Politik

Remote Control – Das Gefühl der Fremdsteuerung

22. März 2018

In letzter Zeit wird viel diskutiert, ob es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der jetzigen Form überhaupt noch geben soll. Die Debatte ist über die Thematisierung der sogenannten „Zwangsgebühren“, die natürlich keiner gerne bezahlt, in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Viele fordern jetzt nicht nur eine Abschaffung dieser Gebühren, sondern gleich eine des gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Die Schweizer sagen ja

Kürzlich fand in der Schweiz eine Volksabstimmung über die Rundfunkgebühren statt und die Eidgenossen entschieden sich für die Beibehaltung der Abgaben. Natürlich kann man den Schweizer Rundfunk RSG nicht 1:1 mit ORF, ARD und ZDF vergleichen. Die Schweizer Rundfunkmacher sind vermutlich wegen der im westlichen Nachbarstaat herrschenden, etwas anderen und bekannt gut funktionierenden demokratischen Strukturen hinsichtlich Objektivität und medialer Korrektheit besser aufgestellt als die anderen deutschsprachigen öffentlichen Sender. (Mediale Korrektheit darf hier nicht mit politischer Korrektheit verwechselt werden – erstere ist zu wünschen, zweitere eher zu verwünschen).

Das Gefühl der Fremdsteuerung

Und damit sind wir beim Kern der Sache. Es geht gar nicht so sehr um die knapp 30 Euro pro Monat, die man für den Rundfunk bezahlen muss. Es geht vielmehr um ein tiefsitzendes Gefühl: Nämlich jenes, dass der ORF (so wie die ARD und das ZDF) politisch beeinflusste Medien-Institutionen sind, die zu oft einer tendenziösen und oberlehrerhaften Art der Berichterstattung frönen und so die Meinung der Bürger beeinflussen und steuern und dieselben belehren wollen. Viele Leute haben den Eindruck, dass der Quell der Moral heute nicht mehr in den traditionell dafür zuständigen Institutionen lokalisiert ist, sondern in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und dort ganz besonders in denjenigen Redaktionen, die sich um die Berichterstattung, die Politiker-Interviews und die Talk-Shows kümmern.

Die größte Medien-Orgel

Der legendäre ORF-General Gerd Bacher prägte einst den berühmten Ausspruch: „Der ORF ist die größte Medien-Orgel des Landes“ – und man weiß, wie mächtig große Orgeln spielen können. Zu Bachers Zeiten stellte den ORF noch kaum jemand in Frage, aber heutzutage ist klar zu definieren, ob und warum man in unserem längst alles durchdringenden Medienzeitalter eine zentral gesteuerte und entgegen aller Beteuerungen immer politisch beeinflusste Medienorgel braucht, die den Bürgern den Moral-Marsch bläst und sie mit bestimmten Themen zudröhnen will.

In der aktuellen Form braucht den ORF aus den oben genannten Gründen der systemimmanenten tendenziösen Strukturen niemand mehr. (Dasselbe gilt vermutlich auch für ARD und ZDF). Der Bürger will weder permanent belehrt noch will er andauernd von den vielen sich als Hypermoralisten gerierenden Reportern und Talkmastern demonstriert bekommen, was gut und was böse ist – und dafür noch Zwangsgebühren bezahlen.

Die Wahrheit tut not

Auf der anderen Seite brauchen wir mediale Einrichtungen, die keinen finanziellen Interessen (wie Inseraten, Postenschacher etc) ausgeliefert sind, sondern korrekte und glaubhaft überprüfte Informationen weitergeben. Es muss dafür eine Art „Clearingstelle“ entwickelt werden. Ähnliches gibt es beispielsweise in der Medizin schon länger:  Die Informationsflut und die Fülle der medizinischen Studien müssen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Das tun etwa die Cochrane-Library  oder das englische NICE-Institute. Für die Medienwelt fehlen diese Institute noch weitestgehend – aber wir brauchen sie dringend. Wir laufen sonst Gefahr, in einer fraktionierten Wirklichkeit zu enden, in der sich die vielen heute existierenden Medien ihre je eigenen und weltanschaulich gefärbten Inhalte zusammenbasteln – Stichwort #FakeNews.

Die öffentlich-rechtlichen Institutionen müssen unabhängig und sie dürfen nicht käuflich sein. Sie müssen daher auch ein Ethos besitzen, das fast an jenes von Staatsanwälten oder Ärzten heranreicht. Die geforderte Clearingstelle  muss eine Art „Rechnungshof des Informationswesens“ werden. Dafür ist klarerweise eine öffentliche Finanzierung notwendig und diese erfordert wiederum eine komplette Redimensionierung und Umgestaltung des jetzigen riesenhaft aufgeblähten ORF-Apparates.

Ein öffentlich-rechtlicher Sender soll nichts weiter tun als die Bürger konkret und korrekt informieren und er muss von jeder politischen Einflussnahme freigemacht werden. Also weg mit dem ORF und her mit einem ORF, der diesen Grundauftrag erfüllen kann.

 


Dr. Marcus Franz – thedailyfranz.at


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