Geschichts­un­ter­richt aus Jahren unter dem Islamismus

Im Iran wird meine Gene­ration, die erste, die nach der Macht­er­greifung des Isla­mismus kam, als Ver­brannte Gene­ration (per­sisch: Nasl‑e Sukhteh) bezeichnet. Unsere Gene­ration hat diesen Namen ver­dient, weil sie die Bru­ta­lität des isla­mis­ti­schen und theo­kra­ti­schen Regimes von der Geburt bis zum Erwach­se­nen­alter ertragen musste. Diese Bru­ta­lität beinhaltete die gna­den­losen Bemü­hungen des Regimes, seine Macht zu eta­blieren, wie Mas­sen­hin­rich­tungen, seine bar­ba­ri­schen und restrik­tiven Regeln durch­zu­setzen, Kinder einer Gehirn­wäsche zu unter­ziehen und die jüngere Gene­ration mit ihrer extre­mis­ti­schen Ideo­logie durch ver­schiedene Methoden zu indok­tri­nieren, dar­unter Grund­schulen, Uni­ver­si­täten, staatlich kon­trol­lierte Medien, Imame und lokale Moscheen, und die För­derung von Gesängen wie “Tod für Amerika” und “Tod für Israel”.
(Von Dr. Majid Rafizadeh)
Frauen und Männer wurden seg­re­giert. Teenager wurden daran gehindert, all­täg­liche Akti­vi­täten aus­zu­führen, die vom grössten Teil der Welt als harmlos ange­sehen werden. Jede Art von ange­nehmen sozialen Akti­vi­täten wurde aus­ge­schlossen, ein­schließlich Musik hören, Tanzen, Trinken, Dating, Frauen, die an einer Schach­meis­ter­schaft teil­nehmen, ausser sie tragen einen Hijab, oder die ein Fuß­ball­spiel oder ein anderes Sport­er­eignis besuchen, wenn Männer darin spielen. Wenn es dich zum Lächeln brachte, wenn es dir Hoffnung gab, dann war es wahr­scheinlich gegen das Gesetz, wie z.B. was man tragen konnte, mit wem man reden durfte, was man hören konnte, und ob man während des Ramadan betet oder fastet. Selbst die per­sön­lichsten und pri­va­testen Ange­le­gen­heiten wurden zur Ange­le­genheit der Kräfte des Regimes.
Der Haupt­zweck dieser Ein­schrän­kungen und der inten­siven Kon­trolle der Men­schen, ins­be­sondere der Jugend­lichen, bestand darin, dass das Regime seine isla­mis­tische Agenda im In- und Ausland aus­weiten konnte. Diese Gesetze wurden mit grau­samen und gewalt­tä­tigen Strafen wie öffent­lichen Aus­peit­schungen und der Androhung noch schlim­merer Kon­se­quenzen wie Stei­nigung, öffent­liches Erhängen und Ampu­ta­tionen durch­ge­setzt. Meine Gene­ration wuchs in einer Atmo­sphäre des Terrors auf. Während der Rest der Welt immer moderner und ent­wi­ckelter wurde, mussten wir uns mit den isla­mis­ti­schen Gesetzen und Ein­schrän­kungen her­um­schlagen, die unmöglich zu befolgen waren.
Meine Gene­ration im Iran sollte als eine Lektion für den Westen gesehen werden. Fast jeder Staat (und nicht­staat­liche Akteure) unter­schätzte die Macht, die diese Isla­misten ausüben konnten. Warn­zeichen wurden über­sehen. Niemand glaubte, dass solch eine massive Ver­än­derung ein­treten würde und durch­ge­setzt werden könnte. Viele unter­schätzten die Ver­brechen, die diese Isla­misten zu begehen bereit waren, um ihre Macht auf­recht­zu­er­halten, sobald sie die Kon­trolle über­nahmen. Bis heute beweisen sie immer noch, dass es keine Grenzen für die Grau­samkeit und den Mangel an Mensch­lichkeit gibt, an denen sie sich betei­ligen, wie die Durch­führung von Mas­sen­hin­rich­tungen, die Hin­richtung von Kindern und Schwan­geren, Stei­nigung, Ampu­ta­tionen, öffent­liches Erhängen, Aus­peit­schen, Folter und Ver­ge­wal­tigung, bloß um ihre Macht aufrechtzuerhalten.
Viele unter­schätzten die Stra­tegie der sanften Rede, mit der diese Isla­misten jahr­zehn­telang die Macht an sich gerissen haben. Die radikale Gruppe von Aya­tollah Kho­meini täuschte viele Iraner und die inter­na­tionale Gemein­schaft in dem Glauben, dass sie fried­liche und gött­liche Men­schen seien. Sobald sie die Macht hatten, wurde die Wahrheit ent­hüllt; dann war es aber zu spät, den Miss­brauch, der sich ent­faltete, zu verhindern.
Die Gene­ration meines Vaters lebte im Iran in einem Umfeld, in dem sich die isla­mis­tische Partei des Klerus des Landes listig als nicht schädlich, volks­freundlich und nicht an der Macht inter­es­siert dar­stellte. So dachten viele Iraner vor der Revo­lution nicht, dass Kho­meinis Partei die Gräu­el­taten begehen würde, die sie jetzt begehen, oder dass sie einen so uner­bitt­lichen Macht­hunger haben würden.
Statt­dessen dachte das Land, es befinde sich auf einem direkten Weg Richtung Demo­kratie, ohne eine Rückkehr in eine bar­ba­rische Ära zu erwarten. Sogar der damalige US-Prä­sident Jimmy Carter betrachtete Kho­meini als einen guten, reli­giösen, hei­ligen Mann. Laut kürzlich frei­ge­ge­bener Doku­mente ebnete die Carter-Admi­nis­tration sogar den Weg für Kho­meini, in den Iran zurück­zu­kehren. Viele inter­na­tional bekannte Gelehrte wie Michelle Fou­cault hielten hohe Stücke auf die isla­mische Revo­lution. Fou­caults Enthu­si­asmus zeigt sich in seinen Artikeln in euro­päi­schen Zei­tungen, die unmit­telbar vor und nach der Revo­lution geschrieben wurden.
Sie stellten sich selbst als Führer des Volkes dar, als spi­ri­tuell und friedlich. Doch als die Isla­misten an die Spitze stiegen, brach die Hölle los. Sobald sie ihren Wür­ge­griff über das Land hatten, schal­teten sie einen anderen Gang ein, um eines der rück­sichts­lo­sesten Regime der Geschichte zu werden. Sobald sie an der Macht waren, wurde ihr wahres Gesicht ent­hüllt; an diesem Punkt gab es keine Mög­lichkeit mehr, umzukehren.
Tau­sende und Aber­tau­sende von Men­schen wurden hin­ge­richtet, nur weil sie ihre Meinung geäußert hatten. Viele starben für Ver­brechen, die sie wahr­scheinlich nicht begangen haben. Das isla­mische Gesetz (Scharia) der regie­renden schii­ti­schen Partei wurde allen auf­erlegt. Die Frauen wurden gezwungen, einen Hid­schab zu tragen und wurden ihrer Rechte beraubt. Sie konnten das Land nicht mehr ohne die Erlaubnis ihrer Ehe­männer ver­lassen. Eine Frau konnte in keinem Beruf arbeiten, wenn ihr Mann nicht damit ein­ver­standen war. Die Zeu­gen­aussage der Frauen vor Gericht ist unter der Scharia nur halb so viel wert wie die Aussage eines Mannes. Frauen ist es untersagt, bestimmte Bil­dungs­be­reiche oder Berufe aus­zuüben, wie z.B. Rich­terin zu sein. Frauen ist es untersagt, Sport­stadien zu betreten oder Män­ner­sport­arten zuzu­schauen. Frauen haben nur Anspruch auf halb so viel Erb­schaft wie ihre Brüder oder andere männ­liche Verwandte.
Viele waren scho­ckiert, dass diese poli­tische Partei, die von der Religion des Friedens redete, solche Dinge tat. Die Iraner unter­warfen sich jedoch nicht einfach diesen neuen Gesetzen, sondern erhoben sich unter Protest. Diesem Auf­stand wurde mit Folter, Ver­ge­wal­tigung und Tod begegnet. Da das Regime bestrebt war, jeden zu ver­nichten, der es wagte, Wider­stand zu leisten, blieb dem Volk nichts anderes übrig, als sich zu ergeben. Die täg­lichen Akti­vi­täten von jedermann wurden nun von den Isla­misten genau beob­achtet und unter die Lupe genommen.
In einem Zeitraum von vier Monaten wurden etwa 30.000 poli­tische Gefangene gehängt, nur weil ver­mutet wurde, dass ihre Loya­lität bei anti-theo­kra­ti­schen Wider­stands­gruppen, vor allem der PMOI, war — Vor­fälle, die von den Medien weit­gehend igno­riert wurden.
Dies sind nur einige wenige Bei­spiele für die Gräu­el­taten der Isla­misten, die ein einst blü­hendes und sich moder­ni­sie­rendes Land unter ihre Kon­trolle gebracht haben. Infor­ma­tionen über ihre Ver­brechen gegen die Mensch­lichkeit würden mehrere Bücher füllen. So schlimm das alles auch sein mag, man muss ver­stehen, dass die Rea­lität noch viel, viel schlimmer ist. Die Isla­mis­tische Republik Iran wurde nach Angaben von Human Rights Watch weltweit führend bei der Hin­richtung von Kindern. Das gesetz­liche Hei­rats­alter für Mädchen wurde auf 9 Jahre her­ab­ge­setzt. Frauen brauchten die Zustimmung ihrer Eltern, um zu hei­raten, und Mädchen konnten sich nicht gegen die Ent­scheidung ihrer Erzie­hungs­be­rech­tigten wehren, sie zu verheiraten.
Es mag schwer sein, zu glauben, dass eine solche mör­de­rische Kraft so leicht und schnell an die Macht kommen konnte. Es ist wichtig zu ver­stehen, dass die Isla­misten und ihre Anhänger jahr­zehn­telang ver­deckt in einer Gesell­schaft arbeiten, um die Men­schen zu täu­schen und an die Spitze zu gelangen. Der Regime­wechsel im Iran war eine akri­bisch geplante Über­nahme, die niemand kommen sah. Die Bereit­schaft der Isla­misten, geduldig zu sein, um ihre Kon­trolle über die Gesell­schaft zu kom­plet­tieren, ist nicht zu unterschätzen.
Trotzdem wir das alles offen lesen können, werden viele immer noch denken, dass es unmöglich ist, dass so etwas in ihrem Land pas­siert. Was sie nicht ver­stehen, ist, dass der Iran ein Bei­spiel dafür ist, wie erfolg­reich diese akri­bische Macht­er­greifung sein kann.
Ange­sichts dieser klugen und berech­nenden Stra­tegien ver­folgen Isla­misten in anderen Ländern ein­schließlich des Westens die­selben Tech­niken auf dem Weg zur Macht­er­greifung. Es ist ein ruhiger, sub­tiler Prozess, bis zu dem Moment, an dem man auf­wacht ohne Rechte, in einer Kultur der Angst und ohne Garantie, dass man in Freiheit leben oder sogar den nächsten Tag erleben wird.
Nun sind die Isla­misten, von denen fast alle schon im Schein­wer­fer­licht gestanden haben, nicht nur seit fast vier Jahr­zehnten an der Macht, sie haben ihre expan­sio­nis­tische Ideo­logie auf andere Nationen aus­ge­dehnt und den ersten Preis als weltweit füh­render staat­licher Sponsor von Ter­ro­rismus und unter seinen füh­renden Henkern zu sein gewonnen.
Dies ist eine Geschichts­stunde, die zu igno­rieren sich west­liche und nicht-isla­mis­tische Länder nicht leisten können. Es geht nicht nur um Geschichte, es geht auch darum, was in jedem Moment, in jedem Land, pas­sieren kann. Es geht darum, was gerade jetzt pas­siert, unter unseren Augen — in Ost­asien, Kanada, Süd­amerika und Europa. Die einzige Ver­tei­digung besteht darin, sie zu erkennen und sie bei ihren Wurzeln zu packen, bevor sie die Gele­genheit haben, Eure Poli­tiker zu umwerben. Sobald sie sich mehr um ihre Popu­la­rität bei den Wählern sorgen als um die Zukunft des Landes, in dem sie gewählt werden, habt Ihr fertig. Sobald sie die Kon­trolle über die Wahl­urnen haben, wird es mehr und mehr Kon­trolle über jeden Aspekt Eures Lebens geben, jede Zukunft zer­stören, die Ihr geplant hattet, und das Land, das Ihr einst geliebt hattet, in Trümmern zurücklassen.
 


Quelle: Gatestone Institute
Dr. Majid Rafizadeh ist Business-Stratege und Berater, Harvard-gebil­deter Gelehrter, Poli­tologe, Vor­stands­mit­glied der Harvard Inter­na­tional Review und Prä­sident des Inter­na­tional Ame­rican Council on the Middle East. Er ist
Autor meh­rerer Bücher über den Islam und die US-Außen­po­litik. Er ist erreichbar unter Dr.Rafizadeh@Post.Harvard.Edu