Kommandosoldaten besteigen einen CH-53 (Quelle: Bundeswehr/Fachmedienzentrum KSK)

Auf­regung! Sollten Heiko Maas und Claudia Roth von einer Bun­deswehr-Elite-Nazi-Truppe gekillt werden?

Die bri­tische Mail online haut mit der flachen Hand in den Brei­teller. Es sei eine geheime Ver­schwörung innerhalb der Deut­schen Bun­deswehr auf­ge­deckt worden. 200 Elite-Nazi­sol­daten innerhalb der „German SAS“ sollen sich zu einer Mission mit dem Code­namen „Tag X“ zusam­men­getan haben. An jenem „Tag X“ sollten Bun­des­au­ßen­mi­nister Heiko Maas, Ex-Bun­des­prä­sident Joachim Gauck und Grünen-Frak­ti­ons­chefin Claudia Roth nebst vielen anderen Linken exe­ku­tiert werden. Natürlich auch die eins­kom­ma­so­und­soviel Mil­lionen Flücht­linge soll die Eli­te­truppe zu „schlachten“ beab­sichtigt haben.
Mit „German SAS“ ist das Pendant zur bri­ti­schen SAS (Special Air Service, eine Spe­zi­al­einheit der bri­ti­schen Armee) gemeint, das KSK (Kom­mando Spe­zi­al­kräfte) des Deut­schen Heeres.
Und wenn man die Daily Mail liest, dann sind die Behörden gerade noch recht­zeitig gekommen, bevor der Plan umge­setzt werden konnte. Den zu allem ent­schlos­senen „Todes­s­schwa­dronen“ ist man — der Daily Mail zufolge – gerade um Haa­res­breite zuvor­ge­kommen. (Was in den Kom­men­taren unter dem Artikel übrigens teil­weise sehr bedauert wird.)
Der „German SAS“-Haufen habe geplant, die Anführer von Asyl-Gruppen auf‘s Korn zu nehmen, weil dies die Leute seien, die für Ver­ge­wal­tigung, Terror und soziale Unruhen ver­ant­wortlich seien. Die Polizei, so der Bericht, habe anfangs gedacht, es handle sich bei der ganzen Sache nur um eine im besof­fenen Kopf ent­worfene Gewalt­phan­tasie, doch dann erfuhren die Ver­neh­mungs­be­amten angeblich von einem ehe­ma­ligen Luft­waf­fen­major, dass die Sache durchaus ernst­ge­meint sein soll.
Die Ver­schwörer gehörten alle zu einer Gruppe namens „Uniter“, die bereits 1996 gegründet wurde, um sich um Bun­des­wehr­sol­daten zu kümmern, die in Afgha­nistan und Afrika gedient haben. Diese Gruppe Uniter hat aber bestritten, über­haupt je von einer Elite-Kil­ler­truppe gehört zu haben.
Laut Daily Mail sollen die deut­schen Behörden „Trai­nings­lager“ an der Grenze zu Öster­reich und der Schweiz nach Waffen, Munition, Benzin und Nah­rungs­mitteln durch­sucht haben. Was für ein Trai­nings­lager, wird nicht erläutert. Eines der Bun­deswehr? Ein privat erbautes der Ver­schwörer? Und wie strafbar ist das Bevor­raten von Nah­rungs­mitteln und Benzin eigentlich? Offenbar wurden ja keine Waffen gefunden, denn das stünde in dicken Lettern in der Überschrift.
Im Focus liest sich das alles ein bisschen anders. Da steigt man noch einmal auf den völlig über­zogen auf­ge­bauschten Fall Franco A. ein, wo man ein paar unbe­scholtene Bürger mit einem irren Poli­zei­auf­gebot nächtens über­fallen und die Tür ein­ge­treten hat, nur um fest­zu­stellen, dass an der ganzen Sache letzt­endlich nichts dran war.
Und so fragt man sich auch ver­blüfft, warum denn jetzt noch einmal die Mär von den „radi­kalen Preppern“ auf­ge­wärmt wird. Dann kommt die Erklärung:
Bei den Ermitt­lungen im Fall Franco A. hat das Bun­des­kri­mi­nalamt (BKA) offenbar Hin­weise auf ein grö­ßeres kon­spi­ra­tives Netzwerk von radi­kalen Preppern, also Men­schen, die sich auf einen even­tu­ellen Welt­un­tergang vor­be­reiten, innerhalb der Bun­deswehr gefunden. Das berichtet FOCUS und beruft sich dabei auf Ermitt­lungs­akten des BKA.“ 
Das heißt eigentlich gar nichts. Innerhalb der Bun­deswehr gibt es Leute, die Lebens­mittel und Benzin lagern, weil sie mit einer mas­siven Krise rechnen. Und auch das wird nur durch „Hin­weise“ belegt.
Danach soll es zahl­reiche Ver­bin­dungen zu einem Verein für Eli­te­sol­daten und zu Ange­hö­rigen des Kom­mando Spe­zi­al­kräfte (KSK) geben. In Chat­gruppen und bei realen Treffen der Prepper gab es laut Zeu­gen­aus­sagen kon­krete Pla­nungen für einen soge­nannten „Tag X“, miss­liebige Poli­tiker „zu einem Ort mit Tötungs­ab­sicht zu ver­bringen. Außerdem seien geheime Waf­fen­depots und Treib­stoff­lager angelegt worden, schreibt FOCUS weiter.“ Lus­ti­ger­weise zitiert der Focus sich hier selbst ständig.
Und dann kommts:
Auf einer bis heute nicht gefun­denen Todes­liste soll der Frak­ti­ons­vor­sit­zende der Links­partei im Bun­destag, Dietmar Bartsch, ganz oben gestanden haben. Im Rahmen der Ermitt­lungen war im ver­gan­genen Jahr auch das Haus eines Ros­tocker Lokal­po­li­tikers und Anwaltes durch­sucht worden.“ 
Diese Todes­liste wurde schon damals durch die Medien gehe­chelt und ent­puppte sich schnell als Rohrkrepierer:
Die Presse über­schlug sich mit hys­te­ri­schen Ter­ror­mel­dungen, weil angeblich eine Todes­liste mit Namen von Poli­tikern bei den Zeugen gefunden wurde. Pan­orama machte eine ganze Sendung zu dieser angeb­lichen Todes­liste, die Mode­ra­torin ver­kündet unter dra­ma­ti­scher Musik, man habe quasi ein rechtes Ter­ro­ris­tennest aus­ge­hoben, das vor allem linke Poli­tiker liqui­dieren wollte. Bewaffnet seien sie auch noch gewesen.
Nachdem der Ruf und die Existenz der über­fal­lenen Prepper rui­niert war, kam dann nach der ersten Sep­tem­ber­woche der Rückzug: Es gab keine „Todes­liste“, niemand sei gefährdet gewesen, der Waf­fen­besitz war voll­kommen legal, es gab keine Straf­re­gister, keine Vor­ge­schichte von Gewalt, keine Ver­bin­dungen in eine rechte Szene, keine Affi­nität zu „Reichs­bürgern“. Es handle sich um „Prepper“.
Diese ganze, längst erle­digte, kom­plett über­zogene Räu­ber­pistole wird also noch einmal auf­ge­wärmt. Ein paar neue Zutaten gibt es aber doch.
Gegen einen 42-jäh­rigen Oberst­leutnant des MAD (Mili­tä­ri­scher Abschirm­dienst, der Geheim­dienst der Bun­deswehr) habe die Staats­an­walt­schaft Köln unter dem Akten­zeichen 539 Ds 297/18 beim Amts­ge­richt Köln Anklage erhoben. Der Oberst habe die Ermitt­lungen des BKA massiv behindert. Der Mann soll Ange­hörige des KSK, die als Füh­rungs­mit­glieder der Sur­vival-Szene fun­gierten, unter anderem vor Durch­su­chungen gewarnt haben. Mög­li­cher­weise fand der Oberst­leutnant, dass man dem Mum­men­schanz nicht noch Vor­schub leisten müsse.
Wei­terhin bestehen offenbar enge Ver­bin­dungen zwi­schen den Sur­vival-Fans und Mit­gliedern eines Vereins für Eli­te­sol­daten mit dem Namen „Uniter e.V.“, in dem sich vor­nehmlich Ange­hörige der Spe­zi­al­kräfte von Militär und Polizei sammeln. So wurden die Chat­gruppen von meh­reren dama­ligen Haupt­feld­webeln des KSK geleitet (OH! MEIN! GOTT!). Einer von ihnen ist der heutige Vor­sit­zender des Vereins. Gleich­zeitig fun­gierte der Mann laut Ver­neh­mungen als „Aus­kunfts­person“ des MAD zum Uniter e.V. und stellte „den ein­zigen glaub­wür­digen Aus­kunfts­geber zu internen Pro­zessen des KSK“ für den Mili­tär­ge­heim­dienst dar.
Ja? Und wo bitte ist jetzt das Problem? Die Tötungs­liste wurde als Unsinn ent­larvt, der Oberst­leutnant hat bei der Farce nicht mit­ge­spielt, die „radikale Prep­per­truppe“ hatte Vorräte und Klo­papier gebunkert, die­je­nigen unter ihnen, die Waffen hatten, besaßen diese als Sport­schützen legal und konnten sie auch unan­ge­fochten behalten. Und warum darf ein Haupt­feld­webel keine Chat­gruppe leiten? Und wer glaubt denn allen Ernstes, dass Spe­zi­al­kräfte so bodenlos blöd wären, sich im Chat zu einem Umsturz mit Exe­ku­tionen zu ver­ab­reden? Und warum darf der Haupt­feld­webel keine Aus­kunfts­person für den MAD sein? Und „Uniter“ hat nichts von einem Kil­ler­kom­mando mitbekommen.
Was sollen wir aus der ganzen Schaum­schlä­gerei eigentlich ent­nehmen? Das erweckt den unguten Ein­druck, dass hier bewusst mit pro­pa­gan­dis­ti­schen Mitteln ein Feindbild auf­gebaut werden soll, das, wenn es sich erst einmal gefestigt hat, Ver­haf­tungen Miss­lie­biger und Kri­tiker ver­ein­facht und keinen Wider­stand mehr her­vorruft. Die Bevöl­kerung soll irre gemacht und ein­ge­schüchtert werden. Darum geht‘s, so scheint es.