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„Nicht-Migranten” aus der Per­spektive einer Migrantin

Es war nicht nur ein sprach­licher Aus­rut­scher der Tages­schau. Der Begriff „Nicht-Migranten“ scheint längst eta­bliert zu sein. Warum gilt eigene Iden­tität in rot­links­grünen Milieus als etwas Ver­werf­liches oder aus­län­der­feindlich? Ein Erklä­rungs­versuch. Von Eka­terina Quehl.

Nachdem die Tages­schau Deutsche als „Nicht-Migranten“ bezeichnet hatte, habe ich auf X auf meinen Post: „Also ich bin Russin, die sehr lange in Deutschland lebt und ich bin wirklich fas­sungslos. Das ist der Gipfel dieses absurden links­grünen Trends, die eigene Iden­tität zu negieren: Deutsche offi­ziell als „Nicht-Migranten“ zu bezeichnen.“ so viele Reak­tionen bekommen, dass ich auf das Thema etwas tiefer ein­gehen möchte.

„Nicht-Migranten“ ist ein Begriff, der – wie es sich nach meiner kurzen Recherche her­aus­ge­stellt hat – schon längst in unter­schied­lichen Insti­tu­tionen eta­bliert ist.

Im Beitrag der Max-Planck-Gesell­schaft vom 15.05.2024 „Arbeits­platz­verlust trifft Migranten härter“ steht: „Die gesund­heit­lichen Unter­schiede zwi­schen Migran­tinnen und Nicht-Migran­tinnen sind weniger signi­fikant.“ In der dazu­ge­hö­rigen Sta­tistik tauchen Deutsche eben­falls als „Nicht-Migranten“ auf.

Auch das Bil­dungs­portal NRW ver­wendet diesen absurden Begriff – und das bereits seit 2007: „Zur Beant­wortung der Frage, wie wahr­scheinlich ein Wechsel zwi­schen Schul­formen für Migranten und Nicht-Migranten ist, wurde jeweils der Anteil der Schul­form­wechsler unter den Migranten bzw. Nicht-Migranten an allen Schülern dieser Gruppen in den jewei­ligen Schul­formen ermittelt.“

Auf der Seite von Thalia wird ein Buch mit dem Titel „Bil­dungs­erfolg Migranten im Ver­gleich zu Nicht-Migranten“ verkauft.

Der Begriff scheint schon längst in großen Teilen der Gesell­schaft eta­bliert zu sein. Als ob es unan­genehm wäre, die eigene Bevöl­kerung über­haupt noch direkt zu benennen.

Auch im Alltag ist es mir schon häufig auf­ge­fallen, dass es in manchen Kreisen unge­hörig ist, sich selbst als Deut­schen zu bezeichnen oder nach der Her­kunft der anderen zu fragen. Dabei ist die Frage „Woher kommst du?“ in vielen Ländern die erste Frage, die man stellt, wenn man ins Gespräch kommt. Für viele Aus­länder und auch für viele Deutsche, die ich kenne, ist es unbe­greiflich, warum selbst neu­trale Begriffe für eigene Iden­tität oder Kultur inzwi­schen sofort ideo­lo­gisch ein­ge­ordnet werden. „Deutsch sein“ bedeutet für die meisten einfach Her­kunft, Sprache, Kultur, Kind­heits­er­in­ne­rungen, Fei­ertage, Essen — also etwas völlig Nor­males und Alltägliches.

Natürlich können his­to­rische Gründe nicht einfach ungültig werden wie ein Park­ticket. Aber zwi­schen „Wir sollen aus der Geschichte lernen“ und sich selbst als „Nicht-Migranten“ zu bezeichnen liegt ein rie­siger Unter­schied. Inzwi­schen ent­steht der Ein­druck, dass sich dieser Trend zu einer kul­tu­rellen Neurose ent­wi­ckelt hat, bei der ein kleinster Hinweis auf Aner­kennung eigener Kultur oder Iden­tität sofort als mora­lisch ver­dächtig ein­ge­stuft wird.

Auf­fällig ist aber, dass für Deutsche – die wegen einer deut­schen Fahne an Haus­fas­saden Angst haben – ein Tür­ki­scher Kul­tur­verein, Afgha­nische Frauen in München e. V. oder der Bun­des­verband rus­sisch­spra­chiger Eltern e. V. selbst­ver­ständlich sind.

Wie soll denn aber eine Gesell­schaft, die ihre eigene Iden­tität und Kultur auf den Altar his­to­ri­scher Schuld und falsch ver­stan­dener Aus­län­der­freund­lichkeit legt, diesen Aus­ländern und der eigenen Bevöl­kerung authen­tisch ver­mitteln, dass Akzeptanz eigener Her­kunft und eigener Kultur etwas völlig Nor­males ist?

Wenn man dieses Phä­nomen auf einen ein­zelnen Men­schen über­trägt, dann wäre das eigentlich ein ziemlich trau­riger Zustand. Den anderen ständig zu erklären, wie sehr man sie wert­schätzt, sich selbst gegenüber aber aggressiv zu sein. Das würde man doch weder als Offenheit noch als Toleranz bezeichnen. Warum tut man das aber bei der eigenen Gesellschaft?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf: vera-lengsfeld.de

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