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Politik & Aktuelles

Herbeigetestete Pandemie? Ein Mathematikstudent demontiert den Inzidenzwert (+Videos)

1. April 2021

Es macht im Volk schon längst die Runde: Die Inzidenzwerte, die über unsere Bürgerrechte bestimmen, werden auch durch vermehrtes Testen erreicht. Wir alle wissen, dass es falsch positive PCR-Tests gibt und dass deren Fehlerquote bei ca. einem Prozent liegt. Und nicht weit darüber liegt der Prozentsatz der positiv Getesteten. Je mehr man testet, umso mehr Inzidenzen bekommt man so auf 100.000 Einwohner. Und es wird nicht überall gleichviel getestet, aber immer auf 100.000 Einwohner hochgerechnet. Ein Mathematikstudent aus Bayerisch Gmain hat jetzt auf diesen Fehler aufmerksam gemacht – und die Merkel-Regierung tut, was sie immer tut: Ignorieren und weitermachen.

Viele Ärzte, Landräte und Politiker der Landespolitik geben unter der Hand zu, dass sie sich mit der Testerei auch nicht wohl fühlen. Diese Praxis, einfach so lange so viele zu testen, bis man wieder die willkürlich festgelegte Zahl für den Lockdown beisammen hat, geht mittlerweile auch denjenigen Bürgern auf den Nerv, die eigentlich der Regierung vertrauen möchten.

Ein Student zerrupft den Inzidenzwert

Dieser Eindruck wird jetzt durch simple Mathematik bestätigt. Der Mathematikstudent im achten Semester brachte ein Video heraus, in dem er das genau darlegt. Es ist der mathematische Beweis für das, was dem einfachen Bürger schon lange schwant: Die Inzidenzwerte stimmen so nicht wirklich.

Auch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) erhielt die Berechnungen von Patrick Schönherr. Genau diese Problematik kennt sie gut. Immer wieder wird auch in ihrem Landkreis Berchtesgadener Land heftig über das Thema diskutiert, und mit Recht, findet sie. Daher leitete sie Schönherrs Unterlagen mit seinen Berechnungen an das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege weiter.

Auch andere haben diesen Wert als willkürliches Zahlenwerk entlarvt

Der junge Mann, der auf Lehramt studiert, ist nicht der Einzige, dem das Zahlenwerk des RKI als fraglich aufgefallen ist. Aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, finden sich da seiner Meinung nach einige Fehler:

Dass diese Inzidenzwerte keiner echten Überprüfung standhalten, ist schon mehrfach behauptet und dargelegt worden, hier ein Video der Stiftung „Corona Ausschuss“:

Warum ist man überhaupt von dem ursprünglichen und nachvollziehbaren R-Wert zu dem seltsamen Inzidenzwert übergegangen? Etwa weil der angeblich erlösende R-Wert unter 1 längst erreicht ist, aber die Pandemie nicht zu Ende sein darf, weil das nicht in den großen Plan passt? Kein geringerer, als Hans Georg Maaßen erklärt das hier:

Wie wenig exakt die ganze Inzidenzrechnerei grundsätzlich schon ist, zeigt dieses Video sehr anschaulich:

Text dazu:

„Mit der 7-Tage-Inzidenz 35, 50, 100 des positiven PCR-Tests wird derzeit die epidemische Lage festgelegt und damit schwerwiegende Grundrechteeinschränkungen begründet. 

Das neu erweiterte Infektionsschutzgesetz bzw. das s.g. ‚Drittes Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite‘ weist der Exekutive anhand dieses Inzidenzwertes Grundrechte einschränkende Befugnisse zu. Massive Grundrechtbeschneidungen: Ausgangssperre, Maskenzwang, Beschränkung der Freizügigkeit, der Reisefreiheit bis hin zum Berufsverbot. 

Jede Menge guter Gründe, mal zu gucken, ob es mit den Inzidenzen seine Ordnung hat. Wir untersuchen hier nicht einmal die Tatsache, dass der Wert willkürlich festgelegt wurde. Auch lassen wir außen vor, dass ein positiver PCR-Test keine Diagnose darstellt. Es ist damit ja nicht gesagt, dass jemand erkrankt an Covid-19, ein Intensivbett benötigt oder überhaupt ein Leiden hat. Ja nicht einmal eine Infektion ist damit festgestellt. 

Wir gehen nur von einem Sachverhalt aus: Zumindest müsste man valide den Inzidenzwert berechnen können, als basalste Vorausseztung, um damit ein Land in den Lockdown schicken zu dürfen. Aber kann man die Inzidenzen so überhaupt erklären? Ein Versuch einer rechnerischen Veranschaulichung, dass das ganze grober Unfug ist. 

Mit so einem Inzidenzwert kann man die Demokratie abschaffen – sonst nichts. Der Inzidenzwert ist widerlegt!“ 

Die Presse versucht, dagegen zu steuern

Der Münchner Merkur versucht es mit beißendem Spott: „Dass er selbst irren könnte, zieht der junge Mann aus dem Berchtesgadener Land nicht in Betracht.“ und „Bereits Mathekenntnisse aus der Mittelstufe würden ausreichen, um dieses Problem zu verstehen. Was Schönherr dem RKI oder der Bundesregierung damit sagen will – unklar.“  und „Schönherr ist sicher: Er begreift es. Je mehr getestet wird, desto mehr positive Ergebnisse gebe es.“

Und dann kommen die Gegenargumente:

  1. Schönherr geht von einer gleichbleibenden Positiv-Quote der PCR-Tests aus – unabhängig von der Anzahl der durchgeführten Tests.
    Das ist richtig. Nur: Je mehr getestet wird, gerade bei nicht Erkrankten, desto höher ist die Falsch-Positiven-Rate, also desto unzuverlässiger wird bekanntermaßen der Test. Also wäre der wahre Inzidenzwert NOCH NIEDRIGER als Schönherr ihn ansetzt.
  1. Er geht in seinem Lösungsvorschlag davon aus, dass es sinnvoll wäre, überall gleich viel zu testen.
    Ob das sinnvoll ist oder nicht, ist hier nicht das Thema. Es ist aber mathematisch kein Fehler.
  1. Der Student betrachtet die kurzfristige Entwicklung bei positiven Testergebnissen, nicht die Folgen der Aufdeckung.
    „Der Student“ hat sich ausschließlich mit der Mathematik hinter dem Inzidenzwert beschäftigt. Er ist kein Epidemiologe und behauptet das auch nicht. Wenn mit dem schwammigen „die Folgen der Aufdeckung“ gemeint sein sollte, dass in der Folge von positiven Tests dann das Umfeld des „Positiven“ durchgetestet wird, dann wird der Inzidenzwert ja noch einmal exponentiell erhöht und gerät vollkommen außer Proportion.

Eine sehr vereinfachte Darstellung: Teste ich nämlich unter Hunderttausend Menschen und finde zehn (= Inzidenz 10), die positiv sind, so finde ich in deren Umfeld deutlich mehr Positive als anderswo. Nehmen wir einfach an, jeder hat 5 angesteckt, ergibt das schon den Inzidenzwert 50 und damit einen Lockdown. Habe ich aber zufällig diese zehn Positiven nicht entdeckt, weil sie einfach nicht getestet wurden, symptomlos sind oder sich einfach still daheim auskuriert haben, ist das trotzdem Inzidenzwert Null.

Gerade das Austesten des Umfeldes von positiv Getesteten verzerrt das große Bild gewaltig. Oder anders: Ich teste Familiennamen, gehe los und finde einen Herrn Müller. Ich suche in seiner Umgebung und finde Frau Müller, die Kinder Müller, den Schwager Müller dessen Söhne Müller und die Großeltern Müller. Konklusio: Alle heißen Müller. Teste ich noch weitere Leute auf Familiennamen, werde ich auch dort nur große Cluster finden. Habe ich von insgesamt 100 zufälligen Leuten zehn nach ihrem Familiennamen getestet und deren direktes Umfeld komme ich zu ganz anderen Häufungen, als ob ich rein zufällig weiter teste. Wir haben also, wenn das Umfeld eines Positiven getestet wird, eine „Clustertestung“ und keinen repräsentativen Querschnitt.

Das ist auch nicht zu leugnen. Im Focus darf eine Physikerin Viola Priesemann den Studenten widerlegen. Das tut sie aber nicht, sondern kommt ebenfalls mit ganz anderen Argumenten. Das Video des Studenten greife „ein wichtiges Thema“ auf, sagt sie, nämlich dass vermehrtes Testen „kurzfristig bestraft“ werde – womit sie das Ausufern der Inzidenzen meint. Das lohne sich aber doch langfristig, weil es die Infektionsketten stoppe. Das hat aber mit der Mathematik der Ermittlung der Inzidenzen nichts zu tun und widerlegt den Studenten nicht, sondern bestätigt, dass die Nachverfolgung des Umfeldes eines Positiven die Inzidenzzahlen unverhältnismäßig zur Gesamtlage nach oben treibt.

Den Infektionsketten zu folgen, das kann man ja sinnvollerweise machen und die wirklich Infizierten auch zur Quarantäne verpflichten. Nur aufgrund der verzerrten Inzidenzzahlen dann alles lahmzulegen, das ist eine andere Sache. Wenn X Prozent des Umfeldes eines Infizierten positiv getestet sind, ist das eben nicht die Rate, die für die breite Bevölkerung zutrifft.

Das bestätigt Frau Priesemann ja auch noch selbst: „Menschen werden nicht zufällig getestet, sondern meistens, weil es einen Verdachtsmoment gibt“.