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Politik

Gerlach-Report: Ein Schattenimperium des Kapitalanlagebetrugs, des Rufmordes, der Erpressung und Drohung? – Der Prozess läuft

12. August 2019

Ein Krieg tobt zwischen der Stiftung Warentest und einer Webseite namens „Gerlach Report“. Die „Stiftung Warentest“ ist bekannt für ihre soliden und sorgfältigen Recherchen. Im Februar 2018 erschien dort ein Beitrag unter dem Titel „Abzocke, Drohungen, Rufmord – Rainer von Holst und der Gerlachreport“.

Ein „Abzockimperium im Dunkeln“

Was die Stiftung herausgefunden hat, ist eine unglaubliche Räuberpistole. Sie dreht sich hauptsächlich um die Person des Rainer von Holst. Dieser Mann hat viele Namen. Mal ist er Jan Faber, dann Peter Klein oder Allan Klein, mal Rechtsanwalt, mal mit, mal ohne Doktortitel. Er hat ein Netz von immer neuen und wechselnden Firmen, mit denen er sehr flexibel schalten und walten kann. Er geriert sich als solider, seriöser Kapitalanleger und warnt in seinem „Gerlach-Report“, der als investigativer Ratgeber und Berichterstatter auftritt, vor Abzockern und Betrügern und ist – nach den Recherchen von Investigativreporterin Ariane Lauenburg – selbst einer der Schlimmsten. Nicht nur, dass er zusammen mit seinen (erwachsenen) Kindern und einer größeren Anzahl von Finanzvermittlern allein in Deutschland Zehntausende Anleger abgezockt hat, er komplettiert sein Leistungsprofil auch noch mit Drohung und Erpressung.

Dabei ist der Spinne im Netz, wie „Stiftung Warentest“ Rainer von Holst im Beitragsbild darstellt, aber nicht habhaft zu werden. Er sitzt in den USA, Gerüchten zufolge in einem Wohnmobil, sodass er keinen festen Wohnsitz hat und auch dort von den Behörden nicht ausfindig gemacht werden kann. Er schafft es, sich nicht nur seit 2015 der Justiz zu entziehen, sondern auch ohne allzu großes Aufsehen seinen dubiosen Geschäften nachzugehen. Es gibt zwar immer wieder kleine, private Blogs, in denen Geschädigte ihre Erlebnisse schildern und hilflos nach Bestrafung rufen, aber lange Zeit blieb es um dieses „kriminelle Imperium“ erstaunlich ruhig.

Rufmord und Erpressung als Geschäftsmodell

Besonders brisant: Der Geschäftszweig „Rufmord & Erpressung“. Der vorgeblich investigative und seriöse Wirtschafts- und Finanz-Onlinedienst, einst von Heinz Gerlach gegründet, führt unter Rainer von Holst eine alte Firmentradition zur Perfektion. Schon unter Heinz Gerlach wurde das Prinzip verfolgt.
Wikipedia schreibt hierzu:

„Heinz Gerlach war mehrfach wegen seiner Geschäftspraktiken verurteilt worden. Im August 2007 verurteilte ihn das Landgericht Frankfurt am Main in einem Hauptsacheverfahren wegen seiner Geschäftspraktiken. Sein Prinzip, die Forderung nach der Übersendung interner Geschäftsunterlagen mit der Androhung eines Negativ-Ratings zu verbinden, wurde ihm als unlauteres Verhalten generell untersagt. Das Landgericht sprach von einer „diskriminierenden Wettbewerbshandlung“, einer „gezielten Behinderung“ und einem „unzulässigen Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb“. Ein weiteres Urteil des Landgerichtes Frankfurt/Main machte Gerlach finanziell für unwahre Behauptungen gegen Emissionshäuser haftbar. Die Richter urteilten am 22. Juni 2005: „Es wird festgestellt, dass die Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin alle etwaigen künftigen Schäden zu ersetzen, die ihr durch die von der Beklagten verbreiteten Aussagen entstanden.“ (AZ: 3-08 O 12/05)“ 

Rainer von Holst hat das Geschäftsmodell optimiert. Der „Gerlachreport“ wird herausgegeben von einer Firma namens „Newsroom LLC“. Diese Firma gehört zu von Holsts Imperium und schließt Verträge mit verschiedenen Firmen oder Personen, in denen vereinbart wird, dass die Newsroom LLC die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für diese Firmen gegen gutes Honorar übernimmt. Vorher aber hat es höchst beleidigenden, ruf- und geschäftsschädigende Berichte über diese Firmen oder Personen, darunter auch Politiker und Prominente, gegeben. Meist sind es frei erfundene Gräuelgeschichten, geschickt konstruiert, aber mit zutreffenden Namen, Orten und Vorkommnissen gespickt, um glaubwürdig zu wirken. Die Personen und Firmen versuchen verzweifelt, sich dagegen zu wehren und die Dinge richtig zu stellen, den Gerlach Report zu verklagen, eine Gegendarstellung zu erzwingen, abzumahnen, auf Unterlassung zu klagen, die Veröffentlichung der Lügenmärchen zu untersagen – alles vergeblich. Die Newsroom LLC hat keine ladungsfähige Adresse und ist nicht dingfest zu machen, genauso, wie Rainer von Holst selbst.

Dann wird den verzweifelten Verleumdeten das beschriebene Angebot eines Vertrages mit eben dieser Newsroom LLC gemacht. Sobald die geschädigte Firma oder Person den von Newsroom LLC verlangten Betrag überweist, wird die schädliche Berichterstattung gestoppt, bisweilen sogar ins Gegenteil verkehrt. Versucht man aber, dagegenzuhalten, wird der Druck und die Verleumdungen erhöht, dabei scheuen sich die Leute vom Gerlachreport auch nicht, sich direkt an die Presse zu wenden und ihre Beschuldigungen so dreist und selbstsicher vorzubringen, dass die ganze Sache eskaliert.

Pleiten, Verhaftungen und Prozesse im Holst Imperium

Schon 2018 wurden zwei seiner Kinder, Anne und Alexander von Holst von der Staatsanwaltschaft Augsburg verhaftet. Eine weitere Tochter, Antonia von Holst, wurde ebenfalls im September 2018 verhaftet, aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen alle drei Kinder von Holst begann der Prozess am 13. Mai 2019 vor der 9. Strafkammer in Augsburg. Bis Ende September sind 18 Termine in der Sache angesetzt worden.

Fünf Beschuldigte stehen hier vor den Schranken des Gerichtes. Anklage wurde wegen „gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges“ in 275 Fällen erhoben, eine zweite Anklage mit anderen Firmen mit 100 Fällen. Die Schäden bei den geprellten Anlegern betragen mehrere Millionen. Dazu kommen Anklagen wegen Steuerhinterziehung, vorsätzliche Pflichtverletzungen wegen Zahlungsunfähigkeit und noch das Vorenthalten von Arbeitsentgelten. Das dunkle Imperium des Rainer Holst lässt kaum etwas aus. Es fehlen noch Anklagen wegen Nötigung, Erpressung und Drohung.

Mehrere Firmen, die der von Holst-Clan betreibt, sind mittlerweile trotz allem insolvent geworden, auch, weil sich doch langsam herumspricht, wer dahintersteckt.

So wurde die 200 Firmen umfassende „Firmenwelten AG“ mit Tochter Anne von Holst als Vorstand und Rainer von Holst als Aufsichtsrat insolvent. Die Firma „Wurstwelten GmbH“, die zuerst von Sohn Alexander und dann von dessen Schwester Antonia von Holst geleitet wurde, zahlte anfangs noch einige Male die Zinsen für die Einlagen der Anleger, ging jedoch dann so gründlich pleite, dass noch nicht einmal das Insolvenzverfahren eröffnet wurde.

Ermittlungen im Zusammenhang mit möglichem Kapitalanleger-Betrug gegen die drei Kinder von Holst laufen laut Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai noch gegen die Firmen Enercrox Partner LLP, Enercrox Inc und die Halbstromgesellschaft mbH, die Firmenwelten Treuhand GmbH, die Firmenwelten AG, die Firmenwelten Group PLC, die Wurstwelten GmbH, das Sachwertkontor Bayern, die Bankhäuser von Holst in Großbritannien sowie die Summi Viri und Black Rock Advance LLP. Bei fast allen dieser Firmen hatte der Familienclan, bestehend vor allem aus Rainer von Holst, Anne von Holst, Alexander von Holst und Antonia von Holst Geschäftsführer-, Vorstands-, Direktoren- oder Secretary-Positionen inne.“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Rainer von Holst selbst und die Schlinge zieht sich immer enger.

 


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