Der Epstein-Skandal um seinen „Lolita-Express“ interessiert mich nur am Rande. Ich habe im Juli mal dazu recherchiert, weil mich die deutsche Berichterstattung misstrauisch gemacht hatte. Das Ergebnis war nicht überraschend: Die deutschen Medien halten mit den Kernen des Skandals hinter dem Berg, sie versuchen die engen Kontakte von Bill Clinton zu Epstein herunterzuspielen und stattdessen Trump in die Nähe von Epstein zu rücken.
Dabei hat Trump im Gegensatz zu Clinton den Kontakt zu Epstein nicht nur lange vor der ersten Anklage gegen Epstein abgebrochen, sondern es war ausgerechnet Trump, der als einziger Prominenter bei der ersten Anklage gegen Epstein den Anwälten der geschädigten Mädchen Hilfe angeboten hatte. Ich möchte nicht alles wiederholen, was ich vor vier Wochen dazu geschrieben habe. Ich empfehle Ihnen dringend, diesen Artikel zu lesen, bevor Sie hier fortfahren. Auch ich habe das eben nochmal getan, denn obwohl ich ihn selbst geschrieben habe, hatte ich auch nicht mehr alle Details im Kopf.
Wie man es dreht und wendet: Epstein scheint eine ganze Brigade von internationalen A‑Prominenten, darunter möglicherweise auch zum Beispiel Bill Clinton, Prinz Andrew und viele andere, in seinem Flugzeug und auf einer Insel in der Karibik mit teilweise minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben. Nach seiner Festnahme und der Ankündigung eines öffentlichen Gerichtsprozesses dürften viele dieser Herrschaften unruhig geschlafen haben.
Wie der Zufall es will, habe ich den Fall in letzter Zeit mit einigen Menschen diskutiert, die sich mit dem Fall weit besser auskennen, als ich. Und egal, mit wem ich gesprochen habe, jeder war sich sicher, dass Epstein den Beginn des Prozesses nicht erleben wird. Wenn er angefangen hätte, in der Hoffnung auf Strafminderung auszusagen, dann hätte es wahrscheinlich im Establishment ein Erdbeben gegeben. Meine Gesprächspartner und ich waren uns einig, dass Epstein vor dem Prozess Selbstmord begehen würde. Ein Mord würde zu viel Aufmerksamkeit erregen, ein Selbstmord wäre der Öffentlichkeit leichter zu verkaufen.
Und so ist es ja auch gekommen. Und wie schon früher bei dem Fall Epstein, zeigt der Spiegel, dass er lieber so wenig wie möglich berichtet. In einem Artikel heute wird der Selbstmord Epsteins gemeldet, in einem zweiten wird gemeldet, dass das FBI den Tod untersuchen soll. In dem zweiten Artikel kann man lesen:
„Das New Yorker Gefängnis, in dem Epstein saß, gilt als eines der sichersten der USA. Der berüchtigte mexikanische Drogenbaron Joaquín „El Chapo“ Guzmán hatte dort zwei Jahre verbracht“
Wie es aber sein kann, dass sich in diesem sicheren Gefängnis jemand einfach umbringt, fragt der Spiegel nicht. Die US-Medien tun es aber und so kann man in der New York Times lesen:
„Mr. Epstein hat sich erhängt. Er wurde am Samstagmorgen um 6.30 Uhr gefunden“
Wie kann sich jemand in einem der sichersten Gefängnisse der USA mal eben erhängen? Zumal der Spiegel noch schrieb:
„Sein mutmaßlicher Suizid in einer als Hochsicherheitsgefängnis geltenden Anstalt mitten in Manhattan wirft Fragen auf. (…) Zusätzlich zum FBI soll auch der Generalinspekteur des Justizministeriums zu dieser Frage ermitteln. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sehen im Metropolitan Correctional Center Wärter eigentlich alle 30 Minuten nach den Insassen. Gilt jemand als suizidgefährdet, verkürzt sich die Zeit sogar auf 15 Minuten.“
Ja, nur galt Epstein trotz eines kürzlichen angeblichen Selbstmordversuches nicht mehr als suizidgefährdet, was der Spiegel verschweigt. Die New York Times dazu:
„Mr. Epstein stand unter besonderer Beobachtung für Suizid-Gefährdete, nachdem er am 23. Juli verletzt in seiner Zelle gefunden worden war und bekam tägliche psychiatrische Behandlung (…) Er wurde am 29. Juli von der Beobachtung für Suizid-Gefährdete genommen und in einen Spezialtrakt verlegt, einen Teil des Gefängnisses mit extra hoher Sicherheitsstufe“
Außerdem teilt die New York Times mit, dass die Ermittlungen gegen Epstein damit beendet seien, die vielen hochrangigen Gäste Epsteins in seinem „Lolita-Express“ können wieder ruhig schlafen. Der Fall ist damit wohl abgeschlossen.
Ob wir noch etwas erhellendes über die Umstände seines Todes erfahren werden? Wer weiß…
Aber das ist nebensächlich, denn der große Skandal über den Missbrauch minderjähriger Mädchen als Prostituierte durch hochkarätige Prominenz aus den USA und aller Welt, ist damit begraben und Aufklärung ist nicht mehr zu erwarten.
Schade, dass ich vor vier Wochen niemanden gefunden habe, der mit mir wetten wollte, ob Epstein den Prozessbeginn erlebt. Ich war wirklich bereit, einen hohen Einsatz zu verwetten…
Thomas Röper — www.anti-spiegel.ru
Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“
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