Poser sind oft überschuldet

Som­merzeit ist Pos­erzeit — Die (Konsum)gesellschaft junger, hoch­ver­schul­deter Schaumschläger

Kaum beglücken die ersten warmen Son­nen­strahlen unser schönes Land wird wieder geposed, dass es nur so kracht. Immer mehr Bürger des Landes ver­suchen offen­sichtlich aufs Neue so fruchtig wie möglich zu erscheinen und ihrer Umwelt zu sug­ge­rieren, dass sie etwas ganz Tolles, Erfolg­reiches und Reiches, auf jeden Fall aber etwas Bes­seres als all die anderen sind.
Da brausen junge Leute mit sündhaft teuren hoch­ge­züch­teten Sport­wagen durch die Innen­städte in der Hoffnung, das männ­liche und ins­be­sondere das weib­liche Publikum zu beein­drucken. Als rational den­kender Mensch fragt man sich, wie all die jungen Leute sich diese sündhaft teuren Kisten mit einem Neu­preis von 85.000 Euro und weit mehr über­haupt leisten können. So viele erfolg­reiche Jung­un­ter­nehmer gibt es dann doch wieder nicht in unserem Lande und das Silicon Valley ist ja bekanntlich nicht um die Ecke. Hilf­reich bei der Klärung wem der tolle Wagen denn tat­sächlich gehört ist dabei ein Blick auf den Fahr­zeug­brief und nicht auf den Fahr­zeug­schein. Spä­testens bei der Frage nach dem besagten Brief, wird es sich bei den meisten Posern ganz schnell aus­ge­posed haben, und aus dem großen „Maxe“ wird ganz schlag­artig ein kleines Würstchen. Denn eben dieser Brief verrät, wem der schicke Wagen tat­sächlich gehört. Leider liegt dieser Fahr­zeug­brief zumeist nicht bei dem stolzen Lenker des Boliden sondern bei dem Eigen­tümer – zumeist einer haus­ei­genen Bank eines Auto­mo­bil­kon­zerns. 2017 waren gerade einmal 35,6 Prozent aller Neu­zu­las­sungen in Deutschland Pri­vat­käufer gewesen.
Leasing heißt das Zau­berwort für all die, die mehr sein wollen als sie tat­sächlich sind. Während man über die Sinn­haf­tigkeit von Leasing bei Selbst­stän­digen noch dis­ku­tieren kann ist das Leasing durch Pri­vat­per­sonen durchaus sinnfrei. Heute kann sich beinahe jeder die dicksten Kisten selbst ohne Anzahlung leasen. Folglich ist mitt­ler­weile ein teures Auto alles, aber kein Sta­tus­symbol mehr. Doch es werden nicht nur Autos geleast, sondern auch edle Hand­ta­schen, Luxus­uhren gemietet und sogar Lieb­haber des Möbel­de­signs müssen sich ihre Lieb­lings­stücke nicht mehr kaufen sondern können sie bequem leasen.
Nicht nur bei dem Auto, der Schweizer Arm­banduhr und unter Frauen mit der Hand­tasche, sug­ge­riert man heut­zutage dem Gegenüber gerne mehr als man sich eigentlich leisten kann. Zu Beginn wirkt der immer mehr in Mode gekommene Ver­gleich „mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Pferd….“ für manch einen Nachbar noch imposant und eben dieser kommt ins Grübeln, wie „der“ sich das denn so alles leisten kann, da man doch weiß, was er so ungefähr ver­dient. Nun gut, ganz Wenige hatten das Glück im Lotto gewonnen zu haben, bei ein paar mehr ist die Gnade der Geburt – also Papa und Mama mit prall gefülltem Geld­beutel oder ein schickes Erbe — aus­schlag­gebend für den opu­lenten Lebensstil. Bei vielen anderen ist es jemand ganz anderes, der einen Life­style ermög­licht, den er bezie­hungs­weise sie sich eigentlich über­haupt nicht leisten kann — die Bank. Geld kostet dank der Nied­rig­zins­po­litik der EZB fast nichts. Folglich bringen Banken eben dieses auch mit tat­kräf­tiger Unter­stützung von Unter­nehmen gerne unter die Leute. Selbst Kleinst­be­träge können heute finan­ziert werden. Dieses Angebot wird von einem Großteil der Kon­sum­ge­sell­schaft gerne in Kauf genommen und es ist davon aus­zu­gehen, dass bei­spiels­weise auch sehr viele Handys beim Kauf finan­ziert werden. Heute kaufen und irgendwann bezahlen lautet die Devise mehr denn je. Haupt­sache es wird konsumiert.
Das läuft alles noch so eini­ger­maßen, so lange man sich nicht kom­plett über­schätzt. Wir sollten jedoch zu Kenntnis nehmen, dass Deutschland sich in einer Boom­phase befindet und bekann­ter­maßen hat ein jeder Boom auch ein Ende. Und genau dann wird es spannend und dann kommt an das Licht, wer sich seinen ganzen Bohei tat­sächlich leisten kann und wer nur ein arm­se­liger Blender ist. Darum liebe Leute sollten wir uns fol­gendes Zitat des öster­rei­chi­schen Schau­spielers Walter Slezak zu Herzen nehmen: “Viele Men­schen benutzen das Geld, das sie nicht haben, für den Einkauf von Dingen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu impo­nieren, die sie nicht mögen.”
Also, wenn beim nächsten Mal wieder jemand in Ihrem per­sön­lichen Umfeld „einen auf Dicke Hose macht“ und mit seinem „Reichtum“ protzt, dann lassen Sie sich nicht beein­drucken, sondern Fragen Sie ihn bezie­hungs­weise sie zuerst einmal nach seiner Schufa-Aus­kunft, denn dort steht oftmals so manch eine Über­ra­schung drin, die aus manch einem großen Poser einen kleinen hoch­ver­schul­deten Schaum­schläger macht.
 


Die beiden Öko­nomen, Quer­denker, Redner und Hono­rar­be­rater Mat­thias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam den Best­seller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Flei­ßigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolg­reichste Wirt­schaftsbuch 2013. Im Jahr 2014 gelang ihnen mit „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Ver­mögen retten“ ein wei­terer Best­seller. Das Buch wurde im Jah­res­ranking eben­falls zum erfolg­reichsten seiner Gattung. 2016 ist ihr dritter Best­seller „Kapi­tal­fehler — Wie unser Wohl­stand ver­nichtet wird und warum wir ein neues Wirt­schafts­denken brauchen“ erschienen. Im April 2017 ist ihr viertes Buch „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirt­schaft und Politik radikal neu denken müssen“ das sie gemeinsam mit Götz Werner (Gründer des Unter­nehmens dm-dro­gerie markt) geschrieben haben, erschienen. Das Buch schaffte es auf Anhieb auf die auf Platz 1 der manager magazin und Han­dels­blatt­best­sel­ler­liste. Mat­thias Weik und Marc Friedrich sind Initia­toren von Deutsch­lands erstem offenem Sach­wert­fonds dem FRIEDRICH&WEIK WER­TE­FONDS. Weitere Infor­ma­tionen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/ und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.