Wirtschaft & Finanzen

6,6 Millionen Haushalte mit Stromsperren bedroht

24. Oktober 2017

Wegen der Energiewende ist der Strom in Deutschland viel teurer als in fast allen anderen Staaten Europas. Das ist einer der Gründe, warum im letzten Jahr 6,6 Millionen Haushalte mit Stromsperren bedroht wurden.

(Von Emilia David)

Im Jahr 2016 wurden erneut bei hunderttausenden Haushalten Stromsperren durchgeführt. (Screenshot: YouTube)
Im Jahr 2016 wurden erneut bei hunderttausenden Haushalten Stromsperren durchgeführt. (Screenshot: YouTube)

Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland rund 330.000 Haushalten der Strom abgestellt, weil sie die Rechnungen nicht bezahlt hatten. Damit liegt die Zahl der Stromabschaltungen etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Im Jahr 2015 hatten die örtlichen Grundversorger etwas mehr als 331.000 Sperrungen in Auftrag gegeben.

Zudem wurde im vergangenen Jahr demnach in etwa 6,6 Millionen Fällen säumigen Zahlern die Sperrung ihres Stromanschlusses angedroht. Das geht aus dem Entwurf für den Jahresbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt hervor, welcher der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Stromsperren stehen den Stromversorgern als letztes Mittel zur Verfügung, wenn die säumigen Kunden Zahlungsrückstände von mindestens 100 Euro aufweisen und wenn bereits mehrere Mahnungen sowie eine Sperr-Androhung mit einer letzten Zahlungsfrist ohne Wirkung geblieben sind.

Stromsperren bringen Kosten für die Kunden

Für die betroffenen Haushalte bringen die Sperrungen hohe Zusatzkosten mit sich. Denn die Kunden müssen dann nicht nur die aufgelaufenen Rechnungen, sondern auch die Sperrung und den späteren Wiederanschluss bezahlen. Dafür fielen im Schnitt 35 bis 40 Euro an. Allerdings fordern einzelne Versorger auch höhere Beträge von bis zu 200 Euro.

Laut Verbraucherzentralen und Sozialbehörden reagieren betroffene Stromkunden oft zu spät auf eine drohende Zahlungsunfähigkeit. In Berlin wurde im letzten Jahr 17.800 Haushalten der Strom abgestellt, weil sie ihre Stromrechnungen nicht bezahlt hatten. Das war ein Anstieg um 15 Prozent.

Ein Teil des Problems sind die stark gestiegenen Strompreise infolge der Energiewende. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Kosten für Haushaltskunden von 15 Cent pro Kilowattstunde auf um die 30 Cent verdoppelt. Die durchschnittlichen Realeinkommen legten im selben Zeitraum nicht annähernd so stark zu.

Laut Sozialverbänden deckt der Energieanteil in den Hartz-IV-Regelsätzen den Strombedarf eines Ein-Personen-Haushaltes bei weitem nicht ab. Zudem stecken Menschen mit schlechter Bonität oft in teuren Grundversorgungstarifen fest. Günstigere Sonderverträge bleiben ihnen verwehrt.

Emilia David / BerlinJournal.biz