Bild: Wikipedia, via https://www.flickr.com/photos/37527185@N05/50812356151, Tyler Merbler
Politik & Aktuelles

Der Sturm auf‘s Kapitol: Dreieinhalb Jahre Haft für den QAnon-Schamanen

26. November 2021

Er ist das Gesicht des Sturmes auf das Kapitol am 6. Januar. Kein Bericht, bei dem er nicht auf dem Titelfoto prangte, der bärtige Mann mit der blanken, wolligen Brust, der dicken Silberkette, Lederjacke, übersät mit Tattoos, einer stammesmäßigen Büffelhorn-Fellmütze und der amerikanischen Flagge auf‘s Gesicht geschminkt. Für die globale Presse war sein pittoreskes Aussehen unbezahlbar: Seht her, was für weltfremde, durchgeknallte Irre die Trumpisten doch sind. Für die Trump-Anhänger war er ein Agent der Antifa, der bezahltermaßen die Fans von Donald Trump in die Irren-Ecke verfrachten sollte. Niemand kannte offenbar die schillernde Erscheinung wirklich. Zumindest lernen ihn jetzt seine Mithäftlinge dreieinhalb Jahre lang kennen.

Jacob Chansley (Jacob Anthony Angeli Chansley), der QAnon Schamane wird natürlich im Wikipedia  als Verschwörungstheoretiker geführt. Wikipedia zufolge absolvierte er das Glendale Community College, wo er sich in Psychologie, Religion, Philosophie und Töpfern betätigte und bildete. Und er war bei der Navy, wo er auf einem Flugzeugträger diente. Er hat einige Medaillen verdient, einschließlich der „Global War on Terrorism Service Medal“. Und er hat zwei Bücher geschrieben, eines davon über den „Deep State“. Er machte auch ein paar Videos zu Dingen, die man als „Verschwörungstheorien“ bezeichnet.

Am 5. November 2016, zwei Tage nach der Wahl von Mr. Donald Trump zum US-Präsidenten, erschien Jacob Chansley in seinem Aufzug auf einer Demo, die Q-Flagge um sich drapiert und hielt ein Schild „Q hat mich gesandt!“-Schild in die Höhe.

Bild: Wikimedia Commons, TheUnseen 011101, gemeinfrei

Er posierte beim Sturm aufs Kapitol am Platz des Vorsitzenden, spannte seinen Bitzeps und posierte für Fotos, die durch die sozialen Medien gingen. Nicht alle Fans aus dem Trump-Lager fanden das gut. Viele misstrauten den allzu plakativen Auftritten und seinem eigenen Personenkult und hielten ihn für einen „agent provocateur“ der Antifa.

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Der US-amerikanische Rechtsanwalt, Politiker und Republikaner Matt Gaetz ist Abgeordneter im Kongress, wo er diese Behauptung noch einmal bestärkte:

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„Some of the people who breached the Capitol today were not Trump supporters,“ he said. „They were masquerading as Trump supporters and in fact, were members of the violent terrorist group antifa.“

(„Einige der Leute, die heute das Kapitol erstürmt haben, waren keine Trump-Anhänger“, sagte er. „Sie gaben sich als Trump-Anhänger aus und waren tatsächlich Mitglieder der gewalttätigen Terrorgruppe Antifa.“)

Viele Nutzer der Sozialen Medien wollen auch Tattoos an einigen der Eindringlinge ins Kapitol gesehen haben, die eindeutig stalinistisch-kommunistischer Prägung seien. Man habe auch Busse mit diesen Antifa-Leuten vorfahren sehen, von der Polizei eskortiert. Diese seien dann ungehindert ebenfalls ins Kapitolgebäude hineinmarschiert. Als Erkennungszeichen untereinander hätten diese Leute Trump-Baseball-Caps falsch herum getragen. Außerdem hatten sie schwarze Rucksäcke, wie Antifas sie haben – und keine rot-weiß-blauen, wie die Trump-Fans.

Ein pensionierter Militäroffizier behauptete in der altehrwürdigen „Washington Times“ damals: „Die Firma XRVision verwendete ihre Software zur Gesichtserkennung von Demonstranten und fand bei zwei Antifa-Mitgliedern aus Philadelphia eine Übereinstimmung mit zwei Männern. Die im Senatssaal waren. XRVision hat auch einen anderen Mann identifiziert, von dem zwar nicht bekannt ist, dass er Antifa-Verbindungen hat, aber jemand ist, der bei Klima- und Black Lives Matter-Protesten an der Westküste auftaucht.

So ganz aus der Luft gegriffen scheinen die Vorwürfe also nicht zu sein, dass damals, am 06. Dezember auch eine False Flag der extrem linken, gewaltbereiten Antifa durchgezogen wurde. Natürlich spielte das bei der Gerichtsverhandlung gar keine Rolle.

Einundvierzig Monate Haft wegen „Behinderung des Betriebes von Kongressabläufen“ warten auf den 34-Jährigen, drei Jahre und fünf Monate. Laut Gesetz hätten ihm 20 Jahre Haft blühen können. Da er aber weder Gewalttaten beging noch Sachbeschädigungen, forderte das Justizministerium nur eine Strafe von 51 Monaten. Und auch das begründeten sie mit der  führenden Rolle, die der QAnon-Schamane bei der Stürmung eingenommen habe. Die Gerichte haben genug zu tun mit den Stürmern; 570 Menschen waren verhaftet worden, gegen ca. 664 wurde Anklage erhoben.

 

 


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