DAS SYSTEM FIAT-GELD: SCHRECKEN OHNE ENDE STATT ENDE MIT SCHRECKEN

[Dieser Beitrag wurde in ähn­licher Form am 25. Juni 2022 auf dem GVS Finanz­kon­gress in Wien gehalten.]

1.

Viel­leicht kennen Sie das: Man bekommt den Ver­dacht, etwas stimmt nicht, man kann nicht genau sagen, warum, aber man meint, etwas ist nicht so, wie es den Anschein hat.

Seit geraumer Zeit hat mich ein solcher Ver­dacht beschlichen, der Ver­dacht, dass sich hinter Kli­ma­wandel, Coro­na­virus und Lockdown-Krise ein kol­lek­ti­vis­tisch-sozia­lis­ti­scher, ein neo­mar­xis­ti­scher oder neo-feu­da­lis­ti­scher Umsturz­versuch ver­bergen könnte; dass es sich viel­leicht um eine Neu­auflage der Marx‘schen Ver­elen­dungs­theorie handelt, die mittels Angst und Schrecken und Not die freie Gesell­schaft unfrei zu machen sucht, sich anschickt, den Kapi­ta­lismus – oder das Wenige, was von ihm übrig geblieben ist – auch noch zu zertrümmern.

Nun weiß ich, ein Ver­dacht kann sich auch als unbe­gründet erweisen. Was mich aber zögern lässt, meinen Argwohn leichthin bei­sei­te­zu­schieben, ist die Tat­sache, dass die Zen­tral­banken in den letzten Jahren immer mäch­tiger geworden sind: Sie sind in vielen Ländern zum wahren Macht­zentrum auf­ge­stiegen. Mit ihren geld­po­li­ti­schen Ent­schei­dungen befinden die Zen­tral­bankräte mehr denn je, welche Regierung überlebt und welche abgelöst wird; welche Wirt­schafts­sek­toren günstige Kredite bekommen und welche nicht; ob die Men­schen ihre Erspar­nisse behalten oder sie verlieren.

Ich erinnere mich auch daran, dass die Idee, eine Zen­tralbank zu errichten, eine „Maß­regel“ ist, die Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem „Kom­mu­nis­tische Manifest“ aus dem Jahr 1848 ein­fordern, um den Kom­mu­nismus als anti-libe­rales Herr­schafts­system zu errichten. Die Maß­regel Nummer fünf, die Marx und Engels nennen, lautet:

Zen­tra­li­sation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Natio­nalbank mit Staats­ka­pital und aus­schließ­lichem Monopol.

Nun sind sicherlich nicht alle, die eine Zen­tralbank befür­worten, Mar­xisten. Und viele von ihnen wissen ver­mutlich nicht einmal, dass die Idee, eine Zen­tralbank zu haben, eine Zutat aus dem mar­xis­ti­schen Herr­schafts-Rezeptbuch ist.

Wie dem auch sei. Sie werden ver­mutlich jetzt erkannt haben, warum mich eine gewisse Auf­regung ergreift, wenn es um Zen­tral­banken und ihr Fiat-Geld geht.

2.

Am Anfang meines Vor­trages stehen zwei Zitate, die nahezu alle zen­tralen Ein­sichten meiner nach­fol­genden Aus­füh­rungen schon in sich tragen:

Das erste Zitat stammt von Ludwig von Mises aus dem Jahr 1912:

Es wäre ein Irrtum, wollte man annehmen, daß der Bestand der modernen Orga­ni­sation des Tausch­ver­kehres für die Zukunft gesi­chert sei. Sie trägt in ihrem Innern bereits den Keim der Zer­störung. Die Ent­wicklung des Umlaufs­mittels (gemeint: Fiat-Geld, A.d.V.) muß not­wen­di­ger­weise zu ihrem Zusam­men­bruche führen.

Was sagt Mises uns damit? Er sagt uns, dass die Ver­wendung von Fiat-Geld die freie Markt­wirt­schaft zer­stört, und dass man sich über diese Tat­sache nicht hin­weg­täu­schen sollte.

Das zweite Zitat stammt von Friedrich August von Hayek aus den 1970er Jahren:

Es besteht weniger Grund denn je für die Hoffnung, daß Staaten ver­trau­ens­wür­diger werden, solange das Volk keine andere Wahl hat, als das­jenige Geld zu ver­wenden, das der Staat ihm zur Ver­fügung stellt.

Was sagt Hayek uns damit? Er sagt uns, dass der Staat uns sein Geld, sein Fiat-Geld, dik­tiert, und dass wir, solange das so ist, Vor­be­halte haben müssen, dem Staat zu vertrauen.

Beide Zitate zusammen ergeben eine geradezu explosive Bot­schaft. Mises sagt, Fiat-Geld zer­stört die Markt­wirt­schaft; und Hayek sagt, der Staat zwingt uns, Fiat-Geld zu verwenden.

Daraus folgt: Der Staat wie wir ihn heute kennen zer­stört mit seinem Fiat-Geld die freie Markt­wirt­schaft und damit die freie Gesell­schaft. Und damit zer­stört er letztlich auch das pro­duktive und fried­volle Mit­ein­ander der Men­schen, national wie international.

Sie werden mir ver­mutlich zustimmen, dass wir diese unge­heu­er­lichen Ein­sichten, die sich aus den zwei genannten Zitaten erschließen, auf Herz und Nieren unter­suchen, die zugrun­de­lie­genden Über­le­gungen genauer betrachten sollten.

3.

Beginnen wir mit dem Fiat-Geld. Es zeichnet sich durch drei Eigen­schaften aus.

(1.) Fiat-Geld ist staatlich mono­po­li­siertes Geld. Die staat­lichen Zen­tral­banken haben das Pro­duk­ti­ons­mo­nopol des Geldes.

(2.) Fiat-Geld wird in der Regel durch Kre­dit­vergabe geschaffen, der keine echte Ersparnis gegen­über­steht. Fiat-Geld wird aus dem Nichts geschaffen, oder ex nihilo, wie der Lateiner sagt.

Und (3.): Fiat-Geld ist ent­ma­te­ria­li­siertes Geld. Es hat die Form von bunt bedruckten Papier­zetteln (genauer gesagt ist der Euro aus Baum­wolle gefertigt) und Ein­trägen auf Com­pu­ter­fest­platten (Bits und Bytes).

Ob US-Dollar, Euro, chi­ne­si­scher Ren­minbi, japa­ni­scher Yen, Bri­ti­sches Pfund oder Schweizer Franken: Sie alle sind Fiat-Geld.

Aus der Geld­theorie wissen wir, dass das Fiat-Geld kein “natür­liches”, kein “unschul­diges” Geld ist.

Es ist durch einen erzwun­genen Akt in die Welt gekommen. Darauf will ich jedoch hier nicht näher ein­gehen, sondern sogleich auf die Folgen hin­weisen, die die Ver­wendung von Fiat-Geld nach sich zieht.

(1.) Fiat-Geld ist infla­tionär. Es ver­liert seine Kauf­kraft im Zeit­ablauf, weil seine Menge von den staat­lichen Zen­tral­banken unab­lässig und nach poli­ti­schen Erwä­gungen ver­mehrt wird. Infla­tio­näres Geld ist schlechtes Geld, weil es die Wirt­schafts­rechnung erschwert und viele Men­schen um die Früchte ihrer Arbeit und Spar­samkeit bringt.

(2.) Fiat-Geld pri­vi­le­giert einige auf Kosten und zu Lasten der Masse der Bevöl­kerung. Es sorgt für eine Umver­teilung von Ein­kommen und Ver­mögen, indem es die Erst­emp­fänger des neuen Geldes begünstigt auf Kosten der­je­nigen, die die neue Geld­menge erst später erhalten oder gar nichts von ihr abbe­kommen (das ist der „Can­tillon-Effekt“).

Zwar führt jede Erhöhung der Geld­menge zu einer Umver­teilung von Ein­kommen und Ver­mögen, und zwar not­wen­di­ger­weise. Das ist beim Warengeld wie auch beim Fiat-Geld der Fall.

Die Umver­teilung fällt jedoch beim Fiat-Geld besonders stark aus – und das ist ja auch der Grund, warum die Macht­haber das Warengeld durch ihr eigenes, beliebig ver­mehr­bares Fiat-Geld ersetzt haben: Die Regie­rungen und die ihr nahe­ste­henden Gruppen pro­fi­tieren vom infla­tio­nären Geld auf Kosten der übrigen.

(3.) Fiat-Geld sorgt für Wirt­schafts­stö­rungen, für Boom-und-Bust-Zyklen. Die Ver­mehrung der Geld­menge durch Bank­kre­dit­vergabe senkt die Markt­zinsen künstlich ab. Es wird weniger gespart, und Inves­ti­tionen und Konsum nehmen zu. Die Volks­wirt­schaft beginnt, über ihre Ver­hält­nisse zu leben. Früher oder später zer­platzt der monetär ange­zet­telte Schein­auf­schwung, und aus dem Boom wird ein Bust.

(4.) Fiat-Geld treibt die Volks­wirt­schaft in die Über­schuldung. Die künstlich gesenkten Zinsen ver­leiten Private, Unter­nehmen und Staaten zur Schul­den­wirt­schaft. Die Schulden wachsen dabei im Zeit­ablauf stärker an, als die Ein­kommen zunehmen.

Um Ihnen einen Ein­druck von der Schul­denlast im welt­weiten Fiat-Geld­system zu ver­mitteln, möchte ich Ihnen fol­gende Zahlen nennen: Ende 2021 belief sich die globale Ver­schuldung auf 303 Bil­lionen US-Dollar, das waren 351 Prozent des Welt-Brut­to­in­lands­pro­duktes. Eine Situation, bei der man mit Fug und Recht eine (noch nicht ganz offen in Erscheinung getretene) Über­schul­dungs­si­tuation befürchten muss.

(5.) Fiat-Geld lässt den Staat hyper­tro­phieren, also über­mäßig anschwellen – und dies zu Lasten der Freiheit der Bürger und Unter­nehmen. Das Fiat-Geld erlaubt es den poli­ti­schen Akteuren, ihre Finanz­kraft gewaltig aus­zu­weiten; sie können mit dem Fiat-Geld im wahrsten Sinne des Wortes die Abstim­menden kor­rum­pieren und sich eine wach­sende Gefolg­schaft erkaufen.

(6.) Das Fiat-Geld beschädigt die Moral- und Wer­te­vor­stel­lungen der Men­schen, die mit Fiat-Geld tag­täglich umgehen. Bei­spiels­weise lässt die Zukunfts­ori­en­tierung der Men­schen nach, es kommt sozu­sagen zu einer infan­tilen Regression, in der man alles „sofort“ haben will; Öko­nomen sprechen hier von einem Ansteigen der Zeit­prä­ferenz.

Aus­druck einer künstlich erhöhten Zeit­prä­ferenz können zum Bei­spiel sein über­stei­gerter Konsum, Raubbau an der Natur und Umwelt­ver­schmutzung, unzu­rei­chende Bildung, zuneh­mende Ehe­schei­dungen, sich auf­lö­sende Familienbande.

4.

Fiat-Geld ist, ich sagte es bereits, vor allem eines: Es ist infla­tionär. Daher an dieser Stelle ein paar zusätz­liche Anmer­kungen zur Inflation.

Inflation ist ein Wort, das vielfach gebraucht wird, das aber von unter­schied­lichen Per­sonen mit­unter höchst unter­schiedlich inter­pre­tiert wird.

Etwas Klarheit kommt in die Sache, wenn man zwi­schen Güter­preis­in­flation und Geld­men­gen­in­flation unterscheidet.

Güter­preis­in­flation bedeutet ein fort­ge­setztes Ansteigen der Güter­preise auf breiter Front. Sie steht damit für Kauf­kraft­verlust des Geldes: Wenn alles teurer wird, gibt’s eben weniger für das Geld.

Wie aber kommt es zur Güter­preis­in­flation? Der nicht-mone­tären Infla­ti­ons­theorie zufolge kann die Güter­preis­in­flation durch zum Bei­spiel stei­gende Pro­duk­ti­ons­kosten ver­ur­sacht (das ist die Cost-Push-Theorie) oder durch eine über­mäßige Nach­frage (das ist die Demand-Pull-Theorie) aus­gelöst werden.

Die monetäre Infla­ti­ons­theorie besagt, dass Inflation immer und überall ein mone­täres Phä­nomen ist. Sie ent­steht, ver­ein­facht aus­ge­drückt, wenn das Geld­men­gen­wachstum das Güter­men­gen­wachstum übersteigt.

Zwar stehen sich diese Erklä­rungen auf der Theo­rie­ebene dia­metral gegenüber, sie können aber in der Praxis durchaus mit­ein­ander kom­bi­niert werden. Blicken wir dazu auf die aktuelle Hoch­in­flation in der west­lichen Welt.

Die poli­tisch dik­tierten Lock­downs, die angeblich „grüne Politik“ und der Ukraine-Krieg haben eine Ver­knappung und Ver­teuerung vieler Güter her­bei­ge­führt und so einen „nega­tiven Güter­preis­schock“ bewirkt.

Dieser negative Preis­schock trifft auf einen gewal­tigen „Geld­men­gen­überhang“, den die Zen­tral­banken mit Beginn 2020 erzeugt haben. So hat die US-Zen­tralbank die Geld­menge M2 seither um 43 Prozent aus­ge­weitet, die Euro­päische Zen­tralbank die Geld­menge M3 um 21 Prozent, während sich die Wirt­schafts­leistung kaum oder gar nicht erhöht hat.

Es ist letztlich die Aus­weitung der Geld­menge durch die Zen­tralbank, die es möglich macht, dass der negative Preis­schock sich in Inflation entlädt. Ohne den über­großen Geld­men­gen­überhang wäre die weltweit hohe Inflation in dieser Weise nicht denkbar.

Und für die Geld­men­gen­aus­weitung – ich darf es hier noch einmal betonen – ist die staat­liche Zen­tralbank ver­ant­wortlich. Sie agiert aller­dings dabei nicht im „luft­leeren Raum“, sondern sie ver­mehrt die Fiat-Geld­menge mit System.

5.

Deshalb habe ich in der Über­schrift meines Vor­trages auch ganz bewusst „Das System Fiat-Geld“ geschrieben. Das Wort „System“ stammt aus dem Alt­grie­chi­schen sýstēma und bedeutet „ein aus meh­reren Ein­zel­teilen zusam­men­ge­setztes Ganzes“.

Wenn ich also vom „System Fiat-Geld“ spreche, so ist ein aus unter­schied­lichen Akteuren bestehendes Ganzes gemeint, wobei die Akteure – und das werde ich sogleich erklären – ein Interesse ent­wi­ckeln am Fortgang, am Erhalt des „Systems Fiat-Geld“.

Das Fiat-Geld – wird es erst einmal in Umlauf gebracht – erzeugt hand­feste öko­no­mische Abhängigkeiten.

So werden zum Bei­spiel Unter­nehmer durch das künst­liche Absenken der Zinsen zu Inves­ti­tionen ver­leitet, die sich nur dann rechnen, wenn die bereit­ge­stellte Kredit- und Fiat-Geld­menge zu immer tie­feren Zinsen führt und die Fiat-Geld­menge ständig weiter anschwillt. Um Ver­lusten zu ent­gehen, werden sie daher eine weitere monetäre Expansion begrüßen, und dies ins­be­sondere dann, wenn eine Rezession droht.

Vor allem auch Unter­nehmer, die staat­liche Auf­träge beziehen, sind an der Fort­führung des Fiat-Geld­systems sehr inter­es­siert. Sie haben ihre Pro­duktion darauf aus­ge­richtet, poli­tische Akteure mit Gütern zu beliefern. Man denke hier nur an Infra­struktur-Unter­nehmen, die etwa Züge, Ampel­an­lagen her­stellen, oder Unter­nehmen, die von der medi­zi­ni­schen Zwangs­ver­si­cherung pro­fi­tieren, oder an den Militärisch-industriellen-Komplex.

In ähn­licher Weise befür­worten Arbeit­nehmer, die ihre Jobs und ihr Ein­kommen einem künst­lichen, mit Fiat-Geld ange­trie­benen Auf­schwung ver­danken, das unbe­irrte Wei­ter­führen des Fiat-Geldsystems.

Weil im Fiat-Geld­system aber vor allem der Staat immer größer wird, werden auch immer mehr Men­schen direkt oder indirekt abhängig von seiner Finanz­kraft. Dazu zählen die Staats­an­ge­stellten und Emp­fänger staat­licher Renten‑, Pen­sions- und Trans­fer­zah­lungen. Auch sie haben ein Interesse daran, dass das System Fiat-Geld nicht endet.

Ein exis­ten­zi­elles Interesse an einer Fort­führung des Fiat-Geld­systems hat – wenig über­ra­schend – vor allem auch die Banken- und Finanz­wirt­schaft. Es lässt sich schließlich prächtig ver­dienen, indem man etwa ver­mittels Kre­dit­vergabe neues Geld „aus dem Nichts“ schafft.

Zudem darf der mit Fiat-Geld ange­triebene Boom kein Ende finden. Denn dann wären die Bilanz­ver­mögen der Banken (in Form von Kre­diten und Wert­pa­pieren) perdu, und die Untrag­barkeit ihrer Ver­bind­lich­keiten käme ans Tageslicht.

Ein Fiat-Geld­system macht also weite Teile der Bevöl­kerung und des Unter­neh­mens­sektors im wahrsten Sinne des Wortes abhängig von seiner Fort­führung, macht die Mehrheit zu Kom­plizen. Das Fiat-Geld erzeugt sozu­sagen eine „Kol­lektive Korruption“.

Dadurch formt sich eine mehr­heit­liche Unter­stützung für eine Politik, die einen dro­henden Bust (der ja not­wendige Folge eines vor­an­ge­gan­genen Booms ist) mit immer mehr Kredit und Geld zu immer tie­feren Zinsen zu „bekämpfen“ sucht.

Zu erwarten ist, dass die Mehrheit der Fiat-Geld-Abhän­gigen sogar weit­rei­chende Ver­let­zungen der Prin­zipien, auf denen die freie Wirt­schaft und Gesell­schaft ruht, akzep­tiert, wenn es gilt, den Kollaps des Fiat-Geld­systems abzuwenden.

Bei­spiels­weise werden gewaltige Res­sourcen auf­ge­wendet, um unsolide Banken und Unter­nehmen vor der Pleite zu bewahren – auf Kosten zukunfts­ori­en­tierter Investitionen.

Oder es werden Han­dels­verbote für Wert­pa­piere erlassen und Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trollen eingeführt.

Oder die Zen­tralbank kon­trol­liert die Zinsen und ver­hindert dadurch, dass der Markt Ungleich­ge­wichte berei­nigen kann, ver­un­mög­licht also den Bust.

Sie setzt dadurch natürlich auch die wichtige Koor­di­na­ti­ons­funktion des Zinses, die Erspar­nisse in Über­ein­stimmung mit den Inves­ti­tionen zu bringen, außer Kraft – eben­falls zum Schaden der künf­tigen Wohl­stands­mög­lich­keiten der Volkswirtschaft.

6.

Mitt­ler­weile zeigt sich das, was viele zuvor nicht sehen und hören wollten, ganz unge­schminkt: dass das Fiat-Geld infla­tionär ist.

In den letzten Jahr­zehnten hatten vor allem die Ver­mö­gens­preise – Aktien- und Häu­ser­preise – stark infla­tio­niert. Viele Men­schen haben diese „Ver­mö­gens­preis­in­flation“ als echte Inflation ver­standen. Deshalb konnte sie nahezu unge­straft prak­ti­ziert werden.

Nun aber steigen für alle Augen sichtbar und für den Geld­beutel fühlbar die Kon­sum­gü­ter­preise. Jetzt erfahren die Men­schen die Inflation hautnah.

Poli­tiker, Zen­tral­bankräte, viele Volks­wirte von Uni­ver­si­täten, For­schungs­in­sti­tuten und Banken ver­suchen eifrig, die Situation zu beschö­nigen. Etwa indem sie von „grüner Inflation“ sprechen. Dadurch soll der Inflation der Schrecken genommen, ihre Akzeptanz bei den Men­schen erhöht werden. Oder indem sie ver­suchen, die wahre Ursache der Inflation – die Geld­men­gen­ver­mehrung durch die staat­lichen Zen­tral­banken – vor der Öffent­lichkeit zu verbergen.

Dazu werden Sün­den­böcke bemüht, um von der wahren Ursache der Inflation abzu­lenken – wie etwa durch den Verweis auf Lie­fer­ket­ten­pro­bleme, gierige Unter­nehmer, unver­ant­wort­liche Gewerk­schaften und den rus­si­schen Krieg gegen die Ukraine.

Alles wird getan, um die wahren Urheber der Preis­in­flation auf breiter Front zu ver­bergen: die staat­liche Zen­tralbank und die Geschäfts­banken mit ihrem infla­tio­nären Fiat-Geld.

Und wenn man aus­spricht, dass der Staat und seine Zen­tralbank für die Inflation ver­ant­wortlich sind, wollen das viele Men­schen gar nicht glauben. Mir kommt da ein Zitat von Max Frisch in den Sinn: „Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komi­scher­weise, die glaubt niemand.”

7.

Die bereits stark gestiegene Güter­preis­in­flation ver­an­lasst die Zen­tral­banken, der Öffent­lichkeit zu signa­li­sieren, man werde die Inflation (die sie ja selbst ver­ur­sachen) „bekämpfen“, die Zinsen anheben.

Es geht ihnen vor allem darum, das Ver­trauen in das Fiat-Geld zu bewahren, zu ver­hindern, dass das wahre Wesen des Fiat-Geldes, erkennbar wird.

Das Über­leben des Fiat-Geldes hängt davon ab, dass es akzep­tiert wird, dass es von den Men­schen für Geld­zwecke ver­wendet wird.

Und das ist dann der Fall, wenn die Men­schen der Auf­fassung sind, dass man mit dem Fiat-Geld zahlen kann, und dass es – meta­pho­risch gesprochen –als „Wert­auf­be­wah­rungs­mittel“ taugt.

Sichtbar hohe Inflation gefährdet die Akzeptanz des Fiat-Geldes. Sie führt zunächst dazu, dass die Nach­frage nach Fiat-Geld zu Wert­auf­be­wah­rungs­zwecken abnimmt; und wenn die Inflation zu hoch wird, wird es irgendwann auch nicht mehr als Zah­lungs­mittel akzeptiert.

Besonders gefährlich wird es für das Fiat-Geld dann, wenn die Markt­ak­teure erwarten, dass die Wachs­tums­raten der Fiat-Geld­menge fortan unab­lässig steigen werden: von, sagen wir, 4 Prozent pro Jahr auf 6 Prozent im nächsten Jahr, dann auf 10, auf 16 auf 24 Prozent und so weiter. Denn das ist der Weg, der in die Hyper­in­flation führt.

Regie­rungen und Son­der­in­ter­es­sen­gruppen, die in beson­derem Maße vom Fiat-Geld­system pro­fi­tieren, haben jedoch meist kein Interesse an Hyper­in­flation – weil Hyper­in­flation das Fiat-Geld zer­stören und damit letztlich ihre Macht­po­sition auf­heben könnte.

Hoch­in­flation kann hin­gegen poli­tisch genutzt werden, denn nicht jede Hoch­in­flation muss in Hyper­in­flation enden.

Ein Fiat-Geld­system kann durchaus lange Zeit in der Hoch­in­flation ver­harren – mit Infla­ti­ons­raten zwi­schen 5, 10 oder 15 Prozent pro Jahr. Ein Bei­spiel dafür ist die Türkei.

In der Türkei bei­spiels­weise schwankte die Kon­sum­gü­ter­preis-Inflation von 2008 bis 2020 zwi­schen 5 und 25%, lag mithin bei durch­schnittlich 10% pro Jahr. Mitt­ler­weile ist sie bei 74% ange­langt. Eine ähn­liche Infla­ti­ons­ent­wicklung würde mich im Euroraum in den kom­menden Jahren nicht überraschen.

Will die Zen­tralbank mit ihrer Infla­ti­ons­po­litik davon­kommen, muss es ihr gelingen, die Men­schen über etwas hin­weg­zu­täu­schen: Die Men­schen müssen glauben, die hohe Inflation sei nur vor­über­gehend; sie werde „bekämpft“; oder dass die Inflation ein Schicksal sei, von Fak­toren beein­flusst werde, die nicht in der Ver­ant­wortung der Zen­tralbank liegen.

Der Staat und seine Zen­tralbank sowie ein­fluss­reiche Fiat-Geld­system-Pro­fi­teure setzen daher alle Hebel in Bewegung, um die Alter­na­tiv­lo­sigkeit des Fiat-Geld­systems auf­zu­zeigen und, bei Bedarf, die Inflation als vor­über­gehend klein- und unge­fährlich zu reden.

Und solange die Men­schen das glauben und die Inflation einen kri­ti­schen Schwel­lenwert nicht über­steigt, wird das Fiat-Geld­system fort­be­stehen – und das kann länger sein, als viele es für möglich halten.

8.

Murray N. Rothbard merkte an, dass man nicht meinen sollte, das System Fiat-Geld sei not­wen­di­ger­weise selbst­zer­störend, schaffe sich selbst aus der Welt. Weit gefehlt, so Rothbard! Er schreibt:

I am not saying that fiat money … cannot … con­tinue inde­fi­nitely … Unfor­tu­n­ately … if fiat money could not con­tinue inde­fi­nitely, I would not have to come here to plead for its abolition.

Rothbard teilt uns mit, dass das Fiat-Geld seiner Meinung nach keine begrenzte Lebenszeit hat. Könnte es nicht ewig fort­be­stehen, bräuchte er, Rothbard, nicht für die Abschaffung des Fiat-Geldes zu plädieren.

Das ist eine wichtige Ein­schätzung, die auch die Befunde der Wäh­rungs­ge­schichte wider­spiegelt. Hoch- oder gar Hyper­in­flation bedeutet zwar die massive Her­ab­setzung der Kauf­kraft des Geldes, aber nicht immer auch ihre voll­ständige Zerstörung.

Hyper­in­fla­tionen gab es zuhauf: Argen­tinien (Mai 1989 bis März 1990), Bra­silien (Dezember 1989 bis März 1990), Ukraine (Januar 1992 bis November 1994), Zim­babwe (März 2007 bis November 2008).

Nur in extremen Fällen ging das Geld sprich­wörtlich kaputt, verlor voll­ständig seine Kauf­kraft und wurde durch neues Fiat-Geld ersetzt (wie in der Wei­marer Republik 1923 oder in Zim­babwe 2008).

Nicht selten versah das durch Hyper­in­flation stark wert­ge­min­derte Geld nach­folgend wei­terhin seinen Dienst – nachdem bei­spiels­weise auf den Geld­scheinen ein paar Nullen gestrichen wurden (also alle Güter­preise nominal redu­ziert wurden).

Eine Volks­wirt­schaft, hat sie sich erst einmal mit dem Fiat-Geld ein­ge­lassen, kommt nicht so ohne wei­teres wieder von ihm los – wie es Rothbard in seinem zuvor genannten Zitat ausspricht.

Das liegt, so mutmaße ich, am man­gelnden Wissen über die weit­rei­chenden und zer­stö­re­ri­schen Folgen des Fiat-Geldes, aber eben auch an seiner kor­rupten Wirkung auf die Moral der Menschen.

9.

Das welt­weite Fiat-Geld­system geht aktuell in eine neue, ver­mutlich besonders schwere Krise. Die Zen­tral­banken heben ange­sichts der hohen Inflation der Kon­sum­gü­ter­preise die Zinsen an, und folglich stürzt die Pro­duk­tions- und Beschäf­ti­gungs­struktur, die sich in Jahr­zehnten sin­kender Zinsen auf­gebaut hat, in sich zusammen. Aus dem Boom wird ein Bust.

Doch – wie bereits ange­deutet – hoch ver­schuldete Volks­wirt­schaften halten einen Bust, der Fehl­in­ves­ti­tionen und Über­konsum voll und ganz kor­ri­giert, gar nicht mehr aus. Die zwangs­re­gu­lierten Arbeits­märkte, die zwangs­ver­kam­merten Unter­nehmen, Frei­be­rufler und Hand­werker, die hoch­be­steu­erten Ange­stellten ohne nen­nens­werte Erspar­nisse, aber dafür mit Hypo­theken bis unter die Dach­kante und Auto­kre­diten oben drauf, können sich von einem Bust nicht so erholen, wie dies in einer uner­zwun­genen Wirt­schafts­ordnung der Fall wäre. Der Schmerz wird rasch so groß, dass ver­mutlich das Übel der fort­ge­setzten Infla­ti­ons­po­litik als ver­gleichs­weise kleiner emp­funden wird als Rezession und Massenarbeitslosigkeit.

Und sind weite Teile der Bevöl­kerung erst einmal öko­no­misch abhängig vom Fiat-Geld – und das trifft vor allem für die west­lichen Umver­tei­lungs-Demo­kratien zu –, legt die bereits erwähnte Theorie der kol­lek­tiven Kor­ruption nahe, dass der Fiat-Geld-Boom nicht nur in einer Depression enden wird, sondern dass ihr eine Phase der Hoch­in­flation, mög­li­cher­weise sogar der Hyper­in­flation vorausgeht.

Das war übrigens auch in den 1920er Jahren in der Wei­marer Republik so. Ende 1922 lag die Arbeits­lo­sen­quote bei 2,8%, im Juli 1923 war sie mit 3,5% immer noch ver­gleichs­weise niedrig. Im Sturm der Hyper­in­flation, als der Geldwert der Mark kol­la­bierte und das Wirt­schaften unmöglich wurde, stieg auch die Arbeits­lo­sigkeit stark an. Sie schnellte auf 19,1% im Oktober, erreichte 23,4% im November und 28,2% im Dezember.

Die Deutsche Reichsbank hatte es also durchaus ver­mocht, mit ihrer Hoch- und dann Hyper­in­flation die Mas­sen­ar­beits­lo­sigkeit eine geraume Zeit abzu­wenden, aber ihr letztlich zu ent­kommen durch das gewaltige Ver­mehren der Geld­menge, gelang ihr dann doch nicht; sie ver­schlim­merte sogar den Absturz der Volks­wirt­schaft gewaltig.

10.

Das bisher Gesagte gilt für eine Volks­wirt­schaft, in der die Güter- und Kapi­tal­märkte noch relativ frei von staat­licher Ein­fluss­nahme sind. Diese Bedin­gungen finden wir jedoch in der heu­tigen Zeit so nicht mehr vor.

Zum einen sind die Märkte heute wei­test­gehend „gehemmt“, nicht mehr frei, weil der Staat viele Wei­sungen, Regu­lie­rungen, Ge- und Verbote, Ver­ord­nungen und Gesetze erlässt, weil er Steuern erhebt, Zinsen, Kredit und Geld manipuliert.

Zum anderen kehrt die west­liche Welt seit geraumer Zeit dem System der freien Märkte, dem Kapi­ta­lismus, den Rücken zu und bewegt sich immer stärker in Richtung Kol­lek­ti­vismus, Neo-Sozia­lismus oder Neo-Feudalismus.

Stich­worte sind an dieser Stelle „Great Reset“ und „Große Trans­for­mation“. Bei ihnen handelt es sich um Kon­zepte, die ihre intel­lek­tuelle Grundlage in kol­lek­ti­vis­ti­schen-sozia­lis­ti­schen, neo-mar­xis­ti­schen Ideo­logien haben.

Konkret gesprochen: Die Men­schen sollen ihre Geschicke auf dem Pla­neten nicht im System der freien Märkte gestalten, sondern sie sollen gezwungen und gesteuert werden nach den Vor­gaben, die von zen­traler Stelle (wie etwa dem „Gip­fel­treffen der Regie­rungs­chefs“ oder den „Ver­einten Nationen“) bestimmt und durch­ge­setzt werden.

Um diese Agenda in die Tat umzu­setzen, ist Fiat-Geld unver­zichtbar: Das Fiat-Geld­system erlaubt es nämlich, zumindest anfänglich, die wahren Kosten eines „welt­wirt­schaft­lichen Umbaus“ vor den Augen der Öffent­lichkeit wei­test­gehend zu ver­bergen und so den Wider­stand der Geschä­digten lahmzulegen.

Das macht es für die „Trans­for­ma­toren“ erfor­derlich, die wenigen, die ver­blie­benen Ele­mente des freien Marktes immer weiter ein­zu­schränken, die Volks­wirt­schaft in eine soge­nannte Befehls- und Len­kungs­wirt­schaft zu überführen.

In einer Befehls- und Len­kungs­wirt­schaft bleibt das Eigentum formal erhalten. Der Staat bestimmt jedoch in ent­schei­dendem Maße, was der Eigen­tümer mit seinem Eigentum tun darf und was nicht. Er gibt vor, und die Unter­nehmen und Kon­su­menten folgen. Und diese Befehle werden letztlich mit Gewalt durch­ge­setzt. Die ver­blei­benden Ele­mente einer frei­wil­ligen, auf uner­zwun­genem Aus­tausch beru­henden Gesell­schafts­ordnung werden zu Gunsten einer erzwun­genen Gewalt­ordnung immer weiter zurückgedrängt.

Und genau das ist auch das Modell, das sich in der west­lichen Welt seit Jahr und Tag aus­breitet – das Modell der Befehls- und Len­kungs­wirt­schaft, das übrigens nach der Blü­tezeit des Libe­ra­lismus im Deut­schen Reich Ende des 19. Jahr­hun­derts mit der Bismarck’schen Arbei­ter­zwangs­ver­si­cherung seinen Anfang nahm, das ab 1916 unter dem Namen „Hin­denburg-Plan“ eta­bliert wurde und ein wei­teres Mal im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dritten Reich in den 1930er Jahren.

Übrigens ist es gar nicht so weit von Chinas Modell ent­fernt; ver­mutlich ist es daher nicht allzu weit her­geholt, hier von einer Chi­na­ri­sierung des Westens zu sprechen.

11.

Wenn aber das Fiat-Geld Inflation bringt, wie wird man ihr Herr? Wie ver­hindert man den Protest der Men­schen dagegen? Die Antwort der Poli­tiker wird ver­mutlich sein: Preis­kon­trollen. Und da sich bei Preis­kon­trollen das Problem vom Preis auf die Menge ver­schiebt, ist die logische Folge eine Ratio­nie­rungs- und Zuteilungswirtschaft.

Ver­teuert sich die Ver­sor­gungslage für die breite Bevöl­kerung auf­grund der Fiat-Geld­in­flation immer mehr, erlässt der Staat Höchst­preise für zum Bei­spiel Energie, Nah­rungs­mittel, Mieten und Transport.

Preis­kon­trollen können zwar in den offi­zi­ellen Sta­tis­tiken dafür sorgen, dass die Inflation nied­riger aus­ge­wiesen wird, als sie tat­sächlich ist. Jedoch sind die Folgen solcher Maß­nahmen desaströs.

Um ein Bei­spiel zu geben: Der Milch­preis im Markt liegt bei 2 Euro pro Liter. Das ist den Poli­tikern zu hoch, und sie erlassen einen Höchst­preis für Milch von, sagen wir, 1 Euro pro Liter.

Das führt dazu, dass das Angebot von Milch schrumpft – weil es nunmehr weniger Milch­pro­du­zenten gibt, die Milch für 1 Euro pro Liter anbieten können. Gleich­zeitig gibt es mehr, die Milch zu 1 Euro pro Liter nach­fragen als zu 2 Euro pro Liter. Es ent­steht ein Nach­fra­ge­überhang nach Milch.

Wie aber ver­teilt man das ver­knappte Milch­an­gebot? Ein Schwarz­markt ent­steht oder es kommt zu Kor­ruption und Vet­tern­wirt­schaft. Das wie­derum ruft den Staat auf den Plan: Er bestraft die, die sich nicht an den Höchst­preis halten. Dazu braucht der Staat Spitzel, Polizei, Gefäng­nisse, öffent­liche Schau­pro­zesse, zuweilen auch sehr harte Strafen.

Die Deut­schen haben leid­volle Erfah­rungen mit der Befehls- und Len­kungs­wirt­schaft gemacht. Es war das Wirt­schafts- und Gesell­schafts­modell der deut­schen Natio­nal­so­zia­listen.

Mit der Politik der Preis­kon­trollen hielten die Natio­nal­so­zia­listen die offi­zielle Inflation niedrig (bezie­hungs­weise nied­riger, als sie tat­sächlich war).

Nach dem Ende des Krieges entlud sich der gewaltige Geld­men­gen­überhang auf dem Schwarz­markt in stark stei­genden Güter­preisen. Die Reichsmark wurde von den Alli­ierten einem „Geld­schnitt“ unter­zogen, der Rest­betrag wurde 1948 in den D‑Markt umge­tauscht. Der Geld­halter erlitt fast einen Totalverlust.

12.

Sie werden viel­leicht inter­es­siert sein, wie ich die nächsten Jahre einschätze?

Ich befürchte, die wirt­schaft­liche Lage in der west­lichen Welt, vor allem in Europa, wird sich dra­ma­tisch verschlechtern.

Die vor­geblich “grüne Politik“, der Ener­gie­preis­schock, gepaart mit der anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­blendung in Politik und Gesell­schaft werden wohl die viel­leicht schwerste Rezession der Nach­kriegszeit her­auf­be­schwören. Es geht ver­mutlich erst noch viel weiter abwärts, bevor man Hoffnung schöpfen kann, dass es wieder besser werden wird.

Die Zen­tral­banken werden die Zinsen nicht ent­schieden genug erhöhen, die Inflation bleibt sehr hoch in den kom­menden Jahren. Die Finan­zierung der Löcher im öffent­lichen Haushalt mit der elek­tro­ni­schen Noten­presse geht weiter.

Der Euro wird dras­tisch ent­wertet (ich wäre nicht über­rascht, wenn seine Kauf­kraft um bis zu 40% in den kom­menden fünf Jahren nachgibt) – und damit auch die in Euro aus­ge­wie­senen Erspar­nisse wie Bank­gut­haben, Geld­markt­fonds und Anleihen.

Das End­spiel des Fiat-Geldes und des Systems, das es erzeugt hat, hat begonnen. Wie lange es noch dauert, weiß man nicht.

Der Euroraum wird jedoch, so fürchte ich, der ganz große Ver­lierer in der „Neu­ordnung der Welt“.

13.

Mises und Hayek hatten die Pro­ble­matik des Systems Fiat-Geld hell­sichtig erkannt. Und weil sie sahen, dass das Fiat-Geld nicht dau­erhaft mit einer freien Wirt­schaft und Gesell­schaft ver­einbar ist, sprachen sie sich für eine Abkehr von ihm aus. Das ist mitt­ler­weile dring­licher denn je.

Viele Zen­tral­banken arbeiten bereits daran, digi­tales Zen­tral­bankgeld aus­zu­geben, das absehbar das Bargeld aus dem Verkehr drängen und die finan­zielle Pri­vat­sphäre der Men­schen vollends besei­tigen wird.

Digi­tales Zen­tral­bankgeld hat zudem das Potential, die letzten ver­blie­benen markt­wirt­schaft­lichen Ele­mente aus dem Kredit- und Geld­pro­duk­ti­ons­prozess zu ver­drängen, ihn ganz und gar zu ver­staat­lichen. Die staat­liche Lenkung des Kapitals würde damit perfektioniert.

Digi­tales Zen­tral­bankgeld, ist es erst einmal akzep­tiert, lässt sich für weitere poli­tische Zwecke instru­men­ta­li­sieren. Ich will hier nur auf Chinas „Social Credit Score“ ver­weisen: Zugang zum digi­talen Zen­tral­bankgeld wird abhängig gemacht davon, ob sich eine Person dem Regime gegenüber wohl­ge­fällig verhält oder nicht; Dis­si­denten werden bestraft, sie können nicht mehr reisen, keine Miete bezahlen, keine Lebens­mittel kaufen. Zusammen mit „Digital ID“ ließe es sich bei­spiels­weise auch ein­richten, dass Men­schen, die gewisse poli­tisch gewollte medi­zi­nische Inter­ven­tionen nicht über sich ergehen lassen möchten, in einen „finan­zi­ellen Lockdown“ gesperrt würden.

Aber auch ohne digi­tales Zen­tral­bankgeld droht ohnehin eine Zen­tra­li­sation, eine Kar­tel­lierung der Fiat-Geld­pro­du­zenten weltweit, die – logisch zu Ende gedacht – den Weg in Richtung einer ein­heit­lichen Fiat-Welt­währung und einer Welt­re­gierung ebnet. Eine wahrlich dys­to­pische Per­spektive. Ich habe übrigens die Logik, die dieser Ent­wicklung zugrunde liegt, in meinem Buch „Mit Geld zur Welt­herr­schaft“ aus dem Jahr 2018 beschrieben.

Was vor wenigen Jahren viel­leicht noch futu­ris­tisch klang, ist nach der Corona-Krise und den offen­kun­digen Bestre­bungen, die Welt einem „Great Reset“, einer „Großen Trans­for­mation“ zu unter­ziehen, leider rea­lis­tisch geworden: zum digi­talen Impfpass, der digi­talen Iden­tität, dem digi­talen Zen­tral­bankgeld gesellt sich die Chimäre eines digi­talen Welt-Fiat-Geldes.

Die Tür zur „Hölle einer welt­weiten digi­talen Tyrannei“ ist dann nicht mehr nur einen Spalt weit geöffnet.

13.

Wie aber kann die Lösung des „Geld­pro­blems“, des Fiat-Geld­pro­blems, aus­sehen? Es ist ver­geblich, Hilfe von der Politik zu erwarten: dass bessere Poli­tiker es besser machen; oder dass ver­ant­wort­li­chere Zen­tral­bankräte die Fiat-Geld­men­gen­ver­mehrung auf­halten würden.

Aus meiner Sicht gibt es nur einen über­zeu­genden Weg: und das ist ein freier Markt für Geld.

Ein freier Markt für Geld bedeutet, dass du und ich die Freiheit haben, das Geld zu ver­wenden, das wir für unsere Zwecke am vor­teil­haf­testen ansehen; und dass jeder die Freiheit hat, seinen Mit­men­schen ein Gut anzu­bieten, das diese als Geld zu ver­wenden wünschen.

Dazu kann man dem Bei­spiel vieler US-Bun­des­staaten folgen. Sie haben die Mehrwert- und Kapi­tal­ertrags­steuer auf Gold und Silber abge­schafft. Die Bürger und Unter­nehmer in den jewei­ligen Bun­des­staaten haben dort die Freiheit, ihre Trans­ak­tionen mit US-Dollar oder mit Gold und Silber abzuwickeln.

Ein freier Markt für Geld bedeutet, auch alter­native Geld­kan­di­daten wie zum Bei­spiel Krypto-Wäh­rungen von hin­der­lichen Steuern und Regu­lie­rungen zu befreien.

Im Grunde ist die tech­nische Umsetzung, die einen freien Markt für Geld ermög­licht, denkbar einfach.

Und es würde ver­mutlich nicht lange dauern, und die Men­schen würden sich für ein Geld ent­scheiden. Viel­leicht für ein Gold- oder Sil­bergeld. Im digi­talen Zeit­alter könnte es damit zu einer Art Neu­auflage der „Mark Banco“ in digi­taler Form kommen – der Rechen­währung der Ham­bur­gi­schen Kauf­manns­zunft, die über 250 Jahre hinweg höchst erfolg­reich ihre Geld­dienste verrichtete.

Leider stehen jedoch der Idee des freien Marktes für Geld noch – und das sollte aus meinen bis­he­rigen Aus­füh­rungen her­vor­ge­gangen sein – beträcht­liche ideo­lo­gische Hürden ent­gegen. Ludwig von Mises hatte sie 1923 wie folgt identifiziert:

Man irrt … sehr, wenn man meint, man könnte wieder zu geord­neten Wäh­rungs­ver­hält­nissen gelangen, ohne daß sich in der Wirt­schafts­po­litik Wesent­liches zu ändern brauchte. Was zunächst und in erster Linie nottut, ist die Abkehr von allen infla­tio­nis­ti­schen Irr­lehren. Doch diese Abkehr kann nicht von Dauer sein, wenn sie nicht durch voll­ständige Los­lösung des Denkens von allen impe­ria­lis­ti­schen, mili­ta­ris­ti­schen, pro­tek­tio­nis­ti­schen, eta­tis­ti­schen und sozia­lis­ti­schen Ideen fest begründet wird.

Das Denken vieler Men­schen ist aber bedau­er­li­cher­weise impe­ria­lis­ti­schen, mili­ta­ris­ti­schen, pro­tek­tio­nis­ti­schen, eta­tis­ti­schen und sozia­lis­ti­schen Ideen verfallen.

Der Staat müsse das Geld­mo­nopol inne­haben; eine Zen­tralbank sei gut und richtig und not­wendig; Fiat-Geld sei besser als Gold- und Sil­bergeld; Inflation im Sinne von poli­tisch moti­vierter Geld­men­gen­ver­mehrung sei akzep­tabel; der Staat dürfe und solle auf Pump finan­zieren; der Staat sei nicht eine Gruppe eigen­sin­niger Men­schen, die macht­po­li­tische Ziele ver­folgen, sondern quasi als Staat selbst eine han­delnde Wesenheit, die, obgleich als solche unsichtbar, in Sym­bolen und Hymnen zu ver­ehren sei (Eta­tismus); und vieles andere mehr. All das ist Aus­druck der ideo­lo­gi­schen Geis­tes­haltung, die so oder in ähn­licher Weise heute tief ver­ankert ist im Bewusstsein und – vor allem – im Unter­be­wusstsein der meisten Menschen.

Die Inflation unserer Zeit – eine der vielen schäd­lichen Folgen des Fiat-Geldes – ist damit letztlich geis­tigen Ursprungs. Sie ist kein Ele­men­tar­ereignis, sie ist das Ergebnis einer Politik und der ihr zuge­hö­rigen Propaganda.

Die Über­windung des infla­tio­nären Fiat-Geld­re­gimes erfordert zual­lererst eine Änderung der Geis­tes­haltung der Men­schen, eine Zurück­be­sinnung zum libe­ralen Ideen­ge­bäude, zur Lehre der Freiheit und des Kapi­ta­lismus, eine mora­lische Läu­terung, die Über­windung der „Kol­lek­tiven Korruption“.

Denkbar ist aber auch, dass das Fiat-Geld­system durch eine tech­no­lo­gische Dis­ruption über­wunden wird. Bei­spiels­weise indem sich in einer Region der Welt ein neues Geld und das dazu­ge­hörige Zah­lungs­ver­kehrs­system her­aus­bildet, sich erfolg­reich als Refe­renz­projekt eta­bliert – und dann Schule macht, Nach­ahmer findet. Einige US-Bun­des­staaten haben dafür ja schon die Basis bereits gelegt.

14.

Fiat-Geld bedeutet ein Schrecken ohne Ende, es hat kein Ende mit Schrecken. Es schafft sich nicht von selbst ab, sondern sein Ende muss bewusst her­bei­ge­führt werden, weil man es los­werden will.

Und das ist unum­gänglich, soll die freie Gesell­schaft, die freie Wirt­schaft wieder auf­leben – wie es die Ein­gangs­zitate von Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek zum Aus­druck gebracht haben.

Die Lösung, die ich vor­ge­stellt habe, ist das Beenden des staat­lichen Geld­mo­nopols, das Ermög­lichen, das Eröffnen eines freien Marktes für Geld.

Wie aber soll den solch eine Ver­än­derung zustande kommen, so werden Sie jetzt viel­leicht fragen? Wie kann ein freier Markt für Geld sich ent­wi­ckeln in einer Welt, die immer unfreier wird?

Ver­zagen Sie nicht. Nur weil wir die Lösung nicht erblicken können, heißt das noch nicht, dass es sie nicht doch geben wird.

Unter­schätzen Sie die Macht der Ideen nicht. Die gesell­schaft­liche Ent­wicklung wird in letzter Kon­se­quenz von Ideen getrieben. Gute Ideen (wie z. B. Freiheit, Eigentum, freie Märkte) können schlechte Ideen (wie z. B. Gewalt­po­litik, Inter­ven­tio­nismus, Fiat-Geld und Sozia­lismus) ersetzen – wenn sie aus­ge­sprochen, ver­mittelt, ver­breitet und wieder und wieder wie­derholt werden.

Der Wandel der Ideen ist möglich. Auch wenn die Wid­rig­keiten erdrü­ckend erscheinen, möchte ich Samweis den Mutigen aus J.R.R. Tol­kiens „Herr der Ringe“ Epos frei zitieren: Auch die Dun­kelheit ist eine zeit­weilige Erscheinung. Und wenn das Licht wie­der­kommt, wird es um so heller scheinen. Noch gibt es etwas, für das es sich zu streiten lohnt.

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[Der Beitrag wurde für den Zweck der Umge­staltung in einen Schrift­beitrag gegenüber dem ursprüng­lichen Vortrag redak­tionell editiert.]

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Pro­fessor Dr. Thorsten Polleit ist seit April 2012 Chef­volkswirt der Degussa, Europas größtem Edel­me­tall­han­delshaus. Davor war er als Ökonom 15 Jahre im inter­na­tio­nalen Investment-Banking tätig. Thorsten Polleit ist zudem Hono­rar­pro­fessor für Volks­wirt­schafts­lehre an der Uni­ver­sität Bay­reuth, Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institut, Auburn, Alabama, Mit­glied im For­schungs­netzwerk „ROME“ und Prä­sident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Im Jahr 2012 erhielt er den The O.P. Alford III Prize In Poli­tical Economy. Thorsten Polleit ist Autor zahl­reicher Auf­sätze und Bücher: „Vom Intel­li­genten Inves­tieren“ (2018), „Mit Geld zur Welt­herr­schaft“ (2020), „Der Anti­ka­pi­talist“ (2020) und „Ludwig von Mises. Der kom­pro­misslose Liberale“ (2022), „Der Weg zur Wahrheit. Eine Kritik der öko­no­mi­schen Ver­nunft“ (2022). Die Website von Thorsten Polleit ist: www.thorsten-polleit.comHier Thorsten Polleit auf Twitter folgen.


Quelle: misesde.org