KLARO: So indok­tri­niert der Baye­rische Rundfunk unsere Kinder!

Kin­der­sprache, ehrlich und unge­schmückt, ist kurz in der Bekanntgabe von Ent­schei­dungen. Gibt es keine Ein­wände, heißt es simpel: „Klaro“. Insofern hat sich der Baye­rische Rundfunk ein schlaues Motto für seine Kin­der­nach­richten aus­ge­sucht: „KLARO“. Will heißen: Was hier, liebe Kinder, gesendet wird, ist glas-klaro. Nix dagegen zu sagen. Oder auch: Ver­steht sich doch von selbst, dass es so ist, wie ihr das von uns hört.
(Von Josef Hueber)
Wenn dem bloß so wäre! Erst mal fragt man sich als Eltern, warum die mit ihrer unmit­tel­baren Welt vor der eigenen Nase aus­rei­chend mit Ori­en­tierung beschäf­tigten Kinder eigentlich schon mit der Welt der jen­seits ihres Gesichts­kreises statt­fin­denden natio­nalen und glo­balen Ereig­nisse kon­fron­tiert werden sollen. Haben sie ein Bedürfnis nach Infor­ma­tionen, die außerhalb ihrer Erfah­rungswelt geortet werden können? Haben sie über­haupt einen Ver­ständ­nis­ho­rizont, den man lediglich mit ein­facher Sprache bedienen muss, um die große, weite Welt begreifbar zu machen? Oder steht dahinter nicht letztlich die unsinnige Vor­stellung, man dürfe doch keine Zeit ver­lieren, wenn es um die Bildung der Kleinen geht, die nicht früh genug ein­setzen kann, Bei­spiel Eng­lisch im Kin­der­garten? Dass Eng­lisch in der Post-Windel-Phase ein Muss ist, ist längst wis­sen­schaftlich erwiesen: „Die optimale Phase, in der Kinder am besten die Gram­matik und die Pho­no­logie einer Sprache auf­nehmen und erlernen, liegt ver­mutlich zwi­schen dem dritten und fünften Lebensjahr. Mit zehn Jahren ist es auf jeden Fall zu spät“. (http://bit.ly/2oni4ty). Also könnte man schließen, sollten Kinder ver­mutlich auch in Fragen der natio­nalen und glo­balen Politik mög­lichst früh Bescheid wissen, weil gilt „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“
Oder ist der Ver­dacht erlaubt, dass in die Kin­der­köpfe schon mög­lichst früh und nach­haltig die Sicht der Welt, wie sie unsere Medien mit links­po­li­ti­scher Ein­hel­ligkeit ver­körpern, imple­men­tiert werden soll? In ein­facher Sprache gesagt: Sollen sie mög­lichst früh lernen, „richtig“ zu denken?
Ein Blick in den unsere Demo­kratie sichernden, zwangs­fi­nan­zierten Baye­ri­schen Rundfunk und seine Denk­schulung für Kinder, KLARO, soll diese Fragen klären.
Um das Format attraktiv zu machen, ist das Ganze inter­aktiv und stellt sich so vor: „Vierte Schul­klassen aus Bayern [10–11Jährige] bestimmen die Themen und stellen Fragen. Die geben wir weiter an Men­schen, die sich aus­kennen – unsere Experten. Heraus kommt „Klaro – Nach­richten für Kinder“.“ (http://bit.ly/2k1zTto)
Kapiert. Gehen wir also mal in das gemüt­liche Dörflein Flint­sbach, wo sich diesmal die an Welt­po­litik inter­es­sierten Medien-Hein­zel­männchen und ‑Hein­zel­weiblein bemühen, allen unwis­senden, vor­pu­ber­tären Radio­hörern den Böse­wicht Donald Trump und die Nah­ost­krise dem auf ihre Alters­ko­horte beschränkten Ver­stand zu erklären, eben klaro-mäßig.
(ab 2:15 http://bit.ly/2AFPODW)
Da teilen die Kleinen mit nied­lichen Aus­sprache­pro­blemchen mit, dass US Prä­sident Trump Jeru­salem als Haupt­stadt Israels aner­kennen will. Stimmt. Wir erfahren, dass Juden, Christen und Moslems dort wohnen, aber nur Juden und Moslems um die Haupt­stadt „streiten“, weil sie „beide Jeru­salem als Haupt­stadt wollen“. Warum, so die Frage, die 10-Jährige natür­li­cher­weise beschäftigt, will Trump jetzt so „plötzlich“ die US Bot­schaft nach Ost-Jeru­salem ver­legen? (Was eine „Bot­schaft“ ist und warum Jeru­salem ein poli­ti­sches Problem ist, ist mit dem Verb “ streiten“ aus­rei­chend erklärt. Das kennen die Kleinen ja vom Sand­kasten her.). Nun schaltet sich der Experte dazwi­schen. Seine Antwort belehrt sie, dass dies keine „plötz­liche“ Ent­scheidung war. Trump, so der baye­rische Medi­enmann namens Hammer, wollte sein Wahl­kampf­ver­sprechen ein­halten. Er wollte zeigen, dass er ein Mann der Taten ist. Zudem koste ihm diese Zusage „gar kein Geld“. Sie ist nämlich „ein Wahl­ver­sprechen, das er ohne großen Aufwand erfüllen kann.“ (Aufwand? Was issn das?). Kritik an seiner Ent­scheidung ist ihm aber offen­sichtlich wurscht, er hat sie getroffen, „auch wenn er damit für große Unruhe gesorgt hat.“ Hein­zel­männchen sagt: „Die Bun­des­kanz­lerin Merkel findet den Alleingang von Trump nicht besonders toll“ („Alleingang“ ist ein typi­sches Wort in der Sprache von 10Jährigen).
Nun zeigen die Kinder aber salo­mo­nische Weisheit in ihrem natürlich von ihnen selbst aus­ge­dachten Kom­mentar. „Moslems und Juden brauchen einen Streit­schlichter, der ihnen sagt, dass beide das gleiche Recht haben.“ Da gibt es keinen wirk­liche Schul­digen (Jetzt muss der kind­liche Hörer endlich kapieren, dass bei diesem „Streit“ beide Par­teien gleich schuldig sind, die Israelis wie die Paläs­ti­nenser). Auf die Hein­zel­männchen-Frage, ob es zu einem neuen Krieg kommen könnte, ant­wortet der Experte: „Pro­gnosen sind hier immer sehr schwierig.“ (Ja, Pro­gnose, wieder so ein typi­sches Kinderwort!)
So, und jetzt wissen die Kinder dank KLARO, was es mit dem Trump, mit den Israelis und den Paläs­ti­nensern auf sich hat. Und dass alle beide, die Israelis und die Paläs­ti­nenser, die gleiche Schuld haben, warum dort unten nichts vor­wärts geht.
Danke, Baye­ri­scher Rundfunk, für die nach­haltige Indok­tri­nation, sorry, Auf­klärung zur Sicherung unserer Demokratie.
 
Josef Hueber / vera-lengsfeld.de