Starinvester Felix Zulauf bei Po Aurum TV (Screenshot YouTube)
Wirtschaft

Felix Zulauf: „Frau Merkel verantwortet eine Katastrophe für die nachfolgende Generation“

7. März 2018

Felix Zulauf ist einer der angesehensten Vermögensverwalter der Welt. Der Schweizer äußert sich nicht häufig. Wenn, dann jedoch pointiert. Kürzlich gab er der wiwo.de ein Interview. Wie immer in einer erfrischenden Klarheit. Hier die Highlights:

  • „Es riecht nach 1987, wie damals vor dem Crash. Wie damals steigt die Inflation, die Renditen ziehen an, der Dollar ist schwach und ein US-Finanzminister redet seine Währung schwach. Gleichzeitig sind Aktien hoch bewertet. Investoren haben einen extrem hohen Aktienanteil in den Depots und kaufen Aktien mit rekordhohen Summen auf Pump. 1987 gab es die so genannte Portfolio Insurance. (…) Das Pendant dazu heute sind Risk-Parity-Produkte. Dabei setzen Anleger auf Aktien und Anleihen, die unterschiedliche Risiken aufweisen und entsprechend gewichtet werden.“
    Fazit: Das Gute an diesem Vergleich ist, dass es damals wirklich nur ein Börsenproblem war, das die Realwirtschaft nicht beeinflusst hat. 
  • Ich gehe von einer Korrektur aus, die aber wahrscheinlich länger anhalten wird. Die Gründe liegen in der fundamentalen Entwicklung: Die Wirtschaftspolitik in diesem Zyklus ist primär in den Händen der Geldpolitiker. Und die Geldpolitik war aggressiv, wie wir das noch nie gesehen haben. Offenbar herrscht da die Meinung vor, dass Notenbanken alles machen können, was sie wollen. Und sie machen das auch.“
    Fazit: und verursachen damit immer größere Probleme an den Finanzmärkten.
  • „Die Produktionsverlagerung nach Asien hat viele Produkte immer billiger gemacht und die Konsumentenpreise tief gehalten. Dazu kamen disruptive Technologien, etwa im Einzelhandel, wo ganze Kostenebenen verschwunden sind. Das sind die deflatorischen Elemente, die Preise drücken. Aus China aber kommt jetzt nicht mehr deflationärer Druck auf unsere Preise, da kommt jetzt ein inflationärer Druck. China hat einen unglaublichen Konsumboom, die Preise steigen mit gut fünf Prozent. Weil der Einbruch der Weltwirtschaft in der letzten Rezession so groß war, waren die Kapazitäten lange schwach ausgelastet und der Arbeitsmarkt entspannt.“
    – Fazit: Das hatten wir auch im alternativen Blick auf 2018 als eines der Themen: → Eine andere Sicht auf 2018
  • „Wir sind an einem Punkt, wo die Teuerung zwar noch nicht strukturell, aber zyklisch weiter nach oben geht. (…) Das haben die Märkte realisiert. Entsprechend sind die Renditen nach oben gegangen. Weil die Notenbanken zu expansiv sind, haben die Bondmärkte damit begonnen, die Geldpolitiker zu disziplinieren.“
    – Fazit: Die Notenbanken folgen ohnehin immer den Märkten.
  • „Was die Europäische Zentralbank aber betreibt, ist eigentlich kriminell. Das ist unglaublich angesichts der Konjunkturlage und hat überhaupt nichts mehr mit vernünftiger, auf Stabilität ausgerichteter Geldpolitik zu tun. (…) In den nächsten ein, zwei Jahren werden alle großen Notenbanken versuchen, ihre Politik zu normalisieren.“
    – Fazit: Das führt, wie diskutiert bei bto, dazu, dass steigende Zinsen in der EU erwartet werden und damit ein starker Euro.
  • „Normalerweise gehen in einem Konjunkturanstieg Aktien und Zinsen parallel nach oben – bis zu einem Punkt, wo es anfängt, weh zu tun. Der ist erreicht, wenn sich die Liquidität negativ verändert. Die Frage ist, ob wir schon dort sind oder nicht. Ich glaube, dass wir diesen Punkt im Lauf der nächsten zwölf Monate erreichen. Aktuell gehe ich von einer mittelfristigen Korrektur aus, deren erster Tiefpunkt gesetzt ist. Bis in den März hinein wird es Erholungsversuche geben, die aber wohl scheitern werden. Im zweiten Quartal könnte es dann zu einer zweiten Verkaufswelle kommen, die etwas tiefer geht als am vorvergangenen Freitag. Dann dürfte die Korrektur vorbei sein. Für den Rest des Jahres werden die Börsen dann wieder versuchen, nach oben zu krabbeln. Aber das werden nicht mehr alle Märkte schaffen.“
    – Fazit: was irgendwie auch entspannend ist. So gesehen passiert kein Unfall an den Märkten.
  • „In den USA könnte es neue Höchstkurse geben, in einigen Schwellenländern auch, aber nicht in Europa. Europa ist die schwächste Region von allen. Der Stoxx Europe 600 notiert zehn Prozent unter dem Stand von vor drei Jahren. Europa ist die einzige Region, die in der Breite kein neues Hoch gemacht hat.“
    – Fazit: Das widerspricht auch dem, was ich immer geschrieben habe, da Europa deutlich billiger ist als die anderen Märkte. Bridgewater hingegen wettet in ähnlicher Richtung.
  • „Die Politik in Europa versucht etwas, was für den gesamten Kontinent katastrophal ist. Der Bau eines zentralistischen Imperiums. Das ist Sozialismus pur, den wir hier bekommen. Die Europäer machen einen Riesenfehler, weil sie die Entscheidungsgewalt in die Hände einer völlig verblendeten politischen Elite legen, die glaubt, sie müsse die Vereinigten Staaten von Europa bauen. Der Brexit ist ein Produkt dieser Entwicklung. Jetzt gehen die Briten raus, eine Volkswirtschaft, die so groß ist wie die 20 kleinsten EU-Mitglieder zusammen. Wir verlieren das Land, das am meisten für Marktwirtschaft und Freiheit plädiert hat und zugleich den zweitgrößten Nettobeitragszahler der EU.“
    – Fazit: Das ist auch eine Folge der deutschen Politik, wie ich oft erläutert habe.
  • (Macron) ist ein gewiefter Bursche und sieht, dass er die deutschen Politiker über den Tisch ziehen kann. Macron interessiert sich für Frankreich. Er hat gezeigt, dass er – wie alle französischen Politiker schon immer – ein Nationalist ist und kein großer Europäer. (…) Er hat kein Interesse, Souveränität an eine europäische Institution abzugeben, sondern will an (…) die deutschen Gelder. Die sollen ihm helfen, Frankreich zu reformieren und umzubauen. Die deutsche Politik unter Angela Merkel ist dagegen eine Katastrophe. Sie hat die CDU von einer liberal-konservativen Partei zu einer sozialdemokratischen Partei gemacht. Sie hat überall nachgegeben, als Verträge über Europa gebrochen worden sind. Frau Merkel hat Tür und Tor geöffnet für eine Fehlentwicklung auf unserem Kontinent, die für die nachfolgende Generation eine Katastrophe sein wird. Der Aktienmarkt zeigt das an.“
    – Fazit: Hierzu kann ich nicht mehr viel sagen. Bekanntlich ist das genau meine Sicht.
  • Zu den USA: „Ich glaube, Trump hatte ursprünglich ein anderes Wirtschaftsprogramm im Kopf. Aber die Republikaner brauchten einen Erfolg. Es ist natürlich Unsinn, dass man nach jahrelanger Expansion noch ein fiskalpolitisches Stimulierungsprogramm auflegt. Man wird weiter rumwursteln mit Defizitwirtschaft und einer expansiven Geldpolitik. Das sorgt für ein gewisses Wirtschaftswachstum, aber die strukturellen Probleme bleiben, und Inflation und Zinsen werden weiter steigen. Das ist für den Dollar ein schlechtes Umfeld.“
  • „Zehnjährige US-Staatsanleihen werden noch nicht direkt über die kritische Marke von drei Prozent Rendite springen. Ich rechne in den nächsten Monaten mit einer Konsolidierung unterhalb dieser Marke. Erst später im Jahr oder Anfang 2019, wenn die Konjunktur wieder etwas besser wird, kommt der Ausbruch über diese Marke. Wenn das passiert, dann zieht es die Renditen an den Anleihenmärkten auf der ganzen Welt massiv nach oben. Und dann haben wir ein ebenso massives Problem an den Aktienmärkten. Dann kommt die nächste größere Verkaufswelle. Es wird nicht mehr so einfach sein wie in den letzten Jahren, an der Börse Geld zu verdienen.“
    – Fazit: Davon kann man wohl mit Sicherheit ausgehen.
  • „Was machen die Notenbanken, wenn sich die Konjunktur einmal abschwächen sollte? In der Krise war es richtig, das Finanzsystem zu stabilisieren. Das gehört zu ihren Aufgaben. Aber damit hätte nach einem Jahr Schluss sein müssen. Heute ist es so, dass Geld- und Fiskalpolitik nicht mehr in der Lage sind, den Volkswirtschaften die eigentlich notwendigen Schmerzen einer Rezession, was lediglich eine Bereinigung der vorangegangen Exzesse ist, zuzumuten. Je länger und je mehr sie eingreifen, desto stärker schwächen sie die Systeme strukturell. Das bedeutet langfristig abnehmenden Wohlstand. Der Glaube an den Interventionismus und an ein kleines Gremium von Menschen ist ein Irrglaube.“
    – Fazit: Gerade wir Deutsche werden äußerst schmerzhaft aus der Wohlstandsillusion erwachen.
  • „Wir sehen ja, dass die großen europäischen Volksparteien alle am Ende sind. In Deutschland ist die SPD kaputt, mit nicht mal mehr 20 Prozent Zustimmung. Und Frau Merkel hat die CDU kaputt gemacht. Dadurch kommen neue Parteien an den Rändern, links wie rechts. Und es ergibt sich eine politische Landschaft, die immer mehr der Weimarer Republik ähnelt. Unsere Regierungen werden immer schwächer und können keine harten Entscheidungen mehr treffen, die eigentlich notwendig wären, um unsere Volkswirtschaften wieder auf einen gesunden Kurs zu bringen. (…) wir bauen Europa um zu einer DDR light. Wir haben immer mehr Staat, immer mehr Intervention, immer mehr Regulierung, immer mehr Dirigismus und immer weniger Freiheit und Eigenverantwortung. Das ist das Modell des Sozialismus. Und der endet immer im Bankrott.“
    – Fazit: Genauso ist es!
  • „Je mehr Protektionismus wir bekommen, desto weniger Wachstum und Wohlstand haben wir. Schon die Demografie lässt eigentlich nur noch wenig Wachstum zu. In den 1990er-Jahren wuchs die Bevölkerungsgruppe in der Altersklasse unter 65 Jahren in China, Russland, Brasilien und den Ländern der OECD um 25 bis 30 Millionen Menschen pro Jahr. Dieses Jahr wird das Wachstum null sein und in Zukunft wird die Bevölkerung schrumpfen, um bis zu 12 Millionen pro Jahr bis 2035. Wenn die Bevölkerung schrumpft und wir kaum mehr Produktivitätssteigerungen haben, dann gibt es kein Wirtschaftswachstum mehr. Wir bekommen immer weniger Wachstum und die Notenbanken schaufeln Stimulanz ins System. Man schüttet immer mehr Benzin in ein Auto, dessen Tank längst voll ist, aber dessen Getriebe kaputt ist. Deshalb fährt es nicht mehr.“
    – Fazit: Und das verstärkt den Trend zu Umverteilung statt Wohlstandsmehrung. 

wiwo.de: „Dann gibt es Löcher im Markt“, 19. Februar 2018

Weitere spannende Beiträge mit und um Felix Zulauf:

Felix Zulauf: „Zeitenwende“

Recht hat er: „Sünden haben Folgen“

Auch für meine Piketty-Kritik „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ gab er ein Endorsement.


Dr.Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com


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