Er ist ver­ant­wortlich für die völ­ker­rechts­widrige Bom­bar­dierung Kam­bo­dschas, bei der die Lebens­grundlage der Men­schen zer­stört wurde. Noch heute leidet das Land unter zahl­reichen Blind­gängern und Muni­ti­ons­über­resten. Das Chaos führte schließlich zur Macht­er­greifung eines des­po­ti­schen Regimes, unter dem 3 Mil­lionen Men­schen ermordet wurden.
Kis­singer ist außerdem ver­ant­wortlich für die US-Politik, die es Suharto, dem Dik­tator Indo­ne­siens, erlaubte, Ost­timor anzu­greifen und zu annek­tieren. Die USA gaben ihm auf­grund von Kis­singers Meinung Rücken­de­ckung in der Welt­po­litik und lie­ferten Waffen. Die Annexion Ost­timors führte zu Tau­senden Men­schen­rechts­ver­let­zungen und Morden an der Zivilbevölkerung.
Kis­singer ist ver­ant­wortlich für den Putsch gegen den gewählten sozia­lis­ti­schen Prä­si­denten Sal­vador Allende in Chile. Selbst ­Wiki­pedia widmet dem US-ame­ri­ka­ni­schen Doku­men­tarfilm Ange­klagt: Henry Kis­singer aus dem Jahr 2002 einen umfang­reichen Beitrag und vermeldet:
“Kis­singer bereitete eine Ver­schwörung vor, die die Chi­lenen scho­ckieren sollte.”(14)
In seinen Memoiren behauptet Kis­singer, er habe mit den Ereig­nissen in Chile nichts zu tun, was offi­zielle ame­ri­ka­nische Doku­mente jedoch wider­legen. General René Schneider (15), der treu zur chi­le­ni­schen Ver­fassung stand und an einem Putsch rechter, pro­ame­ri­ka­ni­scher Militärs nicht mit­ge­wirkt hatte, wurde als Feind der USA aus­ge­macht. Eine Ent­führung Schneiders wurde vor­be­reitet. Kri­mi­nelle wurden rekru­tiert und von der CIA mit Waffen und Geld aus­ge­stattet. Bei dem Versuch seiner Ent­führung wurde Schneider ermordet. Alex­ander Haig, Mit­ar­beiter Kis­singers und ehe­ma­liger US-Außen­mi­nister, ver­sucht im Film, die Bedeutung dieser Ereig­nisse her­un­ter­zu­spielen und sagt, man habe ihn doch »nur ent­führen« wollen. Ent­führung sei nur dann ein Ver­brechen, wenn man niedere Beweg­gründe hätte. Der Jour­nalist Chris­topher Hit­chens kom­men­tiert dies mit der Bemerkung, kein Staats­anwalt würde es einem Mörder positiv anrechnen, wenn sich dieser – neben der Leiche stehend – damit her­aus­reden wolle, dass er das Opfer doch nur ent­führen wollte.
Eine Unter­su­chungs­kom­mission, das Church Com­mittee, befragte Kis­singer zu den Ereig­nissen in Chile. Ergebnis der Unter­su­chung war, dass Kis­singer über jeden Schritt des Ent­füh­rungs­plans infor­miert war und diesen unter­stützt hatte. Kurz vor der Ent­führung will Kis­singer diesen Plan jedoch wider­rufen haben. Ehe­malige Weg­ge­fährten bezich­tigen Kis­singer dafür aus­drücklich der Lüge … (16)
Kis­singer gesteht also, den gesamten Plan gekannt zu haben, behauptet aber, dass er den dann umge­setzten Plan angeblich wider­rufen hätte, sodass dieser sozu­sagen gegen seinen Willen aus­ge­führt worden wäre.
Das ist nur ein kleiner Auszug aus einer viel grö­ßeren Reihe unge­sühnter Ver­brechen dieses hoch geehrten Poli­tikers, der uns als Vorbild dar­ge­stellt wird.
Mutter Teresa
Schon am 8. März 2013 ver­öf­fent­lichte die Süd­deutsche Zeitung einen Artikel über eine Studie, die zu der Fest­stellung kam, dass »Mutter Teresa« alles andere als eine Heilige war.
502 Doku­mente und Publi­ka­tionen haben die Wis­sen­schaftler über das Leben Mutter Teresas gesichtet und nach Abzug dop­pelter Texte 287 davon aus­ge­wertet. Das von ihnen gesichtete Material mache 96 Prozent aller ver­füg­baren Lite­ratur über die Ordens­schwester aus, behaupten sie, ohne dies genauer zu erläutern.
Dennoch kommen sie zu einer ein­deu­tigen These: Der Vatikan habe den Prozess zur Selig­spre­chung Mutter Teresas mit Hilfe einer PR-Kam­pagne auf den Weg gebracht. Das dafür erfor­der­liche Wunder, das sie an einer Frau voll­bracht habe, sei später von Ärzten widerlegt worden, so die Wis­sen­schaftler. (17)
Die Hei­lig­spre­chung war also eine PR-Aktion, sagen Wis­sen­schaftler, und das »Wunder«, das zur Hei­lig­spre­chung vom Vatikan aner­kannt wurde, stellte sich als Fäl­schung heraus.
Viel­leicht ist der Frie­dens­no­bel­preis ja ins­geheim für die Men­schen reser­viert, die die größten Heuchler unter den Ver­bre­chern gegen die Mensch­lichkeit sind. Jeden­falls erhielt auch sie diesen Preis. Deut­licher in der Ver­ur­teilung der angeb­lichen Hei­ligen ist der Autor des Buches Mother Teresa: The Final Verdict (2002). (18) Auch aus diesem Buch zitiert Wiki­pedia:
Aroup Chat­terjee setzt sich in seinem Werk kri­tisch mit der Legen­den­bildung aus­ein­ander und bezweifelt in einem Interview die Effi­zienz der Hilfs­tä­tigkeit in Kal­kutta (»36.000 Kranke, die sie von der Straße auf­ge­sammelt habe. Ich fand keinen ein­zigen Men­schen, dem das pas­siert ist. …  Kran­ken­wagen des Ordens sind zum Fahr­dienst für die Schwestern umgebaut worden, und bei Hil­fe­rufen verwies der Orden auf die Ambulanz von Kal­kutta.«). … So wurden außerdem laut Chat­terjee leicht heilbare Pati­enten vom Ster­behaus nicht immer in ein Kran­kenhaus ein­ge­wiesen, sondern ihnen sei bis­weilen durch die Behandlung womöglich geschadet worden, bei­spiels­weise durch Ver­wendung nicht ste­ri­li­sierter, mehrfach ver­wen­deter Spritzen. … Wei­terhin soll die Gabe von Schmerz­mitteln untersagt worden sein. Laut Mutter Teresa sei durch das Leid eine besondere Nähe zu Jesus Christus erfahrbar, Schmerzen und Leiden seien daher positiv zu bewerten.
In dem Buch wird also beschrieben, dass Mutter Teresa bewusst Infek­tionen begüns­tigte und dass sie Schmerzen zuließ, um die Kranken Gott näher zu bringen.
Wiki­pedia erklärt, dass Mutter Teresa genau das unternahm, was nach katho­li­scher Glau­bens­lehre getan werden muss, um Hei­ligkeit zu erreichen: soziales Enga­gement, reli­giöse Rituale und Askese. Die beiden Autorinnen Susan Kwilecki und Loretta S. Wilson erkennen hierin eine zweck­be­stimmte, rational geplante Vor­ge­hens­weise, die im Gegensatz zur behaup­teten Selbst­lo­sigkeit steht (19). Bestätigt wird diese Ein­schätzung durch die Tat­sache, dass Mutter Teresa sich selbst am Lebensende jene schmerz­stil­lenden Mittel gönnte, die sie ihren Pati­enten über Jahr­zehnte ver­weigert hatte (20). Was deutlich macht, dass sie ver­mutlich eine dieser Heuchler/Innen war, die eigentlich als reli­giöse Extre­mistin ver­ur­teilt werden sollte, der es nicht um die Men­schen ging, sondern um ihre Religion und ihren eigenen Platz in der Religionsgeschichte.
Dalai Lama
In einem Vortrag an der Uni­ver­sität Wien hat Colin Goldner das Lächeln des Dalai Lama ent­larvt (21). Er beschreibt, was seine »Hei­ligkeit«, der Dalai Lama, in Wirk­lichkeit ist: Der Ver­treter einer feu­da­lis­ti­schen Theo­kratie, die mit einer Mönchs­herr­schaft die Men­schen Tibets ver­sklavt hatte. Natürlich sind die gesell­schaft­lichen Ver­hält­nisse in China, aus der Sicht einer vom Westen geprägten »Demo­kratie«, in keiner Weise vor­bildlich. Aber die Theo­kratie, die Chinas Gesell­schafts­system in Tibet ablöste, war um ein Viel­faches schlimmer gewesen, und nur die ehemals Herr­schenden, also die mit abso­lu­tis­ti­scher Macht über die Men­schen ent­schei­denden Mönche, weinen diesem System nach.
Goldner berichtet zum Bei­spiel, dass der Dalai Lama 40.000 Men­schen als per­sön­liche Leib­eigene auf Dut­zenden von Land­gütern, die für das Wohl­be­finden seiner Familie zuständig waren, sein Eigentum nannte. Und natürlich ist ein solcher Mensch eher in Freund­schaft mit der CIA und rechten Kreisen zu sehen als ein sich für Men­schen­rechte ein­set­zender Aktivist.
Es klingt unglaublich: Den Men­schen unter dieser Theo­kratie wurde lebend die Haut abge­zogen, noch im 20. Jahr­hundert wurden Augen aus­ge­stoßen, Glied­maßen abge­hackt. Jedes Kloster hatte eine Fol­ter­kammer. Und das Netzwerk der Klöster herrschte über das Land schlimmer als eine mit­tel­al­ter­liche Aristokratie.
Kommen wir nun zur Religion des Dalai Lama. Die tibe­tische Religion wird zwar formell dem Bud­dhismus zuge­rechnet, kennt aber Mil­lionen von Göttern. Nur hoch­rangige Kle­riker haben die Chance ins Nirwana zu kommen. Sicher keine Frauen. Diese Religion hat kaum etwas mit dem ursprüng­lichen Bud­dhismus gemein. Die Lehre Tibets schürt die Angst, dass unge­horsame Ange­hörige in einer der sechzehn Höllen unge­heure Qualen erleiden müssen. Die Angst war das wich­tigste Unter­drü­ckungs­werkzeug der Theo­kraten. Das größte Ver­gehen war Unge­horsam gegenüber der Theo­kratie. Die Höchst­strafe war die Wie­der­geburt als Frau. Die Regierung des Dalai Lama war ein staat­licher Ter­ro­rismus. Und so schien dem geist­lichen Führer Ter­ro­rismus auch nicht unbe­dingt ein Problem zu sein:
Ohnehin schaut er sich ins­geheim gern Kriegs- und Action­filme an, gab der indi­schen Atom­bombe seinen aus­ge­spro­chenen Segen und nannte selbst nach dem U‑Bahn-Attentat des Sek­ten­fa­na­tikers Asahara den Ter­ro­risten einen Freund, wenn­gleich nicht unbe­dingt einen vollkom­menen … (22)
Dazu sollte man auch wissen, dass Asahara Ter­rorakte geplant hatte, die über die von 9/11 weit hin­aus­gingen. Der Ter­ro­ris­ten­führer und ­Hitler-Ver­ehrer war mit zwei höchst wirk­samen Emp­feh­lungs­schreiben des Dalai Lama (als dieser bereits Nobel­preis­träger war) aus­ge­stattet gewesen, was einen Teil des Zulaufs bewirkte. Der Gift­gas­an­schlag der Sekte am 20. März 1995 war nur Vor­spiel zu viel grö­ßeren geplanten Anschlägen. Dass in den west­lichen Berichten kein Wort über den Dalai Lama ver­loren wurde, wird nicht über­ra­schen. Es gibt weitere Links, die noch mehr Ein­blicke in die Abgründe jenes vom Westen als Waffe gegen China geschmie­deten »Hei­ligen« gibt.
Die Kritik am Dalai Lama ist kei­neswegs auf obige Angaben beschränkt, sie geht aber im medialen Rummel und der poli­ti­schen Nutzung »Seiner Hei­ligkeit« voll­kommen unter. Hier noch weitere Bei­spiele: Ent­larvung der »Ent­halt­samkeit« (23) … Kin­des­miss­brauch und Giftgas (24).
Dass man in Wiki­pedia keine Beschreibung der gesell­schaft­lichen Zustände Tibets vor der Wie­der­ein­glie­derung nach China findet, wird den infor­mierten Inter­net­nutzer nicht ver­wundern. Dass das Schwer­ge­wicht der Wiki­pedia-Beschreibung auf den Exzessen gegen das gestürzte Regime – nach der chi­ne­si­schen Macht­über­nahme – liegt, ist ebenso wenig über­ra­schend. Ins­be­sondere wird »natürlich« nicht erwähnt, dass die meisten Gewalt­taten nicht von den chi­ne­si­schen Sol­daten verübt wurden, sondern von den nun gegen die Mönche auf­be­geh­renden Massen ehe­ma­liger Leib­ei­gener. Die angeb­liche Unter­drü­ckung Tibets durch China ist reine Pro­pa­ganda. Oft wird bei solchen Vor­würfen auf die längst über­wundene Phase und die Ver­brechen der Kul­tur­re­vo­lution Bezug genommen, die aber ganz China betrafen. Und bei Wiki­pedia fehlt jeder Hinweis, der die Kon­takte des Dalai Lama zu Ver­tretern des Natio­nal­so­zia­lismus und der CIA beleuchtet.
Zurück­bli­ckend kann man fest­stellen, dass seit der Ver­leihung des Frie­dens­no­bel­preises an den Dalai Lama 1989 diese »Ehrung« immer wieder als Waffe des Westens gegen poli­tische Gegner miss­braucht wird.
Gandhis Gewalt­lo­sigkeit
Bei Wiki­pedia findet man fol­gende Beschreibung Gandhis:
Gandhi … war ein indi­scher Rechts­anwalt, Wider­stands­kämpfer, Revo­lu­tionär, Publizist, Moral­lehrer, Asket und Pazifist. … Schon zu Leb­zeiten war Gandhi welt­be­rühmt, für viele ein Vorbild und so aner­kannt, dass er mehrmals für den Frie­dens­no­bel­preis nomi­niert wurde. In seinem Todesjahr wurde dieser Nobel­preis sym­bo­lisch nicht ver­geben. Ebenso wie Nelson Mandela, Aung San Suu Kyi oder Martin Luther King gilt er als her­aus­ra­gender Ver­treter im Frei­heits­kampf gegen Unter­drü­ckung und soziale Unge­rech­tigkeit. (25)
Gandhi soll also gegen Unter­drü­ckung und für soziale Gerech­tigkeit gekämpft haben. Hier findet man keine Ein­schränkung, dass er dies nur für Inder aktiv betrieb.
Dazu bemerkt der Sozi­al­wis­sen­schaftler Rainer Roth in seinem Buch Skla­verei als Menschenrecht:
“Gandhi sah die Betei­ligung indi­scher Truppen im Rahmen der bri­ti­schen Armee als ent­schei­dende Vor­aus­setzung dafür an, dass Indien im Rahmen des Bri­ti­schen Empire gleiche Rechte auf Selbst­re­gierung zuge­standen wurden wie Aus­tralien und Kanada. In der Indian Army kämpften unter dem Kom­mando bri­ti­scher Offi­ziere rund eine Million Sol­daten. Rund 140.000 kämpften bis Ende 1915 in Frank­reich und Belgien, 675.000 standen im Mitt­leren Osten, 144.000 in Ägypten, weitere in Ost­afrika usw. … Im Herbst 1914 stellten Inder ein Drittel der bri­ti­schen Streit­kräfte in Indien. »Es kann keine Freund­schaft zwi­schen dem Mutigen und dem Ver­weich­lichten geben«, erklärte Gandhi. »Wir werden als ein Volk der Ängst­lichen betrachtet. Wenn wir uns von diesem Ver­dacht befreien wollen, müssen wir lernen, die Waffen zu gebrauchen.« … Nur auf diese Weise werde sich das »große Bri­tische Empire« davon über­zeugen lassen, die Dis­kri­mi­nie­rungen auf­zu­heben, die auf den Indern las­teten, erklärte Gandhi. Es gehe darum, den Status der white domi­nions (wie Aus­tralien, Kanada usw.) zu erlangen und die Selbst­re­gierung zu erhalten, die diese haben. … Bis zu 70.000 indische Sol­daten fielen im Welt­ge­metzel für die impe­ria­lis­ti­schen Inter­essen der Welt­macht Großbritannien. …
Auch dank der Gandhi’schen Predigt waren diese Sol­daten keine wider­wil­ligen Rekruten, sondern Frei­willige, ja sogar begeis­terte Frei­willige. … Sie dachten, sie kämpften für die Selbst­re­gierung Indiens. Die Kolo­ni­al­be­hörden schafften es dank ihrer Zusam­men­arbeit mit Gandhi und anderen Ver­tretern der indi­schen Nation, dass es nach Aus­bruch des Ersten Welt­kriegs in Indien keine Unruhen und keine Angriffe auf die bri­tische Armee gab. Diese Ruhe war auch im Sinne Gandhis. Die indische Bour­geoisie wollte sich selbst regieren, aber den eng­li­schen König als Staats­ober­haupt aner­kennen. (26)
Hier lesen wir also, dass es nicht um »Unter­drückte« ging, die unter­stützt werden sollten, sondern darum, dass die indische Bour­geoisie von der bri­ti­schen als gleich­be­rechtigt aner­kannt wurde.
Fast ver­zweifelt ver­sucht Wiki­pedia, nicht am Pazi­fismus Gandhis zu rütteln, kann aber nicht umhin, wenigstens die Betei­ligung am Krieg gegen die Zulus zu erwähnen:
Er rückte mit nur 24 Mann an und half Ver­wun­deten beider Seiten. ­Gandhi war von der Gewalt der mili­tä­risch weit über­le­genen Briten bestürzt, die den Auf­stand im Juli 1906 brutal nie­der­schlugen und die Über­le­benden sowie sym­pa­thi­sie­rende Zulu inhaf­tierten oder depor­tierten. … und warf sich seit dem grausam nie­der­ge­met­zelten Zulu-Auf­stand häufig vor, Gewalt­taten anderer nicht ver­hindern zu können. (27)
Laut Wiki­pedia war Gandhi von der Gewalt der Briten also bestürzt. Roth und die von ihm zitierten Autoren sehen die Person Gandhi und seine Taten in diesem Zusam­menhang in einem ganz anderen Licht:
Gandhi unter­stützte das ras­sis­tische British Empire in dessen Kriegen gegen die Buren (1899–1902) und gegen die Zulus in Natal (1906). Er diente im Buren­krieg (1899–1902) in einer indi­schen Sani­täts­einheit. Er unter­stützte die Unter­drücker seines eigenen Volkes, indem er sich an der Unter­drü­ckung anderer Völker betei­ligte. Um den Wider­stand der Buren nie­der­zu­schlagen, rich­teten die Briten erstmals Kon­zen­tra­ti­ons­lager ein, in denen sie bevorzugt Frauen und Kinder inter­nierten. Viele von ihnen starben. …
Nachdem eine Kopf­steuer erhoben worden war, töteten Zulus 1906 in Natal zwei Poli­zisten. Die schwachen bewaff­neten Kräfte der Zulus wurden mit Maschi­nen­ge­wehren nie­der­gemäht. Viele Zulus wurden aus­ge­peitscht bzw. öffentlich erhängt. Gandhi kannte keine Gnade gegenüber den Zulus, auch wenn er keinen nen­nens­werten Wider­stand von ihnen wahr­nehmen konnte und erst recht keinen Auf­stand. Er stand bedin­gungslos auf der Seite des bri­ti­schen Empire. »Doch ich glaubte damals, das bri­tische Empire bestehe zum Besten der Welt. … Ich hatte das Gefühl … der Regierung von Natal meine Dienste anbieten zu müssen«, schrieb er. … Die Regierung Natals zeichnete sich durch besonders ras­sis­tische Gesetze zur Ver­treibung von Indern aus. Gandhi wurde im Rahmen eines indi­schen Ambu­lanz­korps der bri­ti­schen Armee zum Feld­webel ernannt. Er wollte damals auch bewaffnete indische Mili­tär­ein­heiten zur Unter­drü­ckung der Zulus auf­stellen, aber die bri­tische Mili­tär­be­hörde lehnte ab. (28)
Demnach wollte Gandhi sogar bewaffnete indische Mili­tär­ein­heiten dem bri­ti­schen Empire zur Ver­fügung stellen, um damit noch besser Zulus zu unter­drücken. Eine Tat­sache, die weit­gehend, zum Bei­spiel auch in Wiki­pedia, ver­schwiegen wird.
Roth ist nicht der Einzige, der erklärt, das Gandhi ein Rassist war, der am indi­schen Kas­ten­system fest­halten und es nicht, wie immer wieder behauptet wurde, besei­tigen wollte. In einem Interview mit der Zeit sagte die indische Schrift­stel­lerin Arundhati Roy:
“Gandhi hat darauf bestanden, alle Kasten sollten bei ihrer erb­lichen Arbeit bleiben, aber keine Kaste solle für nobler gelten als eine andere – damit wollte er die Men­schen dazu bringen, sich über ihre Ernied­rigung sogar noch zu freuen.” (29)
Es ging also kei­neswegs um das Auf­lösen des indi­schen Kas­ten­systems, sondern vielmehr um das Anpassen an die Bedin­gungen der Zeit, um sicher­zu­stellen, dass billige Arbeits­kräfte auch wei­terhin zur Ver­fügung standen, mit denen der Mit­tel­stand seinen Wohl­stand mehren konnte. Nur deshalb hat Gandhi das Thema Unbe­rühr­barkeit bekämpft. Es passte nicht mehr in die moderne Orga­ni­sation der Gesell­schaft. Aber die Frage »von Rechten – auf Land, Bildung, öffent­liche Dienst­leis­tungen« ist die wirk­liche Pro­ble­matik der Kasten in Indien.
Auch die Behauptung, Gandhi wäre ein Ver­treter der Gewalt­lo­sigkeit gewesen, ein abso­luter Pazifist, ist ein längst wider­legtes Nar­rativ, wie es schon weiter oben über seine Zeit in Süd­afrika anklang. Wolfgang Dietrich schreibt über einen kri­ti­schen Autor:
“Gandhis Zugang zum Thema Gewalt­lo­sigkeit lehnt er noch ent­schie­dener ab als Krish­na­murti … weil er ihn für Gewalt­un­ter­drü­ckung im aske­ti­schen Stil indi­scher Tra­dition hält. … Der Asket aber wendet die Gewalt gegen sich selbst – und das wirft er Gandhis aske­ti­schen Insze­nie­rungen vor. Er geht so weit, Gandhi als für den Aus­bruch der kol­lek­tiven Gewalt im Zuge der indi­schen Unab­hän­gigkeit ursächlich zu sehen, weil dieser zuvor die Unter­drü­ckung der Gewalt gepredigt habe. So habe Gandhi und mit ihm ganz Indien die Gewalt des Aggressors in sich auf­ge­laden, ohne sie zu trans­for­mieren. Oshos gänzlich ener­ge­ti­sches Ver­ständnis vom Sein schließt daraus, dass die im langen Frei­heits­kampf unter­drückte Energie sich letztlich in einer Orgie phy­si­scher Gewalt ent­laden musste. Ein Befund, in dem ihm so mancher west­liche Psy­cho­ana­ly­tiker folgen könnte, auch wenn das poli­tisch inkorrekt ist.” (30)
Peter Conzen schreibt in seinem Buch über die Grund­po­si­tionen von Erik H. Erikson und dessen Meinung zu Gandhi:
“Gerade in Gandhis mora­li­schem Rigo­rismus zeige sich viel an unter­drückter Gewalt gegen sich selber und andere. Ein ver­kappter Sadismus spreche bei­spiels­weise aus Äuße­rungen, in denen Abscheu gegen Sinnlich-Trieb­haftes sich mit Vor­würfen gegen Frau und Kinder koppelt. Scho­nungs­loser als andere Bio­graphen rechnet Erikson mit Gandhis Frau­enbild ab, vor allem der bis­weilen her­ab­set­zenden Behandlung von Kas­turba.” (31)
Gandhis Aufruf zur Gewalt­lo­sigkeit war im Prinzip ein Aufruf zur Gewalt gegen sich selbst. Gandhi hat so seine Anhänger auf­ge­fordert, durch Gewalt­lo­sigkeit gegenüber dem Feind sich selbst Gewalt anzutun oder antun zu lassen. Was nicht nur zu spä­teren Explo­sionen der Gewalt führte, sondern auch zu vielen Opfern der Gewalt, gegen die man nicht vorging.


Text­auszug aus: Jochen Mit­schka und Tim Anderson: „Die Men­schen­rechts­in­dustrie im huma­ni­tären Angriffs­krieg“ Kopp Verlag, 2018.
11 Hans Dol­linger: Schwarzbuch der Welt­ge­schichte – 5000 Jahre der Mensch des Men­schen Feind, Komet, Frechen 1999, S. 120.
12 Mar­ga­rethe Wevers: Dis­ser­tation: Ein­hards Vita Karoli Magni in der mit­tel­al­ter­lichen Geschichts­schreibung und Hel­densage, Marburg 1929, online: http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/b/b073817.pdf.
13 Ebd.
14 Ebd.
15 Alex Gibney, Eugene Jarecke: The Trials of Henry Kis­singer, Doku 2002, online: https://www.rogerebert.com/reviews/the-trials-of-henry-kissinger-2002.
16 Ebd.
17 Tobias Matern: »Alles, nur keine Heilige«, in: Süd­deutsche Zeitung, 8. März 2013, http://www.sueddeutsche.de/panorama/studie-kratzt-an-mythos-­mutter-teresa-alles-nur-keine-heilige‑1.1618899.
18 Aroup Chat­terjee: Mother Teresa – The Final Verdict, Meteor Books, 2002.
19 Susan Kwilecki, Loretta S. Wilson: »Was Mother Teresa Maxi­mizing Her Utility? An Idio­graphic App­li­cation of Rational Choice Theory«, in: Journal for the Sci­en­tific Study of Religion, Vol. 37, No. 2, Juni 1998, S. 205–221.
20 Colin Goldner: »Hinter dem Lächeln des Dalai Lama«, Vortrag an der Uni­ver­sität Wien, 18. Mai 2012, https://www.youtube.com/watch?v=SDuqayOx2Nw.
21 Ebd.
22 Fritz R. Glunk: »Ent­hüllung eines Denkmals«, in: Die Gazette, Nr. 15, Juli 1999, online: http://gazette.de/Archiv/Gazette-15-Juli1999/Leseproben1.html.
23 Heidrun Beiß­wenger: »Die Sexua­lität des Dalai Lama«, in: Das Ade­linde-­Ge­spräch, 23. März 2010, online: https://www.adelinde.net/die-­sexualitat-des-dalai-lama/.
24 Revo­lu­tionär Sozia­lis­tische Orga­ni­sation: »Kin­des­miss­brauch und Giftgas: Die wirk­liche Welt des Dalai Lama«, online: http://www.sozialismus.net/kategorien/143-asien-pazifik/china/42-kindesmissbrauch-und-giftgas-die-­wirkliche-welt-des-dalai-lama.
25 Wiki­pedia: »Mohandas Karam­chand Gandhi«, https://de.wikipedia.org/wiki/Mohandas_Karamchand_Gandhi.
26 Rainer Roth: Skla­verei als Men­schen­recht, Argument Verlag, Hamburg 2015, S. 519–521.
27 Wiki­pedia: »Mohandas Karam­chand Gandhi«, https://de.wikipedia.org/wiki/Mohandas_Karamchand_Gandhi.
28 Rainer Roth: Skla­verei …, a. a. O., S. 523.
29 Jan Roß: »Gandhis ver­gif­tetes Erbe«, Zeit Online, 9. Oktober 2014, http://www.zeit.de/2014/40/arundhati-roy-indien-gandhi-kastensystem.
30  Wolfgang Dietrich: Varia­tionen über die vielen Frieden, Band 1: Deu­tungen, Springer VS, 2008, S. 343.
31 Peter Conzen: Erik H. Erikson: Grund­po­si­tionen seines Werkes,
Kohl­hammer, Stuttgart 2010, online: https://books.google.de/books?id=
NnFtDAAAQBAJ&lpg=PP1&hl=de&pg=PT233#v=twopage&q&f=true.