Wirtschaft

Eine Zukunft mit Zinsen tief im Minus

4. März 2019

Letzte Woche habe ich nochmals auf die nächste Phase geblickt: Helikopter begründet mit MMT und anderen denkbaren Begründungen. Dabei mehren sich auch andere Stimmen, die erklären, weshalb die Zinsen tief bleiben (müssen).

  • „Ökonomen vermuten, dass das Zinsniveau mit demografischen Trends zusammenhängt.“
    Stelter: Das habe ich auch hier diskutiert: → „Die Sandwich-Generation“
  • „Ökonomen der Bank of Japan erklären in einer Studie: ›Früher oder später wird ein durch die Demografie ausgelöster Rückgang der Realzinsen andere entwickelte Länder betreffen. Real bedeutet, dass die Inflation abgezogen wird.“
    Stelter: Leider haben sie die Studie nicht verlinkt. Aber so ist es wohl, weshalb es den Notenbanken nicht gelingen wird, die zu ändern. Anderer Meinung ist bekanntlich die Deutsche Bank in einer sehr guten Studie: → Was steht hinter Inflation?


Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

  • „Mit zunehmender Lebenserwartung könnte die Sparquote steigen, da auf eine längere Pensionszeit angespart werden muss. Durch den Effekt auf die wirtschaftliche Dynamik könnte eine alternde Bevölkerung auch die Investitionen – die Nachfrage nach Kapital – beeinflussen.“
    Stelter: Nach dieser Badewannentheorie haben wir viel Geldangebot und wenig Nachfrage. Die Deutsche Bank sieht hingegen höhere Inflation aufgrund der Personalknappheit und dann dürfte der Nominalzins zumindest steigen.
  • „Als demografische Variablen wurden herangezogen: die Lebenserwartung, das Wachstum der Erwerbsbevölkerung und das Abhängigkeitsverhältnis – wie hoch also das Verhältnis von Jungen und Senioren zur Erwerbsbevölkerung ist. Die Demografie wirkt signifikant: Jedes zusätzliche Jahr an Lebenserwartung reduziert den Realzins um 1,036 Prozentpunkte. Auch das Wachstum der Erwerbsbevölkerung hat einen negativen Einfluss auf die Realzinsen – wobei Ersparnisse wie auch Investitionen dadurch erhöht werden.“
    Stelter: Was sich mit den anderen Studien deckt.
  • „So kann man schätzen, wie stark die lockere Geldpolitik das Zinsniveau vom Gleichgewichtszins entfernt hat, und auch, wie sich die Zinsen künftig entwickeln könnten. Momentan sind die Realzinsen wegen der expansiven Geldpolitik in Eurostaaten wie Österreich und Deutschland zwei Prozentpunkte zu niedrig. In den USA ist der Effekt geringer.“
    Stelter: Dann würden sie ja nur das Kommende vorwegnehmen, nämlich weiter sinkende Zinsen.
  • „Für die Zukunft wurde die Projektion der demografischen Veränderung auf die Zinsentwicklung übertragen. Dabei würde für Deutschland das Zinsniveau erst steigen, sofern die Europäische Zentralbank ihre expansive Politik zurückfährt. Doch danach würde der Realzins wieder sinken.“
    Stelter: Zurückfährt? Ich denke, davon müssen wir nicht träumen.

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT, IW

  • „Während in Deutschland der Zins auf null sinkt, ist er in anderen Ländern deutlich tiefer. In Dänemark und Luxemburg wäre gemäss Modell gar ein extremes Tief von etwa –4% im Jahr 2050 erreicht. In Grossbritannien würde der Zins auf –3,5% fallen, in den USA auf –1,9%. Dagegen könnte sich der Realzins in Japan erholen. In zwanzig Jahren läge das Zinsniveau bei 1,2%. Der Grund dafür: Die weitere Abnahme der Erwerbsbevölkerung würde zu einem Abbau von Ersparnissen führen.“
    Stelter: Unstrittig ist, dass a) die Notenbanken manipulieren, b) die Demografie eine Rolle spielt. Und ich würde ergänzen, dass c) die hohe Verschuldung ein weiterer wesentlicher Treiber ist.

→ fuw.ch: „Eine Zukunft mit Zinsen tief im Minus“, 7. Februar 2019

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Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com


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