Politik

Ein Herz und eine Seele: Hilft Wolfgang Schäuble Friedrich Merz ins Kanzleramt?

5. Dezember 2018

Das muss man ihm lassen: Noch-BlackRock-Aufsichtsratmitglied Friedrich Merz spielt nicht schlecht auf der Klaviatur der Nachrichten, seiner Selbstdarstellung und seiner Beziehungen. Es wäre eine Überraschung, wenn er nicht den Thron des Parteivorsitzenden erklimmen sollte.

Wieder ein schöner Friedrich Merz-PR-Artikel in der Welt. Das Titelbild zeigt ihn im freundlichen Tête-á-Tête mit Wolfgang Schäuble beim politischen Sommerfest, lächelnd, einander zugeneigt, Freunde eben. Das zieht sich durch den gesamten Beitrag.

Dass beide erwiesenermaßen Merkel-Opfer sind, ist auf der politischen Bühne wohlbekannt. Frau Bundeskanzlerin Merkel hat nicht nur Herrn Schäuble im Jahr 2000 aus dem Parteivorsitz und damit aus der Pool-Position zum Klanzler geschubst, sondern ihm auch noch das so gut wie sichere Bundespräsidentenamt vermasselt. Ähnliches widerfuhr Herrn Merz, der sich ebenfalls Chancen auf den Parteivorsitz ausrechnete, sich aber um den Faktor Merkel verrechnet hatte und schließlich das Handtuch warf, um sich in der freien Wirtschaft nach vorne zu kämpfen.

Von daher dürfte es nicht schwer zu erraten sein, welche gemeinsamen Themen die Herren Schäuble & Merz zu erörtern pflegen. Der Spiegel formuliert es galant: Die CDU-Politiker Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble eint ihre kritische Sicht auf Kanzlerin Angela Merkel.

Es steht nicht gut um ihrer beider Intimfeindin, Frau Noch-Bundeskanzlerin Merkel, wenn der WDR (ARD) eine Dokumentation sendet, in der die beiden Herren offen über ihre gemeinsamen Pläne sprechen, die sie vor drei Jahren geschmiedet hatten. Der damalige Finanzminister plante vor drei Jahren, die Kanzlerschaft zu übernehmen, doch mehr als Spekulationen gab es dazu in den Medien nicht.

Damals hatte Bundeskanzlerin Merkel noch die Kraft und das Standing, ihre Rivalen abzusägen. Der Kommentar dazu von Herrn Friedrich Merz zeugt davon, dass da offenbar an allen verfügbaren Strippen gezogen wurde, aber auch davon, dass Herr Merz, früher für bisweilen unbedachte Äußerungen berühmt, dazugelernt hat. So sagt Herr Merz in Bezug auf die Kanzlerpläne des Herrn Schäuble:

Wir haben uns natürlich auch hin und wieder über die Frage unterhalten. Es stand ja die Frage im Raum, ob er möglicherweise die Kanzlerschaft übernimmt“, berichtet der 63-Jährige. „Er hat mir dann gesagt: ‚Wenn das dann jemals dazu kommen könnte, muss ich mich auch auf dich verlassen können.‘ Aber dazu sei es ja nicht gekommen.“

Wunderhübsch: „Aber dazu sei es ja nicht gekommen.“ Man möchte gar nicht wissen, welches Hauen und Stechen, welche Rankünen und Stuhlbeinsägen da zum Einsatz gekommen sind.

Die sogenannte konservativ-katholische „Andenfraktion“ in der CDU betrachtet bis heute verwundert den kometenhaften Aufstieg der „FDJ-Tussi aus der Uckermark“, die die CDU mit ihrem historischen, konservativen Selbstverständnis in wenigen Jahren auf linksgrün plattbügelte und jeden Gegenspieler erfolgreich meuchelte. Die CDU verlor ihr Profil und ihre Wähler. Und es war daher natürlich nur eine Frage der Zeit, wann rechts neben der CDU eine neue, konservative Partei Fuß fassen würde, die AfD.

Das ist der Stachel im Fleische der konservativen Unionisten. Der „schwarze Block“ in der CDU/CSU ist zornig über den allzu vitalen Seitentrieb, der rechts aus dem Stamm der alten, mickernden CDU-Eiche gesprossen ist und ihr nun die Sonne wegnimmt. Das alles, so meinen die beiden Sechzehnender, hätte man verhindern können, wenn die CDU nicht von Frau Merkel entkernt und entmannt worden wäre. Für Friedrich Merz, der in Bezug auf diese Entwicklung ja – wegen Abwesenheit durch Vergraulen – außerhalb der Schusslinie steht, ist es leicht, der Partei das Wahldebakel um die Ohren zu hauen: Die CDU habe den Aufstieg der AfD mit „Achselzucken“ hingenommen.

Herr Friedrich Merz arbeitet sehr effektiv an seinem stramm konservativen Profil, wozu natürlich auch die Kritik an Frau Bundeskanzlerin Merkels Migrationspolitik gehört. Herr Bundestagspräsident Schäuble sekundiert. Man sollte sich nur nicht der Illusion hingeben, dass ein Parteivorsitzender Merz, auch wenn er es schaffen sollte, Frau Bundeskanzlerin Merkel vorzeitig aus ihrem Amt zu entfernen, in der Migrationspolitik einen anderen Kurs fahren wird als sie. Solange das nicht der Fall ist, wird die AfD wenig zu befürchten haben.


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