Facebook Gesichts­er­kennung: Ihr eigener Steck­brief und Beweisakte für zukünftige, poli­tische Verfolgung?

Als Zen­sur­plattform ist Facebook schon bekannt und ver­zeichnet mitt­ler­weile eine spürbare Abwan­derung zu Sozialen Medien, bei denen man nicht jeden Satz dreimal über­prüfen muss, ob man dafür gesperrt werden kann. Am belieb­testen ist das rus­sische “VKon­takte”.
Facebook treibt aber noch ganz andere, rechtlich höchst bedenk­liche Sachen mit seinen Usern. Hier geht es um ein ganz anderes Kaliber, dessen Spreng­kraft eher in der Zukunft liegt. Die Brisanz liegt in der Kom­bi­nation aus Zensur, der Erfassung und Spei­cherung von Inhalten und einer Gesichts­er­ken­nungs-Software … und in der Ver­harm­losung durch die Medien.
So titelte der Stern Anfang März mit „Facebook erkennt jetzt Ihr Gesicht – das müssen Sie dazu wissen“. Schon die Über­schrift ist eine platte Lüge. Denn schon seit langem läuft über alle auf Facebook auf­ge­la­denen Fotos eine Gesichts­er­ken­nungs­software, ins­be­sondere bei den Facebook Mes­sengern für IOS und Android. Schon 2015 lief „Photo Magic“, das die foto­gra­fierten Gesichter auch der Freunde abscannte. Wurde der­jenige iden­ti­fi­ziert, wurde man auf­ge­fordert, das Bild mit der ent­spre­chenden Person zu teilen. Eigentlich ein Fall für die Daten­schutz­be­hörden, denn Facebook liest dazu jedes Foto, das auf dem Smart­phone gespei­chert ist, auch wenn es mit Facebook gar nichts zu tun hat, aus.
Auf Facebook selbst läuft das Gesichts­er­ken­nungs­pro­gramm schon seit 2010 geräuschlos und ohne, dass sich dagegen nen­nens­werter Wider­stand gerührt hätte. Seitdem kann man einen Men­schen einfach per Handy irgendwo foto­gra­fieren, das Bild auf Facebook hoch­laden und die Gesichts­er­kennung liefert das Profil, auf dem man die Person iden­ti­fi­zieren kann und sofort die Infor­ma­tionen erhält, die der­jenige auf seinem Profil öffentlich stellt. In den USA ist diese Software schon seit Jahren auto­ma­tisch akti­viert und man muss sie explizit aus­schalten, wenn man das nicht will. Nun kommt die wei­ter­ent­wi­ckelte Software auch nach Deutschland
Auf seiner Newsroom-Seite hat Facebook nun ange­kündigt, die Gesichts­er­kennung auch in Deutschland ein­zu­führen. Um den Ball flach zu halten, soll das ganze so einen „Pilot­ver­suchs­status“ bekommen, denn laut Facebook wird das Feature nur einer kleinen Auswahl an Usern zugänglich sein. Außerdem ist es ein „Opt-In Feature“, das heißt, der Aus­er­wählte muss diese Option aktiv selbst ein­schalten. Eine bei Facebook unüb­liche Vor­ge­hens­weise, die schon zeigt, dass der Konzern damit auf dünnem Eis wandelt, denn nor­ma­ler­weise muss der Nutzer alle Fea­tures, die Infor­ma­tionen über ihn wei­ter­leiten und nutzen, auf­wändig in einem Such-und-Klick-Marathon tief im Laby­rinth der Ein­stel­lungen abschalten.
Geradezu dreist wird der Nutzer auf dem Blog von Facebook ver­schaukelt, indem dort die ganze Gesichts­er­ken­nungs-Ein­führung als neue Mög­lichkeit zum Schutz der eigenen Pri­vat­sphäre ver­kauft wird. Laut Facebook besteht der neue Schutz der Pri­vat­sphäre nämlich darin, dass die User, die die neue Funktion ein­schalten, eine Nach­richt von Facebook bekommen, wenn das eigene Pro­filbild von jemand anderem als dessen Pro­filbild ein­ge­stellt wird. Ebenso bekommt man eine Nach­richt, wenn jemand anderes ein Bild hochläd, auf dem sie zu sehen sind.
Das bedeutet aber nicht, dass der so Benach­rich­tigte dem anderen, der das Bild hoch­ge­laden hat, dies unter­sagen kann. Sondern der Foto­gra­fierte erhält die Mög­lichkeit, sich auf diesem Foto zu „mar­kieren“, d.h., er kann seinen Namen öffentlich an das Foto „anheften“. Das mag der eine oder andere ja viel­leicht schick finden. Die wahre Absicht Face­books dahinter ist jedoch, dass mit den Bestä­ti­gungen des Users, dass dies tat­sächlich ihn dar­stellt, das Gesichts­er­ken­nungs­pro­gramm „lernt“ und immer zuver­läs­siger iden­ti­fi­zieren kann. Damit werden die Facebook-User zu einem kos­ten­losen Trai­nings­labor für die Erkennungssoftware.
Die scheinbar edle Zurück­haltung von Facebook, den Nutzer ent­scheiden zu lassen, ob er dieses Feature über­haupt will, „Facebook lässt Nutzer selbst über Gesichts­er­kennung ent­scheiden“, ist nicht edel. Die neue Daten­schutz­ver­ordnung, die ab Mai gilt, schreibt die bewusste Akti­vierung solcher Fea­tures durch den Nutzer selbst zwingend vor. Laut der neuen Geset­zes­re­gelung müssen solche Soziale Medien den Schutz der Pri­vat­sphäre als Grund­ein­stellung ver­pflichtend ein­halten. Ansonsten drohen hohe Geldstrafen.
Dabei stellt sich aber die Frage, was ab Mai mit der bisher schon unge­fragt aktiven Facebook-Gesichts­er­kennung pas­siert. Die User, die das neue Erken­nungs­feature ein­ge­schaltet haben, bekommen zwar eine Nach­richt darüber, dass sie auf anderen Pro­filen mit einem Bild ver­treten sind. Alle anderen, die das Feature nicht akti­viert haben, erfahren zwar nichts davon, aber Facebook liest ihre Fotos – nach jet­zigem Stand – nach wie vor aus und ver­ar­beitet sie. Die Nutzer wissen über­haupt nicht, was Facebook mit all den preis­ge­ge­benen Infor­ma­tionen, Texten und Bildern macht. Das werden wir mit Sicherheit nicht frei­willig von Facebook erfahren.
Man mag mit den Schultern zucken, dass es doch nicht weiter schlimm sei, wenn man doch sowieso auf Facebook ver­treten ist, dass Facebook und andere wissen, mit wem man befreundet ist und ob man letzten Freitag eine tolle Party gefeiert hat, oder ob beim Schwimmen am Bag­gersee das Bikini-Oberteil ein wenig ver­rutscht ist. Das ist, bei allem Respekt, naiv.
Die Erken­nungs­pro­gramme iden­ti­fi­zieren auch andere Per­sonen, die mit auf dem Bild sind und auch, wenn man mit denen nicht befreundet ist, bringen sie die Per­sonen in Zusam­menhang. Facebook unter­zieht seine Kunden einer gna­den­losen Zensur durch seltsame Stif­tungen wie die Antonio Amadeu-Stiftung unter Führung ver­dienter Geheim­dienst­kader wie Frau Annetta Kahane und der Staats­anwalt guckt schon durch’s Fenster. Solche Insti­tu­tionen im Verbund mit Ver­fas­sungs­schutz oder anderen geheim­dienst­lichen Insti­tu­tionen können auf diese Weise mit­hilfe von Facebook sehr schnell umfang­reiche Dos­siers anlegen, wer was wann wo gepostet hat, welche unbot­mä­ßigen Mei­nungen der­jenige ver­tritt und wen er kennt.
Kon­tak­tiert man die mit­fo­to­gra­fierten Leute im Umfeld einer „Ziel­person“, deutet ihnen unmiss­ver­ständlich an, mit wem sie da mehr als einmal zusammen geknipst wurden und dass diese Nähe beruflich und sozial nicht besonders för­derlich sein könnte, es sei denn, man ist koope­rativ und gibt nähere Aus­künfte und Infor­ma­tionen über die Ziel­person … dann haben wir schnell ein neues Deutschland der „Inof­fi­zi­ellen Mitarbeiter“.
Der nächste Schritt, Vor­teile für Denun­zi­anten aus­zu­loben, ist dann auch nicht mehr weit. Mancher wird dann erschrocken fest­stellen, dass er selber seine eigene Beweisakte, seinen Steck­brief und seine Kon­takte­liste erstellt hat und überdies auch viele Freunde und Mit­streiter verraten.
Der US-Geheim­dienst CIA und die Steu­er­be­hörde benutzen Facebook und andere, soziale Medien schon seit langem, um die eigenen Bürger auszuspionieren.
Die links­ra­dikale Seite www.bitxbit.es adres­siert genau diese Gefahr in klaren Worten:
Es tut uns leid, wenn wir euch das jetzt mal so direkt sagen müssen, aber wir haben uns schon lange genug den Mund fus­selig geredet. Mit der Benutzung von Facebook gefährdet ihr euch, die Zusam­men­hänge in denen ihr aktiv seit und alle anderen Akti­vis­tInnen die mit euch oder euren Gruppen in Kontakt treten. Es ist schon klar, wenn ihr euch selbst expo­nieren wollt, könnt ihr das machen und gefährdet in direkter Folge nur euch selbst. [ … ]  Aber die Leute die mit euch Kontakt haben (also euer soziales Netzwerk) haben im Fall von Facebook keine Mög­lichkeit sich zu wehren, sie können keinen Wider­spruch dagegen ein­legen, dass Infos durch euch über sie bekannt werden.
Das Ziel von Facebook ist es, soviele Daten über euch und eure sozialen Zusam­men­hänge zu sammeln wie es nur möglich ist. Dies pas­siert auf ver­schie­denste Art und Weise und Facebook ist feder­führend in der Ent­wicklung von Tech­no­logien zur Über­wa­chung von Use­rInnen und der Zusam­men­führung und Aus­wertung von ver­schie­denen Daten­quellen. Und es ist euch als Use­rInnen nicht möglich, euch gegen die Daten­sam­melwut zu wehren. Weiters stellt Facebook auch Profile über Per­sonen zusammen, die nicht auf Facebook sind. Facebook tut dies jedoch nicht aus Bosheit oder als Spit­zel­dienst, sondern weil die damit ent­ste­henden Profile die Geschäfts­grundlage von Facebook sind.
Dennoch arbeitet Facebook mit den Behörden eng zusammen. Um das mal ein für alle Mal klar­zu­stellen: “Nut­ze­rInnen von Facebook stimmen mit der Annahme der Daten­schutz­be­stim­mungen von Facebook auto­ma­tisch der Nutzung und Ver­wendung aller Per­so­nen­daten von mit Facebook koope­rie­renden Partnern zu. Hierzu gehören […] auch deutsche und aus­län­dische Poli­zei­be­hörden sowie die CIA und staat­liche Stellen der USA über den Zugang als Mit­ei­gen­tümer des Netz­werkes.” (Quelle: Wikipedia)