Wenig bekannte Fakten zur Aus­län­der­kri­mi­na­lität in Deutschland

Dieser Artikel setzt die Poli­zei­liche Kri­mi­nal­sta­tistik in Bezug zur Bevöl­ke­rungs­sta­tistik. Es wird für ver­schiedene Natio­na­li­täten unter­sucht, wie hoch der Anteil an Tat­ver­däch­tigen aus den jewei­ligen Ländern ist. So gibt es Länder von denen mehr als 50% innerhalb eines Jahres tat­ver­dächtig waren, das heißt mehr als jeder zweite in Deutschland befind­liche Staats­an­ge­hörige aus diesen Ländern war 2016 tat­ver­dächtig. Am anderen Ende des Spek­trums gibt es Länder von denen weniger als 1% aller in Deutschland befind­lichen Staats­an­ge­hö­rigen 2016 tat­ver­dächtig waren. Ein detail­lierter Ver­gleich ver­schie­dener Straf­tats­ka­te­gorien wie Sexu­al­straf­taten oder Dieb­stahl zeigt, um wieviel häu­figer Staats­an­ge­hörige ein­zelner Ländern in diese Straf­taten invol­viert sind als Deutsche.

Ohne Ursa­chen­for­schung zu betreiben, bietet dieser Artikel eine dif­fe­ren­zierte Analyse der Aus­län­der­kri­mi­na­lität in Deutschland, ohne die übliche Ver­all­ge­mei­nerung oder Pau­scha­li­sierung bezüglich dem “Aus­länder” oder dem “Flüchtling”. So gibt es starke Hin­weise darauf, dass der über­pro­por­tional hohe Anteil von Aus­ländern an den Tat­ver­däch­tigen nicht am aus­län­di­schen Aus­sehen und daraus resul­tie­renden Vor­ur­teilen liegt und sich auch nicht mit jungen aus­län­di­schen Männern erklären lässt. Ebenso scheint Armut kein ent­schei­dender Faktor für den höheren Anteil zu sein. Unsere Unter­su­chung deutet darauf hin, dass Natio­na­lität anders als bisher ver­mutet von grö­ßerer Bedeutung ist.

Man liest es immer wieder: “Aus­länder sind nicht kri­mi­neller als Deutsche” heißt es regel­mäßig, wenn über Aus­län­der­kri­mi­na­lität berichtet wird. Seit Beginn der Flücht­lings­krise, in der wie bekannt sehr viele Syrer ins Land kamen, lautet es oft: “Syrer sind nicht kri­mi­neller als Deutsche”. Nach den sexu­ellen Über­griffen Sil­vester 2015 in Köln wurde einem dann erklärt, dass Nord­afri­kaner haupt­sächlich aus Marokko, Algerien und Tunesien nicht schlimmer sind als deutsche Männer, wenn es um Sexu­al­straf­taten geht. All diese Aus­sagen ver­wundern viele sehr, sieht doch die im Alltag wahr­ge­nommene und in Nach­richten und Zei­tungen berichtete Kri­mi­na­lität ganz anders aus. Im Umkehr­schluss würde daher gelten, dass die Deut­schen min­destens genauso kri­minell sind wie Aus­länder. Im Fol­genden unter­suchen wir, ob diese Aus­sagen stimmen. Wir ana­ly­sieren detail­liert, wie sich Aus­länder und Deutsche in ihrer Kri­mi­na­lität unter­scheiden und ob es Unter­schiede zwi­schen ver­schie­denen Natio­na­li­täten gibt. Außerdem über­prüfen wir ver­schiedene Erklä­rungs­ver­suche zur Aus­län­der­kri­mi­na­lität und wider­legen einige davon.

Aus­sagen zur Kri­mi­na­lität lassen sich mit Hilfe der jährlich ver­öf­fent­lichten Kri­mi­nal­sta­tistik veri­fi­zieren. Offi­ziell heißt diese “Poli­zei­liche Kri­mi­nal­sta­tistik (PKS)” und kann jederzeit von der Web­seite des Bun­des­kri­mi­nalamts her­un­ter­ge­laden werden [1]. Die PKS 2016 listet alle Ver­brechen auf, die im Jahr 2016 begangen wurden und für die es Tat­ver­dächtige gibt. Besonders inter­essant zum Thema Aus­län­der­kri­mi­na­lität ist Tabelle 62 [1]. Diese listet alle Tat­ver­däch­tigen nach Natio­na­lität auf und unter­teilt Straf­taten in über 1.000 Kate­gorien. Detail­lierter geht es nicht. Dort finden sich fol­gende Fakten:

  1. Im Jahr 2016 gab es genau 1.407.082 deutsche Tat­ver­dächtige, aber nur 953.744 nicht­deutsche Tatverdächtige.
  2. Im Jahr 2016 gab es genau 142.685 syrische Tat­ver­dächtige, also fast zehnmal weniger als deutsche Tatverdächtige.
  3. Im Jahr 2016 gab es genau 24.835 deutsche Tat­ver­dächtige für Ver­brechen gegen die sexuelle Selbst­be­stimmung. Aus Marokko, Algerien und Tunesien gab es dagegen jeweils nur 171, 148 und 78. Selbst aus Syrien sind es nur 910 und aus Afgha­nistan nur 838.

Bedeutet dies nun, dass Deutsche kri­mi­neller sind als Aus­länder, kri­mi­neller als Syrer und auch schlimmere Sexu­al­ver­brecher als Nord­afri­kaner? Was bedeutet es über­haupt, ob eine Gruppe Men­schen kri­mi­neller ist als eine andere Gruppe?

Man erkennt schnell, dass sich diese Fragen mit Hilfe der gege­benen Zahlen nicht beant­worten lassen. Schließlich gibt es wesentlich mehr Deutsche in Deutschland als Nicht­deutsche, man kann die Zahlen also gar nicht ver­gleichen. Wenn zum Bei­spiel von 10.000 Deut­schen 100 kri­minell sind, und von 1.000 Nicht­deut­schen eben­falls 100 kri­minell sind, dann sind ein­deutig Deutsche weniger kri­minell als Nicht­deutsche. Es wären nämlich 10% der Nicht­deut­schen kri­minell (100 von 1.000), aber nur 1% der Deut­schen kri­minell (100 von 10.000). Demnach wären Nicht­deutsche in diesem Bei­spiel also zehnmal kri­mi­neller als Deutsche.

Man kann die Frage wer kri­mi­neller ist, offen­sichtlich nur beant­worten, wenn man weiß, wie viele Men­schen in den zu ver­glei­chenden Gruppen ver­treten sind. In der Sta­tistik nennt sich dies die “Grund­ge­samtheit”. Das heißt, man kann die Frage, ob Deutsche oder Nicht­deutsche kri­mi­neller sind nicht anhand der Kri­mi­nal­sta­tistik alleine beant­worten, sondern benötigt hierzu auch noch die Bevölkerungsstatistik.

Daten­analyse: Bezug von Kri­mi­nal­sta­tistik und Bevölkerungsstatistik

Gründlich, wie wir Deut­schen sind, gibt es auch eine sehr detail­lierte Bevöl­ke­rungs­sta­tistik, die man von der Web­seite des Sta­tis­ti­schen Bun­desamts her­un­ter­laden kann [2]. Die aktu­ellste Version ist derzeit die Bevöl­ke­rungs­sta­tistik 2015. Diese gibt detail­liert darüber Aus­kunft, wer am 31.12.2015 in Deutschland war. Man kann dort nach­lesen, dass es am 31.12.2015 in Deutschland 73.523.726 Deutsche gab und 9.107.893 Nicht­deutsche. Der Anteil Nicht­deut­scher an der Gesamt­be­völ­kerung beträgt 11.08%.

Wenn man dies nun mit der PKS 2016 in Bezug setzt, so ergibt sich dass es von 73.523.726 Deut­schen im Jahr 2016 ins­gesamt 1.407.082 Tat­ver­dächtige gab. Dies sind 1.91%. Das heißt, von 10.000 Deut­schen sind 191 Tat­ver­dächtige. Dem­ge­genüber sind von 9.107.893 Nicht­deut­schen ins­gesamt 953.744 tat­ver­dächtig. Dies sind 10.47%. Das heißt unter 10.000 Nicht­deut­schen gibt es 1.047 Tat­ver­dächtige, mehr als jeder zehnte. Nicht­deutsche sind also 5.5mal so oft Tat­ver­dächtige wie Deutsche. Genauer gesagt, es gibt unter 10.000 Nicht­deut­schen 5.5mal mehr Tat­ver­dächtige als unter 10.000 Deut­schen. Anders aus­ge­drückt: Die Wahr­schein­lichkeit, dass ein Nicht­deut­scher tat­ver­dächtig ist, ist sta­tis­tisch gesehen also 5.5mal höher als die Wahr­schein­lichkeit, dass ein Deut­scher tat­ver­dächtig ist.
Zurück zur Frage, was es nun bedeutet, jemand ist kri­minell oder ist kri­mi­neller als jemand anders. Nur weil jemand tat­ver­dächtig ist, ist er noch lange nicht kri­minell. Man kann aller­dings davon aus­gehen, dass die Polizei jemanden nicht grundlos einer Tat ver­dächtigt, sondern nur wenn es hin­rei­chende Indizien gibt. Umge­kehrt ist es wahr­scheinlich, dass jemand, der nicht kri­minell ist, auch keiner Straftat ver­dächtigt wird. Von daher gibt es sicher eine starke Kor­re­lation zwi­schen tat­ver­dächtig und kri­minell sein. Wie diese genau aus­sieht, kann hier nicht beant­wortet werden, da die Poli­zei­liche Kri­mi­nal­sta­tistik eine Tat­ver­däch­ti­gen­sta­tistik ist und nicht eine Straf­tä­ter­sta­tistik. Aufgabe der Polizei ist es Tat­ver­dächtige und die not­wen­digen Indizien zu ermitteln, nicht Tat­ver­dächtige zu ver­ur­teilen. Anstatt “kri­minell” zu defi­nieren, defi­nieren wir hier die Kri­mi­nalrate einer Gruppe von Men­schen. Diese gibt pro­zentual an, wie­viele Mit­glieder dieser Gruppe innerhalb eines Jahres min­destens einmal tat­ver­dächtig waren, das heißt der Pro­zentsatz der Tat­ver­däch­tigen dieser Gruppe. Ein Wert von 10% bedeutet, dass 10% der Mit­glieder dieser Gruppe in einem Jahr tat­ver­dächtig waren. Wenn die Gruppe also 10.000 Mit­glieder hat, wären davon in einem Jahr 1.000 Tat­ver­dächtige. Während Kri­mi­nalrate eigentlich prä­ziser Tat­ver­däch­ti­genrate heißen müsste, haben wir uns dennoch ent­schlossen, diese Kri­mi­nalrate zu nennen. Die Kri­mi­nal­sta­tistik heißt auch Kri­mi­nal­sta­tistik und nicht Tatverdächtigenstatistik.

Im Fol­genden ana­ly­sieren wir die Kri­mi­nalrate für Staats­an­ge­hörige aller Länder. Tabelle 12 der Bevöl­ke­rungs­sta­tistik schlüsselt genau auf, wie viele Staats­an­ge­hörige welcher Länder sich am 31.12.2015 in Deutschland auf­hielten [2]. Damit lassen sich auch die beiden anderen oben genannten Fragen näher ana­ly­sieren. Bevor wir dies tun, noch einige wichtige Anmerkungen:

  1. Die fol­gende Analyse setzt die Bevöl­ke­rungs­sta­tistik vom 31.12.2015 in Bezug zu der Poli­zei­lichen Kri­mi­nal­sta­tistik von 2016. Das heißt, die Annahme ist, dass die­je­nigen Per­sonen, die sich am 31.12.2015 in Deutschland auf­hielten, auch für die Ver­brechen ver­ant­wortlich sind, die im gesamten Jahr 2016 begangen wurden. Dies ist natürlich nur eine Abschätzung, da es nicht möglich ist, diesen Bezug tagak­tuell her­zu­stellen. Es ist aber mit vor­han­denen Daten die best­mög­liche Abschätzung, vor allem da die Bevöl­ke­rungs­fluk­tuation über das Jahr gesehen nor­ma­ler­weise nicht sehr groß ist. Diese Nor­ma­lität gilt aller­dings nicht für die großen Flücht­lings­be­we­gungen der ver­gan­genen Jahre. Darauf gehen wir weiter unten noch ein. Sobald die Bevöl­ke­rungs­sta­tistik vom 31.12.2016 ver­öf­fent­licht wird (diese ist seit Monaten über­fällig), könnte man den Mit­telwert aus beiden Sta­tis­tiken nehmen, um eine genauere Abschätzung zu bekommen. Den Mit­telwert zwi­schen der Bevöl­kerung am 31.12 des Vor­jahres und dem 31.12. des ana­ly­sierten Jahres konnten wir für die Jahre vor 2016 berechnen.
  2. Die Poli­zei­liche Kri­mi­nal­sta­tistik enthält Daten zu allen Straf­taten. Besonders seit der Flücht­lings­krise ist es wichtig, Straf­taten, die mit ille­galer Ein­reise und ille­galem Auf­enthalt zu tun haben, gesondert zu betrachten. Dies wird gemacht, da sonst sehr viele Flücht­linge auto­ma­tisch Tat­ver­dächtige sind. Wir werden in der fol­genden Analyse zwi­schen diesen Straf­taten unter­scheiden. In der PKS 2016 wurde dies bereits getan, es gibt dort die Kate­gorie 890000: Straf­taten ins­gesamt, jedoch ohne Ver­stöße gegen das Aufenthalts‑, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz/EU (Schlüssel 725000)). Für unsere Analyse werden wir haupt­sächlich diese Kate­gorie ver­wenden. In beiden Kate­gorien (Straf­taten ins­gesamt und in Kate­gorie 890000) ist jeder Tat­ver­dächtige nur einmal gelistet, auch wenn er meh­reren Straf­taten ver­dächtigt wurde. Die ange­ge­benen Zahlen geben also tat­sächlich an wie viele der jewei­ligen Gruppe tat­ver­dächtig waren und können somit ohne Ver­zerrung mit der Bevöl­ke­rungs­anzahl ver­glichen werden. Wenn man nun alle Straf­taten zu ille­galem Auf­enthalt und ille­galer Ein­reise her­aus­nimmt und nur Kate­gorie 890000 berück­sichtigt, nimmt die Zahl der tat­ver­däch­tigen Nicht­deut­schen rapide ab und es sind noch 616.230 nicht­deutsche Tat­ver­dächtige, das heißt, ins­gesamt 6.77% der Nicht­deut­schen waren im Jahr 2016 tat­ver­dächtig. Dies sind zwar weniger, aber damit sind Nicht­deutsche im Schnitt immer noch 3.5mal so häufig Tat­ver­dächtige wie Deutsche.
  3. Wir betrachten hier Tat­ver­dächtige und nicht ver­ur­teilte Straf­täter und auch nicht die Gesamtzahl aller Straf­taten. Dies berück­sichtigt also nur Straf­taten, bei denen es auch Tat­ver­dächtige gibt. Wie all­gemein bekannt, gibt es für sehr viele Straf­taten keine Tat­ver­däch­tigen. Es ist also anzu­nehmen, dass es wesentlich mehr Straf­täter als Tat­ver­dächtige gibt. Dies hängt auch ent­scheidend von der Art der Straftat ab. Zum Bei­spiel ist jemand, der einen anderen beleidigt, im Nor­malfall bekannt, während Ein­brecher eher selten ermittelt werden. Aller­dings kann es auch für die­selbe Straftat mehrere Ver­dächtige geben, von denen dann nur einer oder auch keiner der wahre Täter ist. Betrachtet man auch Mehr­facht­at­ver­dächtige (Tabelle 40 und 50 in [1]), so beträgt der Anteil Nicht­deut­scher unter den Ein­facht­at­ver­däch­tigen 30.0%, während es bei Mehr­facht­at­ver­däch­tigen 31.8% sind. Bei “Inten­siv­tat­ver­däch­tigen”, die im Jahr 2016 mehr als zehn Straf­taten ver­dächtigt wurden (ins­gesamt 27.257 Tat­ver­dächtige), beträgt der Anteil Nicht­deut­scher sogar 34.1%, jeweils bei einem Bevöl­ke­rungs­anteil von 11.08%.

Nun aber zu unserer Analyse, wie sich die Kri­mi­nalrate von Staats­bürgern ver­schie­dener Länder unter­scheidet. Dazu sind in Tabelle 1 alle Länder gelistet, von denen sich am 31.12.2015 mehr als 1.000 Staats­bürger in Deutschland befanden und die im Schnitt mehr as 5‑mal so oft tat­ver­dächtig sind wie Deutsche. Außerdem sind noch aus­ge­wählte Länder gelistet, die eine große Bevöl­ke­rungs­gruppe stellen, sowie die wenigen Länder, deren Staats­bürger weniger oft Tat­ver­dächtige sind als Deutsche. Zusätzlich ist noch die Demo­kra­tische Republik Kongo gelistet. Wie wir weiter unten sehen ist diese ein besonders inter­es­santer Fall. Tabelle 1 enthält die fol­genden Ein­träge von links nach rechts:

  • das jeweilige Land, aus dem die Tat­ver­däch­tigen stammen,
  • die Anzahl der Staats­büger dieses Landes, die am 31.12.2015 in Deutschland waren
  • die Anzahl der Tat­ver­däch­tigen aus diesen Ländern insgesamt,
  • der pro­zen­tuale Anteil Tat­ver­däch­tiger aus dieseln Ländern. Ein Wert von 5% bedeutet, dass von 100 Staats­bürgern dieses Landes 5 Tat­ver­dächtige sind.
  • die Anzahl der Tat­ver­däch­tigen aus diesen Ländern ohne Ver­stöße gegen Ein­reise- oder Auf­ent­halts­ge­setze, das heißt Kate­gorie 890000 der PKS
  • die Kri­mi­nalrate, das heißt der pro­zen­tuale Anteil Tat­ver­däch­tiger aus diesen Ländern ohne Ver­stöße gegen Ein­reise oder Auf­ent­halts­ge­setze. Ein Wert von 5% bedeutet dass von 100 Staats­bürgern dieses Landes 5 Tat­ver­dächtige sind, wenn man Ver­stöße gegen Ein­reise- oder Auf­ent­halts­ge­setze unbe­rück­sichtigt lässt.
  • der Wert um wieviel höher die Kri­mi­nalrate des jewei­ligen Landes gegenüber der Kri­mi­nalrate von Deut­schen ist. Ein Wert von 10 bedeutet, die Kri­mi­nalrate ist zehnmal höher als die Kri­mi­nalrate der Deutschen.

Tabelle 1 enthält einige auf­schluss­reiche Daten. Es lässt sich gut erkennen, wie viele illegal Ein­ge­reiste aus den jewei­ligen Ländern 2016 nach Deutschland gekommen sind oder in Deutschland waren. Dies ent­spricht ungefähr der Dif­ferenz zwi­schen der dritten und der fünften Spalte. Ins­gesamt sind dies ungefähr 340.000. Es fällt auf, dass die­je­nigen Länder, bei denen diese Dif­ferenz relativ hoch ist, auch sehr weit oben in der Tabelle stehen. Dies lässt den Schluss zu, dass Staats­bürger der Länder, aus denen viele Flücht­linge stammen, über­pro­por­tional oft Tat­ver­dächtige sind, ob dies nun Flücht­linge selbst sind oder nicht.

Während 1.91% der Deut­schen tat­ver­dächtig sind, ist diese Rate bei vielen anderen Ländern sehr viel höher. So ist mehr als jeder zweite Algerier tat­ver­dächtig, ins­gesamt 54.32%, also mehr als 28mal so oft wie Deutsche. Dies wird nur noch über­troffen von Guinea-Bissau mit 56.78%. Dabei sind wohl­ge­merkt schon alle Straf­taten her­aus­ge­rechnet, die sich auf illegale Ein­reise oder ille­galen Auf­enthalt beziehen, selbst solche, die sich auf Ein­schleusen beziehen, z.B. Ein­schleusen mit Todes­folge. Außerdem ist jeder Tat­ver­dächtige nur einmal genannt. Es is also tat­sächlich mehr als jeder zweite dieser beiden Länder innerhalb nur eines Jahres tatverdächtig.

Von den 20 Ländern mit der höchsten Kri­mi­nalrate, alle davon mehr als 16%, sind 16 Länder aus Afrika, die wei­teren 4 sind Georgien, Moldau, Albanien und Afgha­nistan. Während oft behauptet wird, dass Syrer nicht kri­mi­neller sind als Deutsche, ist in der Tat richtig, dass Syrer weniger oft tat­ver­dächtig sind als zum Bei­spiel Afghanen, eine weitere große Gruppe von Flücht­lingen. Aller­dings ist die Kri­mi­nalrate bei Syrern immer noch über 10% und Syrer sind damit 5.6 mal so oft tat­ver­dächtig wie Deutsche. Damit ist auch die zweite häufige Behauptung sta­tis­tisch widerlegt.

Es gibt aller­dings auch erfreu­liche Aus­nahmen. So gibt es einige Länder, bei denen die Kri­mi­nalrate geringer ist als die der Deut­schen. Mit der Aus­nahme von Finnland und Katar sind dies alles Ost- und Süd­ost­asia­tische Länder. Mit dabei sind auch mus­li­mische Länder wie Malaysia und Indo­nesien. Allen voran aber Japan mit einer Kri­mi­nalrate die 5mal geringer ist als die der Deut­schen. Von über 35.000 Japanern in Deutschland waren nur 164 Tat­ver­dächtige. Zum Ver­gleich, von ca. 20.000 Alge­riern in Deutschland waren 11.138 tat­ver­dächtig, also 115mal so oft tat­ver­dächtig wie Japaner.

Unter­su­chung häufig genannter Erklärungsversuche

In vielen Studien und Zei­tungs­ar­tikeln zum Thema Aus­län­der­kri­mi­na­lität finden sich ver­schiedene Erklä­rungs­ver­suche und Hypo­thesen für die höhere Aus­län­der­kri­mi­na­lität (z.B. [7,8,10,11]). Es heißt dann, ja, Aus­länder sind zwar häu­figer tat­ver­dächtig als Deutsche, aber das liegt nur an diesem und jenem Grund. Wenn es diese Gründe nicht gäbe, dann wären Aus­länder auch nicht kri­mi­neller als Deutsche. Einen Grund gibt es laut dieser Studien aber auf keinen Fall: die Natio­na­lität. Auf der deut­schen Wiki­pedia Seite zum Thema Aus­län­der­kri­mi­na­lität [9] steht dazu:

Eine Ver­gleichs­studie des Ber­liner Forum Gewalt­prä­vention geht bei der Suche nach Ursachen für Aus­län­der­kri­mi­na­lität von einer Wech­sel­wirkung ver­schie­dener Fak­toren aus: “Es gibt heute keinen ernst­zu­neh­menden Zweifel mehr, dass die Merkmale Staats­an­ge­hö­rigkeit oder Ethnie für die Erklärung von Kri­mi­na­lität bedeu­tungslos sind. Dies gilt natürlich auch für den Begriff des Aus­länders, der sich aus der Dif­ferenz zwi­schen der Staats­an­ge­hö­rigkeit eines Indi­vi­duums und seinem momen­tanen geo­gra­phi­schen Standort ergibt. Für die Annahme, dass dies eine Ursache für Kri­mi­na­lität sein sollte, exis­tiert kein ein­ziger trif­tiger Grund” [9].

Ohne selbst Ursa­chen­for­schung zu betreiben, können wir mit Hilfe unserer Ana­ly­se­me­thode, die die Kri­mi­nal­sta­tistik mit der Bevöl­ke­rungs­sta­tistik in Bezug setzt, nun einige dieser Hypo­thesen näher unter­suchen. Unser Ansatz unter­scheidet sich stark von prak­tisch allen anderen Studien zu diesem Thema. Da diese Studien die Natio­na­li­täten der Tat­ver­däch­tigen nicht berück­sich­tigen, sind diese auf sta­tis­tische Ana­lysen ange­wiesen, die über alle Nicht­deut­schen mitteln, letztlich also ver­all­ge­meinern und pau­scha­li­sieren. Wir können dagegen mit ratio­nalen und logi­schen Argu­menten Zusam­men­hänge iden­ti­fi­zieren, die ein­deutige Gegen­bei­spiele zu den häufig genannten Erklä­rungs­ver­suchen liefern, die die Hypo­thesen also klar widerlegen.

Der Ein­fluss von Alter und Geschlecht auf die Kriminalrate

Die meist genannte Ursache für die höhere Kri­mi­nalrate von Aus­ländern und Flücht­lingen ist, dass es unter ihnen mehr junge Männer gibt und diese mut­maßlich häu­figer Tat­ver­dächtige sind als andere Bevöl­ke­rungs­schichten. Wir unter­suchen daher die Kri­mi­nalrate von jungen Männern im Alter von 20 bis unter 30 Jahren. Ins­gesamt gibt es in Deutschland ca. 5.20 Mil­lionen Männer dieser Alters­gruppe, davon sind ca. 1.00 Mil­lionen Nicht­deutsche, also ca. 19.2%. Da die Bevöl­ke­rungs­sta­tistik ver­schiedene Alters­gruppen in 5‑Jahresschritten angibt, die PKS aber in anderen Schritten (18 bis unter 21, 21 bis unter 25, 25 bis unter 30), ist eine exakte Angabe nicht möglich (Tabelle 5 in [2]). Wenn man ein Drittel der 18- bis unter 21-jäh­rigen tat­ver­däch­tigen Männer mit ein­be­zieht, dann lässt sich die Anzahl der 20- bis unter 30-jäh­rigen ungefähr abschätzen. Demnach gibt es ungefähr 175.000 nicht­deutsche männ­liche Tat­ver­dächtige im Alter von 20 bis unter 30 Jahren. Die Kri­mi­nalrate dieser Gruppe ist also ca. 17.5% und damit deutlich höher als der Durch­schnitt der nicht­deut­schen Bevöl­kerung von 6.77%.

Mit der gleichen Berechnung sind es ungefähr 275.000 deutsche tat­ver­dächtige Männer dieser Alters­gruppe, deren Kri­mi­nalrate ist damit ca. 6.5% und eben­falls deutlich höher als der Durch­schnitt der deut­schen Bevöl­kerung von 1.91%. Dies ist aller­dings geringer als die Kri­mi­nalrate aller Nicht­deut­schen von 6.77%, unab­hängig vom Alter und Geschlecht. Nicht­deutsche Männer dieser Alters­gruppe sind damit 2.7mal häu­figer tat­ver­dächtig als deutsche Männer der­selben Alters­gruppe. Dies ist sogar geringer als der Gesamtwert von 3.5 über alle Alters­gruppen unab­hängig vom Geschlecht aus Tabelle 1.

Wenn man nun die Kri­mi­nalrate der übrigen Deut­schen und Nicht­deut­schen berechnet, so gibt es unter Nicht­deut­schen ohne 20–30jährige Männer ca. 441.000 Tat­ver­dächtige und somit eine Kri­mi­na­li­tätsrate von 5.44%. Unter Deut­schen ohne 20–30jährige Männer gibt es ca. 1.131.000 Tat­ver­dächtige und somit eine Kri­mi­nalrate von 1.63%, ins­gesamt 3.3mal geringer als von Nicht­deut­schen der­selben Bevölkerungsstruktur.

Damit ist dieses Argument für die höhere Anzahl nicht­deut­scher Tat­ver­däch­tiger ein­deutig widerlegt. Die Tat­sache, dass die Kri­mi­nalrate Nicht­deut­scher höher ist als die der Deut­schen, liegt nicht daran, dass viele junge Männer unter den nicht­deut­schen Tat­ver­däch­tigen sind. Junge Männer sind zwar wesentlich häu­figer tat­ver­dächtig als die Gesamt­be­völ­kerung, aber selbst in dieser Bevöl­ke­rungs­gruppe sind Nicht­deutsche wesentlich häu­figer tat­ver­dächtig als Deutsche. Außerdem ist die Kri­mi­nalrate junger deut­scher Männer geringer als die von Nicht­deut­schen im All­ge­meinen. Unter nicht­deut­schen Frauen ist die Kri­mi­nalrate übrigens 2.92%, unter deut­schen Frauen ist sie nur 0.99%, also 2.9mal geringer. Wie man es auch dreht und wendet, Nicht­deutsche sind wesentlich häu­figer tat­ver­dächtig als Deutsche, und zwar unab­hängig von Geschlecht und Alter.

Der Ein­fluss von Anzei­ge­ver­halten und Tat­ver­dachts­effekt auf die Kriminalrate

Ein wei­terer Grund dafür, dass Nicht­deutsche häu­figer Tat­ver­dächtige sind als Deutsche, soll sein, dass das Miss­trauen gegenüber Aus­ländern größer ist als gegenüber Deut­schen und sie deshalb häu­figer ange­zeigt werden. Das heißt, jemand ist Zeuge einer Straftat, oder ist Opfer einer Straftat und ent­scheidet dann, ob er/sie den Täter anzeigen soll oder nicht. Das Argument ist, dass in diesen Fällen Nicht­deutsche häu­figer ange­zeigt werden als Deutsche und daher häu­figer tat­ver­dächtig sind. Ein Tat­ver­däch­tiger der in diese Kate­gorie fällt, hat übrigens mit großer Wahr­schein­lichkeit tat­sächlich eine Straftat begangen, da er direkt ange­zeigt wird.

Ein ähn­licher Grund soll sein, dass Poli­zei­beamte wissen, dass Nicht­deutsche häu­figer tat­ver­dächtig sind als Deutsche und sie deshalb auch häu­figer kon­trol­lieren. Durch die häu­fi­geren Kon­trollen werden dann mehr Nicht­deutsche iden­ti­fi­ziert, die mög­li­cher­weise eine Straftat begangen haben und dadurch dann tat­ver­dächtig sind. Beide Gründe hängen also ent­scheidend mit dem nicht­deut­schen Aus­sehen der Per­sonen zusammen. Um diese beiden Gründe zu unter­suchen, eignet sich unsere Methode besonders gut. Wir machen dazu fol­gende Annahme:

Annahme: Die meisten von uns, und das beinhaltet Poli­zei­beamte, sind nicht in der Lage, Nicht­deutsche dem Aus­sehen nach ein­deutig ihrem Her­kunftsland zuzu­ordnen. Mit etwas Erfahrung, und diese haben Poli­zei­beamte mit Sicherheit, kann man Per­sonen dem Aus­sehen nach einer Region zuordnen. Wenn man die Sprache der Person noch mit ein­be­zieht, so ist dies dann eher möglich, wenn sie aus einem Land mit eigener Sprache kommt, die den meisten geläufig ist, z.B. ita­lie­nisch oder tür­kisch. Wenn benach­barte Länder die gleiche oder sehr  ähnlich klin­gende Sprache sprechen, so ist eine ein­deutige Zuordnung einer Person zu einem dieser Länder mit großer Wahr­schein­lichkeit unmöglich.

Basierend auf dieser Annahme ist zu ver­muten, dass es fast unmöglich ist, dass ein Polizist zum Bei­spiel zwi­schen einem Algerier und einem Marok­kaner oder einem Tunesier ein­deutig unter­scheiden kann. Ebenso ist es unwahr­scheinlich, dass Poli­zisten so gut in afri­ka­ni­scher Geo­graphie und Eth­no­logie aus­ge­bildet sind, dass sie mit geschultem Blick zwi­schen einem Afri­kaner aus der Republik Kongo und einem Afri­kaner aus der Demo­kra­ti­schen Republik Kongo unter­scheiden können. Die All­ge­meinheit kann dies mit Sicherheit noch weniger unter­scheiden als Poli­zisten, die meisten wissen ver­mutlich nicht einmal, dass Kongo aus zwei Staaten besteht.

Sollte das Argument zu Anzei­ge­ver­halten und Tat­ver­dachts­effekt stimmen, so dürfte es keinen großen Unter­schied zwi­schen Per­sonen geben, die ähnlich aus­sehen und eine ähn­liche Sprache sprechen. Es dürfte also keinen großen Unter­schied in der Kri­mi­nalrate zwi­schen benach­barten Ländern mit gleicher oder sehr ähn­licher Sprache geben, da man deren Staats­bürger dem Aus­sehen nach nicht ein­deutig unter­scheiden kann. Wie man in Tabelle 1 sieht, gibt es aber einen großen Unter­schied in der Kri­mi­nalrate zwi­schen benach­barten Ländern mit der gleichen Sprache. Bei­spiele dazu sind die bereits genannten Länder: Algerien mit 54.32% und Tunesien mit 16.80%, also ein Faktor von 3.2. Am größten ist der Unter­schied zwi­schen der Republik Kongo mit 46.81% und der Demo­kra­ti­schen Republik Kongo mit 5.27%, also ein Faktor von 8.9.

Wären Nicht­deutsche also haupt­sächlich auf­grund ihres Aus­sehens häu­figer Tat­ver­dächtige, so müsste die Kri­mi­nalrate von benach­barten Ländern ungefähr gleich hoch sein, da weder Poli­zei­beamte noch Nor­mal­bürger diese ein­deutig unter­scheiden und einem bestimmten Land zuordnen können. Da sie dies ganz ein­deutig nicht ist, ist das Argument, dass Nicht­deutsche haupt­sächlich auf­grund ihres Aus­sehens häufig Tat­ver­dächtige sind, widerlegt. Dieses Argument erklärt nicht die enorm hohe Kri­mi­nalrate von Staats­an­ge­hö­rigen der Republik Kongo oder Algerien.

Der Ein­fluss von Armut auf die Kriminalrate

Ein wei­terer Grund, der oft genannt wird, ist, dass Nicht­deutsche deshalb häu­figer tat­ver­dächtig sind als Deutsche, weil sie häufig ein­kom­mens­schwachen und prä­keren sozialen Ver­hält­nissen ange­hören. Um dies zu unter­suchen, ver­gleichen wir in der Bevöl­ke­rungs­sta­tistik, wie viele Per­sonen ver­schie­dener Gruppen Arbeits­lo­sengeld und sonstige staat­liche Unter­stützung (z.B. Sozi­al­hilfe) bekommen. Wir nennen diese Per­sonen im Fol­genden “sozial schwach”. Tabelle 15 der Sta­tistik über Migra­ti­ons­hin­ter­grund [3] listet dies für aus­ge­wählte Länder.

Von der Gesamt­be­völ­kerung sind 5.859 Mil­lionen sozial schwach, davon 4.533 Mil­lionen Deutsche und 1,326 Mil­lionen Nicht­deutsche, also 22.6% aller sozial schwachen sind Nicht­deutsche. Dies ist ungefähr doppelt so hoch wie der Anteil Nicht­deut­scher an der Gesamt­be­völ­kerung. Aller­dings ist deren Kri­mi­nalrate 3.5mal so hoch, wie es dem Bevöl­ke­rungs­anteil ent­spricht. Selbst wenn alle Tat­ver­däch­tigen sozial Schwache wären, wären also deutsche sozial Schwache weniger oft tat­ver­dächtig als nicht­deutsche sozial Schwache.

Wenn man nun die sozial schwachen nach Natio­na­lität auf­schlüsselt, so ergibt sich, dass 18.52% der Algerier, Libyer, Tunesier und Ägypter sozial schwach sind, diese sind in einer Kate­gorie zusam­men­ge­fasst. Die durch­schnitt­liche Kri­mi­nalrate dieser Gruppe ist 23,43%. Einen ähnlich hohen Anteil an sozial Schwachen haben fol­gende Länder: Bul­garien (15,38%), Kosovo (15,79%), Serbien (18,15%), Vietnam (18,75%). Leider listet die Tabelle nicht viele ein­zelne Länder auf. Die Kri­mi­nalrate dieser vier Länder ist wie in Tabelle 1 ange­geben 8,68% für Bul­garien, 6,84% für Kosovo, 10,54% für Serbien und nur 2,91% für Vietnam, das wegen der geringen Zahl nicht in Tabelle 1 ver­treten ist und das die höchste Anzahl an sozial Schwachen der genannten Länder hat. Das heißt, obwohl die Anzahl sozial Schwacher aus diesen Ländern ähnlich hoch ist wie die der Gruppe nord­afri­ka­ni­scher Länder, ist deren Kri­mi­nalrate wesentlich nied­riger. Wie man besonders am Bei­spiel Vietnam sieht, ist die Anzahl sozial Schwacher offen­sichtlich kein guter Indi­kator für eine hohe Kriminalrate.

Ein wei­terer Ein­fluss auf die Kri­mi­nalrate konnte der Lebens­standard im Hei­matland sein. Jemand der aus armen Ver­hält­nissen kommt, könnte eher geneigt sein im reichen Deutschland Straf­taten zu begehen. Wir unter­suchen dies am Bei­spiel Kongo. Wie oben geschildert, sind Staats­an­ge­hörige der Republik Kongo neunmal häu­figer tat­ver­dächtig als Staats­an­ge­hörige der Demo­kra­ti­schen Republik Kongo. Dies legt die Ver­mutung nahe, dass die Republik Kongo mög­li­cher­weise ärmer ist als die Demo­kra­tische Republik Kongo. Jedoch ist laut CIA World Factbook [4] genau das Gegenteil der Fall: Das Brut­to­so­zi­al­produkt der Demo­kra­ti­schen Republik Kongo ist 2016 pro Ein­wohner USD 800, das Brut­to­so­zi­al­produkt der Republik Kongo ist dagegen 2016 pro Kopf USD 6,800, also fast neunmal höher und fast so hoch wie das der Phil­ip­pinen (USD 7,700) und höher als das von Vietnam (USD 6,100). Die Kri­mi­nalrate der Phil­ip­pinen ist aber 28mal geringer als die der Republik Kongo, die Kri­mi­nalrate von Vietnam ist 16 mal geringer. Die Demo­kra­tische Republik Kongo ist laut CIA World Factbook eines der drei ärmsten Länder der Welt und trotzdem sind deren Staats­bürger in Deutschland weniger oft tat­ver­dächtig als die einiger euro­päi­scher Länder. Das ärmste Land der Welt ist übrigens Somalia mit einem Brut­to­so­zi­al­produkt von USD 400 pro Kopf. Somalia befindet sich weit am oberen Ende von Tabelle 1. Damit scheint es also keine Kor­re­lation zwi­schen Armut und Kri­mi­nalrate zu geben. Armut, weder in Deutschland noch im Her­kunftsland, ist damit kein Grund in Deutschland häu­figer Straf­taten zu begehen.

Der Ein­fluss von Rei­senden auf die Kriminalrate

Wir berück­sich­tigen in unserer Analyse nicht, ob ein Tat­ver­däch­tiger mög­li­cher­weise nur Tourist oder Durch­rei­sender ist und damit die Kri­mi­nalrate der nicht­deut­schen Bevöl­kerung ver­zerrt. Tabelle 61 der PKS 2016 gibt an, wie viele der nicht­deut­schen Tat­ver­däch­tigen in diese Kate­gorie fallen, aller­dings nicht nach Staats­an­ge­hö­rigkeit. 2016 waren dies ins­gesamt 30.210 für alle Straf­taten und 29.644 für Straf­taten der Kate­gorie 890000 (siehe oben). Dies ent­spricht 3,17% aller nicht­deut­schen Tat­ver­däch­tigen und 4,80% der nicht­deut­schen Tat­ver­dächtige der Kate­gorie 890000. Diese müssten von den jewei­ligen Tat­ver­däch­tigen je Land abge­zogen werden. Da aber deren Natio­na­lität nicht in den Sta­tis­tiken auf­taucht, ist dies unmöglich, sollte aber wegen des relativ geringen Anteils keinen großen Effekt auf unsere Analyse haben. Bei einer Kri­mi­nalrate von 10% würde eine Reduktion um 4,8% eine ange­passte Kri­mi­nalrate von 9,52% ergeben. Bei einer Kri­mi­nalrate von 50% wären es immer noch 47,6%. Kein ein­ziges der in Tabelle 1 gelis­teten Länder würde dadurch unter die Kri­mi­nalrate von Deut­schen rut­schen. Des­wei­teren kommen die meisten Tou­risten aus Ländern mit eher nied­riger Kri­mi­nalrate. Zum Bei­spiel sind nur 0,5% aller aus­län­di­schen Tou­risten aus allen afri­ka­ni­schen Ländern zusammen (ohne Süd­afrika) [5]. Wir werden später (siehe Tabelle 3) näher auf Straf­taten ein­gehen, für die Rei­sende ver­dächtigt werden.

Zusam­men­fassung der Analyse von Erklärungsversuchen

Wie man an unserer Analyse gut erkennen kann, greifen alle Erklä­rungs­ver­suche zu kurz und lassen sich in ihrer All­ge­meinheit leicht wider­legen. Unab­hängig von Alter, Geschlecht, Armut oder Anzei­ge­ver­halten sind Nicht­deutsche aus vielen Ländern wesentlich häu­figer tat­ver­dächtig als Deutsche. Die Natio­na­lität scheint ein wesentlich bes­serer Indi­kator zu sein. Zwar ist Staats­an­ge­hö­rigkeit sicherlich keine Ursache für Kri­mi­na­lität, d.h. jemand begeht nicht eine Straftat, weil er aus einem bestimmten Land kommt, jedoch gibt es zwei­fellos eine starke Kor­re­lation zwi­schen Staats­an­ge­hö­rigkeit oder Ethnie und Kriminalrate.

Wenn man nun aber davon ausgeht, dass jemand nicht wegen seiner Natio­na­lität straf­fällig wird, dann müsste man daraus auch folgern, dass das Erlangen der deut­schen Staats­bür­ger­schaft die Kri­mi­nalrate von Migranten nicht wesentlich beein­flusst. Laut Bevöl­ke­rungs­sta­tistik gab es Ende 2015 in Deutschland 9.346 Mil­lionen Deutsche mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund [3], d.h., mehr als es Nicht­deutsche gibt. Davon sind 3.061 Mil­lionen (Spät-) Aus­siedler, 2.404 Mil­lionen Ein­ge­bür­gerte, und 3.845 Mil­lionen als Deutsch Geborene. Ist die Kri­mi­nalrate dieser Deut­schen  ähn­licher der Kri­mi­nalrate der Staats­an­ge­hö­rigen des Ursprungs­landes (wie es die obige Aussage ver­muten lässt) oder ist sie ähn­licher der Kri­mi­nalrate der Deut­schen ohne Migra­ti­ons­hin­ter­grund? Diese Frage lässt sich mit Hilfe der ver­füg­baren Sta­tis­tiken nicht beant­worten. So werden zwar in der Bevöl­ke­rungs­sta­tistik [3] diese Gruppen getrennt betrachtet, in der Poli­zei­lichen Kri­mi­nal­sta­tistik [1] jedoch nicht.

Dem Vor­sit­zenden der Gewerk­schaft Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­amter André Schulz zufolge haben z.B. hoch­kri­mi­nelle Mit­glieder liba­ne­si­scher Fami­li­en­clans die deutsche Staats­bür­ger­schaft [10]. Dies ist ein Indiz dafür, dass sich die Kri­mi­nalrate durch Erlangen der deut­schen Staats­bür­ger­schaft wesentlich nicht ändert. Es bedeutet aber auch, dass die Kri­mi­nalrate Nicht­deut­scher im Ver­gleich zu Deut­schen ohne Migra­ti­ons­hin­ter­grund noch höher ist, als es die Sta­tis­tiken zeigen.

Ursa­chen­for­schung und Erklä­rungs­ver­suche sollten aber nicht davon ablenken, dass es letztlich keine akzep­tablen Gründe gibt, als Gast in Deutschland Straf­taten zu begehen. Man liest oft, dass bessere Inte­gration die Maß­nahme der Wahl gegen die hohe Aus­län­der­kri­mi­na­lität ist [11], es also die Ver­ant­wortung der deut­schen Gast­geber ist, bessere Rah­men­be­din­gungen für erfolg­reiche Inte­gration zu schaffen. Wie man an unserer Analyse sieht, gibt es ver­schie­denste Natio­na­li­täten, die keine Pro­bleme mit den hier vor­han­denen Rah­men­be­din­gungen haben und die die deutsche Gast­freund­schaft genießen, ohne über­pro­por­tional straf­fällig zu werden. Zu diesen Natio­na­li­täten gehören unter anderem arme Länder, mus­li­mische Länder und afri­ka­nische Länder. An den Rah­men­be­din­gungen liegt es also offen­sichtlich nicht.

Ent­wicklung der Kri­mi­nalrate zwi­schen 2012 und 2016

Während die bis­herige Analyse nur die Daten von 2016 betrachtet, sollte man um wirklich reprä­sen­tative Aus­sagen zu erhalten, auch die his­to­ri­schen Zahlen betrachten. Eine besonders inter­es­sante Fra­ge­stellung ist daher die, wie sich die Kri­mi­nalrate ent­wi­ckelt, ob die Daten für 2016 also so ähnlich sind wie die der Vor­jahre, oder ob es Trends nach oben oder unten gibt. Dazu haben wir die­selbe Analyse wie für 2016 auch für die Jahre 2012 bis 2015 vor­ge­nommen. Der Unter­schied in der Analyse besteht haupt­sächlich darin, dass wir für frühere Jahre die Bevöl­ke­rungs­sta­tistik des Vor­jahres und die des zu unter­su­chenden Jahres zur Ver­fügung haben. Wir können also die Bevöl­kerung appro­xi­mieren, indem wir die Daten vom 31.12. des Vor­jahres und die vom 31.12. des zu unter­su­chenden Jahres nehmen. Wenn bei­spiels­weise am 31.12.2014 ins­gesamt 100.000 Staats­bürger eines bestimmten Landes in Deutschland waren und am 31.12.2015 ins­gesamt 120.000, dann nehmen wir für unsere Berechnung der Kri­mi­nalrate im Jahr 2015 den Mit­telwert von 110.000. Dies macht nur dann einen erheb­lichen Unter­schied, wenn die Bevöl­kerung eines Landes in Deutschland sehr stark zu- oder abnimmt. Dies war auf­grund der großen Flücht­lings­be­wegung in den letzten Jahren für einige Länder der Fall.

Tabelle 2 enthält die Daten von 2012 bis 2016. Dabei wurde von den Jahren 2012 bis 2015 wie besprochen der Mit­telwert der Bevöl­kerung genommen, während im Jahr 2016 nur die Daten vom 31.12.2015 zur Ver­fügung standen. Außerdem enthält Tabelle 2 noch die Bevöl­kerung der jewei­ligen Länder vom 31.12.2011 und vom 31.12.2015, um die Zu- oder Abnahme besser zu verstehen.

Es fällt auf, dass die meisten Länder mit einer sehr hohen Kri­mi­nalrate schon seit Jahren eine hohe Rate haben. 2016 ist also keine Aus­nahme. Was aller­dings sehr stark auf­fällt, ist dass die großen Flücht­lings­länder Syrien, Afgha­nistan, Iran und Irak eine sehr starke Zunahme der Kri­mi­nalrate von 2015 auf 2016 zeigen. Dies könnte daran, liegen dass es 2016 sehr viele Zugänge aus diesen Ländern gab. Wir ver­suchen daher mit Hilfe anderer ver­füg­barer Zahlen die wahre Kri­mi­nalrate für diese Länder im Jahr 2016 abzuschätzen.

Laut Pres­se­mit­teilung des Bun­des­mi­nis­terium für Inneres vom 11. Januar 2017 [6] gab es 2016 ins­gesamt 280.000 neu­an­kom­mende Asyl­su­chende. Während diese Zahlen nicht nach Natio­na­li­täten auf­ge­schlüsselt wurden, gibt es die Daten vom EASY System für das Jahr 2016 in der­selben Pres­se­mit­teilung. Demnach gab es 2016 ins­gesamt 321.371 Zugänge von Asyl­su­chenden, unter denen aller­dings Fehl- und Dop­pel­erfas­sungen sind. Wir nehmen daher nur 87% (=280,000/321,371) der Zahlen im EASY System für unsere Abschätzung. Demnach kamen im Jahr 2016 ungefähr 77.683 Syrer, 42.363 Afghanen, 39.992 Iraker und 11.373 Iraner nach Deutschland. Um den Mit­telwert zu berechnen, addieren wir die Hälfte dieser Zahlen zur Bevöl­kerung vom 31.12.2015 und erhalten dadurch im Mittel 405.398 Syrer, 152.636 Afghanen, 156.395 Iraker und 78.218 Iraner für das Jahr 2016.

Mit diesen Werten ergibt sich eine Kri­mi­nalrate von 9,63% für Syrien (2015: 5,92%), 14,90% für Afgha­nistan (2015: 9,70%), 11,72% für Irak (2015: 7,80%) und 14,64% für Iran (2015: 8,38%). Wie man sieht, sind diese Werte alle wesentlich höher als die von 2015. Die Kri­mi­nalrate dieser Länder ging 2016 also ent­weder signi­fikant nach oben (zwi­schen 50–75% höher als 2015) oder die Anzahl der Neu­an­kömm­linge war 2016 wesentlich höher als vom BMI ange­geben. Um die Kri­mi­nalrate von 2015 bei­zu­be­halten, müsste es 2016 im Mittel 659.358 Syrer in Deutschland gegeben haben, das heißt zum 31.12.2016 müssten sich 952.160 Syrer in Deutschland auf­halten, fast 600.000 mehr als am 31.12.2015. Da dies eher unwahr­scheinlich ist, ist die wahr­schein­li­chere Erklärung, dass die Kri­mi­nalrate durch die Flücht­linge sehr stark zuge­nommen hat.

Auf­schlüs­selung nach ver­schie­denen Straftatskategorien

Man kann anhand der PKS die ein­zelnen Straf­taten, nach denen ver­dächtigt wird, weiter auf­schlüsseln [12,13]. Ins­gesamt gibt es wie schon erwähnt über 1.000 Kate­gorien, die in der PKS gelistet sind. Dabei gibt es ver­schiedene Haupt­ka­te­gorien, die eine Vielzahl an Straf­tats­ka­te­gorien ent­halten. Diese Haupt­ka­te­gorien sind unter anderem folgende:

  • Straf­taten gegen das Leben (000000)
  • Straf­taten gegen die sexuelle Selbst­be­stimmung (100000)
  • Roh­heits­de­likte und Straf­taten gegen die per­sön­liche Freiheit (200000)
  • Dieb­stahl ohne erschwe­rende Umstände (3***00)
  • Dieb­stahl unter erschwe­renden Umständen (4***00)
  • Ver­mögens- und Fäl­schungs­de­likte (500000)
  • Sonstige Straf­tat­be­stände (StGB) (600000)

Des­wei­teren unter­suchen wir noch Rausch­gift­de­likte (730.000) mit sehr vielen Tat­ver­däch­tigen. Tabelle 3 gibt eine Über­sicht über die Anzahl der Tat­ver­däch­tigen je Kate­gorie, unter­schieden in Deutsche und Nicht­deutsche, sowie der Anteil nicht­deut­scher Tat­ver­däch­tiger an den jewei­ligen Kate­gorien. Zur Erin­nerung, die Anzahl Nicht­deut­scher an der Gesamt­be­völ­kerung beträgt 11,08%. In den meisten Kate­gorien beträgt die Anzahl der nicht­deut­schen Tat­ver­däch­tigen mehr als 3–4 mal so viel wie es dem Bevöl­ke­rungs­anteil ent­spricht. Am wenigsten sind es noch in der Kate­gorie “Sonstige Straf­tat­be­stände (StGB).” Bei Deut­schen besonders häufige Straf­taten innerhalb dieser Kate­gorie sind Belei­digung (158.191 deutsche Tat­ver­dächtige, also mehr als 10% aller deut­schen Tat­ver­däch­tigen) und Sach­be­schä­digung (105.683 deutsche Tat­ver­dächtige), bei denen Deutsche etwas mehr als 80% der Tat­ver­däch­tigen stellen und die zusammen fast die Hälfte der Straf­taten in der Kate­gorie Sonstige Straf­tat­be­stände (StGB) aus­machen. Es sollte auch erwähnt werden, dass die Summe aller Tat­ver­däch­tigen der ein­zelnen Kate­gorien höher ist als die Anzahl aller Tat­ver­däch­tigen. Dies bedeutet, dass manche Straf­taten unter mehrere Kate­gorien fallen oder vom selben Tat­ver­däch­tigen begangen wurden. Um den Ein­fluss Rei­sender und Durch­rei­sender Tat­ver­däch­tiger näher zu unter­suchen, haben wir in Tabelle 3 zusätzlich noch die Anzahl Tat­ver­däch­tiger aus dieser Gruppe auf­ge­führt (Tabelle 61 aus [1]). Diese ist besonders an Dieb­stählen und Rausch­gift­de­likten beteiligt und stellt 7,8% der nicht­deut­schen Tat­ver­däch­tigen bei schwerem Dieb­stahl, 5,2% bei ein­fachem Dieb­stahl und 10,78% bei Rauschgiftdelikten.

In Tabelle 4 sieht man nun für die ver­schie­denen Haupt­ka­te­gorien, um wie viel häu­figer Staats­an­ge­hörige ver­schie­dener Länder tat­ver­dächtig sind im Ver­gleich zu Deut­schen. Dies ent­spricht der letzten Spalte in Tabelle 1 aller­dings auf­ge­schlüsselt nach Straf­tats­ka­te­gorien. Wir beschränken uns dabei auf die bereits in Tabelle 1 genannten Länder.

An Tabelle 4 kann man gut erkennen, ob sich manche Natio­na­li­täten auf bestimmte Arten von Ver­brechen “spe­zia­li­sieren”. Staats­an­ge­hörige aus Georgien, Moldau, Albanien, Marokko, Tunesien, Libyen, Armenien, Rumänien, Litauen, Turk­me­nistan, Mon­golei, Serbien und Mon­te­negro sind über­pro­por­tional in den Dieb­stahl­ka­te­gorien ver­treten. Algerien ist bei Dieb­stahl zwar führend, aller­dings auch in fast allen anderen Kate­gorien [14]. Von einer Spe­zia­li­sierung auf Dieb­stahl kann daher nicht unbe­dingt die Rede sein. In jeder ein­zelnen Kate­gorie sind Algerier mehr als 20mal so häufig tat­ver­dächtig wie Deutsche. Bei Rausch­gift­de­likten führt mit großem Abstand Guinea-Bissau vor Gambia, Mali, Guinea, Algerien und Senegal. Zur dritten Fra­ge­stellung von oben, ob Nord­afri­kaner schlimmere Sexu­al­ver­brecher sind als Deutsche, kann man diese Frage eben­falls bejahen. Aller­dings sind dafür haupt­sächlich Algerier ver­ant­wortlich. Andere Nord­afri­kaner sind zwar auch mehr als sechsmal so oft Tat­ver­dächtige wie Deutsche, aber nicht annä­hernd so oft wie Algerier, Gambier, Kon­go­lesen (aller­dings nur aus der Republik Kongo, nicht aus der Demo­kra­ti­schen Republik Kongo) oder Afghanen.

Ins­gesamt ergibt sich, dass Aus­länder bestimmter Natio­na­li­täten doch wesentlich häu­figer tat­ver­dächtig sind als Deutsche. Selbst­ver­ständlich gilt dies nicht für alle Aus­länder, und erst recht nicht für alle Natio­na­li­täten, wie man gut am Bei­spiel Japan sieht. Die Wahr­schein­lichkeit, ob eine Person tat­ver­dächtig ist oder nicht, scheint ent­gegen bis­he­riger Annahmen aber ganz ent­scheidend von ihrer Natio­na­lität abzu­hängen. Wenn man also einen belie­bigen Algerier in Deutschland aus­wählt, so ist die Wahr­schein­lichkeit, dass dieser im Jahr 2016 Tat­ver­däch­tiger war über 50%. Wählt man einen belie­bigen Japaner aus, so ist diese Wahr­schein­lichkeit nur 0,47%, bei Deut­schen ist sie 1,91%. Eine ähn­liche Analyse wurde in der Schweiz durch­ge­führt [15], mit teil­weise ähn­lichen Beob­ach­tungen. Dort ist die Kri­mi­nalrate der Deut­schen, wie auch in Deutschland, etwas nied­riger als die der Schweizer.

Eine Analyse der Daten, die nach Natio­na­lität der Tat­ver­däch­tigen unter­scheidet, hat einige Vor­teile, da man dadurch eine dif­fe­ren­ziertere Ursa­chen­for­schung betreiben kann. Alle Natio­na­li­täten in einen Topf zu werfen, ist dagegen eine unan­ge­messene Ver­all­ge­mei­nerung und Pau­scha­li­sierung. Am Bei­spiel der Republik Kongo und der Demo­kra­ti­schen Republik Kongo kann man gut erkennen, wie diese Art der Analyse einige auf­schluss­reiche Erkennt­nisse liefern kann. Armut oder aus­län­di­sches Aus­sehen haben mög­li­cher­weise nicht die hohe Bedeutung, wie bisher ange­nommen. Bis­herige Erklä­rungs­ver­suche können auch nicht die extrem hohe Rate mancher Natio­na­li­täten erklären. Eine neue Betrachtung der Ursachen scheint daher dringend not­wendig, um Aus­län­der­kri­mi­na­lität besser zu ver­stehen und wirk­samer zu bekämpfen. Eine Bekämp­fungs­mög­lichkeit ist in der Bevöl­ke­rungs­sta­tistik erwähnt: So haben nur 27% der Nicht­deut­schen eine zeitlich unbe­fristete Niederlassungserlaubnis.

Es muss betont werden, dass die obigen Aus­sagen weder aus­län­der­feindlich noch ras­sis­tisch oder popu­lis­tisch sind und auch keine Ver­all­ge­mei­ne­rungen dar­stellen, im Gegenteil. Es handelt sich schlicht und einfach um Fakten, die sich schwarz auf weiß in der poli­zei­lichen Kri­mi­nal­sta­tistik finden lassen. Diese musste aller­dings erst mit der Bevöl­ke­rungs­sta­tistik in Bezug gesetzt werden, um wirklich aus­sa­ge­kräftige Daten zu erhalten. Die Natio­na­li­täten von Tat­ver­däch­tigen klar zu benennen, hat übrigens eine alte Tra­dition, wie man am bekannten Kin­derlied zur Aus­län­der­kri­mi­na­lität “Drei Chi­nesen mit dem Kon­trabass” sieht. Dieses Lied han­delte ursprünglich von drei Japa­nesen, wurde aber später in drei Chi­nesen umbe­nannt. Sowohl Chi­nesen als auch Japaner zu kon­trol­lieren ist, wie unsere Analyse zeigt, für die Polizei reine Zeit­ver­schwendung. Das Lied ist daher offen­sichtlich nicht mehr zeit­gemäß und sollte erneut umbe­nannt werden.

Quellen und Referenzen

  1. Poli­zei­liche Kri­mi­nal­sta­tistik 2016, Tabelle 62 – Straf­taten und Staats­an­ge­hö­rigkeit nicht­deut­scher Tat­ver­däch­tiger, Bun­des­kri­mi­nalamt. https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Polizeiliche Kriminalstatistik/PKS2016/Standardtabellen/standardtabellenTatverdaechtige.html
  2. Aus­län­dische Bevöl­kerung – Fach­serie 1 Reihe 2 – 2015, Tabelle 12. Sta­tis­ti­sches Bun­desamt. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/ MigrationIntegration/AuslaendBevoelkerung.html
  3. Bevöl­kerung mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund – Ergeb­nisse des Mikro­zensus – Fach­serie 1 Reihe 2.2 – 2015, Tabelle 15. Sta­tis­ti­sches Bun­desamt. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/ Thematisch/Bevoelkerung/MigrationIntegration/Migrationshintergrund.html
  4. CIA World Fact Book – GDP per Capita. https://www.cia.gov/library/publications/the-world- factbook/fields/2004.html
  5. Tou­rismus in Zahlen. Tabelle 2.2 Ankünfte und Über­nach­tungen in Beher­ber­gungs­be­trieben 2015, Sta­tis­ti­sches Bun­desamt. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/ BinnenhandelGastgewerbeTourismus/Tourismus/TourismusinZahlen.html
  6. Bun­des­mi­nis­terium für Inneres, Pres­se­mit­teilung 11.07.2017. 280.000 Asyl­su­chende im Jahr 2016. http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/01/ asylantraege-2016.html
  7. Florian Weil­bächer, “Aus­län­der­kri­mi­na­lität – Wie kri­minell sind Aus­länder wirklich?”, 2. Sep­tember 2015. http://www.strafrecht-wi.de/auslaenderkriminalitaet/
  8. Hannes Soltau, “Mehr Flücht­linge, mehr Kri­mi­na­lität?”, 21. März 2016. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016–03/fluechtlinge-kriminalitaet-auslaender- poli­zei­liche-kri­mi­nal­sta­tistik
  9. Wiki­pedia, “Aus­län­der­kri­mi­na­lität”. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Auslaenderkriminalitaet. (Besucht am 10. Juni 2017.)
  10. Mat­thias Bartsch, “Aus­län­der­kri­mi­na­lität. Falsche Wahr­heiten”, Der Spiegel, 4/2017. http://www.spiegel.de/spiegel/sind-auslaender-wirklich-krimineller-als-deutsche-a-1131015.html
  11. Chistian Pfeiffer, ”Natio­na­lität spielt bei Kri­mi­na­lität keine Rolle”, wdr.de, 6.12.2016. http://www1.wdr.de/nachrichten/interview-pfeiffer-auslaender-kriminalitaet-100.html
  12. Bun­des­kri­mi­nalamt, “Kri­mi­na­lität im Kontext von Zuwan­derung – Bun­des­la­gebild 2015”. https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/ KriminalitaetImKontextVonZuwanderung/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung 2015.pdf
  13. Bun­des­kri­mi­nalamt, “Kri­mi­na­lität im Kontext von Zuwan­derung – Bun­des­la­gebild 2016”. https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/ KriminalitaetImKontextVonZuwanderung/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung 2016.pdf
  14. Frank Lehmkuhl, “Erschre­ckende Poli­zei­sta­tistik – 3863 Ver­fahren in NRW: So groß ist das Problem mit ‘Nafris’ wirklich”, Focus Online, 17.2.2016. http://www.focus.de/politik/deutschland/erschreckende-polizeistatistik-3863-verfahren-in-nrw- so-gross-ist-das-problem-mit-nafris-wirklich id 5292808.html
  15. Ben Jann, “Aus­län­der­krmi­na­lität in der poli­zei­lichen Kri­mi­nal­sta­tistik – Sozi­al­struk­tu­relle Deter­mi­nanten her­kunfts­spe­zi­fi­scher Beschul­dig­ten­be­las­tungs­raten”, 10. Schwei­ze­rische Migra­ti­ons­rechtstage, 28. und 29. August 2014. http://boris.unibe.ch/65004/

Jochen Renz ist Pro­fessor für Arti­ficial Intel­li­gence an der Aus­tralian National Uni­versity. Prof. Renz stu­dierte Infor­matik an der Uni­ver­sität Ulm, pro­mo­vierte im Jahr 2000 an der Albert-Ludwigs Uni­ver­sität Freiburg und habi­li­tierte 2003 im Bereich Infor­ma­ti­ons­systeme an der Tech­ni­schen Uni­ver­sität Wien. Seit 2003 lebt Prof. Renz in Aus­tralien, arbeitete zuerst am National ICT Aus­tralia in Sydney und seit 2006 an der Aus­tralian National Uni­versity in Can­berra, wo er die Intel­li­gence Gruppe leitet. Seine For­schungs­schwer­punkte sind Wis­sens­re­prä­sen­tation und Räum­liches Schließen.

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