Politik

Österreich: Spät-Entnazifizierung eines Weines durch hypermoralische Kinderschänder-Künstler

19. Dezember 2018

Es war das Jahr 1922, da gelang einem Winzer aus der Steiermark die Kreuzung der Rotweinsorten St. Laurent und Blaufränkisch zu einer neuen Züchtung, die er selber Rotburger nannte. Der Name des Winzers lautete Friedrich Zweigelt. Der Schöpfer der neuen Rebsorte war schon lange tot, als 1975 eine neue Qualitätsweinrebsorten-Verordnung in Österreich in Kraft gesetzt wurde, nach deren Regelungen der „Rotburger“ den Namen seines Züchters bekam: „Zweigelt“. Unter diesem Namen wurde der Rotwein nun seit 43 Jahren erfolgreich verkauft.

Dr. Friedrich Zweigelt war ein überzeugter Nationalsozialist, bereits 1933 Mitglied der NSDAP und 1938 Direktor der Weinbauschule am Stift Klosterneuburg. Dort soll er einen Schüler namens Josef Bauer, Mitglied in der Widerstandsgruppe um den Klosterneuburger Chorherrn Roman Scholz, an die Gestapo verraten haben. Auch hier gilt der Satz: Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.

Jetzt aber meldet sich ein Institut, das bisher nur sehr wenige kannten, und startet die Aktion „Abgezweigelt“, womit das Institut auf eine „traurige Wahrheit“ aufmerksam machen möchte, nämlich dass die österreichische Weinwirtschaft – wie kein anderer Wirtschaftszweig – ihre nationalsozialistische Vergangenheit verschweige.

Was für ein wohlfeil-dümmlicher Satz. Hätte die österreichische Weinwirtschaft in der Zeit des Dritten Reiches ihre Weinproduktion einstellen müssen? Hätten die Weingüter derer, die damals Hitler wählten, sofort enteignet werden müssen? Von wem denn? Hätten alle Traubensorten nach kommunistischen und jüdischen Dichtern und Politikern umbenannt werden müssen? Gerade in einer Zeit, damals wie heute, wo ideologische Intoleranz und Unterdrückung jedes freie Wort erstickt, spielen sich die Vorreiter der heute herrschenden Unterdrückungsklasse als Hypermoralisten und Richter über einen Denunzianten auf. Sie denunzieren und terrorisieren eifrig selber und stiften andere – bis in die Kindergärten – dazu an.

Wer ist denn dieses „Institut ohne direkte Eigenschaften“? Ein Name, der schon nichts Gutes verheißt und heutzutage in der Regel ein mühsam-witzig daherkommendes, pseudo-kompetentes Vehikel für ideologischen Gesinnungsterror signalisiert, ähnlich dem „Zentrum für politische Schönheit“, was hinter der wenig überzeugenden Attitüde von „Kunst“ versucht, sich vor der Strafbarkeit ihrer brutalen Schikanier-Aktionen zu verpissen.

Und Bingo! Nach kurzer Recherche findet man sich in der Vermutung bestätigt. Das besagte Institut, abgekürzt IODE, auch „Perinetkeller“ genannt, weil es ein Keller in der Perinetgasse in Wien ist, beschreibt sich selbst als Kultort des radikalsten künstlerischen Avantgarde Europas, auch in der Welt zwischen Scheibbs und Nebraska in Kunstkreisen berühmt. Soso. Also nicht falsch gelegen, es ist tatsächlich sowas ähnliches, wie das „Zentrum für politische Schönheit“.

Einer der wichtigsten Figuren dabei ist ein Otto Muehl, daneben Günter und Anna Brus, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler. Auf der eigenen Webseite beschreibt dieser Olymp der Kunstvollkommenheit seine berühmesten Aktivitäten:

In diesem Jahr (1970) wurde Muehl mitgeteilt, dass der Perinet-Keller vom Gesundheitsamt zwangsgeräumt worden war. Die Behörde entsorgte die Bilder und Skulpturen des Künstlers, die im Keller gelagert wurden, als Abfall. «BesucherInnenrekord» gab es in der Perinetgasse am 28. Juni 1963. 300 AnrainerInnen und AnhängerInnen der «wahren Kunst» versammelten sich, schaulustig bis angriffslustig gestimmt, in der Gasse, in der Otto Muehl und Hermann Nitsch zu einem öffentlichen Schaumalen auf dem Asphalt und anschließend zum «Fenstersturz einer Küchenkredenz» aus dem Haus Perinetgasse 1 einluden. Bevor das passieren konnte, brach die in großer Zahl anwesende Polizei unter Beifall der GafferInnern die Veranstaltung ab.“

Noch eine Kostprobe?

Die «sensationellste» Aktion im Perinet-Keller ist als «Blutorgel» in die Geschichte der Avantgarde eingegangen. Adolf Frohner, Otto Muehl und Hermann Nitsch begaben sich in eine dreitägige Arbeitsklausur im Keller, indem sie dessen straßenseitigen Eingang in einer dramatischen Inszenierung (der Keller besaß ja auch einen Ausgang Richtung Stiegenhaus, sodass von einer Selbsteinkerkerung keine Rede sein konnte) zumauerten. Nitsch setzte hier erstmals richtiges Blut als Malfarbe ein. Das «Blutorgelmanifest» informierte: «Wir haben uns zur Befriedung der Menschheit entschlossen, vier Tage in das Gewölbe niederzusteigen – woselbst wir uns einmauern lassen. Drei Tage schrankenlose Enthemmung, Befreiung von aller Brunst, Transponierung derselben in Blech, Schrott, verwesenden Abfällen, Fleisch, Blut, Gerümpel usw., die ganze Materie des Kosmos wollen wir verwandeln. Wir selbst werden uns nach diesen dreitägigen Exerzitien, bei welchen wir weder essen noch schlafen noch unsere Körper pflegen – natürlich ohne Frauen – gereinigt der feierlichen Ausmauerung entgegensehen.“

Noch Fragen, warum das Gesundheitsamt einschritt?

Das ist aber noch nicht alles: 1988 wurde ein Strafverfahren gegen Otto Muehl eröffnet, in dem auch Mitglieder seiner Künstlerkommune gegen Muehl aussagten. Ihm wurde im Verlauf des Prozesses nachgewiesen, dass das „gemeinsame Aufziehen des Nachwuchses“ für Muehl auch sexuellen Missbrauch sowie der Vergewaltigung von Kindern und Jugendlichen mit einschloss. Überdies soll er die Jugendlichen der Kommune mit Drogen versorgt haben. 1991 wurde er wegen Vergewaltigung, Unzucht mit Unmündigen und Suchtmittelmissbrauch zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hat bis zum Jahr 2010 keinerlei Betroffenheit oder Reue gezeigt, sondern das alles mit dem Argument, das sei Teil seiner Kunst, abprallen lassen und sich noch in der Pose des Verfolgten gesehen: Die Spießergesellschaft wolle sich an ihm rächen.

Erst im Jahr 2010 konnte er sich überwinden, seine „seinerzeitigen Opfer“ um Verzeihung zu bitten: In den Siebziger- und Achtzigerjahren habe er in seiner Kommune an den Bedürfnissen der Mitmenschen „vorbei agiert“, insbesondere „an den Bedürfnissen der Jugend“. Er habe sie befreien wollen, „stattdessen aber mit sexueller Überschreitung überrumpelt und gekränkt. Es war auf keinen Fall meine Absicht.“

Interessant hierzu auch ein Interview mit einer der Töchter von Otto Muehl, in dem sie das Leben in der Kommune beschreibt. Es geht in dem Interview um einen Film, der über das Leben in dieser Kommune gedreht wurde. Sie sagt zu den Missbräuchen und Vergewaltigungen:

Es kommen ja auch echt sehr schockierende Szenen vor. Viele Themen, die im Film aufkommen und wie verschiedene Menschen aus der Kommune auch unter Muehl gelitten haben, gehen mir ja auch sehr nahe.
Bei mir gab es diese ganzen Strukturen zum Glück nicht mehr so krass, weil ich eben so viel jünger bin, aber Luzi, der im Film vorkommt und auch der Bruder von meinem Bruder ist, so wie auch ganz viele andere Leute, hat echt Schreckliches miterleben müssen.“

Wer könnte berufener sein, als Hüter der Moral und des Anstands und des Guten und Schönen einzutreten und seine Stimme gegen den belasteten Namen „Zweigelt“ zu erheben, als das „Institut ohne direkte Eigenschaften“?