Wirtschaft & Finanzen

Das kryptische Schauspiel der Kryptowährungen

27. September 2018

Die Fachwelt ist sich bezüglich der Kryptowährungen nach wie vor recht uneins. Soll man selbige als Chance begreifen? Sich von bekannten Währungen weiter lösen? Sie als Alternative mit ins Portefeuille nehmen oder einfach nur die Finger davon lassen? Die Bocksprünge, die diese Währungen in der letzten Zeit vollführten (Fachjargon Volatilität), sind eher abschreckend. An Ende nichts für Anleger mit schwachen Nerven. An dieser Stelle gibt es einen passablen Überblick über die Kryptowährungen, deren weltweite Anzahl inzwischen auf über 4.500 angewachsen ist.

Das macht die Sache insgesamt nicht sonderlich viel übersichtlicher. Theoretisch könnte so jedermann seine eigene Währung auflegen, was die Sache an sich nicht besser macht. Um die Jahreswende 2017/2018 gab es den großen Hype rund um alles, was sich Kryptowährung nannte. Sie schossen ohne erkennbaren Grund allesamt durch die Decke. Über das letzte halbe Jahr haben sich die Werte auf breiter Front wieder ein wenig normalisiert, mit Ausnahme des Ethereum, der ist im Vergleich zu den übrigen „Großen“ überproportional in sich zusammengefallen. Insider führen das auf einen Hack zurück, bei dem vorzugsweise diese Währung zu Schaden kam.

Fiat Money bleibt Fiat

Andere Leute nutzen solche Missgeschicke und Tiefstände gerne für den Einstieg bei solchen Währungen. Auch hier gilt, wie an der richtigen Börse, was des einen Freud, ist des anderen Leid. Analog zum sogenannten Fiat-Geld (frei erfunden) haben natürlich auch die Kryptowährungen keinen inneren Wert, wie einstmals der Dollar, als er noch eine Goldbasis hatte. Dort hat man unter Präsident Nixon mit dem Ende des Goldstandards 1971 einen entscheidenden Schritt gemacht, indem man die Devise „IN GOLD WE TRUST“ schlicht um den einen Buchstaben „L“ erleichterte. Heute ist auf den Dollarnoten lediglich noch zu lesen: „IN GOD WE TRUST“. Das nur als Hinweis dazu, was ein einzelner Buchstabe doch ausmachen kann.

Wozu sind Kryptowährungen dann gut?

Insoweit sind Kryptowährungen also alles andere als vollwertige Tauschmittel. Ganz im Gegenteil, wenn die Hütte brennt, der Strom weg ist und kein Computer mehr funktioniert, sind all diese Reichtümer, in Form welcher Kryptowährung auch immer, allenthalben noch so viel Wert wie die Festplatte, auf der man selbige sorgsam verwahrt hat. Dagegen hat Papiergeld sogar noch einen entscheidenden Vorteil. Den hat allerdings auch Voltaire wohl noch nicht korrekt erfasst, als er feststellte: „Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.“ Dabei hat er nämlich den Heizwert des Papiergeldes vergessen. Davon wussten noch unsere Großeltern Geschichten zu erzählen, wenn man wäschekörbeweise das Geld in der Zeit der großen Wirtschaftskrise verbrannte.

Dessen ungeachtet kommen jetzt allerdings regierungsamtliche Versuche hinzu, stabile Geldsysteme auf dieser Basis erschaffen zu wollen. Ein interessantes Projekt dazu hat Venezuela gestartet: Venezuelas Kryptowährung Petro auf Goldkurs. Das ölreiche Land steht mehr oder minder unter Dauerbeschuss der USA, die dort eher einen Regime-Change realisiert sehen möchten. Letztlich ist den USA das Land zu sozialistisch und es will den USA auch nicht so recht den Durchgriff auf das Öl gestatten. Durch solche Geschichten können die Kryptowährungen neben ihrer Anonymität wieder punkten und ihr Ansehen verbessern.