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Ver­botene Archäo­logie: Der Ring des Car­vilius – ein 2.000 Jahre altes Hologramm?

Das gemei­ßelte Gesicht des jungen Car­vilio, auf einem gol­denen Ring plat­ziert und von Berg­kristall geschützt, ist aus dem antiken Rom voller Charme und Geheim­nisse ans Licht gekommen.

Das Juwel ist eines der außer­ge­wöhn­lichsten römi­schen Arte­fakte, die jemals in unsere Zeit gekommen sind.

Bevor der Fund in allen Ein­zel­heiten ana­ly­siert wird, muss die Geschichte seiner Ent­de­ckung erzählt werden.

Es ist das Jahr 2000, als in Grot­ta­ferrata, am Stadtrand von Rom, einige Aus­gra­bungs­ar­beiten auf einem Pri­vat­grund­stück durch­ge­führt werden. Die Arbeiter sind erstaunt, als eine Reihe von Stufen aus dem Boden auf­taucht, die sich nach unten fortsetzen.

Nach Ein­be­rufung der Super­in­tendenz wird ein Team von Archäo­logen mit der Fort­setzung der Aus­gra­bungen beauf­tragt; diese dauern zwei Tage an, bis eine große Stein­platte, die an alten Siegeln ver­ankert ist, sich vor den Augen der Gelehrten materialisiert.

Die Platte ent­puppt sich als Tor zu einem antiken römi­schen Grab aus dem 1. Jahr­hundert n. Chr.

Nach dem Betreten des Grabes (ca. 9 Qua­drat­meter) ent­decken die Archäo­logen zwei riesige Sar­ko­phage aus weißem Marmor, die reich gra­viert und außer­ge­wöhnlich intakt sind, bis auf ein paar Risse an einem der beiden. Von der Form her scheinen die Gräber zwei Ange­hö­rigen des römi­schen Adels zu gehören.

Ein­gangstür zum Grab

Sobald beide Bestat­tungen geöffnet sind, erscheinen zwei Leichen; die einer Frau von etwa vierzig Jahren (wahr­scheinlich schwanger, Hypo­these auf­grund einiger kleiner Knochen, die daneben gefunden wurden), weiter ver­schlechtert auf­grund der Frak­turen an ihrem Sar­kophag, und die eines jungen Mannes, der in gutem Zustand ist.

Die Inschriften auf dem Marmor tragen die Namen von Aebutia Quarta und Car­vilio Gemello, Mutter und Sohn, die im jungen Alter von achtzehn Jahren gestorben sind.

Wie später bekannt wurde, wurde Car­vilio aus der ersten Ehe der Adligen geboren, die mit dem Adligen Tito Car­vilio der Familie Sergia unter Vertrag stand. Aus zweiter Ehe stammt seine zweite Tochter Antestia Balbina, die sich um das prächtige Grab küm­merte, aber woanders begraben wurde.

Auf den ersten Blick erweisen sich die Leichen als ein­bal­sa­miert; Dies ver­blüfft Archäo­logen, da das Ein­bal­sa­mieren unter den Mit­gliedern der römi­schen Elite der dama­ligen Zeit keine Praxis war, die es vorzog, nach der Ein­äscherung bei­gesetzt zu werden.

Und es mag der Wahl der beiden Aris­to­kraten zu ver­danken sein, wahr­scheinlich Anhänger des damals sehr modi­schen Isis-Kults, wenn es möglich war, unter anderem kostbare Funde (Blu­men­gir­landen, die mit Gold­fäden gewebte rote Perücke der Frau sowie kostbare Gewänder), eines der wich­tigsten und erstaun­lichsten Juwelen des antiken Roms, das uns über­liefert ist.

Am Ring­finger von Aebutia befand sich ein Bandring von außer­ge­wöhn­licher Ver­ar­beitung, der Archäo­logen und Gelehrte nicht so sehr wegen der Mate­rialien, aus denen er besteht, sondern wegen seiner Ein­zig­ar­tigkeit begeisterte.

Der „Carvilio“-Ring

Der Gold­rahmen hat eine Ver­tiefung, in die ein detail­ge­treues, scheinbar gemei­ßeltes Minia­tur­porträt ein­ge­setzt wurde. Es zeigt wohl den jungen Car­vilio Gemello mit wel­ligem Haar, inten­sivem Blick, feinen Lippen, aus­ge­prägter Nase und nackter Ober­weite. Die erstaun­liche Miniatur ist in Berg­kristall gehüllt (hya­liner Quarz, von den alten Römern als „Acen­tetus, die Farbe des klaren Wassers“ defi­niert), der dem Aus­druck des Jungen eine zeitlose Tiefe verleiht.

Car­vilius‘ vor­zei­tiger Tod, mög­li­cher­weise auf­grund einer Sep­tikämie (der Ober­schen­kel­knochen war gebrochen) oder einer Ver­giftung (wie die Arsen­kon­zen­tration in den Haar­fasern ver­muten lässt), muss die Adlige Aebutia zutiefst erschüttert haben. Sicherlich war es der Schmerz und die Liebe zu Car­vilio, die sie dazu ver­an­lassten, das kostbare Juwel einem Meister der kai­ser­lichen Gold­schmie­de­kunst in Auftrag zu geben (der ange­sichts der Pracht des Fundes mit ziem­licher Sicherheit dem Kaiser selbst seine Dienste verlieh).

Das Ornament würde es ihr ermög­lichen, auch im Tod immer von ihrem geliebten Sohn begleitet zu werden. Die Tat­sache, dass der Ring keine beson­deren Gebrauchs­spuren auf­weist, deutet jedoch darauf hin, dass er wenig getragen wurde, viel­leicht auf­grund seines unschätz­baren Wertes.

Und genau in der Zeit ihres Todes wurden Mutter und Sohn durch einen bizarren Zufall wieder vereint. Dieses kostbare Detail lie­ferten die Blumen der Trau­er­kränze, die in den beiden Gräbern gut erhalten waren. Frisch duf­tende Som­mer­blumen wie Lilien, Rosen und Veilchen schmückten die Kleider und Körper der beiden Ver­stor­benen, die beide zu Beginn eines heißen Sommers starben. Die flo­ralen Orna­mente haben auch den Namen geprägt, unter dem die archäo­lo­gische Stätte heute bekannt ist, nämlich „Hypogäum der Girlanden“.

Der Ring von Car­vilio, der nach Jahr­tau­senden von seinem Besitzer getrennt wurde, wird heute im Archäo­lo­gi­schen Museum von Pal­estrina aus­ge­stellt. Sein Blick durch­forscht wei­terhin rät­selhaft den Lauf der Zeit, geschützt vom Glanz seines Quarz­fensters. Ein Fund von außer­ge­wöhn­licher Ver­ar­beitung und Schönheit, der aber trotz der bisher gesam­melten Infor­ma­tionen noch viele Geheim­nisse birgt.

Obwohl sich die Gelehrten darin einig sind, die geschnitzte Büste des Rings dem jungen Car­vilio Gemello zuzu­schreiben, gibt es einige, die auf­grund einiger soma­ti­scher Merkmale statt­dessen die Merkmale einer älteren Frau erkannt haben:

Könnte das Juwel also an einen nahen Ver­wandten (viel­leicht die Mutter?) von Aebutia erinnern und nicht an ihren geliebten Sohn?

Gewiss­heiten über die Iden­tität des Gesichts können ins Wanken geraten und die Türen für neue Hypo­thesen öffnen. Was uns jedoch nicht fehlt, ist die Dank­barkeit gegenüber der zarten Aebutia, die der Welt ein unbe­zahl­bares Juwel geschenkt hat, aus der Geschichte, was auch immer sie ist, ein­nehmend und aufregend.

Trotz der Bedeutung der archäo­lo­gi­schen Ent­de­ckung, die in den letzten 20 Jahren zu den wich­tigsten in Italien gehörte, war die Medi­en­be­richt­erstattung in unserem Land nicht relevant.

Fazit

Ein Holo­gramm vor 2000 Jahren in einem gol­denen Schmuck­stück ver­ankert. Der goldene Schatten eines ver­meintlich jungen Aris­to­kraten scheint sich von der trans­pa­renten Dun­kelheit einer Rock­kris­tall­linse zu blicken…
Innerlich wie eine Miniatur gekämmert, der Stein ist eine Linse. Es ist die Magie eines der wert­vollsten römi­schen Schmuck­stücke, die zu uns gekommen sind, die ein unschätzbar wert­volles Unikum bilden – manche halten es für den schönsten Ring, der aus der Antike stammt.