Didier Jansen - Liberté, Égalité, Fraternité - flick.com CC BY-NC 2.0
Politik

„Liberalala“ bis zum Untergang?

18. November 2017

Einer der folgenreichsten Irrtümer unserer Zeit ist es, die Beliebigkeit mit dem Liberalismus zu verwechseln. Diese Konfusion hat zwei Gründe: In Kontinental-Europa hat der echte Liberalismus keine wirkliche Tradition und man hat den Begriff „liberal“ in den letzten Jahrzehnten oft missbraucht, um vorwiegend linke Inhalte damit zu übertünchen und umzumünzen.

Links ist nicht liberal

Der Sozialismus, der heute „Sozialdemokratie“ heisst, hat nicht nur den Begriff Demokratie in diese seine nicht mehr ganz neue Selbstdefinition geschummelt, sondern er verwendet auch liebend gern das Wörtchen „liberal“, wenn es um die Bewerbung und Verharmlosung der sozialistischen Ideologie geht: Linksliberal nennen sich heute alle jene, die gern modern sein wollen und sich dabei als freizügig, progressiv und humanistisch gerieren, letztlich aber doch nur International-Sozialisten und Kollektivisten alter Schule sind.

Alles, was links ist, kann grundsätzlich nicht liberal sein, denn das Wesen des Linken ist das kollektivistische, staatsorientierte und vermögensumverteilende, eigentumsfeindliche Denken – ganz egal, ob man nun ein blutroter Kommunist oder „nur“ ein hellroter Salon-Sozialist ist. Links und liberal sind gegensätzliche Begriffe, dazu haben schon die beiden weltberühmten österreichischen Nationalökonomen Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek glänzende Analysen verfasst.

Der schludrige Gebrauch der Begriffe

Die bei uns so unsaubere Begriffsverwendung des „Liberalen“ machte es möglich, dass allzu viele Leute heute glauben, liberal sein heisst automatisch, alles gut zu heissen, was irgendwer irgendwo irgendwie für richtig befindet, nur weil es ihm grad passt. Jede x-beliebige gesellschaftspolitische Idee findet dadurch ihre Anhänger und wird von den falschmünzenden Liberalen für legitim erklärt, weil doch angeblich ein jeder das Recht auf individuelle Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung hat -egal, wie diese auch aussehen mag.

Auf diese Weise haben absurde und gesellschaftszersetzende Ansprüche wie die Ehe für Alle oder das „Recht auf Abtreibung“ den Anschein erhalten, als Anliegen grundsätzlich in Ordnung zu sein und politisch wie gesellschaftlich unterstützt werden zu müssen. Das wild um sich greifende und undifferenzierte Beliebigkeitsdenken im Mantel des Liberalen manifestiert sich in der falschen Toleranz allem und jedem gegenüber.

Eigene Meinung: Lieber keine!

Das einzige, was nicht toleriert wird, sind die Werturteile, die mit dem toleranzbesoffenen, stets diffus dahinwabernden und sich als humanistisch gebenden Mainstream nicht übereinstimmen. Man hat für die Kenntlichmachung dieses Intolerablen das Instrument der Political Correctness erfunden. Mit ihr hat das Beliebigkeitsdenken seine endgültige soziale Legitimation und damit seine Vormachtstellung erhalten. Ergebnis: Man nennt sich heute „liberal“ und ist doch nur beliebig, denkfaul und angepasst.

Der letzte Mensch

Aus dieser begrifflichen Kategorienverwechslung entstehen nun immer weitere Denkfehler, die letztlich zu haarsträubenden gesellschaftlichen Verwerfungen führen und beim Einzelnen nur noch Desorientierung hinterlassen. Wenn alles beliebig ist und wenn es egal wird, wie die Individuen ihr Leben gestalten, dann mündet das allgemeine Denken zwangsläufig in einen gesellschaftlichen Nihilismus, in dem nur noch der schnelle Kick, das Event und das „Hier und Jetzt“ zählen.

Sämtliche selbstverantwortliche Lebensentwürfe werden dann sekundär und am Ende sogar obsolet – am besten man delegiert seine Lebensgestaltung daher gleich an den Staat und an die Medien, die werden es schon richten. Die Hauptsache ist doch, wir haben Spaß! Und damit sind wir bei Nietzsche`s letztem Menschen angelangt: Der hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht – und blinzelt.

Dr. Marcus Franz / thedailyfranz.at


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