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Lammert jammert: Mit Schwarz und Grün wären die Roten braun geworden und die Blauen weg

12. September 2018

Herr Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert schwebt über den Dingen. Sehr, sehr weit über den Dingen. Wann er zuletzt mit den Füßen auf dem Boden war? Niemand weiß es.

Die AfD gibt es eigentlich ja nur deshalb, findet Herr Lammert, weil die CDU/CSU und die Grünen 2013 keine gemeinsame Regierung gebildet haben. Wären nämlich die Schwarzen und die Grünen miteinander ins Bett gegangen, dann wären sie beide dunkelrot geworden, weil sie in der Flüchtlingsfrage ja beide ganz weit draußen links stehen. Merkel reißt die Grenzen auf, die Grünen bejubeln das und die SPD … ja, die SPD, die hätte, so mein Lammert, dann ja gar nicht anders gekonnt, als migrationskritisch zu sein und Grenzschließungen gefordert. Dann hätte es die AfD nämlich nicht gebraucht. Dann wären nämlich die Sozialdemokraten die neuen Nazis gewesen und die Antifa müsste die Sozen verprügeln. Das, findet Herr Lammert, wäre doch mal eine „vitale parlamentarische Auseinandersetzung gewesen“.

Tolle Idee, wirklich, originell. Vor allem wären dann nicht, wie jetzt im Raum steht, Leute in der SPD auf die Idee gekommen, sich mit der Antifa zusammenzutun und gemeinsam die AfD zu verprügeln. Obwohl das sicherlich auch recht „vital“ werden kann.

Wie man auf so einen haarsträubenden Unsinn kommt?
Herr Lammert hat Statistiken gelesen. Und da stand, dass die SPD viele Mitglieder und Wähler an die AfD verloren hat. Herr Lammert war wahrscheinlich ganz verblüfft von diesem Statistikergebnis und hält das jetzt für Herrschaftswissen von Insidern. Er denkt, wenn viele Wähler von der SPD zur AfD rübergehen, dann hätten die Sozen doch nur ratzfatz ihre politische Haltung ändern müssen und nur schneller da sein müssen, wo die AfD heute ist. So á la Hase und Igel: „Ick bün all hier!“, während die Schwarzen und die Grünen miteinander wetteifern, wer roter ist und noch mehr Migranten hereinholen kann.
Also, rein statistisch gesehen.

Die SPD würde dann die ganzen Demos in Kandel, Chemnitz und Köthen machen, die sozialistische Jugend auf der Straße skandieren „Merkel muss weg“, „Ausländer raus!“ und die Plakate mit den ermordeten Opfern der Migration hochhalten, damit die „Rechten“ nicht zur AfD abwandern, sondern sich bei der SPD zuhause fühlen.

Merkels Migrationspolitik spaltet Deutschland ja auch nur rein statistisch. Also, irgendwie nicht wirklich. Denn eigentlich müssen wir Mutti Merkel ja dankbar sein: Ohne die ganzen schmerzhaften, „lästigen Nebenwirkungen“, wie das Entstehen der AfD, die Radikalisierung der politischen Lager, die ausufernde Gewalt zwischen links und rechts, die Todesopfer durch kriminelle Migranten, wäre uns allen ja gar nicht so bewusst geworden, dass wir es hier mit „Megathemen“ der Zeit zu tun haben. Endlich bekommen wir ein Problembewusstsein dafür. Wurde aber auch Zeit. Herr Lammert gewinnt dem allen einen positiven Aspekt ab: Es sei eine Errungenschaft, mit der schwierigen und komplizierten Realität konfrontiert zu werden.

Genau. Der Mann hat recht. Da faseln alle vom Atomausstieg, aber wir müssen ein deutsches Fukushima veranstalten, damit wir wirklich wissen, von welcher Realität wir hier reden. Wir waren viel zu gemütlich drauf, meint Herr Lammert kritisch und haben die Migrationsfrage schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Warum auch? Nachbar Murat Culoglu war ein netter, unkomplizierter Kerl – und überhaupt: Niemand hatte ernsthaft etwas gegen Zuwanderer.

Das konnte und durfte ja nicht so bleiben, dass niemand merkt, wie schwierig und kompliziert das ist. Da muss schon „Mutti Merkel“ kommen und aus unserem friedlichen, sicheren Land einen Hexenkessel machen, damit auch der letzte Heiopei merkt, dass Schluss ist mit Gemütlichkeit. Dabei meint es „Mutti Merkel“ nur gut mit uns, und Papa Norbbi erklärt es, damit wir das auch verstehen.

Also, rekaptulieren wir mal: CDU plus Grüne wären linksaußen an der Partei „die Linken“ vorbeigezogen, um die Migration so richtig ans Laufen zu bringen, damit wir endlich merken, wie schlimm das alles ist und die Integration daraufhin gelingt. Nebenwirkungen gibt’s immer. Haken dran, Integration gelöst.

Die SPD müsste dafür als Anlaufstelle für die „Nazis“ die Positionen der AfD übernehmen, Sarrazin zum Parteivorsitzenden machen, Heinz Buschkowsky zum Generalskretär und Gauland zum Parteisprecher, um die ganzen „Rechten“ und „Nazis“ einzusammeln, weil dann – statistisch gesehen – keine freilaufenden „Rechten“ mehr übrigbleiben für eine AfD. Haken dran, AfD-Problem gelöst.

Straßenschlachten machen dann die Antifanten mit der SPD aus. Und wenn dann allen klar ist, dass die Migration, Altersarmut, Kriminalität, Überschuldung, Kriegsgefahr und die anderen Megathemen nun mal schwierig und kompliziert sind, können wir alle zusammen stolz auf diese Errungenschaften sein. Haken dran, die Auseinandersetzungen sind endlich wieder „vital“ und das nicht nur parlamentarisch.

Ein Leser kommentierte hierzu:

„Es ist gut, dass wir diesen Wirrkopf nicht mehr im Tagesgeschäft sehen müssen, sondern nur noch eine Stimme aus dem Untergrund ‚Konrad-Adenauer-Stiftung‘ vernehmen müssen.“

Ein anderer:
„Entschuldigung, aber was hat der denn geraucht?“