"Nazis raus", "Vielfalt" und andere Kampfbegriffe ersetzen die Argumente auf der linken Seite - By Marco Verch - Say no to racism. Say yes to cultural diversity. #refugeeswelcome #nazisraus #berlikte #thisiscologne #koellelive #nopegida, CC BY 2.0, Link
Politik

„Nazis raus“ und so… – Oder: Schreiben am Rande des Gesinnungsdeliriums

10. Januar 2019

Sebastian Leber ist beim Tagesspiegel für die Beleuchtung zuständig. Er setzt dort den „rechten Rand“ in scharfes und den „linken Rand“ in schmeichelhaft weiches Licht. Etwa als er mit Blick auf Chemnitz fragt, „Wie rechts ist die Stadt?“ oder im Artikel „Danke, liebe Antifa!“ mit pastellenen Farben zur Verteidigung einer „viel gescholtenen Subkultur“ (meine Hervorhebung) anhob. Doch was ist der Schnee von gestern gegen einen Shitstorm von heute! Einem solchen sah sich nämlich aktuell Nicole Diekmann vom ZDF ausgesetzt und wer wollte bestreiten, dass derlei sozial-mediale Flegeleien eine unangenehme und meist auch völlig unangemessene Sache sind. Was mich zum Beispiel prinzipiell an solchen Wut-Tiraden stört, ist die völlige Abwesenheit sachlicher Argumente, die es auch in diesem Fall durchaus gegeben hätte. Es ging stattdessen nur noch darum, möglichst kräftig auszuholen, um Knie und Schienbeine des Kontrahenten zu treffen. „Ad hominem” also und damit an der Sache vorbei. Die Kondensationskerne, um die herum sich die Gewitterwolken bilden, kommen jedoch seit Jahren von ausnahmslos allen (!) politischen Parteien und die Saat scheint gut aufzugehen in diesem Land, wie der aktuelle Anschlag auf den Bremer AfD-Chef gezeigt hat. Für bedauernde Sprüche und scheinheilige Aufrufe zur Mäßigung ist es wohl leider schon zu spät, der politische Gegner wird nicht mehr als Mensch wahrgenommen und ist längst zum Zerrbild des Feindes schlechthin mutiert. Soviel zum Prinzipiellen, wenden wir uns dem Speziellen des Falles Diekmann zu und was der Beleuchter Leber damit zu schaffen hat.

Shitstorm-Nahkampf in der Humor-Zone

Den von Leber thematisierten Twitter-Nahkampf müssen wir zunächst mal zeitlich rekonstruieren. ZDF-Redakteurin Nicole Diekmann, vermutlich noch leicht angeschlagen von der Silvesterfeier, wacht irgendwann am Neujahrstag auf und stellt sich die Frage, was zuerst zu tun sei. Rollmops oder Aspirin? Ein Müsli oder lieber noch keine feste Nahrung? Da muss ihr ihre Liste mit guten Vorsätzen für 2019 ins Auge gefallen sein und sie bemerkte erschrocken, dass sie in diesem Jahr noch gar nicht gegen rechts gekämpft hat. Nun tut Eile Not, denn es ist schon fast 22 Uhr. Twitter öffnen, „Nazis raus.“ posten, fertig. Jetzt aber Aspirin. Doch keine Minute später wollte @spom_heike wissen, „Wer ist denn für Sie ein Nazi?“ – eine Frage, wie wir in Lebers Artikel lernen, die man nicht stellen darf. Außer, man ist selbst Nazi. Aber dann stellt sich die Frage ja eigentlich auch nicht… es ist kompliziert. Diekmann jedenfalls, immer noch einige Minuten vom rettenden Aspirin entfernt, antwortete gnädig auf die unverschämte Frage, und Leber ist ganz aus dem Häuschen:

Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt.“


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