142.773 Unterschriften gegen Glyphosat: Übergabe an das Landwirtschaftsministerium - Foto: Jörg Farys / BUND Mehr: www.bund.net/gegen-glyphosat - flickr.com - CC BY 2.0

Gly­phosat – das Gift

In einem bei­spiel­losen Vorgang hat Land­wirt­schafts­mi­nister Christian Schmidt (CSU) die EU-Zulassung des umstrit­tenen Pes­tizids Gly­phosat um fünf weitere Jahre erwirkt. Er hat dabei nicht nur seine Kabi­netts­kol­legin, die SPD-Umwelt­mi­nis­terin Barbara Hend­ricks, brüs­kiert. Er hat auch die War­nungen zahl­reicher Wis­sen­schaftler igno­riert, die Schäden für Umwelt und Gesundheit mit dem wei­teren Einsatz von Gly­phosat erwarten.
Sofort nach der Ent­scheidung in Brüssel hat Staats­prä­sident Macron in Frank­reich ein natio­nales Verbot von Gly­phosat ange­kündigt. Ein solches Verbot ist auch in Deutschland möglich. (Quelle: Greenpeace)
Gly­phosat ist einer der weltweit am meisten ein­ge­setzten Wirk­stoffe in Pflan­zen­schutz­mitteln, die zur Ver­hin­derung von uner­wünschtem Pflan­zen­wuchs oder zur Abtötung von Pflanzen oder Pflan­zen­teilen ver­wendet werden. Diese Mittel werden als Her­bizide oder umgangs­sprachlich als „Unkraut­be­kämp­fungs­mittel“ bezeichnet. Das erste Gly­phosat-Her­bizid wurde 1974 unter dem Han­dels­namen „Roundup“ auf dem Markt ein­ge­führt. Mitt­ler­weile wird der Wirk­stoff in hun­derten von Pflan­zen­schutz­mitteln unter ver­schie­denen Han­dels­namen weltweit ver­trieben. Roundup von Mon­santo ist eines der meist­ver­kauften Her­bizide über­haupt. Es steht im Ver­dacht, Embryonen zu schä­digen und Krebs auszulösen.
Gly­phosat wird in der Land­wirt­schaft und im Gar­tenbau zur Bekämpfung von Wild­kräutern (Unkraut) vor der Aussaat ver­wendet. Beim Anbau von gen­tech­nisch ver­än­derten Pflanzen mit einer Gly­pho­sat­re­sistenz wird der Wirk­stoff außerhalb der Euro­päi­schen Union auch nach der Aussaat ange­wandt, um kon­kur­rie­rende Wild­kräuter zu bekämpfen. Das zweite Ein­satz­gebiet von Gly­phosat ist die Vor­ern­te­be­handlung von Getreide auf dem Feld, auch Sik­kation genannt. Gly­phosat beschleunigt den Rei­fe­prozess des Getreides, dieses reift gleich­mä­ßiger und kann früher geerntet werden.
Nicht nur in der Land­wirt­schaft wird Gly­phosat ein­ge­setzt, auch der Hob­by­gärtner im eigenen Garten ver­wendet oft dieses giftige Herbizid.
Wie wirkt Glyphosat?
Gly­phosat greift in die Pro­duktion bestimmter Ami­no­säuren (z.B. Tryp­tophan, Tyrosin) ein, die für das Wachstum von Pflanzen, Pilzen und Bak­terien essen­tiell sind. Tryp­tophan gehört zu den essen­ti­ellen Ami­no­säuren, kann also vom mensch­lichen Körper nicht gebildet und muss mit der Nahrung zuge­führt werden. Es ist die Vor­stufe des Neu­ro­trans­mitters Sero­tonin und von Mela­tonin. Tryp­tophan-Mangel wurde bei fol­genden Erkran­kungen des Ner­ven­systems fest­ge­stellt: Alko­ho­lismus, Angst­zu­stände, Depres­sionen, Gedächt­nis­stö­rungen, Schlaf­stö­rungen, Demenz.
Gly­phosat soll für den welt­weiten Anstieg von Darm-Erkran­kungen ver­ant­wortlich sein.
WHO ver­kündet: Gly­phosat ist ein Krebserreger
Die im März 2015 in der Fach­zeit­schrift Lancet Oncology ver­öf­fent­lichte Studie zeigt auf, dass ins­gesamt fünf Orga­no­phos­phate, die als Her­bizide oder Pes­tizide zum Einsatz kommen, krebs­er­regend sind.
Dar­unter befindet sich auch das Her­bizid Gly­phosat, das in die Gruppe 2A ein­ge­stuft wurde. Diese Kate­gorie umfasst Sub­stanzen, die bei Tieren defi­nitiv und bei Men­schen höchst­wahr­scheinlich Krebs auslösen.
Die For­schungen ergaben mit­unter eine Häufung von Kar­zi­nomen der Nie­ren­tubuli und von bös­ar­tigen Tumoren im Stütz- und Bin­de­gewebe. Zudem erhöhte Gly­phosat die Rate von Geschwülsten in der Bauch­spei­chel­drüse und es kam zu einer erhöhten Rate von Haut­krebs. Die Wis­sen­schaftler konnten über­zeu­gende Beweise vor­legen, dass das Her­bizid Lymph­drüsen- und Lun­gen­krebs auslöst.
Weltweit steigt die Anzahl von Darm-Erkran­kungen wie Zöliakie (Ver­dau­ungs­krankheit, die den Dünndarm schädigt und die Auf­nahme von Nähr­stoffen aus der Nahrung stört), Gluten-Into­leranz und Reiz­darm­syndrom. Das erhöhte Auf­kommen der Krank­heiten steht im Zusam­menhang mit dem ver­stärkten Einsatz von Gly­phosat, wie es im Mon­santo-Unkrautgift Round-up vor­kommt. Men­schen, die unter Zöliakie zu leiden haben, ver­tragen kein Gluten, ein Protein, dass in Weizen, Roggen und Gerste vor­kommt. Gluten-Unver­träg­lichkeit ist ein wach­sendes Problem weltweit. Sym­ptome können Übelkeit, Durchfall, Haut­aus­schläge und Depression sein.
Studie „Gly­phosate, pathways to modern diseases II: Celiac sprue and gluten intolerance“.
(Quelle: www.Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten.de vom 3.5.2014)
Gly­phosat im Urin
Bei der Mehrheit der Teil­nehmer der Studie von der Heinrich-Böll-Stiftung zum Unkraut­ver­nichter Gly­phosat konnte es im Urin fest­ge­stellt werden.
Bei 79 Prozent der Teil­nehmer war die Belastung im Urin fünf- bis zwei­und­vier­zigfach höher als der Rück­stands­höchstwert für Pes­tizide in Trink­wasser – dieser beträgt 0,1 Nano­gramm pro Mil­li­liter. Es liegt also flä­chen­de­ckend eine erheb­liche Belastung vor. Das Alar­mie­rende: Die Urin­proben von Kindern und Jugend­lichen ergaben die höchsten Mess­werte. Ins­gesamt konnten bei 99,6 Prozent der Pro­banden Rück­stände gefunden werden.
Gly­phosat im Bier
Da kann einem der Durst auf Bier schon ver­gehen. Bei einem Test der 14 belieb­testen Bier­marken Deutsch­lands hat das Münchner Umwelt­in­stitut Spuren des Unkraut­ver­nichters Gly­phosat gefunden. Die Werte lagen zwi­schen 0,46 und 29,74 Mikro­gramm pro Liter und damit im extremsten Fall fast 300-fach über dem gesetz­lichen Grenzwert für Trink­wasser von 0,1 Mikrogramm.
Gly­phosat ist hoch­toxisch für Gewässer
Es regnet und das Gly­phosat wird in Gewässer und auch in die Erde gespült. Gly­phosat ist für Gewässer hoch­toxisch. Je nach Dosis ver­nichtet Gly­phosat im Wasser nahezu alles, was darin lebt und wächst – ob nun Fische, Frösche, Algen oder Wasserpflanzen.
Gly­phosat rei­chert sich in der Nah­rungs­kette an
Dass Gly­phosat sich trotz der gegen­tei­ligen Ver­sprechen von Pro­du­zenten in der Nah­rungs­kette anrei­chert und nicht so rasch abbaut, zeigt eine Studie von 2013. Von März bis Mai ließen der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutschland (BUND) und sein euro­päi­scher Dach­verband Friends of the  Earth (FOE) Urin-Proben von ins­gesamt 182 Stadt­be­wohnern aus 18 Ländern auf Gly­phosat ana­ly­sieren. Sieben von zehn unter­suchten Groß­städtern in Deutschland hatten das Unkraut­ver­nich­tungs­mittel im Urin.
Unsere Ana­lysen bestä­tigen den Ver­dacht, dass die Bevöl­kerung in Europa zu weiten Teilen mit Gly­phosat belastet ist. Woher die Rück­stände im Ein­zelnen kommen, muss endlich genau unter­sucht werden. Ent­spre­chend seiner Aus­kunft hatte keiner der von uns unter­suchten Stadt­be­wohner zum Bei­spiel in seinem Garten selbst Gly­phosat ein­ge­setzt. Folglich stammen die Belas­tungen aus Quellen, die der Ein­zelne nicht zu ver­ant­worten hat“, erklärt Heike Mol­den­hauer, Gen­tech­nik­ex­pertin beim BUND.
Gly­phosat in Mehl, Hafer­flocken und Backwaren
ÖKO-TEST hat Mehl, Hafer­flocken und Back­waren auf Gly­phosat unter­suchen lassen und wurde in 14 von 20 Proben fündig. Vor allem waren acht der zehn unter­suchten Brötchen belastet, was beweist, dass Gly­phosat die Back­tem­pe­ra­turen über­steht. „Unsere Test­ergeb­nisse zeigen, dass Gly­phosat über Lebens­mittel in die Körper der Men­schen gelangt. Gly­phosat gehört nicht ins Essen, Pes­tizide gehören nicht in den mensch­lichen Körper. Erschre­ckend ist das Ver­sagen der Behörden, die aus­ge­rechnet bei Gly­phosat, dem am häu­figsten ein­ge­setzten Pes­tizid der Welt, kaum Unter­su­chungen auf der­artige Belas­tungen durch­ge­führt haben“, kri­ti­siert Jürgen Stell­pflug, Chef­re­dakteur von ÖKO-TEST. (13. Juni 2013)
Gly­phosat in Mais und Sojabohnen
Wie ver­schiedene Studien zeigen, gelangt Roundup auch in den Boden und das Grund­wasser. Über 88 Prozent des in den USA ange­bauten Maises ist heute gen­ma­ni­pu­liert und wird mit Gly­phosat besprüht.
Fast 100 Prozent der Soja­bohnen, die in den USA wachsen, sind gen­tech­nisch ver­ändert und mit Gly­phosat behandelt, das meiste mit Roundup von Mon­santo, dem weltweit meist­ver­kauften Unkraut­killer. Gen-Soja und Gen-Mais werden haupt­sächlich als „Kraft­futter“ für Tiere ver­wendet und gelangen dadurch in die mensch­liche Nah­rungs­kette. Fast alles Fleisch von Rindern, Schweinen oder Geflügel in den USA stammt von Tieren, die mit Gen-Getreide gefüttert wurden, und enthält deshalb Glyphosat.
Roundup von Mon­santo greift Darm und Nieren an
Weltweit steigt die Anzahl von Darm-Erkran­kungen wie Zöliakie (Ver­dau­ungs­krankheit, die den Dünndarm schädigt und die Auf­nahme von Nähr­stoffen aus der Nahrung stört), Gluten-Into­leranz und Reiz­darm­syndrom. Das erhöhte Auf­kommen der Krank­heiten steht im Zusam­menhang mit dem ver­stärkten Einsatz von Gly­phosat, wie es im Mon­santo-Unkrautgift Roundup vor­kommt. Men­schen, die unter Zöliakie zu leiden haben, ver­tragen kein Gluten, ein Protein, dass in Weizen, Roggen und Gerste vor­kommt. Gluten-Unver­träg­lichkeit ist ein wach­sendes Problem weltweit. Sym­ptome können Übelkeit, Durchfall, Haut­aus­schläge und Depression sein.
„Der Aus­löser für diese Epi­demie ist Gly­phosat, der Wirk­stoff in dem Her­bizid Roundup“, so die Wis­sen­schaftler der Studie „Gly­phosate, pathways to modern diseases II: Celiac sprue and gluten intolerance“.
(Quelle: www.Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten.de vom 3.5.2014)
Wei­terhin steht Roundup unter Ver­dacht, für eine welt­weite Serie töd­licher Nie­ren­er­kran­kungen ver­ant­wortlich zu sein. Anscheinend ist eine hohe Belastung des Trink­wassers mit Schwer­me­tallen die Ursache für die töd­liche Krankheit. Zu diesem Schluss kam eine Studie, die von Inter­na­tional Journals of Envi­ron­mental Research and Public Health ver­öf­fent­licht wurde.
(Quelle: www.Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten.de vom 3.3.2014)
 
Wussten Sie, dass…
…bereits die 400fache Ver­dünnung einer in der Land­wirt­schaft üblichen Gly­phosat-Spritz­brühe in der Lage ist, Embryo­nal­zellen abzu­töten? Die Folge sind Tot­ge­burten und Miss­bil­dungen. (Quelle: Seralini, 2009)
Filmtipp: Das stille Gift, ZDF-Doku von 2013
 


Anmerkung der Redaktion: Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Monika Held für diesen her­vor­ra­genden Beitrag und heißen sie in der Runde unserer Autoren willkommen!