Politik

Die Pariser Erklärung – Oder: es braucht ein anderes Europa!

4. Februar 2018

Eine Gruppe von 13 europäischen Gelehrten, darunter vier Franzosen und je ein Tscheche, Ungar, Pole Norweger, Spanier, Engländer, Holländer, Belgier und der deutsche Professor Robert Spaemann schufen ein im Oktober 2017 veröffentlichtes Manifest mit dem Titel:

„Die Pariser Erklärung – Ein Europa, woran wir glauben können“.

In 36 programmatischen Punkten kritisieren die Gelehrten die globale Propagierung eines falschen, utopischen Europa-Zerrbildes und zeigen die tatsächlichen, wahren Wurzeln Europas auf.

Unterschieden wird zwischen dem falschen und dem wahren Europa. Der Nationalstaat sei das Markenzeichen Europas. Dazu liest man unter Ziff. 7 u.a.:

„Das wahre Europa ist eine Gemeinschaft von Nationen. Wir haben unsere eigenen Sprachen, Traditionen und Grenzen. Trotzdem haben wir immer unsere gegenseitige Zusammengehörigkeit anerkannt, selbst wenn wir im Streit miteinander lagen – oder uns gar im Krieg befanden………….“

Das falsche Europa bedrohe uns. Europa sei gefährdet durch ein falsches Verständnis seiner selbst. Dieses falsche Europa sehe sich als Erfüllung unserer Zivilisation, werde aber in Wahrheit unserer Heimat enteignet.

Die Schirmherren dieses falschen Europas seien verzaubert von dem Aberglauben an einen unaufhaltbaren Fortschritt. Sie würden glauben, die Geschichte auf ihrer Seite zu haben. Dieser Glaube mache sie hochmütig und geringschätzig. Sie seien unfähig, die Fehler der von ihnen selbst konstruierten post-nationalen und post-kulturellen Welt zu erkennen. Sie würden die christlichen Wurzeln Europas nicht nur ignorieren sondern sogar ablehnen. Statt dessen würden sie große Mühe darauf verwenden, keine Muslime zu beleidigen, von denen sie irrtümlich annehmen würden, dass diese begeistert seien, ihren säkularen, multikulturellen Standpunkt zu teilen.

„Versunken in Vorurteilen, Aberglauben und Ignoranz, geblendet von eitlen, selbstbeweihräuchernden Visionen einer utopischen Zukunft, würden sie reflexartig jede abweichende Meinung unterdrücken – natürlich im Namen von Freiheit und Toleranz.“

„Unsere Nationen und unsere gemeinsame Kultur werden ausgehöhlt durch Illusionen und Selbsttäuschen darüber, was Europa ist und was es sein sollte……… Wir werden das wahre Europa verteidigen, erhalten und verfechten, jenes Europa, dem wir in Wahrheit zugehörig sind.“

Die Europäer würden nicht die auferlegte, erzwungene Einheit eines Imperiums suchen, im Gegenteil sei die europäische Weltoffenheit untrennbar verbunden mit der Anerkennung der Vaterlandsliebe und staatsbürgerlichen Treue.

Das wahre Europa sei geprägt durch das Christentum. Die universale geistliche Herrschaft der Kirche habe erst die kulturelle Einheit Europas ermöglicht, tat dies aber ohne politisches Reich. Dadurch hätten letztlich auch bürgerliche Werte und Treue in einem geteilten Europa blühen können. Erlebe man inzwischen einen Niedergang des christlichen Glaubens in Europa, so gehe dieser einher mit den erneuten Versuchen, eine politische Einheit zu schaffen – ein Imperium durch die Europäische Union (EU). Indessen:

„Das wahre Europa bekräftigt die gleiche Würde eines jeden Individuums, unabhängig von Geschlecht, Rang oder Volkszugehörigkeit. Auch dies speist sich aus christlichen Wurzeln. Unsere Tugenden sind zweifelsfrei christlichen Erbes: Gerechtigkeit, Mitgefühl, Gnade, Vergebung, Friedfertigkeit, Wohltätigkeit. Das Christentum hat die Beziehung zwischen Männern und Frauen revolutioniert, indem es Liebe und gegenseitige Treue in einem zuvor unbekannten Ausmaß als bleibende Werte etablierte.“

Die Zukunft Europas könne nur in der erneuerten Wertschätzung unserer besten Traditionen liegen, nicht in einem falschen Universalismus, der historische Selbstvergessenheit und Ablehnung des Eigenen verlange. Das wahre Europa sei und würde immer eine Gemeinschaft von Nationen sein, die manchmal vereinzelt sein mögen, aber dennoch vereint sind durch ein geistiges Erbe, welches sie diskutieren, entwickeln, teilen und lieben würden. Indessen würden wir durch die Protagonisten des falschen Europas unsere Heimat verlieren. Das falsche Europa brüstet sich mit einem nie gekannten Einsatz für die menschliche „Freiheit“. Diese Freiheit aber sei sehr einseitig. Sie gebe sich selbst als Befreiung von allen Einschränkungen aus: Sexuelle Freiheit, Freiheit zur Selbstverwirklichung, Freiheit „man selbst“ zu sein. Die Generation der 68er sehe diese Freiheiten als Siege gegen ein einstmals allmächtiges und repressives kulturelles Regime. Sie würden sich als die großen Befreier behaupten. Ihre Übertretungen seien anzuerkennen als vornehme moralische Errungenschaften, für welche ihnen die ganze Welt dankbar sein sollte.

„Individualismus, Isolation und Ziellosigkeit sind weit verbreitet. Für die jüngere Generation von Europäern stellt sich die Realität dagegen weit weniger glanzvoll dar. Der liberale Hedonismus führt oftmals zu Langeweile und einem Gefühl der Sinnlosigkeit. Der Bund der Ehe ist geschwächt. In der aufgewühlten See der sexuellen Freiheit werden die Wünsche junger Menschen, zu heiraten und Familien zu gründen, oftmals enttäuscht. Eine Freiheit, die unsere innigsten Herzenswünsche frustriert, wird zu einem Fluch. Unsere Gesellschaften scheinen sich aufzulösen in Individualismus, Isolation und Ziellosigkeit. Anstelle wahrer Freiheit sind wir zur leeren Konformität einer konsum- und mediengesteuerten Kultur verurteilt. Es ist unsere Pflicht, die Wahrheit auszusprechen: Die Generation der 68er hat zerstört, aber nicht aufgebaut. Sie hat ein Vakuum geschaffen, das nunmehr mit sozialen Medien, Billigtourismus und Pornografie angefüllt wird.“

Inzwischen würden wir reguliert und gemanagt. Politiker, die unangenehme Wahrheiten über sittliche Werte, den Islam oder Migration ansprechen, würden vor den Richter gezerrt. Political correctness setze Tabus durch, die jede Herausforderung des Status quo als völlig unakzeptabel erscheinen lassen würden. Indessen: „Multikulturalismus funktioniert nicht.“

Das falsche Europa rühme sich ebenfalls eines nie dagewesenen Engagements für die „Gleichheit“. Es behaupte, die Nicht-Diskriminierung und die Inklusion aller Völker, Religionen und Identitäten zu fördern. Tatsächliche habe hier zwar ein gewisser Fortschritt stattgefunden, aber zugleich habe sich eine utopistische Abweichung von der Realität eingestellt. Der neue Selbstanspruch verlange von den Europäern die Selbstverleugnung von Heiligen ab. Wir sollten die Kolonisierung unserer Heimat und den Verfall unserer Kultur gutheißen in der bloßen Hoffnung auf den Nachruhm des Europas des 21. Jahrhunderts – ein kollektiver Akt der Selbstaufopferung im Interesse des Gelingens einer reichlich unbestimmten neuen globalen Gemeinschaft des Friedens und des Fortschritts.

„Das falsche Europa ist schwach und ohnmächtig. Die Hybris dieses falschen Europas wird immer offensichtlicher. Obwohl seine Befürworter nichts unversucht lassen, um diesen Zustand durch komfortable Illusionen zu verschleiern. Vor allem aber ist das falsche Europa schwächer, als irgendjemand es sich hätte vorstellen können. Denn Massenkultur und materialistische Konsumfixiertheit können letztlich nicht zum Erhalt der Zivilgesellschaft beitragen. Von höheren Idealen entfernt und durch die multikulturelle Ideologie entmutigt, patriotischen Stolz zu zeigen, haben unsere Gesellschaften nunmehr große Schwierigkeiten, an den Willen zu appellieren, sich selbst zu verteidigen.“

Viele europäische Intellektuelle würden leider zu den Chefideologen des Grundkonzepts des falschen Europas zählen. Wo früher an den Universitäten versucht wurde, den heranwachsenden Generationen die Weisheit vergangener Zeit zu vermitteln, besteht heute nur noch ein sog. „kritisches Denken“, das im Wesentlichen in einer einfältigen Zurückweisung der Vergangenheit bestehe.

Unsere politischen Klassen würden sich darum bemühen, die Menschenrechte voran zu bringen. Sie würden daran arbeiten, den Klimawandel zu verhindern. Sie würden einen weltweit zu nehmend integrierten Markt konstruieren, die Steuerpolitik harmonisieren. Indessen gäbe es zu all dem eine Alternative: „Die wachsende Skepsis ist absolut berechtigt. Heutzutage ist Europa dominiert von einem ziellosen Materialismus, der unfähig scheint, Frauen und Männer zu motivieren, Familien zu gründen und Kinder zu bekommen. Eine Kultur der Ablehnung des Eigenen nimmt der nächsten Generation einen Teil der Identität. Manche unserer Länder haben Regionen, in denen die meist muslimischen Einwanderer in einer Art informeller Autonomie unter lokalen Gesetzen leben, so als wären sie Kolonisten und keine Mitbürger.“

„Um den Bann des falschen Europas und seinen utopistischen pseudoreligiösen Kreuzzug für eine entgrenzte Welt zu brechen, braucht es eine neue Art der Staatskunst und eine neue Art von Staatsmann. Ein guter politischer Anführer steht für das Gemeinwesen einer bestimmten Gruppe Menschen ein. Ein guter Staatsmann erkennt unser gemeinsames europäisches Erbe und unsere nationale Tradition als wunderbar und lebensspendend an, aber ebenso als zerbrechliche Geschenke. Er lehnt dieses Erbe nicht ab oder setzt es für utopische Träume aufs Spiel. Solche Politiker erweisen sich der Aufgabe würdig, die ihnen ihre Bürger anvertraut haben, solche Politiker gieren nicht nach dem Applaus der „internationalen Gemeinschaft“, die tatsächlich nur der PR-Abteilung einer Oligarchie ist.“

Nationale Einheit und Solidarität müssen erneuert werden.

„Immigration ohne Assimilation isti Kolonisation und muß abgelehnt werden. Wir dürfen zu Recht einfordern, dass diejenigen, die in unsere Länder kommen, sich auch in unsere Nationen einfügen und unsere Gewohnheiten annehmen. Diese Erwartung muß durch eine fundierte Politik unterstützt werden.“

Die amerikanische Erfahrung würde uns zeigen, dass Arbeitsplätze der beste Weg zur Assimilation seien, dass ein allzu großzügiger Wohlfahrtsstaat Anpassung verhindere und dass umsichtige Politik manchmal die Reduzierung von Migration gebiete, sogar eine drastische Reduzierung. Wir dürften nicht zulassen, dass die Ideologie des Multikultikulturalismus unsere politischen Urteile darüber trübe, wie man am besten dem Allgemeinwohl diene. Denn Allgemeinwohl brauche nationale Gemeinschaft mit ausreichender Einheit und Solidarität, um ihr Wohl als allgemein zu erkennen.

„Wir müssen menschliche Schwächen vergeben können, aber Europa kann nicht erblühen, ohne die Wiederherstellung des gemeinschaftlichen Strebens nach aufrechtem Verhalten und menschlicher Größe. Eine würdevolle Kultur entspringt aus Anstand und Erfüllung der Pflichten auf unserem Lebensweg. Wir müssen den respektvollen Austausch zwischen den sozialen Schichten erneuern, welcher eine Gesellschaft charakterisiert, die den Beitrag aller wertschätzt.“

Die Verfasser des Manifestes sind der Überzeugung, dass Europa eine Geschichte und Kultur hat, die es wert sind, erhalten zu werden.

„Unsere Universitäten begehen allerdings zu oft Verrat an unserem kulturellen Erbe. Wir müssen die Studien und Lehrpläne dahingehend ändern, dass sie unsere gemeinsame Kultur vermitteln und nicht mehr junge Menschen mit der Kultur der Ablehnung des Eigenen indoktrinieren. Lehrer und Erzieher in allen Bereichen haben die Pflicht zur Erinnerung. Sie sollten mit Stolz ihre Rolle annehmen, die Brücke zwischen den vergangenen und kommenden Generationen zu sein. Wir müssen auch die hohe Kultur und das ästhetische Ideal in Europa erneuern, indem wir das Erhabene und Schöne wieder als einen gemeinsamen Standard anerkennen und die Herabsetzung der Kunst zu politischer Propaganda ablehnen……..“

Weiter liest man unter Ziff. 33 des Manifestes:

„Ehe ist das Fundament der Gemeinschaft und die Basis für die Harmonie zwischen Mann und Frau. Es ist das intime Band, welches das gemeinsame Leben und das Aufziehen von Kindern ermöglicht und erhält. Wir bekräftigen, dass es unsere wichtigste Aufgabe in der Gesellschaft und als menschliche Wesen ist, Mütter und Väter zu sein. Ehe und Kinder sind der integrale Bestandteil jeder Vision eines menschlichen Fortschritts. Kinder fordern Opfer von denen, die sie in die Welt bringen. Diese Opfer sind edel und müssen anerkannt und honoriert werden. Wir fordern eine umsichtige Sozialpolitik, die Ehe, Kinder und Kindererziehung unterstützt und stärkt. Eine Gesellschaft, die es nicht schafft, Kinder willkommen zu heißen, hat keine Zukunft.“

Unsere wahre Zukunft sei das Europa, in welchem wir Verantwortung übernehmen müssen.

In den letzten beiden programmatischen Punkten des Manifestes 35 und 36 heißt es:

„Wir lehnen die Behauptung ab, dass es keine verantwortungsbewusste Alternative zur künstlichen und seelenlosen Solidarität eines gemeinsamen Marktes, zu einer transnationalen Bürokratie und zu einem oberflächlichen Entertainment gibt……….. Wir fordern alle Europäer auf, uns bei der Ablehnung der Phantasterei einer multikulturellen Welt ohne Grenzen zu unterstützen. Wir lieben unsere Heimatländer zu Recht und wollen unseren Kindern das weitergeben, was wir selbst als unser nationales Erbe empfangen haben. Als Europäer haben wir auch ein gemeinsames Erbe und dieses Erbe fordert von uns, gemeinsam und in Frieden in einem Europa der Vaterländer zu leben. Laßt uns unsere nationale Souveränität erneuern und die Würde einer geteilten politischen Verantwortung wiederfinden, für Europas Zukunft.“

Hier schließe ich die Einblicke in das Manifest „Die Pariser Erklärung – Ein Europa, woran wir glauben können“. Der Inhalt des Manifestes ist natürlich umfangreicher und enthält weitere Gedanken und Gesichtspunkte.

 


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