Whistleblower Politik

Bericht aus der Ukraine, September 2017 (Video)

12. September 2017

Wir erhalten diese Berichte von verschiedenen Quellen in der Ukraine, sowohl aus dem westlichen Teil, als auch aus den ostukrainischen Gebieten und dem Donbass. Wir haben nicht die Möglichkeiten, all das zu überprüfen. Aus einigen Jahren der Berichterstattung ist aber gegenseitiges Vertrauen erwachsen. Es ist nicht immer leicht, aus den verschiedenen Kurzberichten ein Bild zu konstruieren. Wir bekommen aber auf diesem Weg Informationen, die es normalerweise nicht hier im Westen gibt.

Die täglichen Beschüsse mit Artillerie durch die ukrainische Armee und die sogenannten, ultrarechten Freiwilligen Bataillone auf die zivile Infrastruktur des Donbass im Grenzgebiet sind für seine Bewohner schon zur Normalität geworden. Das wird auch – obwohl es nach dem Minsker Abkommen verboten ist, nicht weiter thematisiert. Die sogenannten Freiwilligen Bataillone versuchen immer wieder Durchbrüche auf das Donetzker und Luhansker Terretorium, die aber bisher stets von den Volkswehren abgewehrt werden.
Hier Aufnahmen von Angriffen auf das Dorf Saizewo bei Gorlowka:

Die Moral der rekrutierten Soldaten der ukrainischen Armee ist in keinem guten Zustand. Es gibt immer wieder Überläufer zu den Volkswehren. Dabei spielt hier weniger die Überzeugung eine Rolle, sondern die schlechte Lebensmittel-Versorgung der ukrainischen Soldaten. Obwohl die Männer – und teilweise Jungs – meistens nicht freiwillig bei der Armee sind, zwingt der Hunger nach ordentlicher Nahrung sie praktisch zur Ausplünderung der ostukrainischen Bevölkerung. Denn kaufen können sich die Soldaten auch kaum etwas, weil die Auszahlung des Soldes stark im Rückstand liegt. Dazu kommt noch, dass die Trinkerei unter den Soldaten enorm ist. Das wenige Geld, was sie bekommen, setzen sie meist in Alkohol um, das senkt allerdings die Hemmschwelle, und so holen sich die Soldaten von den Bewohnern das, was sie brauchen.

Es gibt hinter vorgehaltener Hand Gerüchte, dass manche höheren Ränge in der Armee gegen Geldzahlungen dafür sorgen, dass ein einfacher Soldaten nicht an die vorderste Front als „Kanonenfutter“ geschickt wird. Es heißt, man höre von Angehörigen der Soldaten, sie müssten Geld schicken, dass sich ein Familienmitglied von der Front frei kaufen könne. Die Beträge sollen zwischen Hrivna 2000,oo und Hrivna 10.000,oo. liegen, das entspricht etwa zwischen 60 und 300 Euro. Es kommt darauf an, wie die Familien der Soldaten finanziell gestellt sind.

Ukrainian AgonyDie Kiewer Regierung ist sich mittlerweile im Klaren darüber, dass ein militärischer Sieg im Donbass nicht zu erreichen ist. Trotz nunmehr 3-jährigem Krieg, Wirtschaftsblockade, Einstellung von Sozial- und Rentenzahlungen ist es der Kiewer Regierung nicht gelungen, den Widerstand der Donbassbevölkerung zu brechen. Dort haben sich längst neue Strukturen gebildet, die Bewohner kommen gut zurecht, und was noch fehlt, kommt offenbar aus Russland. Zu den Hilfen aus Russland erfahren wir aus dem Donbass: Die DVR und LVR erhält wöchentlich ca. 60 – 80 LKW Ladungen mit humanitärer Hilfe aus Russland, wie Grundnahrungsmittel, Babynahrung, Medikamente usw.

Die seit 1.3.17 unter äußere Verwaltung gestellten Betriebe im Donbass wurden von der DVR und LVR wieder aufgebaut und und haben die Produktion wieder aufgenommen. Heute arbeiten und produzieren die Betriebe schon wieder in gleicher Personalstärke wie vor Ausbruch des Krieges. Der Kohleabbau wurde in diesem Jahr sogar um ca. 25 % gesteigert. Die Produktion wird hauptsächlich nach Russland und andere ehemalige Republiken der Sowjetunion verkauft. Im Juni wurde die Produktion von Klein-Omnibussen in Betrieb genommen. Bis Jahresende sollen dort 100 Kleinbusse fertiggestellt werden.

Wenn man von den immer wieder aufflammenden Beschüssen und Terroraktionen gegen die Donetzker und Lugansker Volksrepublik absieht, geht es der Bevölkerung in den Regionen fast besser, als der ostukrainischen Bevölkerung in den von Kiew besetzten Regionen. Zumindest gibt es dort keinen Mangel, und frieren wird dort im Winter auch niemand. Die von Kiewer Truppen besetzten ost- und südukrainischen Gebiete erhalten solche Lieferungen nicht, im Gegenteil. Die Industrie in diesen Gebieten liegt darnieder, da sie auf Rohstoffe aus Russland angewiesen ist und die Einfuhr von russischen Rohstoffen in die Ukraine ist verboten. Das führt zu Frustration und Wut in diesen Gebieten, die ja, wie beschrieben, auch noch den Diebstählen der Armeesoldaten ausgesetzt sind, die aber wenigstens nicht grausam sind. Die Freiwilligenbataillone sehen die Ostukrainer als Quasi-Russen an, und das ist der Todfeind. Entsprechend verhalten sie sich der Bevölkerung gegenüber. Die Ostukrainer beneiden die Leute im Donbass.
In Kramatorsk, das auch im von Kiewer Truppen besetzten Gebiet liegt, unweit von Donetzk, haben daher Unbekannte auf der Dach der Schule Nr. 17 die Flagge der Volksrepublik Donetzk gehisst.

Die Staatsschulden der Ukraine sind allein im Juli 2017 um 1,39% = 1,05 Mrd. USD auf insgesamt 76,06 Mrd. USD gestiegen. Dies entspricht in etwa 80% des BIP. In 2016 stiegen die Staatsschulden um 5,46 Mrd. USD. In den ersten 7 Monaten 2017 sind die Staatsschulden um 5,09 Mrd. USD angestiegen. In 2017 müssen 5 Mrd. USD an Krediten zurück gezahlt werden, in 2019 wird (soll) die Rückzahlung 11 Mrd. USD betragen.

Auf der Krim wurde in den vergangenen Monaten das Ferienzentrum für Kinder „ARTEK“ von Russland restauriert und ausgebaut. Hier erhalten Kinder aus Russland die Möglichkeit, auch in den Ferien ihre Talente, Wissen und Fähigkeiten zu vervollkommnen und ihr Wissen zu erweitern. Die Fähigkeiten der Kinder werden von Fachkräften gefördert. Für Kinder aus Familien mit geringen finanziellen Möglichkeiten ist der Aufenthalt, ebenso wie für besonders begabte Kinder, kostenlos.Das Ferienlager hat eine Kapazität für 3.500 Kinder, die jeweils 3 Wochen in ARTEK verbringen. Viele Bewohner der Krim haben Verwandte in der Ostukraine. Geschichten wie diese machen dort die Runde und hören sich für die geplagte Bevölkerung dort wie Märchen an.

Es gibt allerdings auch in der Ukraine Ferienlager für Kinder. Das ultrarechte Freiwilligenbataillon ASOW engagiert sich nun in manchen Ferienlagern und betreut dort Kinder und Jugendliche. Allerdings auf ganz eigene Weise: Es wird vorrangig Patriotismus und Russenhass gelehrt. Diese Lager sind streng militärisch ausgerichtet und so bringen sie die ukrainischen Kinder rechtzeitig „auf Linie“.Die Bilder, die uns von dort erreichen, erinnern fatal an sehr dunkle Zeiten in Deutschland:

Kinder-Ferienlager unter Betreuung der Ultrarechten Freiwilligenbataillone: Kinderkommandeure und strammstehen. (Privatfoto)
„Ausbildung an der Waffe“, im Hintergrund ein Ausbilder. Man beachte das Tatoo. (Privatfoto)
Absingen der Nationalhymne am Morgen. (Privatfoto)
Singen der Nationalhymne in der Mittagspause (Privatfoto)
Ferienabenteuer in ukrainischen Ferienlagern unter der Betreuung von Freiwilligenbataillonen: Jugendliche üben den Einsatz unter Gasangriff

Der ukrainische „Unabhängigkeitstag“ am 24.8. wurde in Kiew mit einer Parade gefeiert. An der Parade nahmen neben den USA auch Soldaten aus 8 Nato-Staaten teil. Ebenfalls anwesend, hohe US-Beamte, auch aus dem Pentagon.

Kurz nach Ende der Parade ereignete sich auf der Grushkaja-Str. im Zentrum von Kiew eine Explosion. Es wurden mehrere Menschen verletzt. Die Hintergründe sind unklar. Es gibt die verschiedensten Vermutungen. Da schon seit Monaten faschistische Kräfte versuchen, die Macht in der Ukraine zu ergreifen und zum Sturz von Poroshenko aufrufen, vermuten viele einen Terrorversuch der Ultrarechten hinter der Explosion. Andere meinen, es sei ein Anschlagsversuch der „Donetzker Separatisten“, es gibt auch den Verdacht, man wolle das den Donetzk-Republiken in die Schuhe schieben, um so einen Angriff zu rechtfertigen.
Quelle: https://defence.ru/a…/posle-parada-v-kieve-proizosh-l-vzriv/https://youtu.be/nv2CgpRbbn4

Für das Wahrscheinlichsten halten die meisten einen danebengegangenen Sprengstoffanschlag auf einen unbequemen Journalisten oder einen Oppositionellen. Explodierende Bomben in Autos, Ermordungen Unbequemer sind hier in der Ukraine nicht selten. Sie werden kaum noch in den Medien gemeldet.

Anfang September, als in Kiew wieder mal ein Fahrzeug im Zentrum in die Luft gesprengt wurde, kam doch eine Medienmeldung. Hierbei war wohl der Hintergrund, dass Sakaashwili, dem im Juli die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen worden war, und der nun staatenlos ist, bereits öffentlich ankündigte, am 10.9. in die Ukraine einzureisen. Das gesprengte Fahrzeug hatte ein georgisches Kennzeichen und der Fahrer war Georgier. Das wurde zur Abschreckung breit berichtet. Georgier in der Ukraine müssen zur Zeit sehr aufpassen: Abgeordnete der Kiewer Regierung haben offiziell angekündigt, Saakashwili-Sympathisanten gegebenenfalls zu erschießen.

Semenchenko, der Führer des Ultrarechten-Bataillons Donbass, stellte sich hinter Saakashwili und begab sich am 10.9., zusammen mit einer Menschenmenge an die ukrainische Grenze zu Polen, um Saakashwili dort zu empfangen. Die ehemalige, ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoshenko stieg bereits vor der Grenze in den Zug mit Saakashwili ein. Hier eine Videoaufnahme von Semenchenkos Bataillon „Donbass“ an der polnischen Grenze in Erwartung Saakashwilis:

Die Kiewer Regierung und andere ultrarechte Bataillone haben ebenfalls Einheiten an die polnische Grenze geschickt, allerdings, um die Einreise zu verhindern:

Saakashwili im Zug nach Kiew. Ukrainische Regierungskräfte drohen, den Zug zu stürmen. Saakashwili beklagt (auch auf Englisch am Ende), dass die ukrainischen Sicherheitskräfte den ganzen Zug voller Passagiere als Geiseln halte.

Im Zug von Warschau – Prymischel (polnisch-ukrainischen Grenze) – Kiew saß auch die ehemalige, ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoshenko mit im Zug. Die polnischen Behörden ließen den Zug in Prymischel aber nicht passieren, da – laut Bahnhofsdurchsage – ein Passagier im Zug keinen gültigen Pass besitze und der Zug erst weiterfahren werde, wenn der Passagier (Saakashwili) ausgestiegen sei.

Saakshwili mit seinem Tross begab sich daraufhin zu Fuß den Auto-Grenzübergang Krakowec (polnisch/ukrainischer Grenzübergang), wo er schon von hunderten Kämpfern der ihn unterstützenden Freiwilligenbataillone und Nationalisten erwartet wurde. Die Grenzsoldaten wurden einfach überrannt oder zur Seite gestoßen. So gelangte Saakashwili zu Fuß in die Ukraine. Von Krakowec ging es dann im Autokonvoi in die ca. 80 km entfernte Stadt Lwow, wo sich Saakashwili feiern ließ.

 

Die Ukraine im Krieg: Hinter den Frontlinien eines europäischen Konflikts von [Sommerbauer, Jutta]Gestern soll  Saakashwili per Auto nach Kiew gebracht worden sein. Eskortiert wurde er von Hundertschaften ukrainischer Nationalisten und faschistischen Söldnern. Sollte es Präsident Poroshenko und der Kiewer Regierung nicht gelingen, Saakashwili nach seiner Ankunft in Kiew festzunehmen, wird damit der Untergang der Kiewer Regierung eingeläutet, wird uns aus der Ukraine gesagt. Man geht davon aus, dass es Saakashwilis Auftrag ist, einen neuen Maidan anzuzetteln, und die Regierung in Kiew zu stürzen. Manche sehen den Auftraggeber in Washington, weil die Kiewer Regierung nicht so funktioniert, wie man sich das dort vorstellt, die gelieferten Waffen teilweise verscherbelt, den Nordkoreanern Raketenbauteile liefert und im Donbass nicht zum gewünschten Erfolg kommt. Da Poroshenko freiwillig aber nicht den Präsidentensitz räumt, so vermuten viele Ukrainer, schicke man nun Saakashwili, um ihn wegzuputschen. Viele wetten darauf, dass George Soros die Organisation dieses zweiten Maidans wieder übernimmt. Diesmal soll das Ganze angeblich „Revolution der Würde“ heißen.

Die Regierung Poroshenko sitzt jetzt in der Klemme, heißt es. Eine Festnahme Saakashwilis in Kiew würde nicht friedlich ablaufen. Das wäre der Auftakt zur bewaffneten Auseinandersetzung zwischen der Nationalgarde, der regierungstreuen Polizei einerseits und andererseits den Rechten Bataillonen, die Saakashwili begleiten, kommen. Dann ginge „es sofort los“. Viele Ukrainer vermuten, dass Micheil Saakashwili und Julia Timoshenko, die neuen Machthaber würden und einen neuen, militärischen Vorstoß im Donbass und gegen Russland unternehmen sollen.

Die Beliebtheit „des Westens“ sinkt allerdings in der Ukraine.
So fordert der IWF die Ukraine auf, das Gesundheitswesen zu reformieren, um Geld zu sparen. Von nun an sollen Geburten in Krankenhäusern, die bisher kostenlos waren, mit einer Gebühr zu belegen. Viele Eltern könnten sich das aber nicht leisten. Diese Reform wurde von der Maidan-Radikalen und Leiterin des Ausschusses für Gesundheitsfragen, Olga Bogomolez, der ukrainischen Presse mitgeteilt, und sorgt für Unmut im Volk.
Nach Schätzungen dürften nämlich heute in der Ukraine zwischen 22 und 25 Mio. Menschen leben. Die Ukraine hat die weltweit niedrigste Geburtenrate und eine der höchsten Sterberaten. Ab 2019 werden nun also Geburten ukrainischer Kinder auch noch mit einer Gebühr belegt. Da die Bürger der Ukraine jetzt schon mit dem verfügbaren Einkommen im Monat kaum über die Runden kommen, scheint es, als solle nun die Bevölkerung noch mehr vom Kinderkriegen abgeschreckt werden.

Das Niederreißen von russischen Denkmälern wird in der Ukraine gern und öffentlich zelebriert. In Odessa wurde das Denkmal des sowjetischen Generals Georgiy Zhukov gestürzt und zerstört. Meist erledigen das die Ultrarechten. Was allerdings bei dieser Aktion auffällig ist: auf einem der Fotos anlässlich der „ruhmreichen“ Zerstörung des Denkmals ist ein Fahrzeug mit dem Nummernschild des ukrainischen Innenministeriums zu sehen. Die Odessiter Ultrarechten präsentieren die Fotos stolz im Internet. Erstaunlicherweise hat die Polizei in Odessa hat die Ermittlungen zur der Zerstörung des Denkmales aufgenommen. Dabei bräuchte sie nur die Fotos im Internet auszuwerten oder den Fahrer des Wagens vom Innenministerium zu ermitteln, wundern sich die Odessiter:

Was sich zur Zeit herumspricht ist, dass die Ukraine eine gern genutzte Asyleinrichtung für geflohene IS-Kämpfer geworden ist. Da die IS Kämpfer in Syrien enorme Verluste erleiden, fliehen sie wie die Hasen aus diesen Gebieten. In ihre Heimatstaaten, in denen der IS als Terrororganisation eingestuft ist, können die IS Kämpfer nicht zurück, da sie sofort verhaftet würden. Es gibt Georgier und Tschetschenen darunter. In der Russischen Föderation und den meisten ehemaligen Republiken der UDSSR ist der IS aber ebenfalls als Terrororganisation eingestuft und verboten. Diese IS-Kämpfer finden Unterschlupf in der Ukraine und tauchen dort erst einmal unter, wie es scheint, unter dem Schutz der Kiewer Regierung. Bis sie von da aus weiterreisen, am liebsten nach Westeuropa.

Da man in der Ukraine, hauptsächlich in Kiew, heute so ziemlich alles kaufen kann, was illegal ist, von der Kalaschnikow bis zum Raketenwerfer, gibt es hier Lösungen: Man kann ukrainische Pässe kaufen. Ein biometrischer Pass, der die visafreie Einreise in die EU ermöglicht, kostet zwischen 5 und 6000,00 USD. Mit diesen gekauften Pässen sollen angeblich auch IS-Kämpfer in die EU einreisen.

 

Beitragsbild: Privatfoto aus der Ukraine, Saakashwili wird von seinen Anhängern über die Polnisch-ukrainische Grenze gebracht.

 


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