Affen in der Gaskammer (Screenshot aus der Netflix-Doku „Dirty Money“)
Wirtschaft & Finanzen

Dieselgate: Abgas-Tierversuche mit Affen! Was wusste Merkel? Was wird uns noch verschwiegen?

2. Februar 2018

Affen, die in einer abgeschirmten Kammer VW-Dieselgase einatmen mussten. Vielleicht sogar Menschen im Labortest, wie die Stuttgarter Nachrichten melden. Dieselgate ohne Ende, und die Einschläge kommen immer näher an die deutsche Regierung in Berlin.  Inzwischen wird es ziemlich eng für die deutsche Kanzlerin. „Was Merkel wusste“ schreiben Stefan Aust und Dirk Laabs in der „Welt am Sonntag“ in einem  „Protokoll des Sittenverfalls“ bei Deutschlands größtem Autobauer.

Dass die deutschen Ingenieure an den strengen US-Grenzwerten gescheitert waren, war auf Regierungsebene ein „offenes Geheimnis“ gewesen, berichtet die WamS. Erstaunlich gut sei darüber die Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits im April 2010 informiert gewesen. Damals habe sie den kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger in einem Luxushotel in Beverly Hills zum Frühstück getroffen. Die WamS wörtlich und ungekürzt:

Bei dem Treffen mit dabei: die Chefin der Luftschutzbehörde CARB, Mary Nichols. Nichols schilderte in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ und später vor einem Untersuchungsausschuss des Bundestages, was bei dem Treffen geschah: Sie (die Kanzlerin) sagte, eure Stickoxydgrenzwerte sind zu strikt, und das schadet unseren deutschen Dieseln. Sie war dort, so schien es, als Sprecherin der Autoindustrie, und sie war gut eingewiesen worden. Es war das erste Thema, das sie ansprach.

Die Welt-Autoren fragen zu Recht, wieso die Kanzlerin vom Abgasproblem (NOX) wusste, das ja von den Ingenieuren wie ein Staatsgeheimnis behandelt worden sein soll. Hatte sich die Führung von VW, Martin Winterkorn etwa, bei der Bundesregierung beklagt, spekuliert die Welt?

Dazu gibt es von VW bis heute keinen Kommentar. Denn sonst würde deutlich, dass die VW-Chefetage schon 2010 davon wusste, dass man die US-Grenzwerte nicht einhalten werde können. Und von diesem Wissen bis zum Wissen um die VW-Abgastricks wäre es nur ein kleiner Schritt. Winterkorn bestreitet bis heute, von der Schummelsoftware gewusst zu haben.

Kommentar: Die Einschläge kommen näher

Was ist es, das die Deutschen an der neuen Skandal-Episode in der Dieselgate-Affäre so erregt?

Ja richtig, es ist der gigantische Beschiss, mit dem geldgeile, profitorientierte Autobauer wie VW ihre Kunden über den Tisch gezogen haben. Aber mehr noch ist es, dass Schlagworte wie „Deutsche“, „Gas“, „Auto“ automatisch Analogien zu unseligen Zeiten wachrufen. Ob man will oder nicht: Es ist, als wenn der Holocaust als schreckliches Synonym mitschwingt. PI titelt deshalb ganz bewusst von „Gaskammer für Affen“. Denn jedem, der im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, drängen sich diese gedanklichen Zusammenhänge auf.

Das heißt aber auch: Jedem, der bei Verstand war und solche Experimente zulässt, musste klar sein, dass sie sich ethisch streng verbieten. Zumal sie ausschließlich der Gewinnmaximierung dienten. Nur abgestumpfte Hirne und Leute mit Dollarzeichen auf den Augen können so etwas zulassen.

Noch Eines: die hektischen Absetzbewegungen insbesondere von niedersächsischen Regierungspolitikern von SPD und CDU am neuerlichen VW-Skandal verstellen den Blick auf Naheliegendes. Die Frage ist doch, wie dicht Berlin und die Kanzlerin mittlerweile an Dieselgate ist.

Niemand unterstellt, dass Merkel von den Affen-Tests wusste. Die erfolgten 2015. Aber immerhin wusste Merkel laut „WamS“ wahrscheinlich schon seit 2010, dass VW die strengen US-Abgaswerte nicht einhalten konnte. Deshalb: warum hat dann niemand in Berlin und Brüssel bis zum Auffliegen des Skandals die Gretchenfrage gestellt, ob sich bei VW ein abgastechnisches Wunder ereignet hat und ob die Abgasprobleme inzwischen beseitigt werden konnten? Das Drei-Affen-Prinzip als Regierungsmaxime?

Wie eng die Berliner Netzwerke sind, zeigt auch Folgendes: Laut Bild-Zeitung hat der VW-Cheflobbyist Thomas Steg von den Affen-Tests gewusst. Das belegen offenbar Korrespondenzen mit der VW-Führung. Man muss wissen: Steg ist SPD-Mitglied und war bis zu seinem Eintritt bei VW Vize-Regierungssprecher bei Merkel. Vorher war er Pressesprecher beim niedersächsischen Sozialminister Walter Hiller (SPD). Hiller war zuvor mächtiger Betriebsratschef bei VW, bis ihn Gerhard Schröder (SPD)  in seine Landesregierung holte.

 

Quelle: NEMO / PI-News