Ohne Braun­kohle ist Deutschland erpressbar

Deutschland hat jahr­zehn­telang die För­derung von Stein­kohle sub­ven­tio­niert, um die eigene Strom­ver­sorgung sicher­zu­stellen. Zusammen mit der Braun­kohle lag die Kraft­werks­leistung im Bereich des Strombedarfs.
Mit der Schließung der Stein­koh­len­zechen und der geplanten Aufgabe der Braun­koh­le­för­derung ent­steht die Abhän­gigkeit von Importen, um den Strom­bedarf zu decken. Damit ist Deutschland erpressbar.

Ener­gie­ver­sorgung in Deutschland

Braun­kohle ist in Deutschland der bei Weitem wich­tigste hei­mische Ener­gie­träger, nachdem die Stein­koh­le­zechen nach jahr­zehn­te­langen Sub­ven­tionen still­gelegt wurden.
Die För­derung von Erdgas und Erdöl ist gemessen am Bedarf in Deutschland gering. Öl und Erdgas aus porösem Gestein, die in den USA inzwi­schen die wesent­lichen und preis­wer­testen Ener­gie­quellen sind, werden hier nicht genutzt, weil die För­der­me­thode, das Fracking, angeblich das Grund­wasser ver­seucht. Wis­sende deutsche Fach­leute weisen jedoch darauf hin, dass ein solcher Fall niemals auf­ge­treten ist.
Wenn die Nutzung der hei­mi­schen Braun­kohle auf­ge­geben wird, ist Deutschland fast voll­ständig auf Ener­gie­im­porte ange­wiesen. Nur wenn die Sonne scheint und der Wind weht, kann ein Teil des benö­tigten Stroms von Wind- und Solar­an­lagen geliefert werden. Min­destens 45 Prozent der Netz­leistung muss jedoch jederzeit von Dampf­kraft­werken kommen. Ihre großen Schwung­massen sind für eine stabile Netz­fre­quenz und Netz­spannung erfor­derlich. Eine 100prozentige Ver­sorgung mit Öko­strom ist phy­si­ka­lisch unmöglich.

Die Kosten

Braun­kohle ist neben den Brenn­ele­menten der Kern­kraft­werke der preis­wer­teste Ener­gie­träger. Eine Kilo­watt­stunde (kWh) Pri­mär­energie kostet etwa 0,5 Cent (Ct), mit der 0,4 kWh Strom erzeugt werden. Für Import­stein­kohle muss zurzeit 1 Ct/kWh auf­ge­wendet werden, die man gleich­falls in 0,4 kWh Strom umwandeln kann.
Erd­gas­im­porte per Pipeline liegen bei 2 Ct/kWh. Mit Gas- und Dampf­kraft­werken (GuD) erreicht man einen Wir­kungsgrad von 60 Prozent, also 0,6 kWh Strom. Diese Kraft­werke müssen aber durch­laufen. Sie sind nur für die Grundlast geeignet. Für Spit­zen­lasten dienen ein­fache Gas­tur­binen, die jedoch nur einen Wir­kungsgrad von 40 Prozent haben.
Ver­flüs­sigtes Erdgas (Liquefied Natural Gas = LNG) ist auf 165 Grad Celsius abge­kühlt und wird weit­gehend in spe­zi­ellen Tankern zu den Kunden trans­por­tiert. Ver­flüs­sigung, Transport und anschlie­ßende Rück­führung in den Gas­zu­stand kosten etwa 1 Ct/kWh. Flüs­sig­erdgas ist daher deutlich teurer als Erdgas per Pipeline. In Deutschland gibt es keine Mög­lichkeit, Flüs­sig­erdgas zu ent­laden. Die genannten Kosten und Wir­kungs­grade sind Richt­werte. Vor allem die Import­kosten können erheblich schwanken.
Diese Werte ergeben fol­gende Stromerzeugungskosten:

  • - Braun­kohle: 3 Ct/kWh
  • - Kern­energie: 3 Ct/kWh
  • - Stein­kohle: 5 Ct/kWh
  • - Erdgas (GuD): 7 Ct/kWh
  • - LNG (GuD): 8 Ct/kWh
  • - Erdgas (Turbine): 12 Ct/kWh

Zum Ver­gleich, selbst wenn Äpfel mit Birnen ver­glichen werden:

  • - Öko­strom: 15 Ct/kWh mittlere Einspeisevergütung
  • - Öko­strom: 2,5 Ct/kWh mitt­lerer Börsenpreis

Strom­kon­zerne nutzen Ökostrom-Dumping

Mit diesen Richt­werten wird die Geschäfts­po­litik der Strom­ver­sorger klar. Die Strom­erzeugung in Dampf­kraft­werken ist unwirt­schaftlich, weil Öko­strom zu gesetzlich ver­ord­neten Dum­ping­preisen unter den Geste­hungs­kosten der Kraft­werke ver­kauft wird.
Die großen Strom­erzeuger, die Rhei­nisch-West­fä­li­schen Elek­tri­zi­täts­werke (RWE) und E‑ON haben ihre Kraft­werke in eigene Gesell­schaften über­führt, für die sie Käufer suchen. Vat­tenfall hat seine Strom­erzeugung in Deutschland ein­schließlich der zuge­hö­rigen Braun­kohle-Tagebaue an tsche­chische Inves­toren ver­äußert. Auch viele Stadt­werke haben sich von ihren Kraft­werken getrennt und sind in Öko­strom­an­lagen eingestiegen.
Es wird nach der Grundidee ver­fahren, mit dem Betrieb von Öko­strom­an­lagen die hohen und über zwanzig Jahre gesetzlich zuge­sagten Ein­spei­se­ver­gü­tungen zu kas­sieren, den Strom in das Netz ein­zu­speisen und an der Börse zu Dum­ping­preisen zurückzukaufen.
Dank des unsin­nigen Erneu­er­baren-Energien-Gesetzes (EEG) kommt man so preis­werter an den Strom zur Ver­sorgung der Kunden als durch eine Eigen­erzeugung. Ent­fällt das Öko­strom-Dumping, das durch die EEG-Umlage aus­ge­glichen wird, haben Ener­gie­kon­zerne ohne eigene Kraft­werke große finan­zielle Pro­bleme. Dann können aus­län­dische Kraft­werks­eigner die Strom­preise diktieren.

Aus­län­dische Investoren

Während in Deutschland weiter auf die soge­nannte Ener­gie­wende gesetzt wird, haben vor­wiegend aus­län­dische Inves­toren die geschil­derte reale Situation erkannt. Sie kaufen deutsche Koh­le­kraft­werke, weil sie nach dem Zusam­men­bruch der Ener­gie­wende mit guten Gewinnen rechnen.
So haben tsche­chische Inves­toren die gesamte Braun­koh­le­för­derung und Ver­stromung in Sachsen, Bran­denburg und Nie­der­sachsen über­nommen. Der fin­nische Strom­konzern Fortum will von E‑ON die Kraft­werks­gruppe Uniper über­nehmen. Auch RWE hat seine Koh­le­kraft­werke aus­ge­gliedert, führt sie jedoch bisher in Eigen­regie weiter. Inzwi­schen ist wohl die Hälfte der deut­schen Koh­le­kraft­werke in aus­län­di­scher Hand.

Die Politik der Bundesregierung

Deutschland soll über­wiegend mit Öko-Strom ver­sorgt werden. In Dun­kel­flauten, wenn weder Wind weht, noch die Sonne scheint, sollen Gas­kraft­werke die Ver­sorgung über­nehmen. Koh­le­kraft­werke sollen dagegen still­gelegt werden, zunächst für Braun­kohle und anschließend auch für Stein­kohle. Zur Legi­ti­mation der Still­le­gungen wurde eine Kom­mission ernannt, die Aus­stiegs­termine fest­legen soll. Fach­leute aus der Strom­ver­sorgung sucht man in dieser Kom­mission aller­dings vergebens.
Laut dieser Planung wird die güns­tigste hei­mische Ener­gie­quelle, die Braun­kohle, zuerst auf­ge­geben. Deutschland ist dann für eine sichere Strom­ver­sorgung nahezu voll­ständig auf Gas­im­porte ange­wiesen. Die Importe aus Russland müssen aus­ge­weitet werden. Ohne rus­si­sches Gas ist eine solche Umstellung nicht denkbar. Ver­flüs­sigtes Erdgas, das weltweit ange­boten wird, kann nicht impor­tiert werden, da es in Deutschland bisher keine Hafen­an­lagen zur Über­nahme gibt.
Es gibt keine Kos­ten­ab­schät­zungen für eine solche Umstellung. Erdgas ist teurer als Braun­kohle. Es müssen zahl­reiche Gas­kraft­werke gebaut werden. Eigner still­ge­legter Koh­le­kraft­werke müssen ent­schädigt werden. Weitere Kosten ver­ur­sachen die Demontage und der Rückbau der Koh­le­kraft­werke. Hinzu kommen die hohen Kosten von Öko­strom. Deren Pro­duk­ti­ons­kosten sind und bleiben deutlich über den Erzeu­gungs­kosten selbst der teuren Gaskraftwerke.

Mög­liche Erpressungen

Inves­toren wollen mit deut­schen Koh­le­kraft­werken Gewinne erzielen. Die Ver­sorgung mit Öko­strom hat bereits die tech­nische Grenze von rund 55 Prozent erreicht. Für ein sta­biles Stromnetz sind aus­rei­chend viele Dampf­kraft­werke erfor­derlich. Inves­toren wissen das. Sie werden drohen, ihre Kraft­werke abzu­schalten, sobald sie keine gewinn­brin­genden Preise und Abnah­me­mengen mehr erzielen. Zwangs­nahmen lassen sich nur gegen deutsche Eigen­tümer durchsetzen.
Doch viel kri­ti­scher ist die Abhän­gigkeit von Gas­lie­fe­rungen aus Russland. Bereits jetzt würden viele Gas­kunden im Winter ihre Heizung nicht betreiben können. Wenn zusätzlich die Strom­erzeugung auf Gas umge­stellt wird, nimmt der Gas­bedarf deutlich zu. Würde der Gashahn zuge­dreht, läge Deutschland im Dunklen. Es würde lange dauern, wieder ein sta­biles Stromnetz mit anderen Ener­gie­trägern auf­zu­bauen. Russland erhielte eine große Macht über Deutschland. Ist das gewollt?


Prof. Dr.-Ing. Hans-Günter Appel
Pres­se­sprecher NAEB e.V. Stromverbraucherschutz
www.NAEB.info und www.NAEB.tv