Whistleblower Politik

„Fall Strache“: Überwachungs-Experte schätzt Kosten der Operation auf 1 Mio. $

29. Mai 2019

Im „Fall Strache“ gab es heute neue Meldungen, die jedoch ihren Weg bisher nicht in die deutschen Medien gefunden haben. Der Grund wird klar, wenn man sie sich anschaut.

Zunächst berichtete die russische TASS von einem Interview mit einem Privatdetektiv, der auf Überwachungsoperationen spezialisiert ist. Seiner Meinung nach gingen die Kosten der „Operation Strache“ leicht in die Millionen Dollar. Er erklärte, dass eine solche Operation Monate der Vorbereitung braucht und vor allem Spezialisten, die nicht billig sind:

„Um die nötigen Antworten (von Strache) zu bekommen, muss man die richtigen Fragen stellen. Man muss ein Gespräch in die gewünschte Richtung lenken können. Das benötigt Vorbereitung und Erfahrung. Das beweist, dass dies die Arbeit von Profis war. (…) Das ist ein arbeitsintensiver Prozess. Für die Vorbereitung braucht man Monate. Dabei darf Geld keine Rolle spielen.“

Als teuerste Komponenten der Operation nannte der Detektiv nicht die eingesetzt Überwachungstechnik oder die Spesen für Reisen, Miete der Villa usw., sondern die Honorare für die Organisatoren und die professionellen Lockvögel.

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Bei solchen Kosten stellt sich zwangsläufig die Frage, wer ein so großes Interesse daran haben kann, ein solches Video zu produzieren, nur um es dann auf Vorrat zwei Jahre in den Schrank zu legen. Einfache politische Intrigen oder Scherzbolde fallen definitiv aus. Vielmehr deutet auch diese Meldung auf Geheimdienste hin, wie ja auch schon mehrere ehemalige Geheimdienst-Chefs in der Presse gesagt haben.

Außerdem gab es heute die Meldung, dass Strache gegen drei Personen Anzeige erstattet hat. Das meldet die österreichische Nachrichtenagentur APA. Dort heißt es:

„Der nach dem Auftauchen des ‚Ibiza-Videos‘ zurückgetretene FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat bei der Staatsanwaltschaft Wien gegen drei Personen Anzeige erstattet. In einer Erklärung gegenüber der APA bezeichnete er diese als ‚mögliche Mittäter‘ bei der Erstellung des Materials. (…) Auf welche Straftaten sich die Anzeigen beziehen, erwähnte Strache nicht. ‚Alles Weitere zu klären, obliegt nun den Ermittlungsbehörden.’“

Seine eigene Rolle sieht er dabei kritisch und die APA schreibt dazu:

„Der zurückgetretene FPÖ-Chef macht die ‚Veröffentlichung der Bruchstücke eines rechtswidrig und geheim erstellten Videomitschnitts‘ für den ‚maximal denkbaren Schaden‘ verantwortlich, auch wenn er meint: ‚Hieran trage natürlich auch ich eine gewisse Mitschuld.‘ Zu seinen Aussagen im Video meinte Strache, dass er ‚Akteur einer inszenierten Gesprächssituation‘ geworden sei. ‚In dieser habe ich Gedankenspiele artikuliert, die dumm waren und insbesondere auf dem politischen Parkett völlig inakzeptabel wären.‘ Keinem Politiker seien Gedankenspiele jedoch fremd, ‚in denen er über Mittel und Wege nachdenkt, die politischen Ziele seiner Partei zu verwirklichen, Medienpopularität zu steigern und Verbündete in der Wirtschaft zu gewinnen‘.“

Da hat er sicherlich Recht und ich frage mich, wie wohl Gespräche von Merkel, Nahles, Lindner, Habeck und anderen deutschen Spitzenpolitikern aussehen, die sie während des Wahlkampfes mit möglichen Unterstützern hinter verschlossenen Türen führen. Auch dort wird es um Strategien und Möglichkeiten gehen, mehr Stimmen und eine positive Presse zu bekommen.

Welche „Gedankenspiele“ diesen Politikern im Kopf rumgeistern, weiß ich nicht. Und ob diese Politiker nach sechs Stunden Alkoholkonsum ihre „Gedankenspiele“ auch so offen aussprechen würden, wie Strache es getan hat, ist Spekulation.

Vielleicht kann ja jemand diese Gespräche mal filmen und veröffentlichen…?


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“


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