Wer die Kurve kriegt, darf die Ele­fanten füttern

Follow the evidence
– whe­rever it leads. 

(Unbe­kannt)

Na, können Sie das Getrommel noch ertragen? Oder zappen Sie bei „Inzi…“ und „Coro…“ schon auf den Shopping-Kanal oder Radio Brocken? Gehört „Nach­richten-Diät“ zu Ihren guten Vor­sätzen für 2022? Dann ver­passen Sie im Moment die unter­halt­samste Zeit dieser selt­samen Pan­demie, die sich gerade beharrlich weigert, von der Politik auf Ewigkeit gestellt zu werden. Da hat man zwei Jahre gebraucht, um all die schönen Maß­nahmen und Abhän­gig­keiten zu errichten, hat in Erman­gelung von Lei­chen­bergen viel Luft und Zei­tungs­papier bewegt und nun macht aus­ge­rechnet der zur Nemesis auf­ge­blasene Gegner schlapp. How dare you, Delta! Do some­thing, Omikron!

Zum Glück hat man recht­zeitig im Galopp das Pferd gewechselt und erprobt seine Waffen statt an einem Virus nun an Kri­tikern der Grund­rechts­ein­schrän­kungen. Denn im Gegensatz zum schlapp machenden Virus werden die immer lauter. Und wären Bild­qua­lität, Mode und Fri­suren im Jahr 1989 nicht so fürch­terlich und unver­wech­selbar gewesen, könnten die Medien 2022 statt aktuelle Berichte von der Infek­ti­ons­front anzu­fer­tigen, die Archiv­kon­serven des DDR-Fern­sehens senden, so sehr ähneln sich Wortwahl, Framing und staats­tra­gendes Ent­setzen über die Insub­or­di­nation, den öffent­lichen Raum für „Spa­zier­gänge“ zu benutzen. Natürlich habe man das Recht, spa­zieren zu gehen, aber diese Leute miss­brauchen dieses Recht, jawohl!

Aus aller Welt erreichen uns indes Nach­richten, die das mühsam auf­ge­baute poli­tische Nar­rativ ins Wanken bringen. Aus­tralien gesteht ange­sichts stei­gender C‑Zahlen mehr oder weniger kleinlaut das Scheitern seines rigiden (um nicht zu sagen: semi­fa­schis­ti­schen) Ver­mei­dungs­re­gimes ein, in den USA ver­breitet sich die neue Omikron-Variante ohne Ansehen der ver­schie­denen Impf­raten, Klimata und Lock­down­maß­nahmen gleich­mäßig rasant und in Süd­afrika flaut die Welle nach einem kurzen und hef­tigen Anstieg der Fall­zahlen schon wieder ab, ohne dass die Zahl der Hos­pi­ta­li­sie­rungen mehr als nur leicht ange­stiegen wäre. Die unge­stellte Frage ist nun, was ein Erste­weltland wie Deutschland, in dem es eine C‑Impfquote von 71–74% gibt, zu befürchten hat, wenn die Omikron-Welle selbst im ange­schla­genen Süd­afrika mit seiner Impf­quote von schlappen 26–32% sehr mild und glimpflich ver­laufen ist? Ein Schelm, wer da nicht „trotz“, sondern „wegen der hohen Quote“ in die Frage hin­ein­in­ter­pre­tiert. Aber das tue ich hier natürlich nicht, ich will schließlich keine Angst verbreiten.

Es ist auch gar nicht nötig, große Mörser auf­zu­fahren und sich auf noch nicht gesi­chertes Gelände bezüglich Gefahr und Wirk­samkeit von Stöffchen zu begeben, aus denen schlichte Poli­ti­ker­träume geschneidert sind. Es genügt ein Blick in die ver­öf­fent­liche Rea­lität, um zu erkennen, wie groß die Wider­sprüche mitt­ler­weile sind und wie erfolglos die Ver­suche, sie zu ver­decken oder zu igno­rieren. Das Ele­fan­ten­ge­dächtnis des Internet ver­ar­beitet seit Monaten öffent­liche Ver­laut­ba­rungen von gestern zuver­lässig zu lus­tigen Memes von morgen.

Apropos „Elefant“

Bekanntlich steht dieses trans­pa­rente und gra­ziöse Tier meist im Raum, wenn eine Simu­lation der Rea­lität Risse bekommt und so gerät manchmal unfrei­willig komisch, was uns als ernst­hafter Vorwurf, Belehrung oder Quint­essenz einer auf­wän­digen Recherche prä­sen­tiert wird. Bei­spiele dafür sind zwei Doku­men­ta­tionen von Arte. Der Elefant in „Kin­der­psy­chatrie am Limit“ braucht eine Weile, um sichtbar zu werden. Zunächst bekommt der Zuschauer ein völlig kor­rektes und sehr ein­fühl­sames Nahbild aus dem Lock­down­leben der mental ange­schla­genen Jugend, spürt ihre Depres­sionen, emp­findet ihre neu ent­wi­ckelten Ess­stö­rungen und ihr iso­liertes Leben nach. Keine Schule, keine Vereine, keine Musik, keine Party, keine Sozi­al­kon­takte. Unsicher, zurück­ge­worfen auf sich selbst und von der Politik buch­stäblich zum Ver­stummen und Ver­schwinden gebracht.

Ein Horror für alle Betrof­fenen, Betreuer und Betei­ligten und der Arte-Zuschauer mit­tendrin. Gut gemacht, wirklich. Doch der üppige Garten und die Zeit­bezüge lassen uns wissen, dass sich all das im Sommer 2021 abspielte. Solche Pro­duk­tionen brauchen ihre Zeit, zumal wenn sie doku­men­ta­risch das Leben der jungen Pati­enten begleiten. Man bekommt den Ein­druck, hier hat sich das Team wirklich große Mühe gegeben, die Finger in eine Wunde zu legen und die staat­liche Willkür von Lock­downs und anderen sinn­losen Maß­nahmen klar auf­zu­zeigen. Doch ach, natürlich hat jede Zeit ihr Nar­rativ und im Covidzän wechseln die im Takt der Jah­res­zeiten. Im Sommer, wir erinnern uns, galt es als bol­zenfest, dass die Impfung ein Akt der brü­der­lichen Nächs­ten­liebe sei und so kommt bei Minute 30 pflicht­schul­digst der Vorwurf des sonst sehr ver­ständ­nis­vollen Kin­der­psy­cho­logen an jene Erwachsene, die zwar die Mög­lichkeit hätten, sich impfen zu lassen, dies aber nicht täten – was ein sehr ego­is­ti­sches Ver­halten sei und – der Vorwurf liegt in der Luft – die Ursache der Pro­bleme der Jugend­lichen und der über­füllten Jugendpsychatrie.

Wir, die wir auf dem Karussell des Wahn­sinns schon ein paar Nar­rative weiter sind, „wissen“ heute natürlich, dass sich diese „man­gelnde Soli­da­rität“ längst umori­en­tiert und sich nun (dank nach­weislich man­gel­haftem Schutz der Impfung vor Über­tragung) nur noch auf die mut­maß­liche Ver­stopfung der noch nicht ver­schwun­denen Inten­siv­betten bezieht. Und so kommt der (gespielte?) Vorwurf seltsam hilflos und unin­for­miert daher, obgleich er im Film sehr deutlich die Ver­ant­wortung für die psy­cho­lo­gische Ver­elendung vieler Jugend­lichen weg von der Politik und hin zu den „Unso­li­da­ri­schen“ lenken soll. Eine Klei­nigkeit nur, ein Stich, der statt ins schlechte Gewissen ins Alberne triff. Sonst ist die Doku wirklich gut.

Der zweite Elefant steht in der Doku „Impf­gegner – wer pro­fi­tiert von der Angst“ sehr viel größer und von Anfang an im Raum. Gegen die Idee, „dem Geld zu folgen“ und zu unter­suchen, wer wie und wo von welchen Studien, Mei­nungen oder Spenden pro­fi­tiert, ist selbst­ver­ständlich nichts ein­zu­wenden. Der alte deutsche Spruch „Wes‘ Brot ich ess‘, des‘ Lied ich sing“ ist eine durchaus zulässige Arbeits­these, mit der man starten kann. Doch wenn Arte im Film dem bri­tisch-ame­ri­ka­ni­schen Medi­ziner Andrew Wake­field nach­spürt, seine Spender und Geld­geber nennt („Spen­den­gelder in Mil­lio­nenhöhe“), eine offenbar für 450.000 Dollar gekaufte und vor Jahren schon von „The Lancet“ zurück­ge­wiesene Studie anprangert und ihm bescheinigt, „in höchstem Maße Kar­riere- und Gewinn­ori­en­tiert“ zu sein, muss ich herzlich lachen ange­sichts der Mil­li­ar­den­be­träge, die im letzten Jahr zusätzlich in die Taschen von nur zwei großen Phar­ma­kon­zernen geflossen sind. „Mil­lio­nen­be­träge“ kommen in diesem Zusam­menhang viel­leicht in einem Impf­zentrum in Bottrop vor, aber für 450.000 Dollar stand selbst ein Betreiber von 20 Ber­liner Test­zentren im Mai 2021 morgens nicht mal mehr auf.  Ich über­treibe natürlich, Sie wissen, worauf ich hinaus will, ver­ehrter Leser.

Wer von dieser Art Angst pro­fi­tiert, wusste übrigens nicht nur die Süd­deutsche im Jahr 2015 noch. Heute ist das alles ver­gessen. Ebenso die typi­scher­weise linke, manchmal lästige aber nicht ganz unbe­rech­tigte Kritik an Mono­polen, Kon­zernen und Macht­ver­flech­tungen. Die Linken haben sich durch den geka­perten Soli­da­ri­täts­be­griff ins Joch spannen lassen und laufen nun gehorsam vor dem Pflug.

So gut wie niemand kommt heute auf die Idee, dem wirklich großen Geld zu folgen, Abhän­gig­keiten zu unter­suchen und Mani­pu­la­tionen auf­zu­decken. Hier die Serio­sität zu prüfen ist leider auch nicht so leicht wie bei einem Lancet-Artikel aus den 90ern, weil poli­ti­sches Kalkül, Geheim­ver­träge und Sperr­fristen bis nach Sankt Nim­merlein die Nach­for­schungen behindern. Wie genau es dieser Herr Wake­field aus der Arte-Doku mit der Wahrheit tat­sächlich nimmt, kann ich natürlich nicht beur­teilen. Ganz im Gegensatz zur Wahr­heits­liebe und den Motiven jener, die über ihn bei Wiki­pedia schreiben. Denn 2016 traf sich Wake­field – und das soll der Leser zwei­felsohne als Letzt­beweis für Schar­la­ta­nerie nehmen – mit Trump, „der als Impf­skep­tiker gilt“. Trump, den kennen Sie noch, oder? Das ist dieser dop­pel­co­ro­na­ge­impfte und geboos­terte Ex-Prä­sident aller Impf­skep­tiker, der „Ope­ration Warpspeed“ ins Leben rief und damit allen auto­ri­tären Träumern den Stoff ver­schaffte, den sie heute zur Umsetzung ihres Volks­er­zie­hungs­pro­gramms brauchen. Wenn Arte also sal­badert, Wake­field mache „Geschäfte mit fal­schen Hoff­nungen“, „die Men­schen wollen an Wun­der­mittel glauben“ und „Ärzte als Aus­hän­ge­schild“ gar nicht gerne sieht, mag das alles sogar stimmen. Doch denken Sie bitte auch an den unsicht­baren, trom­pe­tenden Ele­fanten mit dem Pharma-Tattoo im Raum, denken Sie über seine Geschäfte und die Hoff­nungen nach, die er ver­breitet und geben sie ihm eine Banane. Er freut sich sicher.

Pro­pa­ganda in Spiel­film­länge ist eine feine Sache und manchmal sogar unter­haltsam. Doch das gut abge­zir­kelte Tempo der Beweis­ketten erweist sich als Hin­dernis, wenn man zum Zeit­punkt der Aus­strahlung eigentlich noch schnell die Richtung ändern müsste. Denn die Richtung hat sich auch sonst bereits überall geändert! Wieder einmal sind uns die Ver­ei­nigten Staaten ein Stück voraus, viel­leicht auch nur ver­se­hentlich. Wie­der­holte Biden im Wahl­kampf noch täglich sein Mantra, er werde „nicht die Wirt­schaft, sondern das Virus abschalten“ oder von „federal Mask-Man­dates“ sprach, erklärte er nun die Pan­de­mie­be­kämpfung zur Aufgabe der Bundesstaaten.

Ein höchst erstaun­licher und plötz­licher Sin­nes­wandel und ich kann jeden ver­stehen, der nun empört auf die eigenen Wunden ver­gan­gener Medi­en­schlachten ver­weist und Urhe­ber­rechte für derlei Prag­ma­tismus geltend machten will. „Haben wir dies nicht schon immer gesagt? Haben wir nicht gewarnt vor Zen­tra­lismus und „one-fits-all“? Wo bleibt unsere Aner­kennung, wo eure Ent­schul­digung? Ihr lagt falsch und wir lagen richtig! Ihr habt an Wunder geglaubt und uns ver­lacht und aus­ge­grenzt!“ – ja, alles richtig. Doch es nützt nichts, denn über diese Brücke gehen die nie! Sie werden ihre Irrwege einfach der Wis­sen­schaft anlasten, der sie ja nur gefolgt seien und ich glaube, wir werden sie will­kommen heißen müssen, ganz gleich, wie sie zu uns herüber gefunden und was alles sie uns ein Jahr lang an Belei­di­gungen hin­über­ge­worfen haben. Achten Sie einfach auf den Tonfall, kramen Sie im Archiv nach der Her­kunft des Argu­ments und freuen Sie sich die­bisch, wenn plötzlich als Argument gilt, was gestern noch Ver­schwö­rungs­theorie war.

Trump lag richtig?

Da wäre zum Bei­spiel der der FC Bayern, der momentan einige Per­so­nal­pro­bleme im durch­ge­impften Kader hat. Acht Spieler positiv getestet! Wie konnte das denn pas­sieren? Der Focus hilft gern bei der sach­lichen Erklärung: „Pro­fi­spieler wie beim FC Bayern werden besonders oft und regel­mäßig getestet. Das erhöht die Wahr­schein­lichkeit eines posi­tiven Tests zusätzlich – auch bei Per­sonen, die keine Sym­ptome zeigen. Je mehr getestet wird, desto mehr Fälle findet man auf Dauer, die sonst unent­deckt geblieben wären.“ 

Schon wieder ein Trump-Argument! Nur musste der sich im Wahl­kampf noch ein mediales „Aber hallo!“ gefallen lassen, weil er doch frech behauptete, wo viel getestet werde, bekomme man eben auch viele positive Ergeb­nisse und wenn man immer so viel teste, wie man Fälle brauche, höre die Sache nie auf!

Auch was die Eigen­schaften der schnell zusam­men­ge­fie­delten Impf­stoffe angeht, hat sich längst Ernüch­terung ein­ge­stellt. Ent­wi­ckelt gegen die Ur- bzw. Alpha-Variante und begleitet von großen Hoff­nungen und besten Wün­schen, ent­wi­schen den im Körper pro­du­zierten Anti­körpern neue Virus-Vari­anten schneller als man B‑O-O-S-T-E‑R buch­sta­bieren kann. Ver­gessen wir mal die berech­tigte Skepsis bezüglich der unbe­ab­sich­tigten Wir­kungen und unter­stellen einen gewissen Schutz. Schon im Sommer mehrten sich jedoch die Studien, welche eine ver­blüffend schnell nach­las­sende Wirk­samkeit fest­stellten. Und dann kam im Dezember auch noch das geradezu queck­silbrige Omikron hinzu, dass bei seiner Welt­reise offenbar keinen Unter­schied mehr macht zwi­schen unge­impften, geimpften, geboos­terten oder in der hin­tersten Ecke der Ant­arktis gele­genen Airbnb’s.

Und erinnern Sie sich noch an Curevac, jene Firma, die ver­sprach, als erste einen Impf­stoff gegen Corinna zu ent­wi­ckeln? Die Bun­des­re­gierung kaufte sich gleich mal für 300 Mil­lionen Euro dort ein. Um die Firma ist es still geworden seit bekannt wurde, dass der ent­wi­ckelte Impf­stoff es in der Wirk­samkeit gerade mal über die 50-Prozent-Hürde geschafft habe. Die Tages­schau sprach im Juni 2021 von „nied­riger Wirkung“ und nannte das Ergebnis „ent­täu­schend“. Leider sind wir heute mit den aktuell ver­wen­deten mRNA-Mitteln schon in der­selben Grö­ßen­ordnung ange­kommen. Tendenz: schnell fallend. Höchste Zeit zu kon­sta­tieren, dass die neuen Impfst­öffchen, selbst wenn sie völlig unge­fährlich sein sollten und sogar eine Über­dosis für Kinder bei einer „Impf­panne im Zoo Han­nover“ (Gucken Sie nicht so! Wo sonst soll man denn Kinder impfen? Etwa beim Kin­derarzt? Außerdem gab es Frei­karten als Belohnung!) absolut harmlos sei, auf Dauer nicht viel taugen. Im besten Fall sogar, weil man sie nicht über­do­sieren kann, was ich aller­dings bezweifle. Auf ein Urteil „ent­täu­schend“ in der Tages­schau wie im Fall Curevac müssen wir viel­leicht noch etwas warten.

Ver­checkt

Pünktlich zum Jah­res­beginn hat die ame­ri­ka­nische CDC auch noch den PCR-Test aus der Dia­gnostik ver­bannt und damit dem Inzidenz-Seis­mo­graphen gewis­ser­maßen den Rot­stift aus der Hand geschlagen, der dank der Kom­ple­xität des Tests unter staat­licher Sta­tistik-Kon­trolle stand. Doch Moment, war da nicht mal ein Fak­ten­check der all­seits beliebten Cor­rec­tiv­linge, die sich so gerne mit Joachim Stein­höfel und Achgut vor Gericht treffen? Richtig! Im August hatte man sich wegen der CDC-Zulassung noch schützend vor Drosten geworfen, weil bös­willige Cov­idioten es gewagt hatten, den von ihm ent­wi­ckelten PCR-Test in den Schmutz zu ziehen. „Nein, dem „Drosten-PCR-Test“ wird nicht die Zulassung in den USA ent­zogen“, stampfte die Schraven-Combo auf. Es gehe lediglich um eine von der CDC selbst ent­wi­ckelte Variante des Tests und die werde nur deshalb vom Markt genommen, weil es mitt­ler­weile genug Alter­na­tiven gebe.

Das klingt zwar, als hätte BMW beschlossen, keine Autos mehr zu bauen, weil es ja Hyundai und Renault gäbe, aber der Text stammt ja aus dem August 2021 und wer hat die Debatte von damals schon noch so detail­liert im Kopf? Wer kann das noch nach­voll­ziehen…? Viel­leicht die CDC selbst? Deren Mit­teilung dazu stammt jeden­falls vom 19. Juli 2021, datiert also noch vor der Fak­ten­che­ckerei. Darin heißt es: die CDC ermutige Labore, in Anbe­tracht der bevor­ste­henden Grip­pe­saison (und spä­testens zum 31.12.2021) auf Test­ver­fahren umzu­stellen, die eine Dif­fe­ren­zierung von Covid- und Grip­pe­viren besser sicher­stellen können. Daraus folgt zwingend, dass es dies­be­züglich beim PCR-Test zumindest ernst­hafte Zweifel gab. Von einer Art „Markt­be­rei­nigung“ ist bei der CDC nichts zu lesen und in der dort ver­linkten Liste der von der FDA zuge­las­senen Test­ver­fahren findet sich auch – soweit ich das über­blicken kann – kein ein­ziger anderer PCR-Test. Also bauen ent­weder auch Hyundai und Renault keine Autos mehr, oder da ist mal wieder ein neuer Fak­ten­check-Check fällig.

Folge „der Wis­sen­schaft“, wenn es dir gerade passt

Ein wei­teres Indiz für den Rich­tungs­wechsel ist, dass sich mitt­ler­weile der Prag­ma­tismus (muss ein schwe­di­sches Wort sein) gegen die gesin­nungs­ethische Maxi­mal­for­derung „jede Infektion ist eine zu viel“ durch­zu­setzen beginnt. ‚Man könne doch nicht die ganze Wirt­schaft gegen den Baum fahren‘ galt noch vor kurzem als Argument herz­loser, neo­li­be­raler Oma­killer. Nun plötzlich und Omikron sei Dank machen sich Poli­tiker Gedanken über soziale und öko­no­mische Soll­bruch­stellen und Belas­tungs­grenzen. Alles Dinge, die sie bisher kaum inter­es­sierten. Vor­ge­prescht war der CEO von Delta Air­lines, der die CDC im Dezember bat, die Regeln zu ändern und die Iso­lation positiv getes­teter Mit­ar­beiter von zehn auf fünf Tage zu verkürzen.

Und siehe da, das Weih­nachts­wunder geschah tat­sächlich! Nun muss man wissen, dass zu dem Zeit­punkt nicht nur in den Staaten ganz all­gemein, sondern auch bei Delta Air­lines die Delta-Variante noch vor­herr­schend war. Die Politik folgte hier also nicht „der Wis­sen­schaft“, denn die hatte sich gar nicht bewegt. Die Politik ging voran. Einfach so, weil sie es immer tut! Delta als Carrier ist auch für Poli­tiker wichtig und geflogen werden muss ja! Zwi­schen Wahl­kreis und DC, der Gala in LA und dem Urlaub in Miami, zu Kli­ma­gipfeln – CO2 hin oder her! Da kann man schon mal das „Primat der Wis­sen­schaft“, hinter dem man Ent­schei­dungen sonst gern ver­steckt hat, ins Hand­gepäck tun. Das Virus wird sich schon noch an die kürzere Qua­ran­tä­ne­dauer gewöhnen, genau wie der Rot­milan an deutsche Windkraftanlagen.

Omikron, die „schmutzige Impfung“

Womit wir bei unserem Gesund­heits­mi­nister Lau­terbach, seinem Interview mit RND und seiner Lieb­lings­be­schäf­tigung wären: der Bewirt­schaftung dieser Pan­demie bis zum letzten Droplet. Seine Begründung für alles hat er lässig wie ein Zau­berer von „Delta“ auf „Omikron“ gewechselt. Auch für die ange­strebte Änderung des Infek­ti­ons­schutz­ge­setzes, die eben­falls eine Ver­kürzung der Iso­lation ent­halten soll.

Sonst lässt er gern vieles im Unge­fähren, deutet nur an, droht, kündigt an, wird selten konkret. Gute Nach­richten zer­reden, schlechte not­falls ver­muten und erwarten und immer warnen, warnen, warnen. Ich weiß aus der Geschichte nur von einem Poli­tiker, der ähnlich drohend nebulös Ängste schüren konnte, der niemals konkret Angst ein­jagte, sondern immer nur aus einem Prinzip heraus, das nur ihm zugänglich und ver­ständlich war. Ein Recht­haber, der an der Rea­lität ver­zweifelt, weil sie ihm selten Recht gibt, einer vom Schlag Robes­pierres. Wen will er diesmal treffen? Auch Lau­terbach hält starr und unbe­weglich an seinen Prin­zipen fest und ich will ihm sogar attes­tieren, dass auch er sich nicht im Amt berei­chert, dass er also im Wortsinn das ver­körpert, was jener in der fran­zö­si­schen Revo­lution war – der „Unbe­stech­liche“ zu sein.

Doch wo andere das Leben sehen, das endlich zu seinem Recht und zur Freiheit kommen will, sah jener den Verrat an seinen Prin­zipien. Wo andere ein Geschenk der Natur sehen und in Omikron ein gutes Maß breiter und nach­haltig erwor­bener Immu­nität (sogar gegen die Delta-Variante) erkennen, sieht dieser nur eine „schmutzige Impfung“. Wo andere auf­atmen, weil der Schier­lings­becher der Zustimmung zum Impf­zwang, mit dem auch einige seiner Poli­ti­ker­kol­legen so ihre Bauch­schmerzen haben, an ihnen vorüber gehen könne, sieht er eine ver­passte Gele­genheit. Zu spät zu kommen, sein Werk nicht voll­enden zu können, die Angst, ver­lacht zu werden…wir wissen, dass Robes­pierre so tickte. Unser Gesund­heits­mi­nister scheint aus der­selben Uhr­mach­er­werk­statt ent­sprungen zu sein:

„Die Impf­pflicht muss schnell kommen. Wir können nicht darauf warten, dass eine Impf­pflicht über­flüssig wird, weil wir eine sehr hohe Durch­seu­chung der Bevöl­kerung haben. Omikron als schmutzige Impfung ist keine Alter­native zur Impf­pflicht. Das wäre sehr gefährlich.“

Nein, ist es wohl nicht mal für Unge­impfte. Und die stellen in Süd­afrika mit über 60% die Mehrheit. Diese „schmutzige Impfung“ wird wohl vielmehr zu uns allen kommen. Für wirk­lichen Zwang braucht es also keine Minister, das besorgt die Natur schon selbst. Viel­leicht weiß er das sogar, unser Robes­pierre der Volks­ge­sundheit, denn Ihnen ist doch sicher auch die Tür auf­ge­fallen, liebe Leser, die dieser Prin­zi­pi­en­reiter in seiner Mauer gelassen hat. Ein Impf­re­gister will er nicht haben – was auch rea­lis­tisch ist ange­sichts der Tat­sache, dass schon die bis­he­rigen Impf­daten nicht ein­heitlich und kon­se­quent erfasst wurden. Deshalb haben wir ja das Chaos mit dem Impf­status der Inten­siv­pa­ti­enten, den jeder Vier­tel­fürst in diesem Land nach Belieben aus­zu­nutzen ver­steht. Diese Infor­ma­ti­ons­lücke lässt sich kaum schließen. Sie sehen, liebe Leser, eine unfähige Regierung ist manchmal ein Segen für die Bürger.

Bei der Durch­setzung des Zwangs setzt Lau­terbach voll auf die im Gleich­schritt mit der Politik gehende Pri­vat­wirt­schaft. Die soll sank­tio­nieren, dis­kri­mi­nieren und melden. Wenn das mal so gut funk­tio­niert, wie der Minister denkt – falls er so denkt! Haupt­sache, er kann noch eine Weile an der Pan­demie und damit an der Aus­he­belung von Ver­fas­sungs­rechten fest­halten. Denn unser Minister berichtete ja im Interview, dass er gerade groß ein­kaufen war und nun pro Woche zehn Mil­lionen Dosen Moderna zur Ver­fügung hat. Nur an Biontec mangele es noch ein wenig. Wenn nur die Stiko die Emp­fehlung über­ar­beiten könnte, das Mittel nicht an unter 30-jährige zu geben…vielleicht könnte ja der CEO von Delta? Oder der Luft­hansa? Das Zeug war so teuer…

Knurrt da etwa auch ein Ele­fan­ten­magen? Hier mein Bester, lass dir die Banane schmecken!


Quelle: unbesorgt.de