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SPD-Digitalpolitiker offen für Handy-Tracking von Corona-Patienten – Spahn warnt vor gesellschaftlichen Folgen der Coronakrise

6. März 2020
Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jens Zimmermann, hat sich offen für Überlegungen zum Handy-Tracking von Coronavirus-Patienten gezeigt. „Zur Bewältigung der aktuellen Lage sollten definitiv auch alle Möglichkeiten der digitalen Unterstützung geprüft werden“, sagte Zimmermann dem „Handelsblatt“ (Montagausgabe). Die Nutzung von Bewegungsdaten auf Smartphones könnte ein Ansatzpunkt sein, so der SPD-Politiker.Solange es sich dabei um die Daten von infizierten Personen oder Verdachtsfällen handele, könnten diese ihre „Daten freiwillig zur Verfügung stellen“. Er gehe davon aus, „dass diese Zustimmung von der überwiegenden Zahl der Betroffenen erfolgen würde“, so Zimmermann. „Allerdings sollte klar sein, dass die Nutzung solcher Daten zu einer Vielzahl neuer Fragen und Probleme führen wird.“ Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte das Auslesen von Bewegungsdaten aus dem Mobiltelefon ins Spiel gebracht, um Kontaktpersonen von Infizierten aufzuspüren und so die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. „Wir wissen inzwischen, dass das technisch möglich ist“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Ein kleines Team des RKI habe mit Mitarbeitern anderer Institutionen in den vergangenen beiden Tagen eine entsprechende „Skizze“ erstellt. Für ihn sei aber auch klar, dass das nur möglich wäre, „wenn der einzelne seine Daten auch spenden würde“.

Spahn warnt vor gesellschaftlichen Folgen der Coronakrise

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnt davor, dass die Ausbreitung des Coronavirus das Zusammenleben in Deutschland belasten könnte. „Eine Gesellschaft, die unter Stress steht, lässt sich emotional leicht entflammen“, sagte Spahn dem „Spiegel“. Das beginne bei Hamsterkäufen und ende beim Umgang mit asiatischstämmigen Mitbürgern.

Die Masern seien zwar gefährlicher für den Menschen. Aber Corona sei gefährlicher für das Zusammenleben, so der CDU-Politiker weiter. Zu Beginn der Krise hatte er zur „aufmerksamen Gelassenheit“ aufgerufen. Heute würde er das anders formulieren, sagte der Gesundheitsminister. „Im Nachhinein würde ich das Wort Gelassenheit vielleicht häufiger durch Besonnenheit ersetzen. Aber gemeint ist das Gleiche. Unüberlegtes Handeln bringt nichts“, so der CDU-Politiker weiter.


Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Foto: Frau mit Telefon am Ohr, über dts Nachrichtenagentur