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Es wird ein langer, dunkler, kalter Winter werden: Die grüne Klimapolitik greift schon jetzt

11. Oktober 2021

Was das Gas betrifft: Das ist so knapp wie noch nie. Obwohl Russland freundlicherweise schon in wenigen Tagen mehr Gas über Nord Stream 2 liefern wird, ist es doch ein fossiler Brennstoff, auf den die immer weiter nach oben gekletterten CO2-Zertifikatspreise anfallen – die die Grünen übrigens noch weiter erhöhen wollen. Trotz des ganzen Gezänks ist Russland bisher vertragstreu und hat sich in der Welt – anders als die USA – den Ruf erarbeitet, seine Verträge punktgenau einzuhalten. In der Ostsee ist das erste Gas aus Russland schon eingefüllt worden.

Aber nur keine übereilte Vorfreude, dass Ihr vielleicht doch nicht frieren müsst. Da kommt so schnell kein Gas hier an. Es hängt aber nicht an Russland, dass es noch nicht fließt:
Bei der Bundesnetzagentur läuft nach eigenen Angaben noch ein Zertifizierungsverfahren zu Nord Stream 2. Darin geht es darum, die Nord Stream 2 AG gemäß einer EU-Richtlinie als ‚Unabhängigen Transportnetzbetreiber‘ anzuerkennen. Sollte Nord Stream 2 den Gastransport vor Abschluss dieses Verfahrens aufnehmen, könnte die Bonner Behörde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten und Bußgelder verhängen. Die Behörde hat für eine Entscheidung noch bis Anfang Januar Zeit.“

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Da die Pipeline aber ein Thema der Koalitionsverhandlungen sein wird, die Grünen ein gewichtiges Wort überall mitzureden haben und Frau Baerbock schon klar gesagt hat, dass sie das gesamte Projekt aus Klimagründen stoppen wird, können wir sicher sein, dass es in diesem Winter nix wird mit den Gaslieferungen.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock will im Falle einer Regierungsbeteiligung (und die wird sich nicht vermeiden lassen) keine Gaslieferungen aus Russland durch die fertiggestellte Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nach Deutschland erlauben.

Die CO2-Aufschläge auf die fossilen Energieträger haben Gas, Braunkohle und Kohle unglaublich verteuert, teilweise sogar verdreifacht. Das hat den Effekt, dass die Kohle-, Braunkohle- und Gaskraftwerke wesentlich teureren Strom produzieren. Die Stromanbieter können deswegen aber einfach ihre Kundenverträge zu den vertraglich festgesetzten Kilowattstundenpreisen nicht mehr bedienen. Viele Billigstromanbieter gehen gerade nach und nach Pleite. Die Kündigungsschreiben könnten knapper nicht sein: Ab 19. Oktober stelle man die Versorgung mit Strom ein, schreibt die Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft  – ohne einen Grund zu nennen.

Auch die im niedersächsischen Salzbergen produzierende „Deutsche Energiepool“ gab am Freitag im Internet bekannt, vielen ihrer Kunden die Lieferverträge gekündigt zu haben und begründen das so:

„In den letzten Monaten haben sich die Beschaffungspreise für Erdgas und für Strom am Terminmarkt rund verdreifacht, die Preise für kurzfristige Beschaffung sind rund verfünffacht“, erklärte das Unternehmen. Mit einer solchen Entwicklung habe kaum jemand gerechnet. Deutsche Energiepool habe sich daher zu den Kündigungen gezwungen gesehen. Zudem sei beschlossen worden, die bundesweite Belieferung von Erdgas vollständig einzustellen. Wie viele Kunden das betrifft, blieb offen.“

Noch ist es so, dass andere Energiekonzerne einspringen können, damit die Leute nicht in Kälte und Dunkelheit sitzen. Der Energieversorger „E.ON“ springt ein:
Als zuständiger Grund- und Ersatzversorger in weiten Teilen Deutschlands steht E.ON allen betroffenen Kunden zur Seite, die nicht mehr beliefert werden können.“

Ironischerweise sind es gerade die „Ökostrom-Angebote“ die die grüne Kundschaft gelockt haben, die Marken „Immergrün« und »Meisterstrom“ der Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft, die dem Energieversorger den Garaus machen. Da zeigt sich, was der „Grüne Strom“ so alles zu bieten hat. Es sind aber nicht nur die Kunden der  Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft in NRW. Auch in Bremen und Hessen bekamen Kunden plötzlich Kündigungsbriefe von ihrem Energieversorger. Das klingt ein bisschen wie Pfeifen im Keller. Denn zum Ersten ist Gas extrem knapp, und Mitte Oktober sind die deutschen Gasspeicher nur halbvoll. Zweitens ist das, was man bekommen kann, sehr teuer. Also werden wir im Winter wohl sehr teure Heizkosten bei Gas und Strom haben, weil die Gaskraftwerksbetreiber zu jedem Preis kaufen.

Denn aus politischen Gründen werden immer mehr Kernkraft- und Kohlekraftwerke abgeschaltet. Die Sonne scheint bei schlechtem Wetter und nachts nicht, und der Wind weht nicht immer wie gewünscht. Mit grünem Wind- und Solarstrom ist keine zuverlässige Versorgung zu leisten. Daher ist Erdgas in immer mehr Ländern der Welt der wichtigste Energieträger zur Stromerzeugung. Bekommen wir nicht genug Gas, haben wir den berühmten Blackout sicher. Bekommen wir genug, wird der Strom und das Heizen mit Gas unglaublich teuer.

Diese Grafik zeigt den „Spot-Preis“, der an der Börse bezahlt wird seit 2016. Damals lag der bei ca. 50 Euro und steigt gerade stramm auf die 300-Euro-Marke an. Und selbstverständlich schlagen diese Preise auf so ziemlich alles durch, was produziert wird.

Dabei bleibt es nicht. Die Folge der steigenden Preise werden wir in vielem als Effekt sehen: In Zukunft werden steigende Energiepreise die immer stärker allgemeine Teuerung antreiben, Lebensmittel inbegriffen. Denn jede Produktion verbraucht Energie. Schon jetzt gibt es Berichte, dass in den Niederlanden Gemüse-Gewächshäuser, in denen beispielsweise Tomaten angebaut werden, wegen der Energieknappheit schließen werden. Das verknappt nicht nur das frische Gemüse in den Supermärkten, sondern auch Lebensmittel, in denen Tomaten und anderes Treibhaus-Gemüse enthalten sind, wie Ketchup, Fertigpizzen, Tomatensoßen, frische Salate, Paprika, Gurken. Gewürzgurken usw. usf. …

Die LKW-Transportkosten von Fleisch und Obst aus anderen Ländern, von Auberginen bis Zitronen, Rindfleisch bis Erdbeeren werden parallel auch im Preis steigen, denn die CO2-Kosten, die die Grünen auf den Diesel und das Benzin draufschlagen, kommen beim Endverbraucher an.

Die Zeiten, wo Europa Russland rotzig von oben herunter  behandelt hat, dürften bald vorbei sein. Der „böse Putin“ wird sich entspannt zurücklehnen, denn Europa kratzt an seiner Türe. Es braucht dringend Kohle, um die wegen Gasknappheit unsicher gewordene Energieversorgung aufrecht zu erhalten. Die wenigen, noch verbliebenen Kohlekraftwerke können noch viel retten, nur ist der bisher billigste Energieträger „Steinkohle“ auch schmerzhaft teuer geworden. Obwohl Deutschland genug Kohle hat, ist sie hier auch knapp und teuer, denn viele Zechen sind geschlossen worden. Natürlich wegen des Klimas und des Kohleausstiegs. Kohle zur Stromerzeugung ist „baba-pfui“ und politisch hoch inkorrekt. Man kann sich wunderbar ganz viele moralische Pluspunkte holen, wenn man öffentlich gegen Kohleverstromung wettert. Über hundert große globale Finanzdienstleister – darunter auch die großen deutschen Banken und Versicherungen – haben sich publikumswirksam feierlich verpflichtet, keine Darlehen und keinen Versicherungsschutz mehr  für Kohlekraftwerke und Kohleabbau zu gewähren. Effekt: Es wurde dadurch praktisch unmöglich, eine neue Kohlegrube zu eröffnen.
Tja, nun haben wir den moralisch vorbildlichen Salat.

Aber auch aus Russland ist keine Kohle zu bekommen, denn Russland kann den Bedarf nicht decken. Russland könne wegen fehlender Eisenbahnkapazitäten nur „geringfügig mehr“ liefern, erklärt Kirill Chuyko, Energieanalyst des russischen Finanzdienstleisters BCS, gegenüber Bloomberg.

Bloomberg schreibt:

Stromproduzenten auf dem Kontinent sind gezwungen, Russland um mehr Kohle zu bitten, um so eine Energiekrise abzufedern, denn der Winter kommt näher und die rekord-hohen Gaspreise drücken die Rentabilität. Das sagen führende Angestellte zweier russischer Kohleunternehmen. Aber die Europäer werden keinen Erfolg haben, denn eine Erhöhung der (Kohle)Exporte aus dem Land (Russland) wird nicht umfangreich ausfallen, sagten sie. Europa hat sich seit Jahren weitgehend von der Kohle abgewandt, um seine Stromerzeugung grüner zu machen, und findet sich jetzt in einer Zwickmühle. Die Gasspeicher in der Region sind nur teilweise voll, Flüssiggasanbieter beliefern bevorzugt Asien, und die unzuverlässigen erneuerbaren Energien können die Nachfrage nicht abdecken. Da die Winterheizsaison näher rückt, wächst die Abhängigkeit von Russland, um die Lichter am Brennen zu halten. „Wenn alle europäischen Versorger auf Kohle umsteigen, wird dies zu einem enormen Anstieg der Kohlenachfrage führen, den Russland allein so kurzfristig nicht decken kann“, sagte Natasha Tyrina, Principal Research Analyst bei Wood Mackenzie Ltd. in Houston. „Dazu wäre auch Nachschub aus anderen Ländern nötig, zum Beispiel aus den USA, aber dort ist die Situation ähnlich wie überall.“   

So schreibt auch die US-amerikanische Wirtschaftsseite:

„Während Europa die glühenden Erdgaspreise beobachtet, wird den steigenden Kohlepreisen wenig Aufmerksamkeit geschenkt – sogar obwohl sie in ganz Asien zu Stromausfällen führen, das Produktionsende der globalen Lieferketten auf den Kopf stellen und letztlich die Stromkosten weltweit in die Höhe treiben. Am Samstag kostete Newcastle-Kohle – ein Index für Asien – 203 US-Dollar pro Tonne, der höchste Stand seit 2008. Am Dienstag überstieg der Kohlepreis des AP12-Benchmarks – der Nordwesteuropa abdeckt – 275 US-Dollar, was einen Anstieg von 63% gegenüber dem Preis von vor vier Wochen und ein Allzeithoch bedeutet.“

Ohne Kohlestrom und mit zu wenig Gas im Vorrat, gehen die Lichter leider aber doch aus. Und trotz grünem Getöse sehen wir, dass die Kohlekraftwerke leise, still und heimlich doch wieder hochgefahren werden. Zum Beispiel das Kohlekraftwerk Heil in Bergkamen. Die Bundesregierung hatte im Rahmen des Kohle-Ausstiegs viel Geld für dessen Stilllegung bezahlt. Im September musste es aber wieder hochgefahren werden, um das Stromnetz zu stabilisieren, das durch die erneuerbaren Energien äußerst volatil geworden ist. Die Energieerzeuger müssen immer mehr „Noteingriffe“ vornehmen, um das Netz vor den Zusammenbruch zu retten. Nun musste das Kraftwerk Heil in Bergkamen wieder vom Netz. Pressesprecher Daniel Mühlenfeld erklärt auf Anfrage von Achgut.com in einer E-Mail die Ursache:

„Der Brennstoffvorrat in Bergkamen war bei der Wiederinbetriebnahme der Anlage nach der geplanten Sommerpause für die zu erwartende Auslastung in einem September im Vergleich zu den Vorjahren völlig ausreichend. Bedingt durch die in diesem Jahr überdurchschnittliche Auslastung reichten sie [die Kohlevorräte; S.F.] jedoch nicht so weit, wie anzunehmen war. Als sich dies abzeichnete, hat STEAG umgehend Brennstoff gekauft. Dessen Anlieferung hat sich jedoch wegen der begrenzten Transportkapazitäten im Bereich der Binnenschifffahrt verzögert, sodass Bergkamen vom Netz ging.“

Das Kraftwerk in Bergkamen kann nur durch Schiffe mit Kohle beliefert werden, denn eine Eisenbahnstrecke zum Kraftwerk gibt es nicht. Und LKWs bekommt man auch nicht, es gibt einen rapiden Fahrermangel im Transportgeschäft und im Übrigen ist der LKW-Diesel durch den CO2 Aufschlag so teuer, dass es sich wahrscheinlich nicht lohnen würde.

Der „Westen“ ist krank. Europa ist todkrank. Es gleicht einem verkümmerten Dementen mit hoch osteoporotischen Skelett, der alles vergessen hat, was seinen Lebenserhalt und seine Gesundheit erfordert. Die Knochen, die den Körper aufrecht erhalten, zerbröseln, aber er versteht es nicht mehr.