FridaysForFuture Deutschland Bild: Fridays for Future - 25.01.2019 in Berlin © Jörg Farys / WWF - https://www.flickr.com/photos/161768312@N07/46820422932/ - CC BY 2.0
Politik

#FridaysforFuture: Warum die „Bewegung“ außerhalb Westeuropas niemand kennt

14. Juni 2019

Die Medien machen den Eindruck, dass die „Fridays for Future“ ein weltweites Phänomen wären. Sogar für den Friedensnobelpreis ist Greta schon im Gespräch. Aber wie verbreitet ist die Bewegung tatsächlich außerhalb Westeuropas?

Wir lesen in den Medien immer wieder, dass es auf der ganzen Welt Schülerstreiks und Fridays for Future gibt. Erst vor einigen Tagen gab es einen Spiegel, der über die Bewegung „in anderen Ländern“ berichtet hat. Der Artikel war unfreiwillig informativ, denn er zeigte dem aufmerksamen Leser, dass die Bewegung außerhalb Westeuropas keine nennenswerten Anhänger hat. Es handelt sich um ein Phänomen, das die westeuropäische Presse künstlich erschaffen hat. Und selbst in allen Umfragen in Deutschland, bei denen nach den größten Sorgen der Deutschen gefragt wird, kommt der Klimawandel nur unter „ferner liefen“, und das trotz der inzwischen sechsmonatigen Medienkampagne.

Da ich in Russland wohne, ist der Hype in Deutschland ziemlich an mir vorbeigegangen. In Russland hat kaum jemand auch nur von den Fridays for Future gehört und kein Mensch weiß, wer Greta ist oder dass es sie überhaupt gibt. Ich bin auf das Thema erst durch eine Leserfrage aufmerksam geworden und habe dann einen Artikel darüber geschrieben, wie über Greta in Russland berichtet wird.

Man kann den Umfang der Popularität der Fridays for Future ganz gut an Wikipedia sehen. In einem Land, in dem das Thema propagiert wird und daher den Menschen überhaupt bekannt ist, sind die Artikel entsprechend lang. In Ländern, in denen die „Schülerproteste“ keinerlei Rolle spielen, gibt es nicht einmal einen Wikipedia-Artikel darüber. Der deutsche Artikel bei Wikipedia hat 271 Quellenverweise, er ist also sehr lang. Der russische Artikel hat lediglich 19 Quellen und ist entsprechend kurz. Länger als der deutsche Artikel ist nur der auf Englisch, er hat 353 Quellenverweise. Auf Schwedisch, dem Land, in dem das Thema angeblich mit großer Resonanz entstanden ist, gibt es nicht einmal einen Artikel darüber. Auf Finnisch zum Beispiel ist er sehr kurz und hat lediglich 5 Quellenverweise.

Auch weltweit sieht es eher düster aus für die Bewegung. In der Ukraine, die so gerne ein Teil des Westens werden möchte, hat der Artikel immerhin 52 Quellenverweise. In Israel scheint das Thema niemanden zu interessieren, der Artikel ist sehr kurz hat nur 8 Quellenverweise. Zu dem Thema gibt es nicht auf einer einzigen afrikanischen Sprache einen Wikipedia-Artikel über die Fridays for Future. In asiatischen Sprachen gibt es ganze 4 Artikel: auf Persisch einen mit 8 Quellenverweisen, auf Koreanisch ist es nur ein kurzer Absatz mit 2 Quellenverweisen, der Artikel auf Vietnamesisch ist mit 54 Quellenverweisen im Vergleich recht lang, während es auf Thailändisch wieder 7 Quellenverweise sind.

Man sieht also, das Thema findet außerhalb Westeuropas einfach nicht statt. Und man sieht, dass der deutsche Wikipedia-Artikel nach dem Englischen der mit Abstand längste der Welt ist. Wer in Deutschland lebt, muss innerhalb der deutschen medialen Filterblase glauben, dass das Thema die ganze Welt interessiert, dabei ist das Unsinn. Dieser Eindruck entsteht nur innerhalb der deutschen medialen Filterblase, während außerhalb davon kaum jemand auch nur davon gehört hat.

Ich sagte am Anfang, dass der Artikel im Spiegel unfreiwillig informativ war. Das möchte ich nun erklären. In dem Artikel schreibt der Spiegel darüber, wie Schüler in anderen Ländern für das Klima demonstrieren. Schon das erste Beispiel aus China ist entlarvend. China hat wirklich ernsthafte Umweltprobleme, ganz im Gegensatz zu Deutschland und China investiert massiv in alternative Energien, und dort gibt es bereits Busse und sogar LKW, die elektrisch fahren. Damit reduziert man zwar nicht die Emissionen, denn der Strom muss ja irgendwo herkommen, aber man tut etwas gegen den allgegenwärtigen Smog, wenn man die Emissionen außerhalb der Städte in Kraftwerken auf dem Land produziert, anstatt in den Motoren der Autos in der Stadt.

In China müsste aufgrund der allgegenwärtigen Umweltprobleme das Thema also eigentlich auf fruchtbaren Boden fallen. Aber an China kann man sehen, was geschieht, wenn die Medien die Öffentlichkeit nicht monatelang mit einer Medienkampagne manipulieren: Dort protestiert ein einsames Mädchen vor seiner Schule, das war´s. Im deutschen Wikipedia kann man dazu lesen: „Der chinesische Staat erlaubt keine Schulstreiks; es fanden außerhalb der Sonderverwaltungszone Hongkong in China keine Kundgebungen statt. In Hongkong hatte eine Demonstration am 15. März 2019 etwa tausend Teilnehmende“, wobei der Link zur Teilnehmerzahl auf die Seite der Fridays for Future führt, es wird also keine neutrale Quelle als Bestätigung angegeben.

Und ich frage mich, ob Schulstreiks in Deutschland erlaubt sind. In Deutschland gilt doch die Schulpflicht, und die nahm der deutsche Staat im letzten Sommer noch so ernst, dass die Polizei im Mai 2018 an Flughäfen Familien aufgelauert hat, die ihre Kinder ein paar Tage vor den Ferien aus der Schule genommen hatten, um in den Urlaub zu fliegen. Es wurden Bußgeldbescheide verteilt, bzw. sogar Kinder von der Polizei wieder in die Schule gebracht. So wichtig war die Schulpflicht in Deutschland noch vor einem Jahr.

Ich kann mich nicht erinnern, dass in Deutschland die Gesetze zur Schulpflicht geändert wurden. Wenn also heute der deutsche Staat die Kinder freitags die Schule schwänzen lässt, dann verstößt er gegen seine eigenen Gesetze. Und das tut der Staat nur, wenn er ein Thema voranbringen möchte. Es ist also nicht nur eine beispiellose Medienkampagne, die Greta pusht, das Ganze geschieht mit Unterstützung des Staates.

Aber auch die anderen Beispiele im Spiegel waren informativ. Wie gesehen, gibt es im afrikanischen Wikipedia keinen einzigen Artikel über die Fridays for Future. Entsprechend alleine stand das Mädchen aus Uganda, das der Spiegel zeigte. Aus Indien konnte der Spiegel wenigstens ein Foto zeigen, auf dem ganze 22 Jugendliche zu sehen sind, das nenne ich mal eine Massendemonstration.

Und es ist ein europäisches Phänomen. In den USA gab es ganze drei Demos, die letzte Demo Ende Mai hatte 100 Teilnehmer. Wenn man sich den Wikipedia-Artikel auf Englisch anschaut, findet man eine Liste der Demos weltweit. Die größte Schülerdemo außerhalb der Einflusszone der westeuropäischen Medien fand am 15 März in Chile statt. Dort kamen ganze 2.000 Teilnehmer.

Interessant ist die Liste auch, weil sie die Anzahl der Demos pro Land zeigt. In Westeuropa, wo die Medien das Thema pushen, sind es die meisten. Für Deutschland sind 13 Demos aufgelistet, für Schweden, das Herkunftsland von Greta, sind es hingegen nur drei. Und eine davon hatte nur eine Teilnehmerin: Am 20. August 2018, als Greta alleine vor ihrer Schule stand und merkwürdigerweise die Medien vor Ort waren, um diese „Geburtsstunde des weltweiten Protestes“ ordentlich ins Bild zu rücken. Und aus den USA werden 6 Demos aufgelistet, allerdings hatten 4 davon wenig Teilnehmer: Im Dezember war es ein Teilnehmer, im Januar waren es 3, im Februar 9 und im Mai 100. Ich musste selbst lachen, als ich das geschrieben habe, aber jeder kann es nachprüfen.

Die Fridays for Future sind also nachweisbar ein westeuropäisches Phänomen, das von den Medien künstlich erzeugt und von den Regierungen unterstützt wird, wie die gesetzeswidrige Tolerierung der Schülerstreiks in Deutschland beispielhaft aufzeigt.

Die angeblich kritischen jungen Leute werden von Politik und Medien in eine – warum auch immer – gewünschte Richtung manipuliert.

Und nun wird es komplett lächerlich, wenn Greta tatsächlich den Friedensnobelpreis bekommt. Das würde der Welt vor Augen führen, wie durchgeknallt die Menschen in Westeuropa inzwischen sind, wenn ein so wichtiger Preis an Greta geht. Dabei gibt es Menschen, die den Preis wirklich verdient haben. Wie wäre es zum Beispiel mit Julian Assange, der seine Freiheit und Gesundheit riskiert hat, um Kriegsverbrechen aufzudecken? Das wäre ein Thema für den Friedensnobelpreis. Aber wenn das Komitee den Preis an Greta verleiht, macht es sich nach der Verleihung an Obama zum zweiten Mal lächerlich und diskreditiert sich endgültig als Instrument der westeuropäischen Propaganda-Maschinerie.


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“


Ad
Ad
Ad

Jetzt eintragen und News kostenlos per E-Mail erhalten:

Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad