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Die britischen Royals haben fertig – die Menge skandiert vor dem Buckingham-Palast: „Pädophile! Pädophile!“ (+Videos)

26. August 2020

Die Strukturen bröckeln immer schneller. Eine Protestaktion „Globaler Marsch London – Freiheit für die Kinder!“ sammelte sich am Freitag, vom „Parliament Square“ herkommend, vor dem Palast des britischen Königshauses. Aber nicht um Fähnchen mit dem blau-weiß-roten „Union Jack“ zu schwenken und der Königin zu huldigen. Die Menge, die sich da gegen 13:30 Uhr versammelte, skandierte zornig „Pädophile! Pädophile!“ – was sich auf Prinz Andrew, seinen (mutmaßlichen) Missbrauch der minderjährigen Virginia Roberts und seine Verquickungen mit dem Milliardär Jeffrey Epstein bezieht. Das geschah aber nicht nur in London, sondern auch in Liverpool und Manchester, schreibt der britische Express.

Die Aufnahmen von den Ereignissen vor den Gittertoren des Buckingham-Palasts wurden auf Twitter geteilt und über eine Million Mal angesehen. Auf einigen Plakaten war das Konterfei von Prince Andrew zu sehen, der sich mit seinen Besuchen auf der „Orgieninsel Little Saint James“ seines Freundes Jeffrey Epstein in Verruf gebracht hat und sich den Anschuldigungen der damals minderjährigen Virginia Roberts wegen Missbrauchs erfolglos zu entziehen versucht. Auf den Plakaten wird Prinz Andrew, der Herzog von York, heftig beschuldigt. Prinz Andrew gibt sich immer noch unbeeindruckt vom öffentlichen Zorn und bestreitet nach wie vor das Offensichtliche. Er habe sich kein Fehlverhalten vorzuwerfen. In einem sehr peinlichen Interview redete er sogar ständig von seiner Ehrenhaftigkeit und schob die Freundschaft mit dem Kinderschänder Epstein auf seine Ahnungslosigkeit und dass er sich das, was es da an Vorwürfen gibt, überhaupt nicht vorstellen könne. Mehrfach bestritt er jede Beteiligung an den „abscheulichen Aktivitäten“ Jeffrey Epsteins. Epstein wurde im Juli 2019 wegen Sexhandels und des mutmaßlichen Missbrauchs von hunderten von Mädchen verhaftet. Er starb in seiner Gefängniszelle.

Die Bewegung „Globaler Marsch für die Freiheit der Kinder“ veröffentlichte auch auf Facebook die Gründe für ihren Protest. Hier heißt es: „Der Zweck dieses Marsches für einen Wandel ist, die jetzige Wirklichkeit des Missbrauchs und der Ausbeutung von Kindern in unserer eigenen Nachbarschaft und unseren eigenen Gemeinde und auf der ganzen Welt ins Bewusstsein zu bringen.“

„Wir wollen unsere Hingabe und Entschlossenheit zeigen, diese Kinder, unsere am meisten gefährdeten Gemeinschaften, zu schützen. Dazu fordern wir von unserer Regierung und den Strafverfolgungsbehörden Änderungen und Reformen, damit sichergestellt wird, dass die Justiz so reformiert wird, dass die Ausbeutung von Kindern erheblich reduziert wird und gleichzeitig das Bewusstsein dafür gefördert wird, dass dieses ständige Problem endlich beendet wird.“

Ein Demonstrant twitterte: „Ich war dort. Es war ein friedlicher Spaziergang, gefolgt von einer Gruppenmeditation. Es begann am London Eye, ging weiter zum Palast und dann zur Downing Street.“ Das ganze wurde von der Facebookgruppe „Freiheit für die Kinder“ organisiert für die Organisation #EndChildTrafficking (Stoppt den Kinderhandel). Wir hatten dabei die volle Unterstützung der Polizei.“

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Die ganzen unappetitlichen Geschichten der britischen Royals – es soll noch ein anderes Mitglied der königlichen Familie in Sex-Skandale verwickelt sein –  hat den Ruf der Königsfamilie schwer ramponiert. War Königin Elisabeth II bisher geradezu ein Heiligtum und die Briten überzeugte Anhänger der alten Zeremonien und des Königshauses, verliert die alte Königin immer mehr Rückhalt im Volk. Was noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen wäre, wird plötzlich öffentlich diskutiert: Die Monarchin soll durch ein gewähltes Staatsoberhaupt ersetzt werden.

Ihre Autorität und Befugnisse werden hinterfragt, republikanische Kampagnen zur Abschaffung der Monarchie erhalten Zulauf. Der Geschäftssführer der republikanischen Bewegung, Graham Smith, sagte gegenüber Express.co.uk, dass die Königin technisch gesehen zwar Autorität habe, aber dass alles nur über Boris Johnson gehen muss. Der britische Monarch diene letztendlich nur sich selbst, eine wirkliche Autorität habe der Throninhaber nicht. Er habe eigentlich keine andere Aufgabe, als die Monarchie zu schützen.

Schon jetzt zähle letztendlich sowieso fast immer der Wille des Premierministers Johnson, das habe man auch im letzten Jahr sehr deutlich gesehen. Königin Elisabeth II habe eigentlich immer nur das getan, was Premierminister Boris Johnson wollte. Sie besitze überhaupt keine wirkliche Autorität, um irgendetwas durchzusetzen oder zu stoppen. Mr. Smith geht noch einen Schritt weiter und sagt:

„Wie wir gesehen haben, sind Monarchen auf der ganzen Welt und in der Geschichte vollkommen nutzlos. Sie können keine Diktatur stoppen. Als Beispiel führte er die Diktaturen im Königreich Thailand an oder den König von Italien während Benito Mussolinis Herrschaft. Monarchen seien keine Verteidiger der Demokratie, sondern eher das Problem.“

Das alles liegt nach Ansicht von Graham Smith daran, dass die britische Verfassung ziemlich vage und verwirrend sei – was sie übrigens mit der angelsächsischen Gerichtsbarkeit gemeinsam hat.

Die Ansicht von Mr. Graham Smith mag sehr einseitig sein. Mr. Smith wischt dabei völlig beiseite, dass ein gutes Königshaus eine nicht zu unterschätzende Klammer für eine Gesellschaft ist, identitätsstiftend und kulturtragend. Gute Monarchen sind Landesväter und Landesmütter und müssen nicht ständig hinter Umfragen und Wahlergebnissen her hecheln. Das lebenslange Amt bringt mehr Weitblick und Gelassenheit in die Landespolitik und mit dem Pomp zu traditionellen Festen und Jahrestagen feiert sich eine Nation auch immer selbst und ist stolz auf ihre Tradition und ihre Königsdynastie, die aber auch immer ein gutes Beispiel und Vorbild sein muss. Gute Monarchen sind das Bindeglied zwischen Volk und Geschichte. Bis vor wenigen Jahren war Königin Elisabeth II auch respektiert und geachtet für ihren Fleiß, ihr gutes Auftreten, ihre strenge Lebensführung und ihre alles überragende Disziplin. Die Briten nahmen ihr ab, dass sie eine gute Repräsentantin ihres Landes ist und für das Wohl des Vereinigten Königreiches hart arbeitet.

Den Namen des Königshauses haben allerdings ihre Nachkommen und Anverwandten ziemlich ramponiert. Zu lange schon und zu oft erschütterten Skandale und Tragödien die starren Strukturen der Royals. Verbreitete die Hochzeit des Sohnes Charles mit Lady Diana noch Freudentaumel weit über Großbritannien hinaus, kriselte es einige Jahre später schon heftig. Charles wandte sich ab von der „Rose Englands“ und der eher unansehlichen und spröden Camilla zu, Diana ihrerseits suchte auch Trost in den Armen anderer Männer, zuletzt bei dem Sohn des Kaufhausbesitzers Al Fayed, Dodi Al Fayed.

Schon der tragische Tod Lady Dianas ließ einen bösen Verdacht aufkeimen, der bis heute weder bestätigt, noch ausgeräumt werden konnte: Hat das britische Königshaus die „Abtrünnige“, die auch noch schwanger von Dodi Al Fayed war, beiseite geräumt, um den Thron zu schützen? Auch Dianas Söhne leisteten sich später viele Eskapaden. Doch Prinz Andrew hat sie mit seinen Skandalen alle in den Schatten gestellt, ganz besonders mit dem mutmaßlichen Missbrauch Minderjähriger. Das alles hat den Glanz des vorbildhaften, disziplinierten Königshauses nachhaltig ruiniert. Nun ist es möglicherweise soweit gekommen, dass die alte Königin das britische Königshaus an seinen Skandalen scheitern und untergehen sehen muss. Manchen Briten wird das als das endgültige Ende des ehrwürdigen, alten British Empire sehr schmerzen.