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Wirtschaft & Finanzen

Dürfen wir Ihnen den neuen Vorsitzenden der Fed vorstellen? Gestatten, Donald Trump (+Video)

2. April 2020
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Noch ist es nicht wirklich ins Bewusstsein der Leute gedrungen, aber es gibt einen Paradigmenwechsel: Die US-amerikanische Zentralbank, die Federal Reserve, die mächtigste (private) Bank der Welt, ist quasi Eigentum des US-Finanzministeriums geworden. Einfach so, über Nacht und zwar am 26. März 2020. Wie lange kennen wir schon den Schlachtruf „End the Fed!“? Gefühlte Ewigkeiten. US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul hat sich seit Jahrzehnten an dem Thema abgearbeitet, die Occupy-Bewegung ist daran gescheitert. Nun hat Donald Trump offenbar in einem Überraschungscoup das geschafft, was unmöglich schien. 

Dass Donald Trump solche Andeutungen schon lang im Vorfeld getätigt hatte, ist bekannt. Doch niemand traute ihm das zu. „Der Kerl nimmt den Mund zu voll!“ war die allgemeine Meinung dazu. Am 27. November 2018 titelte die Seite godmode-trader: „Will Trump die US-Notenbank entmachten?

„US-Präsident Trump hat in einem Interview eine mögliche Abberufung von US-Notenbankpräsident Jerome Powell angedeutet. Kann Trump den Machtkampf gegen die Fed-Spitze gewinnen? Dass US-Präsident Trump kein Freund steigender Zinsen ist, ist schon länger bekannt. Trump wirft der US-Notenbank vor, durch die Anhebung der Leitzinsen seine Versuche zur Ankurbelung der US-Wirtschaft zu konterkarieren.

In einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ hat Trump jetzt seine Kritik an der Fed erneuert und möglicherweise auch eine Entmachtung von Fed-Präsident Jerome Powell angedeutet.“

Diese Andeutungen von Präsident Trump, der in dem Interview unverblümt die Fed als ein größeres Problem als China bezeichnete, war eine heftige Attacke gegen die sakrosankte Unabhängigkeit der Notenbank. Doch da die Fed – nach Ansicht des US-Präsidenten – mit ihren Entscheidungen den Demokraten in die Hände spielte und Donald Trumps Politik behinderte, wo sie nur konnte, hatte sie sich einen Mann zum Feind gemacht, den man besser nicht unterschätzen sollte. Wie sich gerade zeigt.

Ein Coup aus dem Nichts?

Nicht einmal in den sozialen Medien war es gleich bemerkt worden. Ein User namens Ir0nbelly twitterte gleich am 27. März, nach Erscheinen eines Berichtes auf Bloomberg: „RIP Federal Reserve!!! This is Huge!!!

Die Ehre gebührt Oliver Janich als erster ein umfassendes Video dazu gemacht zu haben und die deutschsprachige Gemeinde zu informieren.

Der von Oliver Janich zitierte Bloomberg Bericht ist hier zu finden.

Der Autor Jim Bianco sieht sehr wohl, dass die Fed in den letzten Wochen alle Register gezogen hat. Die Zinsen wurden um 150 Basispunkte gesenkt – auf fast Null. Es verpuffte wirkungslos.

Was er nicht schreibt: Normalerweise, wenn die Börsen und Märkte ins Rutschen kommen, tritt die „Working Group on financial Markets“ in Aktion, im Jargon auch „Plunge Protection Team“ (Schutz-vor-dem-Absturz-Team) genannt, konzertiert und abgesprochen mit der Fed. Alles wartet dann schon mit angehaltenem Atem auf den Befreiungsschlag aus der Fed, die dann üblicherweise am Wochenende die Zinsen senkt, und am Montagmorgen früh springt ihr verabredungsgemäß das Plunge Protection Team zur Seite, indem die großen Player kräftig einkaufen – zu niedrigen Preisen – und den Karren wieder flott machen. Dann steigen die Kurse wieder und die starken Bullen, die den Karren mit gigantischen Summen aus dem Dreck gezogen haben, verkaufen dann sachte und nach und nach wieder … zu den gestiegenen Preisen. Auch nicht zu ihrem Schaden.

Doch dieses Mal war es anders. Am Montagmorgen rührte sich kein Lüftchen. Die Gazetten fabulierten etwas von „konnte die Märkte nicht überzeugen …“ und schlechtem Sentiment. Aber vielleicht lag es ja eher daran, dass man den Karren im Graben liegen haben wollte?

Die Fed packte die Bazooka aus und warf ein „Quantitavie Easing“, also einfach frisch gedrucktes Geld von einer Billion Dollar ($ 1 trillion) pro Tag in die Märkte plus Anleihekäufe von 625 Milliarden Dollar ($625 billion of bond) pro Woche. Ohne Wirkung.

Mit anderen Worten: Alles Pulver, was im Waffenarsenal war, wurde verschossen. Nun musste etwas geschehen, bevor der totale Crash unaufhaltsam abläuft.

Die nächste Dimension der Notrettung

Jetzt wurde die „Dicke Bertha“ herangerollt und geladen. Bloomberg nennt es eine „Buchstabensuppe neuer Programme“, wegen der Ansammlung von Großbuchstaben, hinter denen sich nach Ansicht des Beitragautors „tiefgreifende, langfristige Konsequenzen für das Funktionieren der Fed“ verbergen. Hier die besagte Buchstabensuppe für Interessierte:

  • CPFF (Commercial Paper Funding Facility) – Kauf von Geldmarktpapieren vom Emittenten.
  • PMCCF (Primary Market Corporate Credit Facility) – Kauf von Unternehmensanleihen vom Emittenten.
  • TALF (Term Asset-Backed Securities Loan Facility) – Finanzierungsrückhalt für forderungsbesicherte Wertpapiere
  • SMCCF (Secondary Market Corporate Credit Facility) – Kauf von Unternehmensanleihen und Anleihen-ETFs (Exchange Trade funds) auf dem Sekundärmarkt.
  • MSBLP (Main Street Business Lending Program) – Einzelheiten werden noch bekannt gegeben, aber es wird an berechtigte kleine und mittlere Unternehmen vergeben, was die Bemühungen der Small Business Association (Kleinunternehmervereinigung) ergänzt.

Diese Geschäfte, so schreibt der Bloomberg-Autor, sind der Fed gar nicht erlaubt. Die Zentralbank darf nur Wertpapiere mit staatlicher Garantie kaufen oder verleihen, aber nichts von der obigen „Wäscheliste“, mokiert er sich. Und er fragt: „Also, wie kriegen die das hin?“

Die Erklärung ist nicht ganz trivial: Die Fed finanziert für jede dieser Buchstabenkürzelprogramme eine speziell gegründete Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV), um diese Operationen durchzuführen. Das Finanzministerium wird mithilfe eines bereitgestellten Börsen-Stabilisierungsfonds (Exchange Stabilization Fund) via Kapitalbeteiligung an jeder Zweckgesellschaft investieren und sich in einer Erstverlust-Position (First Loss-Position) befinden. Im Prinzip kauft das Finanzministerium (nicht die Fed!), all diese Wertpapiere und sichert die Kredite ab. Die Fed fungiert als Banker und stellt die Finanzierung für das Finanzministerium bereit. Dabei beauftragt die Fed den Konzern „BlackRock Inc.“ als Händler  mit dem Kauf dieser Wertpapiere und mit der Verwaltung dieser Zweckgesellschaften. Und das wiederum im Auftrag des Eigentümers der Zweckgesellschaften, und das ist das US-Finanzministerium.

Das heißt, dass die US-Bundesregierung große Teile der Finanzmärkte mit einem Schlag verstaatlicht. Die Fed stellt das Geld dafür zur Verfügung, also „druckt“ es und BlackRock macht den Käufer und Verwalter.

Und jetzt kommt der Kracher.
Das bedeutet, schreibt Bloomberg, nichts anderes, als dass auf diese Weise die US-Notenbank Federal Reserve und das Finanzministerium zu einer Organisation zusammengeführt wird.

„Dürfen wir Ihnen den neuen Fed-Vorsitzenden, Donald Trump, vorstellen?“

Damit hat die Fed dem US-Bundesfinanzministerium den Zündschlüssel zur Fed-Gelddruckmaschine überreicht. Denn jetzt kann das Finanzministerium die Fed anweisen, was sie an Geld zu drucken hat, um Wertpapiere und US-Staatsanleihen aufzukaufen und gigantische Kredite zu vergeben. So sollen die Finanzmärkte wieder angekurbelt werden. Das wird wahrscheinlich auch funktionieren, denn nun kann es keinen Börsencrash mehr geben. Steigende Finanzmärkte sind gut für die Wiederwahl Donald Trumps. Und wenn der alte Präsident Trump auch der neue Präsident Trump ist, dann, so mutmaßt der Autor, wird er es dabei nicht bewenden lassen und diese ganze Konstruktion benutzen, um den Dow-Jones Aktienindex auf seine Traummarke von 10.000 Punkte hochzutreiben.

Das ist nicht nur eine schöne Zahl, sondern ein sehr wichtiger Punkt für die US-Bürger. Sehr viele haben ihre Ersparnisse in Aktien investiert und erwarten davon eine auskömmliche Altersversorgung. Genau hier sind viele Wähler von Donald Trump. Aber auch die Unternehmen, deren Aktien bis vor wenigen Tagen schwer unter Feuer standen, können (erst einmal) aufatmen. Auch hier sind sowohl viele mittelständische Unternehmer, aber auch viele ihrer Angestellten Trump-Wähler. Die Demokraten haben ihre Klientel eher in den Universitäten und unter den Intellektuellen sowie in den sozialen Einrichtungen, staatlich besoldeten Institutionen, Lehrern, Journalisten und Sozialarbeitern. All die, die sich den stupiden, vierschrötigen Trump-Wählern intellektuell haushoch überlegen fühlen.

Die ungebremste Mega-Billionen-Geldschöpfung könnte allerdings möglicherweise bald schon ihre Nachteile in Form einer deutlich beschleunigten Inflation zeigen, die dann nicht nur auf die USA beschränkt sein wird. Zombie-Unternehmen, die nur noch aufgrund von fast Nullzins-Krediten weiterwursteln werden nicht bereinigt, sondern noch eine Runde weiter geschleppt. Das Kasino an den Börsen und Märkten geht in den Turbomodus.

Es sei denn, Präsident Trump ist wirklich der 4D-Schachspieler, für den seine Fans ihn halten. Dieser Coup aus dem Nichts spricht dafür, dass selbst seine Anhänger ihn unterschätzt haben. Vielleicht hat er ja noch ein Ass im Ärmel, mit dem niemand gerechnet hat.

Ach ja, und noch etwas: Man sollte einmal ein bisschen „BlackRock Inc.“ googeln und die Rolle von Herrn Friedrich Merz in diesem weltgrößten Vermögensverwalter. Und wann er plötzlich auf der deutschen Politikbühne wieder auftauchte. Vielleicht auch, warum er jetzt in Selbstquarantäne verschwunden ist. Und welche Verbindungen er in die Kreise der Geld- und Machteliten hat. Zum Beispiel in die Atlantikbrücke. Ein Kanzler Merz hätte sicherlich ein gutes Standing in „Übersee“. Vielleicht wurde er ja auch ausgesandt und wartet. Bestimmt nicht auf Godot.