Gold bullion coins - Photo by: (Mick Baker)rooster - flickr.com - CC BY-ND 2.0

Wich­tiger denn je: Die Gold-Frage

Immer wieder habe ich mich für Gold im Port­folio aus­ge­sprochen. Sogar eine Lösung der Schul­den­krise durch Auf­wertung der Gold­be­stände in den Bilanzen der Noten­banken habe ich an dieser Stelle dis­ku­tiert: „Die Welt­wirt­schaft hat sich auf­ge­hängt – so funk­tio­niert der globale Neustart“
Selbst Profis wie Ray Dalio betrachten Gold als wichtige Absi­cherung im Port­folio und stocken derzeit ihre Position auf. In diesen Zeiten erreichte mich nun eine E‑Mail eines Lesers mit ein paar Fragen, die ich hier beantworte.

  • „Für wie wahr­scheinlich halten Sie es, dass der Staat (oder die EU) – analog zum Gold­verbot in den USA von 1933 – ver­suchen würde, Zugriff auf das Gold der Bürger zu erhalten?“
    Stelter: Für sehr wahr­scheinlich. Wenn Gold sich als Vehikel zum Ver­mö­gens­erhalt ent­puppt oder gar eine wichtige Rolle in der Kri­sen­po­litik spielt – wie damals bei Roo­sevelt –, ist es für mich zu 100-pro­zentig sicher, dass der Staat wieder ähn­liche Ein­griffe vornimmt.
  • „Kommt es dann zur Meldung von pri­vatem Gold­besitz (Anla­ge­barren/-münzen) bei zen­tralen Stellen?“
    – Stelter: Ja, ich denke, Bank­schließ­fächer werden im Beisein von Beamten geöffnet werden müssen. 
  • „Ist die Abgabe von pri­vaten Gold­be­ständen (sofern diese über einer zuvor fest­ge­legten Frei­grenze liegen) zu einem vom Staat fest­ge­legten Preis denkbar?“
    – Stelter: ein­deutig ja. Das wäre ja der Sinn der ganzen Übung.
  • „Angeblich sitzen die deut­schen Pri­vat­haus­halte auf knapp 8.700 Tonnen des gelben Metalls (ca. 4.700 Tonnen in Form von Barren und Münzen, ca. 4.000 Tonnen in Form von Schmuck); da ist also in jedem Fall etwas zu holen.“
    – Stelter: Das stimmt. Ich nehme auch an, dass ein Großteil (aus durchaus berech­tigten Gründen!) in Bank­fä­chern liegt und deshalb dem Zugriff des Staates aus­ge­liefert ist. Ein guter Teil könnte aller­dings auch im Ausland liegen, wo sich die Frage nach der Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft der dor­tigen Behörden stellt. Mit Blick auf die Ent­wicklung der letzten Jahre würde ich aller­dings davon aus­gehen, dass diese Länder – also vor allem die Schweiz und auch Sin­gapur – sich zu Hand­langern einer solchen Ent­eig­nungs­po­litik machen werden. 
  • „Inwiefern ist anzu­nehmen, dass der von Pri­vat­per­sonen erzielte Auf­wer­tungs­gewinn beim Gold­verkauf durch den Staat (oder die EU) besteuert werden würde?“
    Stelter: Diese Frage halte ich für naiv. Natürlich wird eine große Koalition der Ver­lierer alles dar­an­setzen, die­je­nigen, die etwas gerettet haben, zur Kasse zu bitten. 
  • „Analog zu sehen zu der Zwangs­hy­pothek auf Immo­bi­li­en­besitz 1948 im Rahmen der Wäh­rungs­reform; Immo­bi­li­en­be­sitzer sollten damals nicht als Kriegs­ge­winnler dastehen; ähnlich könnte es sich ja im Fall einer Neu­be­wertung mit Gold ver­halten (quasi eine Abgeltungssteuer).“
    – Stelter: Ja, Immo­bilien werden auf jeden Fall (hoch) belastet werden; Gold­besitz dürfte erheb­lichen Ein­schrän­kungen unterliegen. 
  • „Inwiefern wären solchen Maß­nahmen sowie Sank­tio­nie­rungen bei Zuwi­der­handlung in der heu­tigen Zeit über­haupt (politisch/gesellschaftlich) durchsetzbar?“
    – Stelter: Nun, ich weiß nicht, welchen Ein­druck der Fra­ge­steller vom Zustand der deutschen/europäischen Gesell­schaft hat. Ich finde sie schon heute so stark von Neid- und Gerech­tig­keits­wün­schen durch­zogen, dass ich mir nicht vor­stellen kann, dass man den Besit­zenden nichts wegnimmt. 
  • „Mir ist bewusst, dass in solch einem Sze­nario wahr­scheinlich das Prinzip je schlimmer die Zeiten, desto dras­ti­scher die Mittel zum Tragen kommt; Ent­eig­nungen (gegen Kom­pen­sation) sind nach dem Grund­gesetz aus­drücklich erlaubt, wenn sie zugleich dem Wohle der All­ge­meinheit dienen; das Wider­her­stellen des Ver­trauens in ein Wäh­rungs­system dürfte ein solcher Fall sein.“
    – Stelter: Stimmt!
  • Wahr­scheinlich wäre im Fall der Ein­führung einer Frei­menge für Pri­vat­per­sonen (z. Bsp. 100 Gramm) nur ein Bruchteil der Bevöl­kerung betroffen, was die Akzeptanz solcher Maß­nahmen in breiten Teilen der Bevöl­kerung erhöhen würde (Prinzip: Es trifft ja die Rich­tigen!)“
    – Stelter: Auch dies ist zutreffend. Es ist ja auch so schon rund die Hälfte der Bevöl­kerung ohne nen­nens­wertes Ver­mögen (und Ein­kommen) und wird deshalb immer für mehr Umver­teilung votieren. 
  • Ich per­sönlich kann mir jeden­falls nicht vor­stellen, dass die von einer Neu­be­wertung von Gold pro­fi­tie­renden Pri­vat­per­sonen „gänzlich unge­schoren“ davon­kämen. Oder um es sinn­gemäß mit den Worten von Vol­taire aus­zu­drücken: Es ist gefährlich, richtig zu liegen, wenn der Staat falsch liegt.“
    – Stelter: Genau so ist es.
  • „Für wie rea­lis­tisch halten Sie das Sze­nario der Neu­be­wertung von Gold und dessen Sta­bi­li­sie­rungs­funktion in einem neuen Währungssystem?“
    – Stelter: für wenig wahr­scheinlich. Das wäre so radikal und vor allem würde es die Akteure für die Zukunft zu sehr ein­schränken. Ich denke, es ist ein schönes Gedankenmodell.
  • „Erwarten Sie für die monetäre Ver­wendung von Gold in solch einem Sze­nario quasi einen Mono­pol­an­spruch der Zen­tral­banken und Staaten (pri­vater Gold­besitz wird verboten)?“
    – Stelter: ja.
  • „Inwiefern werden auch Pri­vat­per­sonen mit Gold­besitz voll­um­fänglich von einer Neu­be­wertung von Gold pro­fi­tieren können? Oder ist eher von einem Mit­telweg aus­zu­gehen, bei dem Pri­vat­per­sonen zwar einen Auf­wer­tungs­gewinn ver­zeichnen dürfen, jedoch nicht in voller Höhe (da quasi eine Abgel­tungs­steuer auf Pri­vat­ver­käufe erhoben wird)?“
    – Stelter: Ja, ich denke der „Gewinn“ ist eigentlich ja ein ver­hin­derter Verlust wird gede­ckelt sein, und zwar tief.
  • „Wie sehen Sie die Ende Juni 2017 in Kraft getretene neue EU-Geld­wä­sche­richt­linie, die die Grenze anonymer Tafel­ge­schäfte von 14.999 EUR auf 9.999 EUR senkt? Inwiefern kann man hierin bereits die Vor­boten für ein mög­liches Gold­verbot (in 5 Jahren sind es viel­leicht nur noch 4.999 EUR und irgendwann geht es gar nicht mehr anonym) oder für den Aufbau eines Registers der Gold­be­sitzer sehen?“
    – Stelter: Natürlich wird man es ihnen später schwer machen, mit dem Gold wieder „raus­zu­kommen“. Es wird nicht nur nötig sein, dass sie einen Kauf nach­weisen, Sie werden nach­weisen müssen genau dieses Gold gekauft zu haben. (Nummer). Und sie werden Abstriche für Kratzer und Ähn­liches hin­nehmen müssen, wenn­gleich es schon beim Kauf nicht ohne Kratzer war. Aber das ist doch eigentlich klar.
  • „Inwiefern würde sich, falls die Staaten jemals nach dem Gold der Pri­vat­an­leger greifen sollten, par­allel dazu auch die Rechtslage der Beweislast ändern (müssen)?“
    – Stelter: Man wird einfach pro­hi­bitiv hohe Strafen fest­legen für Goldbesitz.
  • „(…) wie könnte man als Pri­vat­an­leger ein mög­liches Gold­verbot oder eine dro­hende Besteuerung des Auf­wer­tungs­ge­winns umgehen?“ bto: indem man es sicher ver­steckt und darauf hofft, nicht erwischt zu werden …

Die Frage ist doch nur, was sollte man statt­dessen tun? Auf Gold ver­zichten? Ich denke nicht. Statt­dessen sollte man: 

  • Gold phy­sisch halten,
  • zum Teil außerhalb des Bankensystems
  • und inter­na­tional gestreut
  • und auch Gold­minen – da diese nicht ent­eignet werden und wir aus den 1930er-Jahren wissen, dass sich die Aktien recht gut ent­wi­ckelt haben.

DieUnbestechlichen.com:  Anmerkung von Hanno Vol­l­enweider: Absolut richtig! Und niemals das Silber vergessen!
https://dieunbestechlichen.com/2017/06/finanzielle-selbstverteidigung-silber-das-gold-des-kleinen-mannes/
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Dr. Daniel Stelter — www.think-beyondtheobvious.com