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Der Mythos vom aus­ster­benden Eisbär (+Video)

Viele von uns sahen mit Ent­setzen das virale Video: Ein hun­gernder Eisbär, der auf kargem Boden nach Nahrung sucht, seine Rippen sichtbar unter einem gelb-weißen Fell.
(von Jon Miltimore)
„So sieht der Kli­ma­wandel aus“, kom­men­tierte National Geo­graphic.
Das Magazin erklärte, auf­grund des durch den Kli­ma­wandels schmel­zenden Meereises würden immer mehr dieser Säu­ge­tiere ver­hungern. Sie ver­wiesen auf eine neue wis­sen­schaft­liche Studie, die darauf hin­deutet, dass Eis­bären zur Ernährung eine wesentlich höhere Kalo­rien­zufuhr benö­tigen, als bisher angenommen.
Das Video, auf­ge­nommen von den Foto­grafen Paul Nicklen und Cristina Mit­ter­meier auf Somerset Island, löste einen Auf­schrei über die Dezi­mierung der Eis­bären durch die globale Erwärmung aus.
National Geo­graphic schätzt, dass der Film von 2,5 Mil­li­arden Men­schen ange­sehen wurde. Das Video ist nach wie vor das am häu­figsten ange­sehene auf der Website von National Geo­graphic.

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Was danach geschah
Während sich viele an die Auf­nahmen des Eis­bären erinnern, wissen nicht so viele, was danach geschah.
Wie Michele Moses kürzlich in The New Yorker erklärte, warfen Wis­sen­schaftler National Geo­graphic vor, „locker mit den Fakten umzu­gehen“. Viele wiesen darauf hin, dass es keine Beweise dafür gäbe, dass der Zustand des Bären die Folge des Kli­ma­wandels war. Der Bär hätte auch einfach alt, krank sein oder an einer dege­ne­ra­tiven Krankheit leiden können.
Ein Jahr später gab Mit­ter­meier das zu.
„Ich kann nicht sagen, dass dieser Bär wegen des Kli­ma­wandels hun­gerte“, schrieb sie in National Geo­graphic.
“Viel­leicht haben wir einen Fehler gemacht, indem wir nicht die ganze Geschichte erzählt haben – dass wir nach einem Bild gesucht haben, das die Zukunft vor­aussagt und dass wir nicht wussten, was spe­ziell mit diesem Eis­bären pas­siert war.”
Der Eisbär als Symbol
Mit­ter­meier suchte nach visu­ellen Beweisen für die Zukunft, die sie sich vor­stellte, eine, die vom Kli­ma­wandel heim­ge­sucht wurde. Und sie fand an diesem Tag diesen Beweis in Gestalt eines hun­gernden Bären.

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Wie Moses vom New Yorker betont, sind Eis­bären zu einem „unbe­streit­baren Abbild des Kli­ma­wandels“ geworden.
„Die Geschichte des Kli­ma­wandels wurde zum Teil durch Bilder von Eis­bären erzählt“, schreibt Moses. „Kein Wunder: In ihrem glit­zernden, eisigen Lebensraum spiegeln sie eine jen­seitige Schönheit wider, die durch anstei­gende Tem­pe­ra­turen zer­stört zu werden droht.“
Dieses Bild eines ein­zigen, hun­gernden Bären hat wohl mehr dazu bei­getragen, um die The­matik des Kli­ma­wandels vor­an­zu­bringen, als es jedes White­paper oder jeder IPCC-Bericht hätte tun können. Leider sagt uns das Film­ma­terial relativ wenig über den aktu­ellen Zustand der Eisbärenpopulation.
Was die Zahlen sagen
Während es nicht an Schlag­zeilen mangelt, in denen erklärt wird, Eis­bären seien vom Aus­sterben bedroht, sprechen die Zahlen eine andere Sprache.
Daten von Natur­schutz­ver­bänden und der Regierung zeigen, dass die Eis­bä­ren­po­pu­lation etwa fünfmal so groß ist wie in den 1950er Jahren und drei- oder viermal so groß wie in den 1970er Jahren, als Eis­bären durch ein inter­na­tio­nales Abkommen geschützt wurden.
Obwohl Eis­bären im Jahr 2008 unter den Schutz des End­an­gered Species Act gestellt wurden, weil man befürchtete, dass ihre ark­ti­schen Jagd­gründe durch ein sich erwär­mendes Klima redu­ziert würden, ist die Eis­bä­ren­po­pu­lation seit drei Jahr­zehnten stabil.
Im Jahr 1984 wurde die Eis­bä­ren­po­pu­lation auf 25.000 geschätzt. Als 2008 die Eis­bären als geschützte Spezies aus­ge­wiesen wurden, stellte die New York Times fest, dass die Zahl unver­ändert geblieben war: „Es gibt mehr als 25.000 Bären in der Arktis, von denen 15.500 auf kana­di­schen Ter­ri­torium umherstreifen“.
Neue Schät­zungen der Inter­na­tional Union for Con­ser­vation of Nature zeigen eine Mit­tel­wert­schätzung von 26.500 (im Bereich 22.000 bis 31.000) im Jahr 2015. Im State of the Polar Report 2018 schreibt die Zoo­login Susan J. Crockford, dass nach Aktua­li­sierung der IUCN-Daten die neue globale Mit­tel­wert­schätzung bei mehr als 30.000 liegt.
Selbst wenn man von der nied­ri­geren Zahl ausgeht, ist die Schätzung die höchste, seit der Eisbär im Jahr 1973 unter inter­na­tio­nalen Schutz gestellt wurde.

Der Zustand der Eis­bä­ren­po­pu­lation steht im Wider­spruch zu den Vor­her­sagen von Wis­sen­schaftlern, die gesagt haben, zwei Drittel der Eis­bären würden in den kom­menden Jahr­zehnten auf­grund der Erwärmung und des schmel­zenden Meereises in der Arktis verschwinden.
Die gute Nach­richt, dass die Eis­bären gedeihen, wird wahr­scheinlich nicht so viel Auf­merk­samkeit erregen wie die Bilder eines hun­gernden Eis­bären, der auf Somerset Island nach Nahrung sucht. Dennoch ver­dient die Geschichte einer wie­der­auf­le­benden Eis­bä­ren­po­pu­lation es, erzählt und mit Applaus bedacht zu werden.
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Der Ori­gi­nal­beitrag mit dem Titel The Myth That the Polar Bear Popu­lation Is Declining ist am 9.9.2019 auf der website der Foun­dation of Eco­nomic Edu­cation erschienen.
Jonathan Mil­timore ist Managing Editor von FEE.org. Seine Bei­träge sind im TIME Magazine, The Wall Street Journal, CNN, Forbes, Fox News und der Washington Times erschienen.

Quelle: misesde.org