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Politik

Verfahrene Situation: Brennt die Kriegslunte gegen den Iran? US-Truppen in Saudi-Arabien um weitere 3.000 erhöht

15. Oktober 2019

Das Königreich Saudi Arabien steckt in der Klemme. Der forsche Liebling des Westens, Kronprinz Mohamed bin Salman steht vor einer krachenden Niederlage in dem unmenschlichen und vollkommen nutzlosen Jemenkrieg. Der fand im Interesse und mit den Waffenlieferungen der USA statt. Nun werden noch einmal 3.000 US-Troops hinterhergeschickt, um Koalitionstreue mit Saudi Arabien zu demonstrieren.

Man möchte Bin Salman auf jeden Fall an der Macht halten, obwohl er mal eben zwecks Erhöhung des Staatshaushaltes ein paar Dutzend saudische, steinreiche Bürger in einem Luxushotel gefangen hielt und nur gegen saftige Millionenzahlungen wieder freiließ. Und auch der ekelhafte Mord an dem kritischen Journalisten Kashoggi wurde in der „internationalen Gemeinschaft nicht so gut aufgenommen.“ Andererseits ist Prinz Bin Salman aber der beste Mann, den Israel, die USA und der Westen in der Region haben. Nur sieht sich der als „fortschrittlich“ gepriesene Thronfolger auch im eigenen Land herber Kritik ausgesetzt. Seine Machtbasis bröckelt.

Und der Israelische Regierungschef Netanjahu hat in der Region selbst kaum noch Verbündete gegen den Iran. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich aus dem sich anbahnenden Konflikt mit dem Iran wohlweislich zurückgezogen und sogar zarte, diplomatische Bande nach Teheran geknüpft. Auch Netanjahu wankt. Er hat nach zwei Wahlgängen immer noch keine stabile Regierung zuwege bringen können. Außerdem steht er vor dem Strafgericht mit zwei Prozessen.

Es steht nicht gut um die Verbündeten der USA im nahen Osten. Das große Ziel, sieben Länder in fünf Jahren umzustürzen, wird ein unlösbares Problem. Der Iran sollte den krönenden Abschluss bringen und dann, so der Plan, wäre der Nahe Osten unter der absoluten Kontrolle der USA:

Mit den „westlichen Sanktionen“ gegen den Iran hat man das Land in Elend gestürzt. Die iranischen Ölexporte, Haupteinkommensquelle des Landes, sind auf 25% zusammengekracht. Das hat entsprechende Auswirkungen auf die Menschen und die Wirtschaft. Im Iran wütet die Arbeitslosigkeit und eine galoppierende Inflation, die Arbeiter und bettelarmen Verlierer in diesem bösen Spie fangen an, sich gegen das klerikale System aufzulehnen. Gleichzeitig kann die iranische Regierung aber auf die Rückendeckung Chinas und Russlands gegen die USA und die Saudis bauen. Die beiden Mächte werden ein so wichtiges Land wie den Iran nicht den Amerikanern anheimfallen lassen. Der Iran ist eine Schlüsselmacht in der Region, und er kann sich diesem Machtkampf gar nicht entziehen.

Am 12. Oktober, zwei Tage vor der Entsendung von weiteren 3.000 US-Soldaten nach Saudi Arabien, ereignete sich ein Stück vor dem saudischen Hafen von Dschidda ein Angriff auf den iranischen Öltanker „Sabiti“. Während sich der Ölkonzern sehr zurückhaltend äußerte und die Ursache erst verifizieren wollte, hat die „Iranian Tanker Corporation“ mitgeteilt, die „Sabiti“ sei von zwei Geschossen getroffen worden. Laut Experten ist der Schaden an dem Schiff relativ klein. Der Sekretär des obersten Nationalen Sicherheitsrates des Iran, Ali Schamchani, sagte der iranischen Nachrichtenagentur, „Piraterie und Bösartigkeit in internationalen Gewässern würden nicht unbeantwortet bleiben“. Die anfängliche Behauptung, die zwei „Raketen“ seien von Saudi Arabien aus abgefeuert worden, ließ sich nicht erhärten.

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Dieser Vorfall ist nicht der einzige in der Straße von Hormus. An der für Saudi-Arabien und dem Iran lebenswichtigen Pulsader des Öltransports wird ständig an der Kriegsfackel gezündelt. Und es gibt mehrere Parteien, die Interesse daran haben, dort einen Krieg anzustacheln. Washington ließ beispielsweise im Juli ein britisches Kommando im Hafen von Gibraltar den iranischen Riesentanker „Grace 1“ entern. Sechs Wochen lang konnte der Tanker nicht ausfahren. Washington setzte alle Hebel in Bewegung, um die Abfahrt der „Grace 1“ zu verhindern. Angeblich würde das geladene Öl nach Syrien verschifft, was ein Verstoß gegen die EU-Sanktionen gegen Syrien wäre. Der Iran seinerseits machte Schlagzeilen mit der Stürmung des Tankers „Stena Impero“ in der Straße von Hormus unter dem Vorwand der Verletzung von Schifffahrtsregeln. Beide Tanker wurden wieder freigegeben. Die „Grace 1“ lief unter dem neuen Namen „Adrian Darya 1“ in dem griechischen Hafen Kalamanta ein.Gibraltar hatte einen Antrag der USA abgelehnt, den Supertanker nicht freizugeben. Washington hatte argumentiert, der tatsächliche Eigentümer sei die iranische Revolutionsgarde. (…) Das Öl an Bord sei 130 Millionen Dollar (rund 117 Millionen Euro) wert, die für die von den USA als Terrororganisation eingestufte Revolutionsgarde bestimmt seien. Gibraltar erklärte dagegen, anders als in den USA gelte diese in der EU, in Großbritannien und Gibraltar nicht als Terrororganisation und es gebe dort keine Entsprechung für US-Sanktionen gegen den Iran.“

Es steht zu befürchten, dass dieses Spiel des Kriegslunte-Anzündens erst in einen Tankerkrieg und dann in einen scharfen Krieg ausartet. Die USA verfolgt, wie im obigen Video von Ex-General Wesley Clarke eindrucksvoll bestätigt, seit fast zwanzig Jahren den Plan, sieben Länder in Nordafrika und dem Nahen Osten umzustürzen, US-Marionettenregimes einzusetzen und sich des Öls und anderer Rohstoffe zu bemächtigen. Es sind schon fünf Länder unter blutigsten Kämpfen und schrecklichen Opfern in die Knie gezwungen und verwüstet worden. Syrien erweist sich bisher als zu harte Nuss und Baschar al Assad ist immer noch Präsident.

Nun läuft aber langsam die Zeit davon. Die Weltwirtschaft und das globale Finanzsystem stehen wegen der ausufernden Überschuldung der Staaten unter massivem Druck. Besonders die USA schultern einen unglaublichen Schuldenberg. Die Zinsen sind schon im Minus um Staatsbankrotte zu verhindern, es wird Geld gedruckt und Staatsschulden gekauft auf Teufel komm raus, aber es hilft nichts mehr. In so einer Situation ist ein Krieg ein vielversprechender Ausweg. Das belebt die Rüstungsindustrie – und am Ende könnte es, so hoffen die Falken im Pentagon – doch noch ein amerikanisches Jahrhundert werden, wenn die USA noch vor einem globalen Finanzkollaps die Region mit einer letzten, großen Anstrengung unter ihre Kontrolle bekommen.

Doch dieser Krieg würde sich wahrscheinlich nicht auf den Nahen Osten beschränken. Denn Russland und China würden nicht zusehen, wie sich die USA in einem blutigen Flächenbrand alles einverleibt. Dieser Krieg könnte sehr wohl die ganze Welt erfassen. Die USA würden ihn nutzen, um auch im Südchinesischen Meer, einer weiteren, wichtigen Handelsroute, die Vormachtstellung gegen China zu erobern und das Nordpolarmeer entlang der russischen Nordküste an sich zu reißen. Allerdings sind sich Russland und China dieser Gefahr längst bewusst. Es steht zu bezweifeln, dass die USA aus einem solchen Krieg als Sieger hervorgehen würde.

Die Iraner sind ein sehr altes, großes Kulturvolk und gut bewaffnet. Ihr riesiges Land ist von hohen, ausgedehnten Bergketten umgeben. Die „Boots on the Ground“-Besatzungsmethode wird nicht funktionieren. China und Russland werden mit ihren sehr fortschrittlichen Waffensystemen die US-Streitkräfte draußen halten und können gegnerische Luftangriffe sehr verlustreich für die USA und den verbündeten Saudis und Israelis machen. Die Karten, die die USA auf der Hand haben, sind nicht gut. Und daher beobachten wir, dass US-Präsident Trump neuerdings versucht, etwas aufzuräumen:

Am 11. Oktober verkündete Präsident Trump eine Teil-Einigung mit China im Handelsstreit. „Damit kommt Entspannung in den Handelskrieg, der in beiden Ländern zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums geführt hat und die Weltkonjunktur bremst“, schreibt der Stern. Irans Präsident Ruhani ruft die USA zu Entgegenkommen auf.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang ein Bericht der „jungeWelt“ vom 09. Oktober. Unter dem Titel „IRAN/USA: Verdeckte Verhandlungen –  Gesprächs- und Arbeitskontakte zwischen dem Iran, den USA und dem EU-Trio: Eine Chronik und Einschätzung der jüngsten Ereignisse“

„Irans Präsident Hassan Rohani sorgte für allgemeine Verwirrung, als er am 27. September, aus New York von der UN-Vollversammlung kommend, nach seiner Landung auf heimatlichem Boden vor Journalisten erzählte: Die US-Regierung habe »an fast alle europäischen und nichteuropäischen Führer« die Botschaft gesandt, dass sie ein Spitzentreffen zwischen den Präsidenten beider Länder wolle und dass sie bereit sei, für dieses Ziel alle Sanktionen aufzuheben. (…) Am (…) 24. September, fanden die Gespräche Rohanis mit den Chefs des EU-Trios statt, auf die er sich später berief. Der wichtigste Vorgang: Irans Präsident stimmte zunächst dem Plan Macrons zu, eine abhörsichere Telefonverbindung zu installieren, über die er am Abend mit Trump sprechen sollte. Tatsächlich wurde diese von französischen Technikern eingerichtet, wenn man der Erzählung des Magazins Politico glauben darf, der von niemand widersprochen wurde. Aber Rohani weigerte sich schließlich doch, Trumps Anruf anzunehmen.“ 


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