Tatjana Festerling, Bild: Wikimedia Commons, Metropolico, Lizenz: CC BY-SA 2.0
Politik

Tatjana Festerling auf Facebook und Twitter gelöscht – Die moderne Art, Dissidenten zum Schweigen zu bringen

14. Dezember 2017

Tatjana Festerling ist keine bequeme Frau. Und sie lässt sich nicht den Mund verbieten. Doch gibt es heute im digitalen Informations-Zeitalter recht effektive Methoden, Leute mit unbotmäßiger Meinung verstummen zu lassen. Man sieht heute nicht mehr (oder noch nicht wieder?) Uniformierte in den Straßen die Plakate von Hauswänden und Litfaßsäulen herunterreißen. Das geht anders. Man sperrt einfach elektronisch die digitalen Pamphlete, ganz einfach. Und der Maulkorb sitzt.

So meldete Tatajana Festerling auf ihrer Seite am Montag, den 11.Dezember um 15:30 Uhr: „Meinungsfreiheit und Zensur – Aus die Maus! ALLE Accounts und Administratoren wurden gesperrt.“

 

An unsere Redaktion schrieb sie auf Nachfrage, dass alle, restlos alle ihre Accounts gesperrt wurden, sowohl Facebook, als auch Twitter. Sogar die Seite „Solidarität für Tatjana Festerling“ mit ihren 16.000 Likes plus 16.000 Abonnenten sei wegen angeblich mehrfacher Verstöße gegen die Gemeinschaftsregeln gelöscht worden. Die Seite ist aber noch sichtbar.

Dafür geht aber grade ein Interview aus dem Sommer mit „TV Liberté“ viral, über eine andere Facebookgruppe wurde es fast 5.000 geteilt:

https://www.facebook.com/groups/218042168581473/permalink/500185003700520/

Das Original ist hier anzuschauen:

 

Wir sehen aber noch eine zweite Parallele der heutigen Situation zu den Diktaturen, insbesondere auf deutschem Boden. Eine leider sehr deutsche, sehr ekelhafte Eigenschaft ist das Denunzieren und die Blockwartmentalität unter totalitären Systemen. Genau das geschieht wieder, mit dem genau gleichen Impetus des „Gerechten“. Das Denunzieren des ideologischen Gegners wird zur Heldentat.

 

 

Wissenschaftler haben in verschiedenen Versuchsanordnungen das Verhalten von Menschen beobachtet, die Macht über andere erhielten. Eins davon ist das berühmte „Stanford Prison Experiment“, bei dem die Teilnehmer zufällig in Strafgefangene und Wärter eines Gefängnisses aufgeteilt wurden. Die beängstigenden Ergebnisse, der Sadismus und die Grausamkeiten einiger „Wärter“ und die Tatsache, dass die Experimentatoren sogar selbst Partei ergriffen, um einen Aufstand der misshandelten „Gefangenen“ niederzuschlagen, erzwangen einen Abbruch des Experiments nach sechs Tagen statt nach zwei Wochen. Vier der „Gefangenen“ erlitten emotionale Zusammenbrüche, die meisten versuchten, mit Unterwürfigkeit möglichst unbeschadet durchzukommen. Die erschreckende Offenbarung der menschlichen Abgründe wurde später in einem Film behandelt.

Das ist nicht das einzige Experiment, das die Larve der Gutmenschlichkeit zerfetzt. Das Elektroschock-Experiment Stanley Milgrams zeigt auch, dass ganz normale, wohlanständige Menschen problemlos zu gnadenlosen Folterknechten mutieren. Das Experiment wurde 1961 gemacht und 2008 wiederholt. Es kam beides Mal zu denselben Ergebnissen. Die Versuchsanordnung ist absolut simpel. Ein „Schüler“ musste dazu gebracht werden, durch Bestrafung bei Fehlern schneller zu lernen. Die eigentlichen Probanden waren die Instruktoren, die bei Fehlleistungen die „Schüler“ mit Elektroschocks immer härter bestrafen mussten. Erschreckenderweise wurden die allermeisten Instruktoren zu ergebenen Folterknechten, die vermeintlich immer stärkere Stromstöße verteilten, auch, als die „Schüler“ schon vor Schmerzen brüllten, um dann plötzlich, aber endgültig, wie tot, verstummten. Wollte ein Instruktor doch die Sache abbrechen, traten Autoritätspersonen im weißen Kittel auf und mahnte Pflichterfüllung an. Die Mehrheit ging mit der Stärke der Elektroschocks bis ans Ende der Skala.

Foltergefängnisse wie Abu Ghureib zeigen, dass der Mensch tatsächlich vor keiner Grausamkeit halt macht. Es sind nur sehr wenige, die sich dagegen sperren. Insbesondere dann, wenn die Quälerei auch noch öffentlich und von Autoritätspersonen gelobt wird, kennen die meisten keine Grenze mehr.

Das Vergnügen daran, einen anderen gedemütigt oder bloßgestellt zu sehen – sogar Hinrichtungen waren immer schon ungeheure Publikumsmagnete – sitzt tief im Menschen. Gleichzeitig ist es das beste Unterdrückungswerkzeug. Man schaut zu und ist froh, nicht an dessen Stelle zu sein. Mitgefühl? Um Gottes Willen! Das könnte einen ja in den Ruch der Komplizenschaft bringen.

Leider sehen wir heute wieder eine neue Generation von Blockwarten und Denunzianten. Von der Hexenjagd und Inquisition des Mittelalters über die Denunzianten der Nazizeit bis zu den heutigen „Antifaschisten“: Erfüllungsgehilfen der Macht, die den „Anderen“ als wehr- und rechtloses Opfer sehen, das man genüsslich und bedenkenlos niedermachen kann, weil ihnen ja keine Ächtung für ihr Tun zuteil wird, sondern auch noch öffentliches Lob. Sie fühlen sich dabei auch noch gut.

 


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