Auch 2018 wird die Eurozone ein heißes Thema bleiben

Auch die Eurozone wird uns wieder genug Stoff für Bei­träge im Jahr 2018 liefern und immer im gleichen Kontext: falsche Analyse der Ursachen, unge­eignete Medizin der Politik, Ret­tungs­be­mü­hungen der EZB mit immer wei­ter­ge­henden Maß­nahmen und letztlich auch hier das Spiel – wer die Ver­luste trägt. Ich denke, das werden wir müssen, weil unsere Politik sich am dümmsten anstellt. Und bto wird weiter ver­suchen, mög­lichst viele Men­schen auf­zu­wecken. Wie es um die Eurozone steht, fasste der Blog der FINANZ und WIRT­SCHAFT nüchtern zusammen:

  • „Ver­gleicht man den Eurokurs mit dem Dollar oder mit der Ent­wicklung des Brut­to­in­land­pro­dukts der Eurozone, könnte man auf die Idee kommen, die grund­le­gende Insta­bi­lität der Wäh­rungs­union sei überwunden.“
    Fazit: In der Tat, der Euro hat 2017 deutlich zugelegt.

 

  • „Weder die aktuelle Wäh­rungs­ent­wicklung noch das Wirt­schafts­wachstum sagen etwas über die Qua­lität des Gebildes aus. Im Gegenteil: Dieser Fehler hat schon vor der Finanz­krise von 2008 dazu geführt, die Kon­struk­ti­ons­mängel des Euro zu ver­kennen. Dass Länder wie Grie­chenland, Spanien oder Irland haupt­sächlich deshalb stark zugelegt haben, weil sie sich ange­sichts der Ein­heits­währung und den anfänglich damit ver­knüpften extrem tiefen Zinsen super­billig ver­schulden konnten, wurde kaum beachtet. Deutschland pro­fi­tierte von Kapital- und Güter­ex­porten unter anderem in diese Blasen-Länder.“
    – Fazit: Und heute ist es genauso. Deutschland boomt, weil das Geld zu billig ist und der Euro trotz der Erholung viel zu schwach. Wahnsinn!

 

  • „Man sollte nicht zyklische Ent­wick­lungen mit struk­tu­rellen ver­wechseln. Das wieder höhere aktuelle Wirt­schafts­wachstum im Euroraum und die sin­kende – aber noch immer extrem hohe – Arbeits­lo­sigkeit gehen in erster Linie auf eine erhöhte Nach­frage zurück: Net­to­ex­porte, Konsum und Inves­ti­tionen und im Ver­gleich zu den Austeri­täts­jahren wieder höhere Staats­aus­gaben.“
    – Fazit: ein Strohfeuer.

 

  • „Eine Krise, wie wir sie hatten, bleibt deshalb immer möglich. Das gesteht selbst die Euro­päische Kom­mission ein, indem sie am ver­gan­genen Mittwoch ange­sichts der aktuell gerade güns­tigen öko­no­mi­schen Gross­wet­terlage Vor­schläge auf den Tisch gebracht hat, um die Eurozone sta­biler zu machen.“
    – Fazit: die ich im ver­gan­genen Jahr in ver­schie­denen Foren schon deutlich kri­ti­siert habe.

 

  • „Es soll nach dem Vorbild des Inter­na­tio­nalen Wäh­rungs­fonds (IWF) ein neuer euro­päi­scher Wäh­rungs­fonds EWF) geschaffen werden. (…) Der EWF soll mehr Mög­lich­keiten dabei haben, Mit­glieds­länder in finan­zi­ellen Not­lagen gegen Bedin­gungen zu unter­stützen, auch wenn es um die Rettung von Banken geht.“
    – Fazit: Es ist ein Vehikel, um noch mehr Schulden zu ermöglichen.

 

  • „Neu soll der Posten eines Euro­päi­schen Finanz- und Wirt­schafts­mi­nisters geschaffen werden, der auch den neuen Wäh­rungs­fonds über­wachen soll.“
    – Fazit: soso. Oder der sicher­stellen soll, dass wir auch genug ausgeben?

 

  • „Diese «neuen» Pläne sind allein schon sym­bo­lisch für die fun­da­mentale Insta­bi­lität der Wäh­rungs­union und für das bis­herige wenig effektive Vor­gehen, etwas dagegen zu tun. Wenn die bis­he­rigen Insti­tu­tionen und Regeln nicht funk­tio­nieren, schafft man neue, die dann wieder vor den gleichen Pro­blemen stehen.“
    – Fazit: BINGO. Super for­mu­liert, besser und klarer kann man es nicht sagen.

 

  • „Seit der Gründung der Wäh­rungs­union bestehen fun­da­mentale Mei­nungs­ver­schie­den­heiten zur Frage, ob es reicht, strikte Bedin­gungen an die Mit­glieds­länder zu stellen und gegen­seitige Transfers zwi­schen ihnen mög­lichst aus­zu­schliessen. Im Notfall soll ein Land in der Krise gemäss dieser Ansicht bluten und sparen, (…) Die fun­da­mental andere Sicht­weise, wie sie vor allem viele angel­säch­sische Öko­nomen stützen, betont vielmehr die Not­wen­digkeit, dass Mit­glieds­länder in Not­lagen aus­rei­chende und sti­mu­lie­rende finan­zielle Unter­stützung der gesamten Gemein­schaft erhalten.“
    – Fazit: Beides führt zum Scheitern. Wir können nämlich eine Pleite nicht durch Kon­kurs­ver­schleppung ver­hindern. Sie muss orga­ni­siert werden. Das wäre aber der dritte Weg.

 

  • „Ein anderer fun­da­men­taler Mangel dreht sich um die Führung und die demo­kra­tische Legi­ti­mation der Wäh­rungs­union. Die Füh­rungs­gremien der Wäh­rungs­union sind schwach demo­kra­tisch legi­ti­miert. Die Bevöl­kerung der EU hat so gut wie keine Mit­be­stimmung in den Insti­tu­tionen – nur indirekt über die Wahl des EU-Par­la­ments und der natio­nalen Regierungen.“
    – Fazit: und letztlich auch nicht über die EZB-Politik.

 

  • „Mit der Schaffung eines neuen Finanz- und Wirt­schafts­mi­nisters für die gesamte Eurozone ändert sich auch hier nichts. Im Gegenteil: Er steht nur noch mehr dafür, dass der Apparat in Brüssel sich weiter auf­bläst und sich mehr Macht gegenüber den demo­kra­ti­schen Struk­turen in den Mit­glieds­ländern zuschanzt und deren Selbst­be­stimmung weiter abnimmt.“
    – Fazit: Und daran wird die EU zer­brechen. Die Eng­länder haben das gesehen.

Fazit: „Nein, die Eurozone ist nicht sta­biler geworden, auch wenn die Wirt­schaft gerade brummt.“
FINANZ und WIRT­SCHAFT: „Die Eurozone bleibt instabil“, 11. Dezember 2017
Dr. Daniel Stelter — www.think-beyondtheobvious.com